Kochbuch: Mamma Maria! Familienrezepte aus Sizilien
Text: Aello
Die Welt scheint voller Kochbücher & Kochsendungen zu sein, warum noch eines davon?
Dieses Buch fällt aus dem Reigen der Bücher über das Essen heraus auch wenn es unaufdringlich und unscheinbar daher kommt.
Mamma Maria! Familienrezepte aus Sizilien beginnt mit der Fotografie einer reich gedeckten Tafel auf einer Terasse mit Gerichten die einem in diesen Kochbuch wieder begegnen werden.
Cettina Vicenzino läd ein teilzuhaben an einer Reise durch die Sizilianische Küche und den Rezepten ihrer Mutter und zeigt gleichzeitig, dass dies nur ein Teil ist, das noch viel mehr auf einen wartet. An Endeckungen von Rezepten und einer Insel. Das größte Geschenk, welches sie jedoch mit diesem Buch macht, ist, sie erinnert einen wieder daran was essen ist: Sinnlichkeit, Geschmack & Gewürze und lebendiges Zusammensein.
Inhaltlich gliedert sich das Buch in die Kapitel: Gemüse, Pasta & Brot, Fisch, Fleisch, Süßspeisen und Familienfeste. Begleitet werden die Rezepte von Fotografien der Künstlerin und Erzählungen ihrer Schwester Guisi.
Man merkt Cettinas Vicenzino Fotografien an, dass hier nicht nach dem Spektaktel gesucht wird, nicht nach der Fälschung oder der Verführung des Konsums. Ihre Bilder lehren einen hinsehen, wie schön eine Aubergine ist und wie ästhetisch ein nacktes Huhn aussehen kann. Eine Selbstverständlichkeit und Achtung vor den Speisen spricht aus diesen Bildern, die so ungewohnt sind in unserer Zeit des Kalorienzählens und der Fertigprodukte. Sie bereichert mit ihren Bildern dadurch, dass sie aufmerksam macht und die Neugier weckt. Sie erzählt davon, dass man für schöne Momente, an die man sich noch oft erinnert, nicht viel benötigt. Lediglich Kreativität, Hingabe und Menschen mit denen man dieses Essen teilen kann. Dieses Kochbuch sagt einem nicht, was einem alles fehlt, was man nicht hat, auftreiben muss, darzustellen hat, sondern: Es ist alles da, nichts weiter als sich selbst braucht man und offen Augen und Ohren und die Geschenke der Natur anzunehmen um daraus eine warme Mahlzeit zu bereiten.
Einer der markantesten Sätze der Erzählungen war für mich:
„In meinem Dorf fühle ich mich wohl. Es ist zwar klein, aber damals erschien es mir groß. Es ist ein Dorf auf einem Hügel, eingeschlossen in einem Tal mit Olivenhainen und Kakteen, reich an Kirchen und arm an Spiritualität. An Festtagen aber zeigt es auch heute noch eine unbändige Lebenslust.“ Guisi Vicenzino
Die Geschichten erzählen eigentlich ganz alltägliche Ereignisse, beschreiben die Gegenwart und die Vergangenheit und ihre Orte, dennoch sind sie besonders, weil sie voller Leben stecken.
Normalerweise lese ich nie die Texte zu Kochbüchern, weil sie meist nicht mehr als Dekoration sind und langweilen, hier ist das anders. Besser noch, man bekommt selbst Lust zu schreiben von den Kostbarkeiten der Kindheit oder der Erinnerung an ein Lieblingsessen einer Verwandten.
Cettina Vicenzino zeigt was Feste feiern bedeuten und was in unserer Zeit weit gehend verlernt wurde. Ein Fest liegt in der Begegnung, im gemeinsamen Zubereiten von Speisen und vielleicht auch dem Streit den Familien so haben, dass nie alles da ist, was man braucht und man deshalb improvisiert und dabei entdeckt wie schön ein altes Marmeladenglas aussehen kann, wie gut Blüten schmecken können, wie viel Süße in dornigen Kakteen steckt.
Sie weiß, dass Essen Heimweh lindern kann und Liebeskummer heilen. Sie weiß, Essen entspannt und macht glücklich und man teilt dadurch: Gefühle, Gedanken und Erlebnisse.
All das teilt sie mit uns in diesem Kochbuch und ich möchte deshalb nicht zuviel verraten, damit jeder selbst endecken kann, was alles noch dort versteckt ist.
Das Buch endet mit einer leeren Tafel, die einem verspricht, dass man sich bald wieder zum Kochen, Essen und Plaudern treffen wird.
http://mammamariasicilia.blogspot.com/
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19.04.2010 - 14:28 Uhr
glitzerkugel