Deushomo
Text: revhoros
Deushomo
Hier möchte ich insbesondere auf den Titel des vorliegenden Buches
eingehen, um seine Hintergründe und seinen Sinn etwas näher zu
beleuchten. Und auch um eventuell ein komplexeres Verständnis, also
tiefere Einblicke in das Gesamtwerk und dessen zentrale Aussage zu
ermöglichen. Der Begriff Gottmensch hat sich für mich aus folgendem
Grunde geprägt: wir neigen allzu oft dazu, unsere Größe, unsere schöpferische
Kraft, unser Wahres Sein und vor allem das Absolute unserer Unsterblichkeit
und Vollkommenheit zu leugnen. Wenn wir uns denn überhaupt
mal in die Nähe unserer wahren Herkunft trauen, also erahnen, wer
oder was wir wirklich sind, benutzen wir dann zumeist ängstlich eher
abschwächende Attribute, die unsere sogenannten guten Seiten beschreiben,
was sich dann auf unser Menschsein bezieht und als Anteile unserer
Menschen-Natur gesehen wird. Und uns somit als Mensch mit einer eben
göttlichen Eigenschaft definiert. Wir bleiben, egal wie besonders diese
Eigenschaft auch sein mag, „nur“ Mensch mit einer Qualität, die er hat
oder auch nicht hat, aber auf gar keinen Fall in seiner Essenz dies als
Ganzes ist. Eine vollkommene Identifikation mit dem Göttlichen fällt uns
äußerst schwer, und wir ziehen es darum vor, wenn wir in Berührung mit
dem Göttlichen sind, das Göttliche getrennt von uns einzuordnen und uns
allerhöchstens die Eigenschaften des Göttlichen als einen positiven Charakterzug
zuzusprechen.
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In der Begegnung mit der universellen Weisheit, insbesondere in
Einheits-Erfahrungen, hält diese uns beengende Definition einem direkt
erfahrenen, weitaus größerem Bild und Verständnis unserer Wesenheit
nicht stand. Hier erleben wir ungetrennt, also „eins“ mit dem gerade verbundenen
Wissen, daß wir spirituelle Wesen mit menschlicher
Erfahrung sind und nicht nur Mensch mit einer gelegentlichen spirituellen
Erfahrung. Mit anderen Worten: wir sind unsterbliche geistige,
göttliche Wesenheiten mit einer begrenzten, also vergänglichen irdischen
und menschlichen Erfahrung. Und nicht etwa Mensch mit vergänglicher
Existenz und begrenztem Potential an spiritueller oder göttlicher
Erfahrung. Das möchte ich im Titel zum Ausdruck bringen und das ist die
Kern-Aussage des Begriffs „Gottmensch“ im wesentlichen. In der intensiven
Gottes-Erfahrung ist es uns zugänglich, uns unmittelbar mit Gott zu
identifizieren und uns nicht nur als Teil von ihm wahrzunehmen. In diesem
Augenblick der totalen Verbundenheit sind die Worte Ich bin Gott
durchaus angemessen und die Charakterisierung Ich bin göttlich ist in
diesem Zusammenhang „nur“ ein Ausdruck des sich immer noch Getrenntfühlens.
Dabei meine ich selbstverständlich nicht die Identifikation mit der
fiktiven „Person Gottes“, sondern das „Einssein“ mit dem göttlichen
Prinzip, das in allem existiert, die ultimative Verschmelzung, die Fusion,
das „Einswerden und -sein“ an sich. Jenes göttliche Prinzip, also die
Kraft, welche als übergeordnete Autorität im gesamten Sein und
Nicht-Sein besteht und als die einzige Realität in allem existent ist. Dieses
können wir, auch wenn dies „nur“ eine vom Menschen geschaffene subjektive
Beschreibung ist, der Einfachheit halber Liebe nennen. Als
Arbeitsgrundlage ist der Begriff „Liebe“ im Verhältnis zu anderen
Begrifflichkeiten meines Erachtens vorteilhaft und deshalb von mir
bevorzugt. Das göttliche Prinzip an sich wirklich zu definieren halte ich
für grundsätzlich ausgeschlossen. Wie schon an anderer Stelle erwähnt,
ist es unmöglich, mit unserem begrenzten menschlichen Auffassungsvermögen
eine derart unvorstellbare Größe zu begreifen und schon gar nicht
möglich, sie in ein von uns gezeichnetes Bild einzupassen. Definition
bedeutet in diesem Zusammenhang immer Begrenzung. Ich möchte an
dieser Stelle erinnern, daß dies in seiner ultimativen Absolutheit nur erlebbar
in unserer eigenen inneren Einheitserfahrung ist. Eine andere
Form, also eine äußerliche Ehrfahrbarkeit dieses Wissens, gibt es da
nicht. Was auch Sinn macht, weil somit gewährleistet ist, daß wir alle als
spirituelle Wesen unsere eigene individuelle menschliche Erfahrung des
Göttlichen in uns machen können und eigentlich sogar unbedingt machen
müssen. Der Begriff „Gottmensch“ beschreibt unsere ursprüngliche
Wesenhaftigkeit als Gott und unsere vorübergehende Existenz als
Mensch, der sich dies bewußt macht, sich dessen bewußt wird und ist.
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