02.04.2010 - 18:30 Uhr

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Auf dem Banana-Pancake-Pfad 10: Amerikaner

Text: philipp-mattheis - Illustration: Katharina Bitzl

Ein Netz aus Trampelpfaden und Hotels umspannt den Planeten. Man nennt es den Banana-Pancake-Pfad. Jede Woche lernen wir ein Stück davon kennen.

Die „Posada Ruiz Dos“ ist eine der billigsten Unterkünfte in Antigua, Guatemala. Die Nacht kostet nur etwa drei Euro, und danach weiß man, wie die Bisse von Bettwanzen aussehen. Sie stechen komischerweise gerne im Dreieck. Nach einer Woche Posada Ruiz Dos hat man am ganzen Körper kleine Dreiecke. Einer der Gäste, seinen Namen habe ich vergessen, hatte ein Dreieck auf der Stirn. Kein Bettwanzendreieck, nein, er hatte sich ein Dreieck auf die Stirn tätowieren lassen, weil er „eines Tages am Ufer eines Sees gesessen war und ihm plötzlich dieses Zeichen erschienen sei“. Er reiste mit einem Didgeridoo und ohne Pass, weil Pässe seiner Meinung nach die Freiheit des Menschen raubten. Vielleicht hielt Jane die Bettwanzen für derart gefährliche Tiere, dass sie es vorzog, ihren Guatemala-Aufenthalt in einer Indiana-Jones-Uniform und Tropenhelm zu verbringen. Vielleicht vermutete sie auch in jedem Baum der 30.000-Einwohner-Stadt einen Jaguar lauern. Vielleicht war sie auch einfach falsch informiert worden und jemand hatte ihr erzählt, südlich der Grenze begänne die Wildnis, mit wilden Tieren und Barbaren. Mit Mike ein Gespräch zu führen, das länger als drei Minuten dauerte war schwierig. Plötzlich sprang er auf und schrie: "Sorry, I HAVE to do an asana now." Mike ging ein paar Schritte, rollte seine Yoga-Matte aus und machte dann Pflug, das Moorhhuhn oder den toten Affen. Was Mike, Jane und der Dreiecks-Mann gemeinsam hatten: Sie waren Amerikaner.
In den meisten Fällen baut Reisen Vorurteile ab. Engländer finden Deutsche gar nicht mehr so humorlos, wie sie immer dachten. Deutsche und Israelis verstehen sich oft gut, weil die Deutschen ihren Täterkomplex abbauen können und Israelis im Enkel des Mörders ihres Großvaters einen Menschen entdecken können. Beide fühlen sich daraufhin ein bisschen moralischer als zuvor. Der latente Antiamerikanismus bei deutschen Backpackern, von denen die meisten Kinder des linken Establishments sind, erhält auf Reisen dagegen neue Nahrung. Der typische deutsche Backpacker sagt: Amerikaner fressen Hamburger, wissen nicht, wo Europa liegt, und machen Krieg. Außerdem klingt ihr Englisch komisch und Michael Moore ist der letzte gute Mensch des Kontinents. Der größte Vorwurf aber, der amerikanischen Backpackern gemacht wird, ist: Es gibt sie nicht. Würde man so eine Karte zeichnen, bei die Größe des Landes von der Zahl der Backpacker, die es ausspuckt, abhängt, dann gäbe es zwei ziemlich große Kontinente und mehrere kleine Inseln. Die beiden Kontinente hießen Europa und Israel und die Inseln Kanada, Japan, Australien und Chile. Die USA wären ein Mini-Zwergstaat, wahrscheinlich gar nicht einmal verzeichnet auf der Karte. Junge Amerikaner fahren nach Daytona Beach, alte nach Heidelberg und Paris. Aber so gut wie keiner fährt mit einem Rucksack in ein Dritte-Welt-Land. Auf einer dreimonatigen Reise trifft man im Schnitt zwei Amerikaner, aber 87 Engländer, 35 Schweden, zwölf Schweizer und acht Japaner. Die Tatsache, dass so wenige Amerikaner reisen, verstärkt beim deutschen Backpacker aber nur die Vermutung, dass es sich bei diesem Volk um kulturlose, barbarische Menschen handeln muss, die nicht einen Tag ohne Coca Cola und Erdnussbutter überleben und ihr Geld lieber in SUVs investieren, als auf Reisen zu gehen. Ich kann von amerikanischen Backpackern nur abraten. Von Deutschen übrigens auch: Deutsche Backpacker tragen nämlich gerne komische Outdoor-Fließjacken, sprechen so ein Nazi-Englisch, für das man sich fremdschämen muss, und kommen sich verdammt toll vor, weil sie ach so international und kosmopolitisch sind.


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soylentyellow
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Mag ich Mag ich nicht

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05.04.2010 - 11:43 Uhr
soylentyellow

Re Amerikaner und das Ausland: Oft wird man ja von Amerikanern auf reisen gefragt "wie oft man schon im Ausland gewesen sei". Ich frage da immer ob "tanken in Österreich" auch dazu zählt? Zählt es wenn man den Weg nach Frankreich durch die Schweiz abkürzt? Zählt es wenn ich in Frankreich ins Kino gehe weil dort der Film auf Englisch kommt? Und 90 Minuten später wieder zurückfahre?

