23.03.2010 - 18:30 Uhr

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Warum die TV-Serie Mad Men der Gleichberechtigung dienlich ist

Text: philipp-mattheis

Unser Autor erklärt, wie ihn verrückte Männer die Emanzipation verstehen ließen

Männer, die über Emanzipation sprechen, fallen in eine der folgenden Kategorien:
- Sie finden starke Frauen gut, möchten aber, wenn sie sich es aussuchen können, lieber eine Frau heiraten, die die Kinder erzieht und außerdem jeden Abend ein warmes Essen auf dem Tisch. "Verbale Aufgeschlossenheit bei weitgehender Verhaltensstarre", nannte der Soziologe Ulrich Beck das.

- Sie sind Sozialpädagogen, essen den ganzen Tag Müsli und haben Verständnis für jede Form von Randgruppe – auch für al-Quaida.

- Sie glauben, dass die Welt in den 50ern noch in Ordnung war, und würden, wenn sie es könnten, die Welt zurückdrehen.


Ich fiel bisher unter Kategorie eins mit einer kleinen Portion Kategorie zwei. Ich bin der Sohn einer allein erziehenden, berufstätigen Mutter, ich arbeite gerne mit Frauen zusammen, ich finde es inakzeptabel, wenn Frauen für die gleiche Arbeit weniger Geld verdienen als Männer. Ich bin gegen klassische Rollenmodelle und halte es für vollkommen normal, wenn eine Frau meinen Computer repariert. Ich koche gern und meistens für meine Freundin. Ich bekomme allerdings Bauchschmerzen bei dem Gedanken, die Kinder zu wickeln, während sie Karriere macht. Strukturelle Unterschiede zwischen Mann und Frau gibt es heute zumindest pro forma nicht mehr. In meinem Bekanntenkreis kenne ich niemanden, der etwas von „Herd und Heim“ faselt. Mädchen oder Frauen, die die ganze Zeit über den Sexismus der Gesellschaft sprechen, finde ich deswegen überspannt, erst Recht, wenn sie auch noch unrasierte Beine haben. Ich mag Unterschiede zwischen den Geschlechtern; keine dogmatischen, aber ich halte Frauen die Tür auf und und glaube insgeheim, dass eine Frau, die nichts außer Karriere machen will, nicht wirklich glücklich wird. Männern traue ich das schon eher zu. Feministinnen werden an dieser Stelle schon einen latenten Sexismus in meinem Charakter festgestellt haben.



Ein Freund von mir, der sich selbst durchaus als emanzipiert bezeichnet, drückte es kürzlich so aus: „Eine Frau kann sich von mir aus schon wie ein Mann verhalten, nur will ich dann nicht mehr mit ihr ins Bett“. Das dachte ich lange Zeit auch: Man kann niemanden zwingen, mit jemanden anderen ins Bett zu wollen. Das ist irgendwie totalitär, von jemanden zu verlangen, etwas gut zu finden.

Ich denke jetzt anders. Schuld daran sind ein paar verrückte Männer.

Die Serie Mad Men spielt Anfang der 1960er in einer New Yorker Werbeagentur. Nicht viel passiert, doch Veränderung liegt wie ein Damoklesschwert in der Luft. Es ist die Zeit kurz vor der Bürgerrechtsbewegung, den Rassenunruhen, der Studentenrevolte, Emanzipation und der Erkenntnis, dass Rauchen Krebs verursacht. In „Mad Men“ tragen die Männer Anzüge und Hüte, sie rauchen und trinken, den ganzen Tag, vor allem während der Arbeit. Manche von ihnen sind unsympathische Karrieristen, Schleimer und Rassisten, manche liebevolle Väter, Querdenker und Unikate.

Doch alle strahlen sie Souveränität aus. Ihre Gesten und Mimik sind perfekt und verleihen jedem ihrer Worte noch mehr Bedeutung. In ihren Mundwinkeln hängte eine Zigarette, in ihrer Hand ein Whiskey-Glas - ohne Eis. Es ist diese Cowboy-Kargheit, diese Entschlossenheit, die für Männer noch heute als anziehend gewertet wird. Solche Männer sind einfühlsam, doch nie sentimental, haben Erfahrung, ohne dabei arrogant zu sein, sie treffen immer die richtige Entscheidung und diese schnell. Diese Männer haben nichts mit der "Eigentlich-Irgendwie-Man-müsste-mal"-Generation heutiger Tage gemein: Sie zweifeln nicht und wenn sie falsch liegen, scheitern sie wie tragische Helden. Jeder Mann wäre gerne so cool wie Don Draper. Manche Männer wären außerdem gerne wie Roger Sterling, für den außerehelicher Sex genauso normal ist wie acht Whiskeys und zwei Schachteln Zigaretten pro Tag.

