15.03.2010 - 18:30 Uhr

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Video der Woche: Lady Gaga und das Ende der Bescheidenheit

Text: christina-waechter

Und dann war es auf einmal wieder da – das Musikvideo als lang ersehntes Ereignis, inklusive Countdown und mitternächtlicher Erstaufführung. Und verantwortlich für diesen Hype (und sei es auch nur ein kurzfristiger) ist genau eine Person: Lady Gaga.

Lady Gaga ist die erste Künstlerin seit Jahren, ach was: seit Ewigkeiten, die es schafft, mit so etwas Banalem wie einer Videopremiere die Popkultur-Gemeinde in Atem zu halten. Und als das Video da war, da machten sich Heerscharen von Bloggern daran, das Video in Einzelbilder zu zerlegen und eine Exegese bereitzustellen.

Das funktionierte bei „Paparazzi“, das wurde geradezu hysterisch bei „Bad Romance“ und auch bei ihrem aktuellen Video „Telephone“ ist es nicht anders. Wochen vorher wurden Fans häppchenweise mit Fotos vom Videodreh versorgt, der Starttermin für das Video wurde mehr als einmal verschoben und die Gerüchteküche kochte geradezu über, als Lady Gaga via Twitter verkündigte, sie habe großes Mitleid mit „Bad Romance“, aber es sei nicht zu leugnen, dass „Telephone“ das bessere Video sei. Und dann war es tatsächlich soweit – in der Nacht von Donnerstag auf Freitag wurde „Telephone“ zum ersten Mal öffentlich aufgeführt; was an sich schon bemerkenswert ist, angesichts der Tatsache, dass es kaum ein Hollywood-Studio mehr hinbekommt, seine Filme bis zum Start unter Verschluss zu halten.

„Telephone“ ist kein gewöhnliches Musikvideo, so wie auch Lady Gaga keine gewöhnliche Sängerin ist. Da ist zunächst die schiere Länge des Videos: „Telephone“ dauert in der Originalversion erschöpfende neun Minuten und 32 Sekunden – länger als die meisten Kurzfilme und auch sehr viel länger als die vermutete Aufmerksamkeitsspanne eines jeden internet-geschädigten jungen Menschen in der heutigen Kurzkultur-Zeit.

Das Video beginnt mit einem elendiglich langen Vorspann, in dem wir Gaga dabei zusehen, wie sie sich im Frauengefängnis ("Prison for Bitches") akklimatisiert, werden Zeugen einer derben Schlägerei unter Frauen und erleben die drei ersten von vielen folgenden Product Placements.
Nach drei Minuten voller Gefängnisatmosphäre und Bitchslapping, fängt Gaga endlich an zu singen und zu tanzen – im Gefängnis-Korridor, in Unterwäsche aus schwarzem Leder, besetzt mit Nieten.
Und das ist erst der Anfang.



Völlig klar, dass ein antizipiertes Ereignis, wie dieses Video eine Menge Kritik von enttäuschten Fans und hauptberuflichen Kritikern erntet. Und so ganz unrecht haben einige Kritiker auch nicht: so bemängeln sie unter anderem die vielen Einstellungen auf Unterleibshöhe und die Tatsache, dass Video und Song nichts miteinander zu tun haben.

Aber vielleicht macht gerade das einen großen Teil der Anziehungskraft von Lady Gaga aus: Sie schafft aus der Durchschnittlichkeit ihres Songmaterials in Verbindung mit den visuellen Abenteuerlichkeiten, die ihrer Fantasie entspringen, etwas, das größer ist, als die beiden Teile. Und die Tatsache, dass sie uns Songs verkaufen kann, die vom Anruf eines nervigen Freunds handeln, während man gerade "am Abdancen" ist, ist nur ein weiterer Beweis ihrer Größe.


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ThomasCrown
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Mag ich Mag ich nicht

1

15.03.2010 - 19:04 Uhr
ThomasCrown

ich glaube, das feuilleton möchte immer noch sehr gerne in ihr die neue madonna sehen.

m0n0
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Mag ich Mag ich nicht

2

15.03.2010 - 19:08 Uhr
m0n0

"so bemängeln sie unter anderem die vielen Einstellungen auf Unterleibshöhe und die Tatsache, dass Video und Song nichts miteinander zu tun haben."

Es ist also soweit: Die erste Generation, die nie gelernt hat, wie ein typisches Pop-Musikvideo funktioniert, ist in den Medien angekommen. Ich fühl mich alt.

AlfredBusenfreund
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Mag ich Mag ich nicht

4

15.03.2010 - 20:00 Uhr
AlfredBusenfreund

Die Zigaretten-Sonnenbrille ist super und reichlich Busen gibts auch, ansonsten kann ich dem ganzen Kill Bill Verschnitt nichts abgewinnen.

Digital_Data
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Mag ich Mag ich nicht

5

15.03.2010 - 20:14 Uhr
Digital_Data

Ärgerlich !!

Wenn man Musikvideos, die Kurzfilme sind, wie im Text bereits erkannt, dann sollte man von der Machart von Kurzfilmen eine gewisse Ahnung haben, sorry für die deutlichen Worte.

