Tag 19: Das Hirn muss auch was essen.
Tja, da hatte ich mir also den Zettel geschrieben, um mich daran zu erinnern, morgens noch schnell ein neues Monatsticket zu kaufen. Haette auch daran gedacht, eine Haltestelle weiter zum frueher offenen Kiosk zu fahren. Allerdings fiel mir dann auf, dass ich das Geld bzw. die EC-Karte ja in der anderen Tasche hatte... Moep. Wenigstens konnte ich gerade noch aussteigen und den frueheren Bus erwischen. Und naechsten Monat werde ich hoffentlich wieder mit dem Fahrrad fahren koennen. Oder sowieso in Lappland wohnen.Arbeit: viel, schon wieder. Neuneinhalb Stunden. Die Kollegin starb schon wieder, ich war allerdings schneller als sonst, aus der Motivation heraus, endlich ins Wochenende zu kommen.
Notiz an mich: den blauen Waeschebeutel nicht mit "blau, blau, blau" merken. Provoziert Ohrwurm der uebelsten Sorte. Ich glaube, wenn ich hier noch viel laenger arbeite, dreht mein Hirn ganz durch. Wenigstens liess es Heino von Nippeln statt Lippen singen.
Dafuer entdeckte ich im letzten Zimmer zwischen drei (!) leeren Champagnerflaschen einen Schatz im Muelleimer: eineinhalb Packungen duennes finnisches Fladenbrot, zwei Sorten feine Wurst, ein paar Pekan-Nuesse uebrig in der Packung, eine Plastikbox mit Nudelsalat, eine mit ein paar Cocktailtomaten, eine mit gruenen und blauen Weintrauben. Ueber das Gluten- und Tierzeugs freute sich die Kollegin, den Rest packte ich ein. Unglaublich, was diese Leute einfach wegschmeissen wollen, und das war gar kein so seltener Fall.
Aus der Reihe "mal wieder soo typisch": Ich rutschte in Arbeitsschlappen und kurzaermeligem Hemd mit zwei grossen Muellsaecken ueber das Eis im Hinterhof zum Container. Niemand hatte es fuer noetig gehalten, zu streuen, also war es sehr glatt. Ich ging ganz vorsichtig, beobachtet vom rauchenden Restaurantpersonal, und ich schaffte es tatsaechlich, die beiden Muellsaecke zu balancieren und im Container zu versenken. Stolz und beschwingt marschierte ich zurueck zur Hintertuer - und knallte mit voller Wucht aufs Eis. Beobachtet vom rauchenden Restaurantpersonal. Rappelte mich unverzueglich auf, genervt von mir selbst und dem Publikum, klopfte Schnee und Dreck ab und stapfte weiter. War was? Es war nichts. Es gibt nichts zu sehen. Mir tropft nur ein bisschen Blut aus dem Handballen. Und aus dem anderen auch. Und an drei Stellen aus dem Unterarm. Sonst nichts. Zum Glueck muss ich die naechsten zwei Tage nicht arbeiten, sonst muesste ich wieder duct tape ueber die Pflaster kleben, weil die Scheissdinger die Arbeit nicht aushalten.
Zu Hause keine to-do-Liste. Ich duempelte ziellos im Internet herum und schaemte mich schon etwas dafuer, aber das sollte heute mal erlaubt sein, nach dieser anstrengenden Arbeitswoche und zur Feier des Wochenendes. Dann allerdings entdeckte ich, dass man auf der website des Studienprogrammes, das ich unbedingt machen will, Vorlesungsunterlagen runterladen kann. Ich lud und ueberflog und haette am liebsten sofort mit dem Studium angefangen. Es klang alles so spannend, die Skripte schienen richtig gut zu sein, ich wollte jetzt unbedingt lernen. Am Ende hatte ich meinen Vorsatz vergessen, erst den Finnischkurs zu beenden, und verschlang das erste Modul des Einfuehrungskurses. Dann das zweite. Dann fiel mir auf, dass ich auch mal schlafen sollte. Sieht aus, als wuerde beim naechsten Studium wirklich alles besser.
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- Tag 24- nachgereicht 18.03.2010







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13.03.2010 - 15:53 Uhr
serenademe