Die Bildbewertungszentrale
Ein Münchner Unternehmen lässt den ersten Eindruck von Profilfotos im Internet benoten. Wozu das gut ist? Unsere Autorin hat es ausprobiert - und hat sich erschrocken
Nichts als die Wahrheit. Es ist kein bescheidenes Versprechen, das Rolf Janka und Robert Hörmann den Besuchern ihrer Website verheißen. Seit einem halben Jahr sind die beiden mit ihrem Unternehmen Check your Image online. "Sie wollen wissen, wie Sie Männer wirklich wahrnehmen?" lautet eine der Fragen, auf die Janka und Hörmann eine ehrliche Antwort zum Kauf anbieten. Die Image-Checks kosten zwischen 5 und 50 Euro und bestimmen per anonymer Umfrage unter mindestens 40 Testern sowas wie den ersten Eindruck, den ein Gesicht bei fremden Betrachtern hinterlässt. Das kann für Jobsuchende wichtig sein, die mit einem perfekt inszenierten Passbild-Lächeln den kritischen Blick des Personalers überlisten wollen. Oder für Singles, die ihren Marktwert in Partnerbörsen steigern möchten. Alexander hieß der Junge, der das böse Wort damals als Erster aussprach. "Brillenschlange" krähte er und zeigte mit seinem ausgestreckten Zeigefinger auf das rosarote Metallgestell in meinem Erstklässler-Gesicht. Ich hasse ihn heute noch dafür, muss aber davon ausgehen, dass Alexander in all den Jahren der Einzige war, der es je gewagt hat, mir seine schlechte Meinung über meine Brille ehrlich ins Gesicht zu sagen. Gegen Kritik bin ich jedenfalls abgehärtet. Denke ich. Ein "Partner Check 4 Women" kann mir nicht schaden. Als Referenz-Bild lade ich das Profilfoto meiner jetzt.de-Seite auf den Check your Image-Server. Die Idee zur Gründung kam Rolf Janka vor zwei Jahren, als eine Kollegin überreichlich aufgedonnert auf einer Firmenfeier erschien und es niemand wagte, sie darauf hinzuweisen. Das neue Geschäftsmodell macht sich die höfliche Verlogenheit bei persönlichem Feedback nun zum Vorteil. Eigentlich könnte mir ja egal sein, welchen Eindruck die User von meinem Brillengesicht haben, wenn sie mir auf jetzt.de in der rechten oberen Ecke des Browserfensters in die Augen sehen. Andererseits habe ich jedes Bild meiner Foto-Bibliothek zwei Mal angeklickt, bis ich mich für ein Profilfoto entschieden hatte. Es sollte nicht zu übertrieben cool sein (Anna mit Mikrophon auf der Bühne), es sollte nicht nach Kunst aussehen (Anna schaut ernst seitlich an der Kamera vorbei) und nach Urlaub sollte das Profilbild möglichst auch nicht aussehen. Bilder, auf denen ich lache, kamen nicht in Frage. In den nächsten drei Tagen werden 50 Männer im Alter zwischen 25 und 35 Jahren mein Erscheinungsbild beurteilen. So lange dauert die Auswertung eines Image-Tests. Vielleicht, frage ich mich jetzt, gucke ich auf meinem Profilbild ein bisschen zu forsch?
- Abschied vom Wachtturm: Drei Frauen und ihre Leben nach den Zeugen Jehovas 20.05.2012
- Was vom Macchiato-Meeting übrig bleibt 13.05.2012
- Zwei Pfund Nostalgie, bitte 13.05.2012
- Im Zeugungsstand 06.05.2012
- Hooligans - Es geht nicht darum, andere ernsthaft zu verletzen 06.05.2012
Alle Kommentare anzeigen
ThomasCrown sagte:
(oder hieß das company?)
es heisst company. und ich bin so emanzipiert, zwischen sexueller Belästigung und einfachem Kompliment unterscheiden zu können. Ich denke, wenn man 1 mal in 3 Jahren vom Chef ein Kompliment bekommt, ist das durchaus zulässig, aber anscheinend bin ich hier von völlig neutralen Arbeitsmaschinen umgeben, die immer mit Scheuklappen und hochgeschlossener Kleidung "auf Arbeit" gehen.
ThomasCrown sagte:
never fuck the crew.
Wie prollig... "never dip your pen in the company ink", sagt der etwas Nivea-Verschmiertere.
ThomasCrown sagte:
alces sagte:
octopussy sagte:
Für mich als Frau kann es durchaus ein Kompliment sein, wenn mir jmd, mit dem ich sonst nur fachliches bespreche auch mal ein Kompliment macht. Es ist auch die Frage, wie das gemacht wird.
Eher riß ich mir die Augen aus dem Kopf, als mich zu derart Unprofessionellem hinreißen zu lassen. Es sei denn, ich würd' die Trulla wirklich gern mal ...
never fuck the crew.
Never say never again
octopussy sagte:
Scheuklappen und hochgeschlossener Kleidung
Ich mache das zum Schutz der Kolleginnen! Das letzte Mal, daß ich eine richtig gut fand und das auch (verhalten) gesagt habe, wurde die zuerst krank und dann entlassen. Seitdem bin ich überzeugt, einen Komplimente-Fluch auf mir lasten zu haben...
alces sagte:
octopussy sagte: Scheuklappen und hochgeschlossener Kleidung Ich mache das zum Schutz der Kolleginnen! Das letzte Mal, daß ich eine richtig gut fand und das auch (verhalten) gesagt habe, wurde die zuerst krank und dann entlassen. Seitdem bin ich überzeugt, einen Komplimente-Fluch auf mir lasten zu haben...
ja, ist ja auch ok, und ihr habt ja auch Recht, dass man damit tierisch aufpassen muss auch das generelle Betriebsklima anbelangend.
Zumal dann schnell der Zickenkrieg ausbrechen kann.
Man muss dazu sagen, dass es bei uns im Büro ziemlich familiär ist, dass alle gleichberechtigt sind und dass da keiner sich was bei denkt, wenn er mal ein Kompliment macht oder bekommt.
für mich gehört allerdings auch ein bewusstes betonen derselben defintiv nicht ins büro.
kikuju sagte:
also, mir hat mein chef auch schon mal ein kompliment zu meinem aussehen gemacht (ich ihm übrigens auch schon - zumindest auf abteilungseben geht es heir auch recht familiär zu) und das war aber überhaupt nicht mit einem auch nur streifenden blick auf meine oberweite verbunden.
für mich gehört allerdings auch ein bewusstes betonen derselben defintiv nicht ins büro.
alles, was über "waren Sie beim frisör?" raus geht, würd mich schon arg befremden. ich fand "sie tragen ja heut gar keine brille. das steht Ihnen auch sehr gut." schon komisch.
und busen im büro: ich wüsst nicht, wieso ich die da präsentieren sollte. das führt ja zu nix.
Alle Kommentare anzeigen








0
15.03.2010 - 12:39 Uhr
ThomasCrown