Ein Gefängnis steht nicht unbedingt für ein Gefängnis, in Kurzfilmen werden sehr oft Symbole verwendet. Ein Gefängnis kann dort z.B. auch dafür stehen, dass man in etwas gefangen ist, in einer Lebenssituation oder einem Lebensgefühl oder eben sich zu geben wie eine Bitch. Das Video ist wieder voll mit Symbolen, nur ein Beispiel die Crime-Scene-Klebebänder auf dem Körper von Lady GaGa, hauptsächlich am Gehirn, Busen und Unterleib, dies verstehe ich zumindest als die Kriminalisierung dieser Körperregionen.

Wie sehr der Autor dieses Textes hier daneben liegt, nur an einem Beispiel, Lyrics der Strophe eins, im Video im Gefängnis:

Just a second,
It's my favorite song they're gonna play
And I cannot text you with
A drink in my hand, eh?
You shoulda made some plans with me,
You knew that I was free.
And now you won't stop calling me
;
I'm kinda busy.


Sie wurde zuerst nicht angerufen, mit ihr wurde nichts unternommen, nun reagiert sie nicht mehr, weil anderes wichtiger ist und sie sagt, "stop calling me". Sie will es jetzt nicht mehr und verläßt das Gefängnis. Dass das Video nichts mit dem Song zutun hat, ist schlicht lächerlich. Beides ergänzt sich zu einem neuen größeren.

Das Video ist, was Fotografie und Schnitt angeht erneut sensationell. Sie hat mit Jonas Akerlund jemand gefunden, der ihre Aussagen fantastisch umsetzen kann, genauso mit Symbolen wie in ihren Songs, denn schon in Poker Face ging es nicht um Pokern. Außerdem heißt es immer "Serial Pictures", die einzelnen Videos bauen aufeinander auf, wir sehen auch in Telephone kurze Sequenzen aus "Paparazzi" (Lady GaGa - Paparazzi - Eine Interpretation) und ist die logische Folge auf Bad Romance. Siehe Lyrics oben.

Wie bereits schon vor einiger Zeit hier gepostet, ein Vergleich mit Madonna wird und wurde ihr nie gerecht. Sie geht Michael Jacksons Weg und das ist der, mit dem wir sie vergleichen sollten, er hatte Videos die Weltpremiere hatten, er hatte Videos in epischer Länge und auch er erzählte viel über sich in seinen Videos und Songs.

Der_Digital_Data (jetzt in 3D)

ThomasCrown
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Mag ich Mag ich nicht

1

15.03.2010 - 20:43 Uhr
ThomasCrown

ach, das ist von akerlund? der letzte der großen videomacher, der noch nicht zum "richtigen" film abgewandert ist, oder (jonze, gondry, glazer, romanek...), oder?

shafty
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Mag ich Mag ich nicht

1

15.03.2010 - 21:12 Uhr
shafty

da muss ich mal zu ganz profanen worten greifen: geile scheisse!

jushi
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Mag ich Mag ich nicht

0

15.03.2010 - 21:23 Uhr
jushi

das ist ein gutes video (nicht schön oder so, aber "gut"). ich kann mich aber trotzdem immer noch nicht entscheiden ob diese gaga-tante eine große künstlerin oder einfach riesiger schrott ist.

ThomasCrown
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Mag ich Mag ich nicht

0

15.03.2010 - 21:31 Uhr
ThomasCrown

ein referenzgewitter mit mehr interesse an mode als an einer story. nix verwerfliches für ein musikvideo, aber auf neun minuten aufblasen muß man das nicht.

und der song ist leider völlig belanglos. den wird das video nicht retten können.

ramtamtam
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Mag ich Mag ich nicht

0

15.03.2010 - 21:42 Uhr
ramtamtam

ThomasCrown sagte:
ein referenzgewitter mit mehr interesse an mode als an einer story. nix verwerfliches für ein musikvideo, aber auf neun minuten aufblasen muß man das nicht.

und der song ist leider völlig belanglos. den wird das video nicht retten können.


dito. alles irgendwie schon 100mal woanders gesehen.

madonna dagegen hat ja früher ausgezeichnet, dass sie ihre ideen aus bereichen geholt hat, die noch nicht in den mainstream vorgedrungen waren, so dass scheinbar neues herauskam. das fehlt mir hier.
ein aufwendiges und gut gemachtes video. das ist vielleicht vergnüglich anzuschauen, aber wie immer hapert es bei lady gaga am inhalt.

denn: ja, auch mainstream-pop kann inhalt haben.

Digital_Data
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Mag ich Mag ich nicht

2

15.03.2010 - 22:19 Uhr
Digital_Data

@ThomasCrown und @ramtamtam

Viele der Oberflächlichen erkennen halt Inhalt nicht, wenn er verpackt ist und nicht ganz so offensichtlich wie bei einer Madonna präsentiert wird und zum Beispiel über Symbole transportiert wird. Lady GaGas Stil ist es eben, den Inhalt der Lyrik, die an gewisse musikalische Ton- und Soundgesetze des Songs gebunden ist in den Spielszenen dazwischen weiter zu erläutern und zu ergänzen. Würde sie es kombinieren, würde sie die meisten wohl noch mehr überfordern ;-).

Der_Digital_Data (jetzt in 3D)

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