Jever Lad
Jever Lad stand am Strand. Er schaute auf den Horizont. Er kratzte sich am Kinn. Lange. Ein paar Möven kreischten. Sonst passierte nichts. Jever Lad brummte. Naturschutz konnte so langweilig sein. Wobei: Heidschnucken scheren, Dünen befestigen und Wattwanderer herumführen, das ging ja noch. Der Feierabend dagegen. Da hatte Jever Lad die Kate und die lag zwar direkt am Strand, aber auch weit weg vom Rest der Welt. Und Jever Lad (der nicht umsonst Jever Lad hieß) hatte keinen Führerschein mehr. So blieb ihm nicht viel übrig, außer seine Abende mit Kartoffel kochen, Bier trinken und Kreuzworträtseln zu verbringen. Manchmal hackte er auch Holz (die Kate hatte nur einen Ofen). Oder er wurde melancholisch, blickte mit feuchten Augen seine Tattoos an und verfluchte seinen Sozialarbeiter. Der Vollhorst hatte ihn schließlich in diese Nummer reingequatscht. Dabei hätte der Richter auch zweihundert Sozialstunden in der Suppenküche oder in einer Obdachlosenunterkunft akzeptiert. Völlig okay für Jever Lad, aber nein: Wegen Bonninger mussten es jetzt Wattnatur und Nordsee sein. Im Nationalpark, so der Spongo, wäre Jever Lad mit Abstand am besten aufgehoben. Die Ruhe, die Weite und die Luft täten ihm sicher gut und brächten ihn zum Nachdenken. Und vor allem gäbe es dort keine Kneipen, also auch kein Konfliktpotenzial. Hahaha. Verarschen konnte Jever Lad sich alleine. Er hatte damals ja auch nichts getan. Er war nur provoziert worden und hatte sich verteidigt. Das war sein gutes Recht. Der Barhocker? Der Barhocker war reine Notwehr gewesen und das Kind war selber schuld. Was mischte es sich auch ein, wenn Erwachsene Dinge klärten? Aber das hatten weder Bonninger noch der Richter verstanden. Und jetzt war Jever Lad hier. Am Strand. Vor ihm das Watt, rechts die Kate und links die Klippen. Die Klippen gingen Jever Lad besonders auf den Geist. Sie standen nicht nur dumm in der Gegend rum, sie waren auch noch so angeberisch weiß – und sie wurden gerne von Selbstmördern besucht. Drei davon hatte Jever Lad schon vom Ufer wegkratzen müssen. Ihm wurde ganz anders, wenn er daran dachte. Heute war zum Glück niemand auf den Klippen. Wobei: Das stimmte nicht. Ein Kater war da. Ein dickes, graues Tier, das ganz nah am Klippenrand stand und dramatisch auf die Wellen starrte. „Na Grauer, willste wohl die Aussicht genießen?“, Jever Lad lachte. Schnitzel blickte irritiert auf die Geräuschquelle. In diesem Moment gestört zu werden, war ja wohl mehr als pietätlos. Gut, dass es bald vorbei war. Das Elend, die Demütigung, die Pietätlosigkeit. Alles. Gemessen ging Schnitzel ein paar Schritte zurück, gerade weit genug für einen Anlauf.- Uhrenvergleich 09.03.2012
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was für ein Satz!!! :-D
(YEAH!)








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03.05.2010 - 22:19 Uhr
JoergAuch