19.03.2010 - 18:30 Uhr

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Jungs, warum seid ihr nicht so wie in den Liebesliedern?

Text: vanessa-schneider

Immer zum Wochenende: Jungs fragen Mädchen fragen Jungs. Weil manches kapiert man einfach nicht, bei denen.

Die Mädchenfrage:

Manchmal können banale Dinge eine große Wirkung auf unsere Gefühlswelt haben. Dann schaffen es die allerschönsten Liebeslieder oder Filme, dass wir nervös werden und den Leidenschaftsgehalt unserer Beziehung in Frage stellen.
Denn ihr konfrontiert uns seit Jahrhunderten mit euren Geschichten über eure pathetischen Liebestaten. Mit Geschichten wohlgemerkt, manchmal getarnt in Liedern oder Gedichten, aber nicht mit den Taten und genau da beginnt die Zweifelmaschinerie in unseren Köpfen zu arbeiten. Warum, fragen wir, seid ihr nie so, wenn ihr „anything for love“ tun würdet?

Obwohl es immer heißt, dass Romantik eine „Mädchensache“ ist, beweist ihr uns spätestens auf dem Konzert eurer Lieblingsband das Gegenteil. Da sind nicht selten die Lovesongs an und über uns unter euren Favoriten. Nehmen wir Oasis: bei "Wonderwall" liegt ihr – du und deine Jungsfreunde – euch in den Armen. Inbrünstig und lautstark grölt ihr „nobody feels the way I do about you now“ und „maybe you're gonna be the one who saves me“.
Und dann schenkt ihr uns Mixtapes, auf denen quasi die gesamte Bandbreite männlicher Zuneigungsbezeugung besungen wird. Auf denen Death Cab For Cutie uns in „I Will Follow You into the Dark“ frei nach Shakespeare bis in den Tod folgen, Tomte sich unsere Namen ins Herz tätowieren und The Cure uns mit dem ultimativen „Lovesong“ die ewige Liebe schwören.
Ihr seid es, die mit den erfolgreichsten Lovestories in die Filmgeschichte eingehen (James Camerons „Titanic“, anyone?). Denn ihr schreibt verzweifelt Liebenden ein klebriges Happy-End oder eine bittersüße Liebesgeschichte ins Filmscript, auf dass wir dahin schmelzen. Egal, ob Bond und seine Girls, Neo und Trinity oder Luke und Leia, ihre Liebesgeschichten stammen aus eurer Feder. Nicholas Sparks, ebenso männlich wie ein Johnny Cash und ein Michel Gondry, drückt unseren Tanten mit „abgedroschenen“ Erzählungen auf die Tränendrüse während uns Robs abenteuerliche Liebesgeständnisse an Laura in Nick Hornbys „High Fidelity“ zum Schmunzeln bringen.

Euer Liebesbild schmeichelt uns, aber es weckt auch Sehnsüchte in uns, die in der Realität selten bis gar nicht erfüllt werden. Das Mixtape, das Gedicht oder das Lied, in dem ihr im schönsten Konjunktiv versprecht uns im Regen eure Jacke zu schenken und für uns dem Fleischverzehr abzuschwören ist nun mal kein Ersatz dafür, dass ihr für uns tatsächlich hin und wieder nass werdet oder uns unaufgefordert bis ans andere Ende der Stadt nach Hause eskortiert.

Klar, wir sehen auch nicht alle aus wie auf Zeitschriftencovern und verhalten uns auch oft nicht so wie die Mädchen in euren Filmen und Liedern - aber auch wir freuen uns über pathetische Liebestaten, denn kleine rhetorische Beweise ziehen bei uns eben nicht. Auf eurem Rücken die Pfütze zu überqueren, die Nachricht auf dem Kopfkissen oder ein Herz auf dem Badezimmerspiegel reichen da völlig aus.
Da ihr schon davon singt, warum seid nicht auch wirklich mal so, wie in euren Liedern?

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