29.04.2010 - 18:30 Uhr

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Auf dem Banana-Pancake-Pfad 14: Das "Been there done that"-Prinzip

Text: philipp-mattheis

Ein Netz aus Trampelpfaden und Hotels umspannt den Planeten. Man nennt es den Banana-Pancake-Pfad. Jede Woche lernen wir ein Stück davon kennen.

Nach zwei Monaten Mittelamerika stellte sich bei Johannes ein Gefühl ein, das dem der Zufriedenheit nahe kam. Es war nicht von Dauer, geschweige denn war es ein Zustand, auf dem er sich hätte ausruhen können. Seitdem er Deutschland verlassen hatte, war er dem, was er sich von dieser Reise versprach, näher gekommen. Er zog den Zettel aus seinem Geldbeutel hervor, der in einem mittlerweile vom Schweiß der Subtropen gelblich gewordenen Bauchbeutel steckte, und ging die Liste durch. Er hatte die Pyramiden von Teotihuacán, Tical, Copan (wobei die im Vergleich zu den anderen eher enttäuschend war, er würde von einem Besuch eher abraten) und die von Palenque besichtigt. Er hatte einen zweiwöchigen Spanischkurs in Antigua absolviert und den billigsten Tauchkurs (den billigsten der Welt!, betonte er) in Utila gemacht. Er hatte sämtliche lokalen Spezialitäten probiert, war dreimal an Durchfall erkrankt (aber das gehörte dazu, hatte man ihm gesagt), war am Strand gewesen und hatte den Popocatepetl sowie einen Vulkan in Guatemala bestiegen. Ihm war es gelungen, sein Budget von 30 Euro am Tag nur an einem einzigen Tag zu überschreiten (und an diesem Tag hatte eine Gruppe von betrunkenen Mexikanern von ihm verlangt, die Zeche zu bezahlen). Er hatte in 61 Tagen eine Strecke von zirka 2000 Kilometern zurückgelegt (Flug natürlich nicht mitgerechnet). Auf der Liste fehlte noch – und dieser Fakt erfüllte Johannes mit einer inneren Unruhe - eine Dschungeltour in Costa Rica, die Besteigung eines weiteren Vulkans auf der Isla de Ometepe, in Nicaragua. Die „Isla de Ometepe“, das hatte Johannes wie alles vor Reisebeginn ausführlich recherchiert, die größte Süßwasserinsel der Welt. Superlative zogen Johannes magisch an. Sie vermittelten ihm Sicherheit, das Beste erreicht zu haben, wo zunächst gar kein Maßstab zu sein schien. „Been there done that“, murmelte Johannes mehr, als er dachte. In irgendeiner Backpacker-Bar, wahrscheinlich in Antigua, hatte er diesen Satz aufgeschnappt. Dann steckte er den Zettel wieder in seine Tasche, zog sich seine Trekkingsandalen und ein frisches T-Shirt an und putzte sich die Zähne. In fünf Stunden ging sein Flug zurück nach Stuttgart. Er freute sich darauf, seine Familie und Freunde wieder zu sehen. Er freute sich darauf, ihnen endlich alle Fotos (es waren insgesamt 765) zu zeigen und ihnen die dazugehörigen Geschichten zu erzählen.
„Been there done that“-Typen reisen nicht mehr um des Reisens willen, sondern um eine Liste abzuhaken. Die Fülle der Möglichkeiten eines Landes erschlägt sie und die einzige Möglichkeit, sich durch diesen Dschungel von Tempeln, Floßfahrten, Dschungeltouren und Kamelritten zu schlagen, ist das Anfertigen einer Liste. Die Liste strukturiert die Reise, sie wird greifbar, planbar und vor allem später erzählbar. Fragen wie „Wie du warst sechs Wochen auf einer Insel? Was hast du denn da gemacht?“ werden nicht gestellt. Man muss kein Zen-Buddhist sein, um zu kapieren, dass das nicht funktioniert. Die Chancen einer langen Reise, sich von Erwartungen frei zu machen, Dinge passieren zu lassen, etwas zu erleben, das im Alltag zuhause nicht möglich wäre, verfallen ungenutzt. Das Prinzip Lebenslauf wird auf die Auszeit übertragen. Am Ende einer solchen Reise bleiben viele kleine Häkchen übrig und hunderte Fotos (meist sind es gerade die Listentypen, die eine für den Zuschauer nicht verarbeitbare Menge an Fotos schießen). Weil der Listentyp unbefriedigt bleibt, muss er wieder los, um noch mehr zu besichtigen. Er landet auf dem Pfad der Begierde, blind, um zu verstehen, dass mehr zu noch mehr führt. Deswegen an dieser Stelle die ultimative Liste für alle „Been there done that“-Typen: - mit einem Motorradreifen sich den Mekong heruntertreiben lassen und dabei Joints rauchen und „Beer Lao“ trinken - „Pussy Ping Pong“-Show besuchen (Bangkok, Thailand) - einen Tauchschein machen (Utila, Honduras) - mit echten Sherpas bergsteigen (Nepal) - einen Yoga-Kurs in einem echten Ashram machen (Rishikesh, Indien) - Haschbauern bei der Arbeit zusehen (Chefchaouen, Marokko) - Angkor Wat anschauen (Siem Reap, Kambodscha) - Kokain ausprobieren (Bogota, Kolumbien) - Surfen lernen (Bali, Indonesien) - Eine Höhlenwanderung am Li-Fluss (Yangshou, China) - Mit dem Kamel für zwei Stunden durch die Wüste reiten (Zagora, Marokko) - Durch die Tunnel der Vietcong kriechen (Saigon, Vietnam) - Macchu Picchu sehen - sich von einem Guru spirituelle Weisheiten beibringen lassen (Indien) - Mit dem Bus durch die Westbank fahren (Israel) - Mit einem Maschinengewehr auf Hühner schießen (Phnom Penh, Kambodscha) - Wasserfälle anschauen (fast alle Länder) - Museen, Tempel, Ruinen anschauen (alle Länder)


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DagnyTaggart
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Mag ich Mag ich nicht

2

29.04.2010 - 18:32 Uhr
DagnyTaggart

yeah. wir sind alle soooooooo individuell.

