19.03.2010 - 18:30 Uhr

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Vorausschauende Rückschau: Das wird mal retro

Text: jetzt-redaktion - Illustrationen: Katharina Bitzl

USB-Sticks, Bionade oder die furchtbaren Ed-Hardy-Shirts? Welche Gegenstände wir jetzt aufbewahren sollten, um sie in dreißig Jahren gewinnbringend auf dem Flohmarkt verhökern zu können.

Früher war alles besser. Je älter wir werden, desto häufiger geht uns dieser Gedanke zumindest durch den Kopf. Zum Beispiel, wenn wir unser altes Kinderzimmer ausräumen oder den Quelle-Katalog aus dem Jahre 1976 in die Hände bekommen. Es entstehen dann Bilder Kopf, die sich als Geschichten auf Papier bannen lassen und ein ganzes Heft füllen könnten. Das Magazin gibt es tatsächlich. Es nennt sich „Retro-Trend“ und liegt seit ein paar Wochen an jedem gut sortierten Kiosk aus. Das „Magazin für Klassiker“ (so der Slogan) versammelt auf seinen hochglänzenden Seiten alles Wissenswerte rund um Rennräder, Kassetten, Polaroid-Kameras und Dieter-Thomas Heck.

Es macht Spaß, das Ding zu lesen. Irgendwie lässt es einen aber auch nachdenklich werden. Wie kommt es, dass sich manche Gegenstände so unauslöschlich in das Gedächtnis einer Generation eingraben? Gibt es Gesetze, aus denen sich ableiten lässt, welche Dinge der Jetztzeit uns auf zukünftigen Flohmärkten reich werden lassen? Die jetzt.de-Redaktion hat auf den folgenden Seiten neun Gegenstände versammelt, von denen wir annehmen, dass sie in spätestens dreißig Jahren Kultstatus erlangt haben.

Was meinst du: Welcher Modetrend von heute wird später mal als „total retro“ auf American Apparel Kleiderbügeln wiederbelebt werden? Welchen Gegenstand bewahrst Du auf, damit ihn Deine Kinder eines Tages ehrfurchtsvoll aus der Gerümpelkammer fischen können?



Die „Gina, George & Lucy“-Tasche

Sie ist auffallend plump, erschreckend hässlich und vor allem ist sie überall: die „Gina, George & Lucy“-Tasche. Da es so verdammt schwierig ist, den harmlosen Mainstream-Teufel als solchen zu erkennen und ihm die Zunge rauszustrecken, hat mittlerweile jedes zweite Mädchen dieses Landes eine dieser Karabinerhaken-Nylontaschen an der Hand. Und da Retro in Wirklichkeit nichts anderes als der Trend von gestern ist und damit das Retro von morgen der Trend von heute sein wird, gehört Gina, George und Lucy die Zukunft.

Das klingt jetzt kompliziert und sehr traurig. Vor allem deswegen, weil der bunte Schnallen-Schreck wirklich so unelegant daherkommt, dass er eigentlich jedes designgeschulte Auge blitzartig erblinden lassen müsste. Andererseits: Bestimmt wäre für die Styler der 80er Jahre eine Welt zusammengebrochen, hätten sie gewusst, dass ihre Kinder eines Tages mit Helmut-Kohl-Brille, Schnauzer und neonfarbenem Brustbeutel durch Berlin-Mitte flanieren werden. Der Retro-Trendsetter bildet sich ja gerne ein, den Style neu erfunden zu haben. In Wirklichkeit trägt er, mehr oder weniger gekonnt, die Modesünden der Vergangenheit auf.

Ich finde zwar, dass das immer noch besser ist als gleich morgen mit Jeans in kniehohen Stiefeln das erstbeste Kaufhaus in der Fußgängerzone zu betreten, um eines dieser kreuzhässlichen „Gina, George & Lucy“-Täschchen abzugreifen. Meine imaginäre Tochter würde es mir in zwanzig Jahren aber bestimmt danken. Vorausgesetzt sie ist retrobegabt und fest gewillt, jedem Trend-Teufel die Zunge rauszustrecken.


anna-kistner


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