11.03.2010 - 22:21 Uhr

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Tag 18: Noch zwei mal schlafen bis Ausschlafen.

Text: ein_oxymoron in Tagebuchschreiber (1132)

Das Gute am Maerz ist, dass es deutlich heller wird. Inzwischen brauche ich fast keine Lampe mehr, wenn ich um halb sieben aufstehen muss. Ueberhaupt strahlt schon seit Samstag staendig die Sonne. Das Schlechte am Maerz ist, dass es sporadisch waermer wird. Bis zu vier Grad plus hatte es in den letzten Tagen. Plus = Matsch. Was auch noch lange nicht heisst, dass es jetzt hier Fruehling wird. Der Winter hat nur eine kurze Verschnaufpause eingelegt, zum Wochenende soll es wieder Frost und Schnee geben. Macht auch nichts, ich habe durchaus Lust auf noch eine Runde Schnee. Ich mag es, wie das ganze Stadtgrau weiss wird, wie man die wenig benutzten Autos teilweise nur noch erahnen kann, wie zur urbanen Lawinenpraevention der Schnee systematisch von den Daechern geschmissen wird... Das ist ueberhaupt mein neuer Lieblingsberuf, Schneeschmeisser. Die gehen von Gebaeude zu Gebaeude, sperren unten den Gehsteig, dann schaufeln sie mit Schwung den Schnee vom Dach: wuuuuuuusch! Das sieht so super aus. Und klingt auch super: "Und was machst du so?" - "Ich schmeisse Schnee vom Dach". Ich will auch Schnee vom Dach schmeissen.

Stattdessen musste ich wieder Zimmer saubermachen. Heute sagte mein Arbeitsplan 11,5 Stunden, die Kolleginnen wuerden spaeter dazukommen, hatten aber davor selbst ordentlich zu tun. Es wurde allerhoechste Zeit fuer ein Wochenende. Wenn mich die liebe Vorgesetzte fragen wuerde, ob ich Samstag noch kommen kann, wuerde ich aber selbstverstaendlich trotzdem laecheln und "sure" sagen.
Ich liess mein Hirn nach einem motivierenden Lied suchen. Es fand Manowar - Carry On. Hey, immerhin hatte es dafuer getaugt, mich durch die subjektiv endlose Zeit bis zum 18. Geburtstag zu bringen. Mit einem froehlich gebruellten "fight to stay alive" im Ohr arbeitete es sich auch gleich viel schneller und amuesierter.

Highlights:
- In einem Zimmer war das haessliche "Moderne Kunst"-Bild mit einem kindergekritzelten Tyrannosaurus Rex ueberklebt.
- Ein ansonsten ordentliches stayover-Zimmer, nur das Bett sehr zerwuehlt. Auf dem Nachttisch ein Buch: "Die Orks - Blutnacht".
- Ein noch frisch aussehender Tulpenstrauss, der jetzt bei mir zu Hause steht.
Lowlights:
- Bettwaesche wechseln in den stayovers des Grauens. Heute mit weniger Dreck, aber noch mehr Zeug. Ich ueberlege, schnell nochmal glaeubig zu werden, damit ich drei Kreuze machen kann, wenn die endlich weg sind.
- Das Zusatzbett wieder in ein Sofa umwandeln. Sehr, sehr aetzend und zeitraubend. Das ganze Bettzeug muss in den staff room zurueckgebracht werden, das schwere Polster raus, die extrem stoerrische Matraze eingeklappt, das schwere Polster wieder rein, die Kissen drauf. Ruecken gerade. Moeglichst symmetrisch bleiben. Nachdem ich mal an einem Tag drei solcher Betten ausklappen musste, hatte ich tierische Schmerzen im Hueftbereich und konnte tagelang kaum arbeiten. Erst zwei Wochen, nachdem ich mit taeglicher Rueckengymnastik angefangen hatte, verschwanden sie. Die Rueckenuebungen sind etwas, wozu ich mich seitdem fast jeden Tag disziplinieren konnte - wenn ich es mal zwei Tage vergessen habe, spuere ich es.
Als ich die Tortur gerade hinter mich gebracht hatte, erschien die Halbvorgesetzte, um mir zu sagen, dass das Extrabett wieder gebraucht wuerde und ich das Ganze noch einmal umgekehrt machen musste.
WTF-light: Ein Mann mit grossem weissen Hund erschien in der Tuer, als ich gerade im staff room arbeitete. Der Hund spazierte froehlich rein, der Mann tat nichts dagegen. Ja klar, lass ruhig mal das Vieh in der frischen Bettwaesche rumspielen, kein Thema.


Den halben Abend musste ich dann voellig sinnloserweise mit der Suche nach wichtigen Dokumenten verbringen. Ich dachte, sie seien im grossen Ordner mit den anderen wichtigen Dokumenten, aber da waren sie nicht. Das geht so nicht. Das muss besser werden.
Und puenktlich um kurz nach 9 fiel mir wieder ein, dass ich ja ab morgen ein neues Monatsticket brauche. Klar, wie lange die Verkaufsstellen offen haben. Ich muss mir echt alles aufschreiben, sonst vergesse ich es. Ich glaube das selbst gerne nicht und falle immer wieder drauf rein - "Ach, das kann ich mir merken". Moep. Gar nichts kann ich mir merken. Manchmal komme ich mir vor wie die Blondine beim Friseur, die nach dem Absetzen ihrer Kopfhoerer stirbt, weil sie dann nicht mehr ans Ein- und Ausatmen erinnert wird. Dann also morgen frueh bis zu dem Kiosk fahren, der um halb 8 schon aufmacht, und den spaeteren Bus nehmen. Dieses mal schrieb ich mir einen Zettel, den ich beim Mantelanziehen sehen muss. Ob der Tramfahrer was dagegen hat, wenn ich einen Zettel an der Tuer anbringe "Noch nicht aussteigen!"..?


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4 Kommentare

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missingPola
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Mag ich Mag ich nicht

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11.03.2010 - 22:12 Uhr
missingPola

toll, jetzt ist es sogar in finnland schon wärmer als hier :(
(zumindest ein bisschen)

regenbogenregina
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Mag ich Mag ich nicht

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11.03.2010 - 23:34 Uhr
regenbogenregina

Bei dem Buchtitel muss ich glatt an meinen seit heute liebsten Filmtitel aller Zeiten denken: "Das Blutgericht der reitenden Leichen"

ThomasCrown
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Mag ich Mag ich nicht

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12.03.2010 - 00:27 Uhr
ThomasCrown

@schneeschmeißen: haben sie bei uns auch vom dach geschippt, nachdem eine minilawine ein autofenster durchschlagen hatte. feuerwehreinsatz mit drehleiter, dreistündig. und wer muß es zahlen? grrrrrr.

Nick_ko
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Mag ich Mag ich nicht

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12.03.2010 - 09:38 Uhr
Nick_ko

Herrlich! Immer wieder schön, dein Leben zu lesen. Jeden Tag wieder.

Frag doch den Busfahrer mal ganz lieb, ob er dir nicht einfach ne Durchsage macht, wenn du aussteigen sollst. Damit hab ich in fremden Städten sehr gute Erfahrungen gemacht. :)

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