Nur gibt es in "Mad Men" keine einzige Frau, in deren Haut man gerne stecken würde. Betty, Drapers Ehefrau, langweilt sich als Hausfrau zu Tode. Joan, deren Figur in den USA gerade runden weiblichen Formen wieder zu einer Renaissance verhilft, ist eine Art Vorarbeiterin unter den Sekretärinnen. Anerkennung bekommt sie für ihr gepflegtes Äußeres und die Fähigkeit, dafür zu sorgen, dass Männer sich während ihrer Arbeit wohlfühlen. Alle anderen Frauen sind entweder kichernde Tippsen, die sich ausschließlich für Männer und Lippenstifte interessieren, oder frustrierte Hausfrauen. Sie sind inhaltsleere Geschöpfe, von klein auf dazu getrimmt, Männern zu gefallen. Nur Peggy gelingt es, sich einen Platz in der Männerdomäne mühsam zu erkämpfen. Der Preis, den sie dafür bezahlt, ist hoch: Ihre Attraktivität und ein Baby, das seine Mutter nicht kennt.

„Mad Men“ ist ein Sittengemälde über das Ende einer Welt, in der ein paar wenige Männer ein sorgloses Leben führten auf Kosten vieler anderer. Die tragischen Frauenschicksale, die Bigotterie, der latente Rassismus wiegen die wenigen coolen Männerfiguren bei weitem nicht auf. Es gibt diese Welt heute so nicht mehr. Aber manchmal ist es gut, an sie erinnert zu werden, und daran, wie viel Kraft nötig gewesen sein muss, sie zu überwinden.

Frauen wie Betty und Joan mögen für Männer auch heute noch hin und wieder bequem sein: Sie sehen gut aus, hören auf zu arbeiten, wenn sie schwanger werden und kochen das Essen. Doch nichts ist langweiliger und trauriger, als Menschen, deren Lebensinhalt darin besteht, anderen zu gefallen.

Und Männer wie Don Draper funktionieren nur, wenn es Frauen wie Betty und Joan gibt. Ohne gutaussehende Barbiepuppen an ihrer Seite verwandeln sie sich in anachronistische Clowns.


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klinsmaus
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Mag ich Mag ich nicht

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23.03.2010 - 18:36 Uhr
klinsmaus

Stimmt: In der "Mad Men"-Welt möchte man keine Frau sein.

Trotzdem ist die Serie brillant (und der Artikel gut).

Jollscherl
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Mag ich Mag ich nicht

0

23.03.2010 - 18:58 Uhr
Jollscherl

guter text. und ich merk grad, dass ich recht ähnlich denke in dem punkt wie der autor.

majia
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Mag ich Mag ich nicht

4

23.03.2010 - 19:04 Uhr
majia

Ich verstehe nicht, wie der erste teil des artikels und der zweite zusammenhängen. was bitte hat sich denn beim autor, der denkt, "dass eine Frau, die nichts außer Karriere machen will, nicht wirklich glücklich wird" und das Männern schon eher zutraut, (was nicht sexistisch ist, sondern schlicht und ergreifend platt - weder mann noch frau wird mit NUR karriere glücklich), nach der serie verändert?

alces
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Mag ich Mag ich nicht

0

23.03.2010 - 19:12 Uhr
alces

klinsmaus sagte:
Stimmt: In der "Mad Men"-Welt möchte man keine Frau sein.

Trotzdem ist die Serie brillant (und der Artikel gut).


Ich stimme Dir zu, möchte allerdings selbst in unserer Welt keine Frau sein.

Corva
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Mag ich Mag ich nicht

0

23.03.2010 - 19:20 Uhr
Corva

gut geschrieben

susette
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Mag ich Mag ich nicht

0

23.03.2010 - 20:15 Uhr
susette

schön differenziert geschrieben!

BananenBill
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Mag ich Mag ich nicht

1

23.03.2010 - 20:57 Uhr
BananenBill

Eigentlich ein klassischer Blogbeitrag in seiner (hier absolut passenden) Selbstrefenzialität, die dann auf was Äußeres schließt. Wirklich gut!

Btw: Wo kann man diese Serie schauen??

Digital_Data
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Mag ich Mag ich nicht

4

23.03.2010 - 21:42 Uhr
Digital_Data

Naja, vielleicht ist es etwas dem Alter des Autoren zu schulden, aber die Wirklichkeit der Sechziger Jahre sah auch durchaus anders aus. Meine Mutter führte Mitte der Sechziger bis Anfang der Siebziger Jahre eine Unterkunft der Oberfinanzdirektion und hatte vorher schon eine abgeschlossene Leere als Fleichschfachverküferin und es gab viele dieser kleinen Läden mit den Klingeln am Eingang. Die Frau führte die Metzgerei oder die Bäckerei oder den Lebensmittelladen und dahinter war eine Wohnung. In der Wohnung betreute sie die Kinder, während der Mann das Vieh schlachtete oder die Brötchen machte und wenn Kundschaft kam, dann läutete diese Glocke und sie ging raus und bediente die Kundschaft. Und die Entscheidung über das gemeinsame Geschäft wurde gemeinsam getroffen, denn die Frau als Verkäuferin erzählte ihrem Mann, wir brauchen morgen mehr Gelbwurst, weil eine Kundin dies bestellt hat.

