Warum Lena gegen Jennifer gewann
Text: Digital_Data
Für die, die anmerken wollen, jetzt weiß er alles, ich habe meine Vorhersagen unter Unser Star für Oslo: Besser als DSDS ist nicht gut ! als Kommentare gepostet, jeder kann da prüfen, was ich vorher dachte, bzw. während dessen aber eben bevor die Entscheidungen fielen.
Am Freitag lief alles für Lena. Zunächst musste sie bei Satellite als Zweite auftreten. Jennifer konnte aus diesem Song nichts machen, da sie ihre außergewöhnliche und kraftvolle Stimme nicht richtig einsetzen konnte. Sie konnte nichts vorlegen, im Chat wurde der Song als langweilig beschrieben, was er auch ist, eine nichtssagende Pop-Nummer. Nur Lena machte mit ihrer Präsentation etwas aus diesem Song und auf einmal war er interessant, damit pulverisierte sie Jennifer bereits in der Kurve zur Zielgeraden. Sie zeigte im direkten Vergleich, ich bin besser. Deshalb wurde auch dieser Song für sie gewählt.
Für Jennifer kam der dritte Song, der ihre Stimme zur Geltung kommen ließ, zu spät. Im Finale nun hatte Lena wieder Glück, sie musste als Erste singen. Das Lena und Jennifer die Entscheidung, wer die erste Kugel zieht, spontan unter sich mit Schnick, Schnack, Schnuck tausenden Mal origineller ausmachten, als die Macher mit zwei Kugeln, sei nur am Rande erwähnt. Und das Kameras und Schnitt das im Prinzip verpassten, sei nicht nur am Rande erwähnt, denn es zeigt die unterirdische Qualität unserer TV-Leute.
Doch zurück zum Finale. Zwar war ihre Performance beim zweiten Mal lange nicht so gut, wie beim ersten Mal, sie wollte es steigern, schaffte dies aber nicht, doch ihr half Jennifer. Der Start ihres Songs mit dem absolut langweiligen und lustlos wirkenden Side-Step-Schritt, schön hin und zurück, fiel um Lichtjahre gegen Lena ab. Das konnte auch die hervorragende und gesteigerte Gesangsperformance nicht mehr ausgleichen. Live muss man den Song auch verkörpern. Dazu gleich mehr.
Hat Lena Chancen beim ESC ? Dazu muss man erklären, wie man dort gewinnt. Die Nummer muss eine Einheit darstellen. Ich beschreibe es mal so, ob ein Song eine Einheit bildet, dazu sollte man einen Song mit geschlossenen Augen anhören, dann bekommt man im Kopf eine Vorstellung davon, wie das auszusehen hat und die wirkliche Performance muss damit übereinstimmen. Wenn man "ein bißchen Frieden" hört, dann stellt man sich weiße Tauben, blonde Mädchen und eine ruhige Atmosphäre vor und man bekommt ein blondes Mädchen mit einer weißen Gitarre. Eine Einheit, gegen die man sich nur schwer wehren kann.
Das gilt für viele der Gewinner. Lordi zeigen das was man hört, selbst die Olson-Brothers zeigen dies. Diese Übereinstimmung hängt natürlich auch etwas mit der kulturellen Prägung zusammen, die bei Frieden eben weltweit sehr ähnlich ist. Dies ist gerade bei einem Song, den man zuerst auch visuell erlebt, wie die meisten ESC-Songs, sehr wichtig. Das zeigt aber auch, warum viele ESC-Gewinner-Songs so wenig kommerziellen Erfolg haben, weil lediglich diese Einheit den musikalisch-gesanglichen Mangel übertüncht.
Der Song Satellite nun ist, übrigens genauso wie "Love me", nicht "verrückt" genug für Lena. Obwohl sie den Song schon sehr an sich angepasst hat, deshalb gewann sie aber auch zurecht gegen Jennifer. Weil sie dieses "Vermögen" hat, die Songs an ihre Art und Weise anzupassen, damit wirkt das eben auch unglaublich natürlich, zu ihr passend.
Kommen wir zurück zu der Frage, hat Lena eine Chance. Natürlich hat sie die, es zählt eben nicht nur das Punktezuschieben, denn neben diesem Zuschieben bekommen eben auch andere Länder Punkte und diese Punkte machen den Sieg aus, deshalb waren unter den ersten drei in den letzten Jahren eben auch Songs aus Griechenland, der Türkei, Belgien, Island, Malta oder Israel. Entscheidend wird sein, wie sehr man ihr diese Einheit lässt und wie wenig man von außen in diese Einheit störend eingreift. Sie hat dafür ein hervorragendes Gespür, dass hat sie bewiesen.
Das Format hat aber auch bewiesen, dass es gegen dieses Gespür der Sänger arbeitet. Deshalb ist es schlecht drei Songs in nicht einmal drei Tagen einzustudieren, denn es geht nicht um das Einstudieren, sondern um das Anpassen an einen selbst. Hier hat Lena Unglaubliches geleistet, doch das Format ist Quark, dass es größer nicht geht.
Den Song nicht wirklich auf den Künstler zu schreiben und vor allem zu arrangieren ist ebenfalls absoluter Mist. Und über den Sieg haben letzten Endes nebensächliche Gründe, wie die Reihenfolge, entschieden. Die Jury ist in großen Teilen unter aller Kanone, weil sie vieles von dem was dort passiert ist, nicht artikulieren konnte.
Wenn wir beim ESC gut abschneiden, dann weil sich eine Sängerin gegen dieses Format behaupten konnte und nicht, weil es durch das Format unterstützt wurde. Warum man das am Schluss in so eine terminliche Hatz gebracht hatte, man hatte ein Jahr Zeit, und keinen wirklich perfekten Song für Lena und Jennifer schreiben konnte, bleibt unerklärlich. Den ein wirklich guter Song für Lena hätte gegen die einzige Qualität von Satellite, besser zu sein als Jennifer, bestehen können.
Wenn man hier für die Zukunft was aufbauen will, sollte man aus den Fehlern lernen, sie sind zu offensichtlich.
Digital_Data
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26.04.2010 - 09:29 Uhr
2differ