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Mag ich Mag ich nicht

7

29.04.2010 - 18:33 Uhr
DagnyTaggart

und nochmal yeah. wir verweigern beim bund und knallen in kambodscha mit der Ak47 auf Huhner. Doppel-yeah.

drolli
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4

29.04.2010 - 19:04 Uhr
drolli

765 Fotos in 61 Tagen ? Das ist lachhaft wenig.

Purcell
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2

29.04.2010 - 19:29 Uhr
Purcell

DagnyTaggart sagte:
und nochmal yeah. wir verweigern beim bund und knallen in kambodscha mit der Ak47 auf Huhner. Doppel-yeah.


Objektiv ist kaum zu entscheiden, ob die gesamte Liste tatsächlich ernst oder doch hochironisch gemeint sein soll. Bei dem Autor tippe ich aber mal auf ersteres.

Herr_Wurst
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0

29.04.2010 - 19:57 Uhr
Herr_Wurst

Wenn ich in ein entferntes Land fahre, das ich vielleicht nur einmal bereise, möchte ich davon auch soviel als möglich sehen. Das finde ich nicht verwerflich. Zum chillen fahr ich nach Tirol.
Badeurlaub in Bali, das finde ich doof.

hasulius
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1

29.04.2010 - 23:05 Uhr
hasulius

What do you need? Girls, Drugs, Shooting Range...

Mit der AK auf Hühner war die billige Variante...Rocket Launcher!! 100 Dollar pro Schuß und Ziel je nach Größe gerne etwas mehr.

Scheiß auf Listen - treiben lassen. Mein einziger Fixpunkt war immer nur das Datum des Heimflugs.

So, what do you need?

immanuel_cunt
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3

30.04.2010 - 00:15 Uhr
immanuel_cunt

hasulius sagte:
What do you need? Girls, Drugs, Shooting Range...

Mit der AK auf Hühner war die billige Variante...Rocket Launcher!! 100 Dollar pro Schuß und Ziel je nach Größe gerne etwas mehr.

Scheiß auf Listen - treiben lassen. Mein einziger Fixpunkt war immer nur das Datum des Heimflugs.

So, what do you need?


der kommentar ist sogar noch bisschen unsympathischer als die menschen die mit listen um der listen willen "reisen"

jurette_
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Mag ich Mag ich nicht

0

30.04.2010 - 00:18 Uhr
jurette_

Purcell sagte:
DagnyTaggart sagte:
und nochmal yeah. wir verweigern beim bund und knallen in kambodscha mit der Ak47 auf Huhner. Doppel-yeah.


Objektiv ist kaum zu entscheiden, ob die gesamte Liste tatsächlich ernst oder doch hochironisch gemeint sein soll. Bei dem Autor tippe ich aber mal auf ersteres.


Ich denke, eher hochironisch

Mellie78
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Mag ich Mag ich nicht

0

30.04.2010 - 09:34 Uhr
Mellie78

drolli sagte:
765 Fotos in 61 Tagen ? Das ist lachhaft wenig.


Allerdings. Voriges Jahr zwei Wochen All-inclusive Urlaub in Ägypten, da hab ich knappe 900 Fotos geschossen. In 12 Tagen, wohlgemerkt. Kind am Strand, Kind beim Sandburg-bauen (mehr als Erpresserfoto, da Kind schon Teenager und Foto natürlich hochnotpeinlich), Frau am Strand, ich am Strand, Pyramiden, Pyramiden, Pyramiden......mehr Pyramiden....Kamele....

Ich find auch dass man Urlaubsfotos mehr für sich selber macht als für die daheimgebliebenen. Schließlich kann keiner das Gefühl nachvollziehen das man beim Sonnenuntergang am fünften Tag hatte, für die Zuschauer ist es einfach nur der fünfte Sonnenuntergang. War trotzdem schön. Und während die Urlauber verzückt seufzen sitzen die Zuschauer gelangweilt auf dem Sofa und denken sich "Boah, ja, Sonne is weg. Hammer."

Außerdem is mir grad aufgegangen dass ich so garnicht der Individual-Reisen-Backpacker-Typ bin. Tagesbudget von 30 Euro, ja supertoller Urlaub...nee.

soylentyellow
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Mag ich Mag ich nicht

1

30.04.2010 - 10:22 Uhr
soylentyellow

Mellie78 sagte:
Kind beim Sandburg-bauen (mehr als Erpresserfoto, da Kind schon Teenager und Foto natürlich hochnotpeinlich)


"Wenn Du nicht um Mitternacht zu Hause bist dann poste ich das auf facebook. Und getwittert wirds auch!"

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philipp-mattheis unbekannt

philipp-mattheis

ist jetzt-Mitarbeiter und hat diesen Beitrag verfasst.