22.03.2010 - 22:32 Uhr

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Tag 28: Ende des Tschakka-Tagebuchs

Text: ein_oxymoron in Tagebuchschreiber (1132)

Den Sonntag liess ich sehr ruhig angehen, war immerhin mein einziger kostbarer Wochenendtag. Die perfekte Party hatte mich aber so sehr aufgebaut, dass ich es muehelos schaffte, zwei Ladungen Waesche zu waschen, einzukaufen und Geschirrberge zu versetzen. Da ich in der vergangenen Woche zu nichts gekommen war ausser zum Arbeiten, Essen, am Computer sitzen und Schlafen, hielt sich wenigstens das Chaos in Grenzen. Den Rest des Tages verbrachte ich groesstenteils damit, meine Gedanken zu ordnen, mit Freunden zu schreiben und ueber den vergangenen Tag zu berichten.

Das war nun also mein Tschakka-Tagebuch. Vier Wochen jeden Tag. Die Zeit, die man brauchen soll, um etwas zur Gewohnheit zu machen. Als klinsmaus den Vorschlag aufbrachte, im Rahmen der "Schreiben und Kapitalismus"-Gruppe eine Woche lang taeglich aus unserem Leben zu berichten, traute ich mir das kaum zu. Versuchte es als Letzte im Bunde schliesslich doch, und fand am ersten Tag durch einen wunderbaren Zufall gleich das Tschakka-Buch, das mir dabei helfen wollte, mein Leben auf die Reihe zu bekommen und meine Ziele zu erreichen, die mir zu diesem Zweck erst einmal klarwerden sollten. Ich wusch mir also gruendlich das Gehirn, und meine Motivation und Energie erreichten tatsaechlich ungeahnte Hoehen. Mir wurde klar, dass ich wieder studieren wollte. Ich sah ploetzlich, was ich wirklich schon immer studieren wollte, und dass das gar nicht so unrealistisch war. Ich wurde krank und wieder gesund. Ich erklamm persoenliche Leistungsgipfel und schlitterte fluchend in Abgruende. Mein Job drohte sich erst in wirtschaftskrisengeschwaengerte Luft aufzuloesen und dann mich unter einer Flut aus Bettwaesche, Klorollen und Bierdosen zu begraben. Ich begann, einen Weiterzug nach Lappland als reale Option zu sehen, aber wuerde ich wirklich diese lieben Menschen schon wieder verlassen wollen? Der neueste Stand: eine sehr freundliche und hilfreiche Antwort der Organisation, die meinen Studiengang als online-Kurse anbietet. Die Gebuehren koennte ich mir zumindest bis zum naechstmoeglichen Semester an einer finnischen Uni gerade so leisten, und ich koennte im September beginnen, eventuell sogar schon im Mai - das waere es mir wert.

Ich bin ja bekannt dafuer, kuehne Plaene zu schmieden, aber bisher schwang da auch bei mir selbst schon lange ein "Jaja, und am Ende mache ich das sowieso wieder nicht" im Hinterkopf mit. Das Tschakka-Buch sagt "You need to believe it in order to achieve it", und das Tschakka-Buch hat verdammt recht. Mit diesem Tagebuch habe ich endlich mal etwas durchgezogen, andere vollendete Plaene folgten, und ich kann mir langsam wieder glauben. Ich habe es tatsaechlich geschafft, jeden Tag zu schreiben - was und wie war dabei eigentlich nebensaechlich; es ging vor allem darum, ueberhaupt etwas zu schreiben. Dass dann so viele Menschen meine Alltagsabenteuer mitverfolgten, ueberraschte und ueberforderte mich ein bisschen, aber es motivierte mich auch.
Von nun an will ich die Zeit, die ich in den vergangenen vier Wochen mit Tagebuchschreiben verbracht habe, zum Finnischlernen nutzen, zur Vorbereitung auf mein Studium, und sicher auch immer mal wieder zum Schreiben. So ganz klar ist es immer noch nicht, wohin mein Weg mich fuehren wird, aber auf einem guten Weg sehe ich mich jetzt.


(Nachtrag: In der Nacht nach der Party traeumte ich, dass ich mit nicht weiter definierten Freunden auf Fahrraedern unterwegs war. Der Weg war lang, fuehrte durch Ortschaften, Wiesen und Felder, ueber Treppen und Bruecken, und das Ziel war ungewiss, aber es musste weitergehen, und wir halfen uns gegenseitig. Suess, oder?)


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ein_oxymoron
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Mag ich Mag ich nicht

1

24.03.2010 - 22:10 Uhr
ein_oxymoron

ich werfe mal ein dickes danke in die runde.

seleukos
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Mag ich Mag ich nicht

0

10.04.2010 - 22:37 Uhr
seleukos

*

erbschen
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Mag ich Mag ich nicht

0

21.05.2010 - 04:49 Uhr
erbschen

2differ sagte:
Waren die besten Tagebuchbeiträge. Weit mehr als das.
Und ich glaube, niemand muss sich ernsthaft sorgen, dass Du deinen Weg gehen wirst. Weit.
Und das sagt ein geborener Gluckerich;)



hehe. schön gesagt, herr gluckerich.

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