Ein Dankeschön ans Internet
Warum die ständige Verfügbarkeit des Netzes nicht lästig, sondern sogar ziemlich gut ist.
Frank freute sich. Er saß in Boxershorts auf seinem zerwühlten Bett und lachte. "Seit Tagen niemanden gesehen“, sagte er, "keine Leute, die mir ihren Quatsch erzählen wollen, keine Anrufe. Ich weiß nicht mal, wie es meinen Freunden geht. Super.“ Ich reichte Frank ein T-Shirt. "Ich bin jetzt seit über 14 Tagen hier“, fuhr er fort. "Ich, ganz alleine. Niemand sonst. Du glaubst gar nicht ...“ Dann wachte ich auf. Frank war ein Traum – und kein besonders guter, wie ich finde. Doch damit stehe ich derzeit offenbar eher alleine da: Die Vorstellung von jemandem, der isoliert in einem Kämmerlein sitzt, keinen Kontakt zu seinen Freunden oder zu Nachrichten von außen hat, wird immer häufiger als ungreifbarer aber wunderbarer Idealzustand stilisiert. In meinem Freundeskreis, auf Partys, in den Medien. Und zwar immer dann, wenn es um das Internet geht. Das ist dann entweder zeitfressend, nervig oder verwirrend. All das würde ich vielleicht sogar noch verstehen, was ich jedoch nicht verstehe, ist, warum sich so viele Leute davon wegwünschen: Warum sie es für ungut halten, wenn man nach dem Kino das Handy einschaltet und Mails checkt oder was daran falsch sein soll, vor dem ersten Kaffee in der Früh die Statusmeldungen von Freunden zu lesen. Beides ist für mich zu einer Selbstverständlichkeit geworden und ich finde daran nichts bedrohlich, gefährlich oder gar verwirrend. Und keine Sorge, das ist nicht einfach so daher gesagt. Spätestens seit Frank Schirrmacher sein Internet-Untergangs-Buch "Payback“ veröffentlicht hat, denke ich intensiv darüber nach, warum ich für seine Szenarien soviel Interesse aufbringe wie für das Schicksal eines Millionärs, der erzählt, dass er gar nicht weiß, wohin mit seinem Geld. Ganz klar: Das ist nicht mein Problem!
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07.05.2010 - 18:40 Uhr
ThomasCrown
Mit dem Internet ist es eben wie mit vielen Sachen (z. B. Fernsehn, siehe ThomasCrown), man kann sie sinnvoll nutzen oder auch sinnlos. Wobei das sinnlose nutzen ja auch Spaß machen kann ;-)
Ich jedenfalls sehe Payback nicht als Internet-Untergangs-Buch. Dass die Flut an Informationen viel und evtl. zu viel wird und wir mehr und mehr "Schirrmachermaschinen" brauchen, die uns wichtige und unwichtige Meldungen heraussuchen, ist nicht zu leugnen. Ohne solche Hilfsmittel geht vor lauter Hintergrundrauschen das wichtige schnell verloren.
dass es dafür noch keine medaille gibt...
aber dieser bereicht erscheint mir eher als ein bericht eines heroinsüchtigen auf der suche nach dem nächsten schuss.
ich kann nur sagen, dass das internet zwar vieles erleichtert, aber das rationale leben nur verschlechtert.
und ob das internet ein fortschritt ist oder nicht ist immer noch dahin gestellt.
sonst wäre ich wohl hier auch nicht angemeldet.
Douglas Adams
Alles, was es schon gibt, wenn du auf die Welt kommst, ist normal und üblich und gehört zum selbstverständlichen Funktionieren der Welt dazu.
Alles, was zwischen deinem 15. und 35. Lebensjahr erfunden wird, ist neu, aufregend und revolutionär und kann dir vielleicht zu einer beruflichen Laufbahn verhelfen.
Alles, was nach deinem 35. Lebensjahr erfunden wird, richtet sich gegen die natürliche Ordnung der Dinge.
[\zitat]
Dass der Kosmos geistig so alt ist?
08.05.2010 - 13:19 Uhr
werauchimmer
Ich sehe da schon eine Weiterentwicklung - man kann ja durch Fan-Einträge auch was neues kennenlernen.
08.05.2010 - 13:29 Uhr
jurette_
08.05.2010 - 13:43 Uhr
fremdlust
zwischen_himmel_und_herz sagte:
ich will hier das internet nicht schlecht machen, ich bin auch abhängig davon.
aber dieser bereicht erscheint mir eher als ein bericht eines heroinsüchtigen auf der suche nach dem nächsten schuss.
ich kann nur sagen, dass das internet zwar vieles erleichtert, aber das rationale leben nur verschlechtert.
und ob das internet ein fortschritt ist oder nicht ist immer noch dahin gestellt.
sonst wäre ich wohl hier auch nicht angemeldet.
so ein blödsinn.
Ich fühle mich nicht bestimmt, nur weil ich die Weiterverfolgung einer Information abhängig davon mache, was ich mit der informationsgebenden verbinde. Ich habe ZUgriff auf so viel Informationen im Internet, dass ich ja irgendwie selektieren muss. Und auch außerhalb des Internets treffe ich die Entscheidung, ob ich mir eine Sache, die jemanden interessiert, anschaue ja nicht unabhängig von der interessierten Person.
Ich bin FB Mitglied, bin, was meine Freunde betrifft, aber sehr selektiv und habe auch viele unterschiedliche Freundeskreise bei FB - es kennen sich untereinander nicht sehr viele. Vielleicht habe ich deshalb einen anderen Eindruck als Du.
thp_ sagte:
Dass die Flut an Informationen viel und evtl. zu viel wird und wir mehr und mehr "Schirrmachermaschinen" brauchen, die uns wichtige und unwichtige Meldungen heraussuchen, ist nicht zu leugnen.
Und genau an der Stelle setzt der Automatismus bestimmter Algorithmen an, die unseren Informationszufluss im Internet verwalten, vergleichbar mit einem geistigem Türsteher(als bestes Beispiel Google). Die ohne Frage notwendige Selektierung von Inhalten durch 3te führt dazu, dass man sich ab einem bestimmten Punkt fragen muss, ob wir die Inhalte die wir konsumieren auswählen, oder die Inhalte, bzw. die Vermittler der Inhalte uns als Konsumenten schaffen.
Es geht immer weniger darum die Interessen des Individuums im Internet zu befriedigen sondern das Interesse auf schon vorhandene Inhalte zu lenken.
Vergleichbares ist auch schon in der Vergangenheit in der Realwirtschaft passiert. Erst seitdem wir in einer Überflussgesellschaft leben ist es nötig geworden, selbst für Produkte des alltäglichen Gebrauchs im großen Umfang zu werben.
Nun will aber meiner Meinung nach niemand(oder kaum jemand), nicht mal die "Netzkritiker", das Internet abschaffen oder das Angebot verknappen, noch ist es möglich ohne diese "Schirrmachermaschinen" das Internet effizient zu nutzen, also ist alles was uns übrigbleibt dieses Angebot kritisch zu nutzen und die automatischen Prozesse die dort stattfinden nicht genauso automatisch auf unseren Verstand überhand nehmen zu lassen.








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07.05.2010 - 18:35 Uhr
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Aber nichts desto trotz: Gut, dass jemand mal anfängt, dass www nicht immer nur schlecht zu machen.