23.04.2010 - 18:30 Uhr

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Auf dem Banana Pancake Pfad 13: Paare auf Reisen

Text: philipp-mattheis

Ein Netz aus Trampelpfaden und Hotels umspannt den Planeten. Man nennt es den Banana-Pancake-Pfad. Jede Woche lernen wir ein Stück davon kennen.

Es war etwa 20 Uhr, als wir die „Bong Lassi“ tranken. Die Bong Lassi hieß eigentlich Bang Lassi, aber auf thailändischen Speisekarten hieß „Bami Goreng“ auch „Bambi Goreng“. Vielleicht dachten sich die Thailänder solche Witze auch selbst aus. Auf jeden Fall teilten wir uns das Glas, weil wir gehört hatten, man solle bei „Mushroom-Omelettes“ und Marihuana versetzten Lebensmitteln vorsichtig sein. Regelmäßig rasteten Engländer aus, sprangen ins Meer und versuchten angeblich, nach Indonesien zu schwimmen. Anschließend spazierten wir am Strand entlang und warteten auf die Wirkung. Eine Gruppe Israelis saß im Sand und unterhielt sich über die bevorstehende „Half Moon Party“ und ein tätowierter Glatzkopf jonglierte mit so leuchtenden Star-Wars-Stäben. Nach zwei Stunden war immer noch nichts passiert. Wir gingen in unsere Hütte am Ende des Strands, dort wo der Dschungel begann. Kurz bevor ich einschlief, dachte ich noch daran, dass wir uns noch kein einziges Mal gestritten hatten. Dann hörte ich einen Affen durch den Urwald schreien.
Liebe leidet in den meisten Fällen unter zu viel Nähe. Liebe leidet unter Alltag, Stress und vollen Wäschekörben. Sie welkt langsam unter trüben deutschem Himmel, Faulheit und „Heute mal lieber nicht, Schatz“-Sätzen. Sie vermisst die elementaren Erfahrungen, die Menschen zusammenschweißen. Das, was die Soldaten „zusammen im Dreck liegen“ nennen, die guten und vor allem die schlechten Zeiten. Daheim kann im besten Fall das gemeinsame Besäufnis diese Schmelztiegelfunktion ersetzen. Aber das macht man ohnehin besser mit Kumpels als mit dem Partner. Wer aber zu zweit 14 Stunden auf einem mit peruanischen Indios und Hühnern beladenen Pickuptruck verbringt, wer zusammen einen marokkanischen Polizisten bestechen muss, weil der mit einem Dealer unter einer Decke steckt und wer gemeinsam einer aggressiven Affenhorde auf der Suche nach Essbaren gegenübersteht, wird sich später in faderen Zeiten an diese Erinnerungen klammern. Die Wahrheit ist: Wer sich trotzdem streitet, hat ein ganz anderes Problem. Auf Reisen währt ein Burgfrieden zwischen den Geschlechtern. Gemeinsame Feinde in Form von korrupten Grenzbeamten, Abzockern und Italienern, die jede Nacht bis 3 Uhr am Strand grölen und dem Paar den Schlaf rauben, schweißen zusammen. Abgrenzung nach außen verstärkt den Zusammenhalt im Inneren. Das ist für den, der alleine reist, doof, nicht aber für das Paar. Das nämlich erlebt Flitterwochen und Abenteuerurlaub in einem. Beim nächsten Streit in der Heimat wissen beide insgeheim: An uns liegt es gar nicht. Es ist das Grau, der Beton, die Diplomarbeit, das Wetter, der Job und der ganze Scheiß. Stunden später wachte ich auf. Es war noch finster. Viel finsterer, als es in Deutschland je sein kann. So finster, dass man wirklich nichts sieht. Der Affe schrie noch immer, irgendwas stimmte nicht. Ich versuchte, weiter zu schlafen. Stunden später erwachten wir, die Sonne schien, Vögel machten irgendwas. Meine Augen waren rot wie die eines Albinokaninchens, mein Mund trocken wie die Wüste, ich brauchte Wasser. Der Thai in dem kleinen Supermarkt... er grinste... so verdammt komisch. Das Wasser so kühl, so gut, wie nur Wasser sein kann. An dieser Stelle müsste nun eine Pointe folgen, eine unerwartete Wendung, die den Leser noch ein letztes Mal herumreißt und ihn mit einem Lächeln oder zumindest einem Kopfschütteln zurücklässt. Aber es gibt keine. Ich war einfach nur unglaublich froh, dass sie da war. Und das ist wirklich romantisch. Echt jetzt.


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7 Kommentare

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Bastie
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Mag ich Mag ich nicht

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23.04.2010 - 21:52 Uhr
Bastie

Die Welt bereisen ist mein größter Traum. Mit Partner wärs ein noch schönerer Traum =)

Zahncider
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Mag ich Mag ich nicht

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24.04.2010 - 13:41 Uhr
Zahncider

Die Hälfte von dem Text war schonmal ein Text glaub ich. Trotzdem schön.

zabaitzu
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Mag ich Mag ich nicht

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26.04.2010 - 11:33 Uhr
zabaitzu

Ich lese deine bericht mittlerweile echt gerne. kudos.

kero
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Mag ich Mag ich nicht

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26.04.2010 - 17:35 Uhr
kero

guter Text

Folka_Racho
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Mag ich Mag ich nicht

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28.04.2010 - 01:30 Uhr
Folka_Racho

ich liebe diese texte.
komplimente! und zwar sowas von viele...

alsti
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Mag ich Mag ich nicht

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30.04.2010 - 10:56 Uhr
alsti

Mein Banglassi hat mich tatsächlich auch weggebangt. Zu viert haben wir uns einen geteilt. Er schmeckte nach Mango-Banane-Kokos und Gras und war dunkelgrün.

Es begann mit einem tierischen lachflash, gefolgt von fressgelüsten, wobei ich n halbes kilo schokobonbons in ner std. allein gemampft hab. pappfresse. danach kam die paranoia, was dumm war, weil der tyrisch unsympathisch-aggressive spanier mir gegenüber anfing sich mit ner machete ne kokosnuss aufzuschlagen und mein kopfkino mit mir durchging. während des ganzen abends dachte ich ich würde wackeln. als ich mich dann aus der gegenbewegung der hängematte befreit hatte und schlafen wollte, wurde mir so schlecht, dass ich nach informationen einer nach mir schauenden freundin an strand gekotzt hab...

oznora
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Mag ich Mag ich nicht

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07.05.2010 - 23:20 Uhr
oznora

kommt etwas spät aber da schon die stichworte gemeinsam reisen, bestechung, zusammenhalt und - in alstis kommentar - kotze gefallen sind, kommentier ich auch noch mal:
ein sehr schöner text dem ich voll zustimmen kann. alleine reisen ist auch eine erfahrung wert, aber nichts geht über das zusammengehörigkeitsgefühl das durch gemeinsame bestechung von grenzbeamten, reifenpannen in der menschenleeren steppe und abwechselndes kotzen in zentralasiatische plumpsklos entsteht.


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philipp-mattheis

ist jetzt-Mitarbeiter und hat diesen Beitrag verfasst.