War das ein Parallel-Universum ? Nein. Natürlich gab es damals auch Männer, die ihre Frauen unterdrückten, natürlich gab es auch Firmen, die Frauen nicht in gehobenen Stellungen anstellte und natürlich gab es damals auch noch Gesetze, die gegen die Gleichberechtigung standen. Zumindest die beiden ersten Punkte gibt es heute noch und nicht zu kanpp. Und die vielen kelinen Geschäfte, die auch den Frauen Unabhängigkeit gaben, wurden in einer Phase der Emanzipation aufgelöst und zu Großbetrieben, bei denen Frauen in Ketten wie Schlecker oder Lidl unterdrückt und ausgebeutet werden.

Nun wäre es vermessen zu behaupten, der Feminismus wäre an all dem schuld. Nur die 68er-Bewegung in Deutschland zeichnete sich durch "Wer zweimal mit der selben pennt, gehört schon zum Establishment" aus. Wirklich frauenfreundlich klingt das nicht. Leider vergaßen aber eben viele Feministinnen, allen voran Alice Schwarzer, dass nicht alles Schlecht war und schrien laut raus, dass alles schlecht ist.

So hat sich viel verändert, einiges zum Besseren, aber eben auch vieles zum Schlechteren. Nie zuvor war es wohl so schwierig Job und Kinder unter einen Hut zu bringen. Ich hielt 1978 ein Referat dazu, dass mir den uneingeschränkten Applaus meines Deutsch-Lehrers einbrachte und meine Gliederung, auf Schreibmaschine für alle Mitschüler kopiert, wurde als wichtigste des gnazen Schuljahres tituliert. Einzig geändert hat sich wenig, gerade viele Dinge, die schon damals bekannt waren, haben sich bis heute nicht geändert.

Aber es erscheint ja wichtiger zu sein, sich über NoPorno, AssistentInnen und Automechanikerinnen zu unterhalten. Nur was hat diese Diskussion verändert ? Es hilft nichts, wenn wir überall Diskriminierung sehen, es wäre wichtig sie dort zu sehen, wo sie tatsächlich statt findet. Es ist aber noch viel, viel wichtiger nicht alle pauschal zu Tätern zu machen, sondern wirklich nur die, die Täter sind.

Unsere Denkweisen entstehen aus Prägungen auch aus unserer Kindheit. Wenn wir die Frau als Mutter und unsere Versogerin erleben, während der Vater auf Arbeit ist, dann prägt dies unser denken. Hier beißt sich die Katze natürlich etwas in den Schwanz. So lange Frauen die ganze Erziehungsarbeit leisten, so lange wird dieses Bild in uns fest hängen. Hängt nun auch in unserem Bild fest, dass diese Frauen frustriert sind ? Wie viele von uns würden sagen, meine Mutter war frustiert mit ihrer Situation ? Wir sollten vor allem nicht unsere Ansichten auf andere projizieren. Wir sollten Frauen die wirklich freie Entscheidung ermöglichen, doch so lange der Beruf als Hausfrau mit Kinderbetreuung nicht den gleichen Status hat, wie die, in unseren Augen wirklich, berufstätige Frau, wird die Entscheidung zwischen Familie mit Kindern und Karriere nie eine freie sein. Und leider ist diese Entscheidung heute notwendiger als je zuvor. Das ist der eigentliche Skandal, doch darüber erfahren wir nicht in Fernsehserien.

Der_Digital_Data (jetzt in 3D)

maid
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Mag ich Mag ich nicht

7

23.03.2010 - 21:50 Uhr
maid

Digital_Data sagte:

Ich hielt 1978 ein Referat dazu, dass mir den uneingeschränkten Applaus meines Deutsch-Lehrers einbrachte und meine Gliederung, auf Schreibmaschine für alle Mitschüler kopiert, wurde als wichtigste des gnazen Schuljahres tituliert.



und wen genau soll das interessieren und was genau hat das mit dem artikel zu tun?

BananenBill
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Mag ich Mag ich nicht

0

23.03.2010 - 22:09 Uhr
BananenBill

maid sagte:
Digital_Data sagte:

Ich hielt 1978 ein Referat dazu, dass mir den uneingeschränkten Applaus meines Deutsch-Lehrers einbrachte und meine Gliederung, auf Schreibmaschine für alle Mitschüler kopiert, wurde als wichtigste des gnazen Schuljahres tituliert.



und wen genau soll das interessieren und was genau hat das mit dem artikel zu tun?


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