Wenn er zulässt.
Text: sockenschublade
Egal wie sehr wir auch quengeln: Es hört nicht auf. Das mit dem Schnee, das mit den Augenringen, das mit der Liebe und ja, auch das mit dem Leben. Wir finden unsere Oberschenkel zu dick, unsere Haare zu kurz/dünn/wenig brünett, die Augen nicht blau. Der Handyakku ist zu schnell leer, die Ampeln sind zu oft rot und überhaupt, was soll das denn eigentlich? Wir rennen irgendwelchen skurrilen Idealbildern hinterher, bauen Schutzwälle um uns, weil wir vor nichts mehr Angst haben, als diesen Idealbildern nicht zu entsprechen. Auf die Frage “Wie geht es dir?” antworten wir mit “Gut”, weil man ja nicht aufdringlich sein will. Aber geht es uns gut? Kann es uns überhaupt gut gehen, wenn wir so viel meckern? Ist es nicht legitim, auch mal aufdringlich zu sein? Zu sagen: “Scheiße, nein, es geht mir nicht gut. Letzte Nacht hatte ich einen schlimmen Traum. Ich habe Angst, er könne Realität werden.”
Wir vergessen, dass wir alles haben, was wir brauchen. Alles, was wir bekommen können: Das Leben. Quengeln muss man nur, wenn man nicht alles aus seinem Leben herausholt, was herauszuholen ist. Warum fangen wir nicht endlich damit an eine Meinung zu haben und zu dieser zu stehen? Dann stehen wir eben auf alte Britney Spears Songs, schauen jeden Abend GZSZ, wählen die Tierschutzpartei oder treten aus der Kirche aus. Dann weinen wir eben manchmal abends vor dem Einschlafen oder unvermittelt in einer Einkaufspassage, umgeben von Mensch und doch so schrecklich einsam. Dann entsprechen wir eben gar keinem Idealbild.
Vielleicht ecken wir an, mit zu viel Meinung und zu wenig Realismus. Vielleicht fahren wir später zwei Jahre Taxi, bevor jemand erkennt, dass der Philosoph in uns wertvoll ist. Vielleicht nennen wir unsere Kinder Friedrich und Charlotte und leben in einem Ökohaus am Stadtrand. Vielleicht stehen wir selten vor 12 Uhr mittags auf und machen Aktfotos oder geben Kurse an der Volkshochschule – “Wie organisiere ich mein Leben richtig?” würde bestimmt eine Menge Kursteilnehmer finden.
Der Mensch ist anders, wenn er es zulässt.
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