(Immer wieder lustig: amerikanische oder australische Freunde ins englischsprachige Kino nach Frankreich mitnehmen. Irgendwann merken sie dass man nach Frankreich fährt, sagen dann "but I don't speak French" woraufhin die Antwort, dies sei egal da der Film ja sowieso auf Englisch sei sie nur noch mehr verwirrt.)

Die sind dann immer ganz perplex und man muss erklären dass das eher mit den Bundesstaaten der USA zu vergleichen ist und dass dank Schengen (hoch lebe Schengen!) da auch nur noch ein Schild steht aber sonst nichts.

Erinnert mich sehr gut an ein Erlebnis an der kanadisch-amerikanischen Grenze mit fünfzehn: Am letzten Tag dort war großes Shopping angesagt (Jeans, Jeans und nochmals Jeans) weil günstiger als in Deutschland. Leider war in Kanada Feiertag und alles geschlossen. Also rüber in die USA, dort drei Jeans gekauft und wieder zurück.

Die kanadische Grenzbeamtin wollte wissen wie lange wir in den USA waren - etwa zwei Stunden. Was wir dort gemacht haben - drei Jeans gekauft. Warum - weil bei Euch Feiertag ist. Wie lange wir in Canada bleiben wollen - bis neunzehn Uhr. Bittewassinddieverrückt? Schien nicht so oft vorzukommen.

totallycrap
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Mag ich Mag ich nicht

1

05.04.2010 - 14:59 Uhr
totallycrap

kritisch wird es, wenn die amerikaner kanadische flaggen an ihre rücksaäcke machen um ihre herkunft zu verschleiern. gibts oft genug, allerdings verrät die sprache sie dann meistens doch ;-)

transworld
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Mag ich Mag ich nicht

0

05.04.2010 - 16:44 Uhr
transworld

americanos, movies and heroes, be want u wanna be in the land of the free^^

MountDesert
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Mag ich Mag ich nicht

3

05.04.2010 - 17:37 Uhr
MountDesert

Vielleicht sollte der Autor mal mit dem Rucksack durch Amerika wandern um sich mal ein bisschen differenzierteres Bild zu machen ueber die Amerikaner. Ich lebe jetzt seit 4 Jahren in den vereinigten Staaten und habe wirklich bemerkenswerte Menschen hier kennen gelernt!
Wenn ich mein Bild ueber Deutschland von den Deutschen die ich im Ausland getroffen habe machen muesste - wird nicht unbedingt unserer Nation gerecht.

gamine
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Mag ich Mag ich nicht

0

05.04.2010 - 21:17 Uhr
gamine

man sieht keine amis, weil die alle auf dem appalachian trail wandern. hab ich neulich ne doku auf phoenix gesehen. is eine tolle sache! ach, ich muss wieder zurück nach amerika!

Mellie78
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Mag ich Mag ich nicht

0

06.04.2010 - 14:22 Uhr
Mellie78

Junge Amerikaner fahren nach Daytona Beach, alte nach Heidelberg und Paris. Aber so gut wie keiner fährt mit einem Rucksack in ein Dritte-Welt-Land.

Die wissen halt was gut is.

Crispetti
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Mag ich Mag ich nicht

1

08.04.2010 - 12:53 Uhr
Crispetti

Ich habe ganz viele und sehr nette Amis hier in München kennen gelernt. Die reisen wohl eher in Europa als in Dritte-Welt Länder. Ich habe mich erst vor kurzem mit einem Ami über das Phänomen unterhalten, dass seine Landsleute sehr selten auf dem "Banana Pancake-Pfad zu finden sind, dagegen haufenweise Schweden, Finnen, Israelis, Engländer, Niederländer und Franzosen. Er versteht das auch nicht ganz, meint aber das Läge an ihrem Interesse an der Europäischen Kultur, da die Amerikanische "Kultur" (wenn man diese als Kultur bezeichnen möchte) aus der Europäischen hervorgegangen ist. Sie sind sozusagen auf dem Pfad ihrer Ahnen und meist ist das so kostspielig, dass sie den nächsten Urlaub dann doch lieber in den USA verbringen. Wenn man mal die Augen aufmacht wird man erkennen, dass sehr viele amerikanische Backpacker in Deutschlands Großstädten zu finden sind und unter uns weilen! Mit Trekkingrucksack, diesen einen Flaschen und einem sehr großen Interesse an unserer Kultur! Und damit meine ich jetzt nicht nur Bier :D

WalterHpbg
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Mag ich Mag ich nicht

-1

10.04.2010 - 01:28 Uhr
WalterHpbg

Ich finde die Amerikaner gar nicht so schlecht. Sie haben ja eine große Reiseargentur in 3. Welt Länder für Jugendliche, die am liebsten im Marsch gehen. Wie schon Tucholsky sagte im 4/4 Takt laufen die Ochsen am leichtesten hinterher. Blöd ist nur, dass sie immer ihr Kriegsspielzeug mitnehmen.

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philipp-mattheis

ist jetzt-Mitarbeiter und hat diesen Beitrag verfasst.