Tag 17: Selbstdisziplin
"So there's not enough work, they say", meinte die Kollegin heute morgen sarkastisch. "This is killing me."8,5 Stunden sagte mein Plan. Wenigstens durfte ich die Zimmer heute wieder komplett alleine machen. Schneller ging das trotzdem nicht, ich fuehlte mich ausgelaugt. Und wofuer? Ich hoffe immer noch, dass mich die Firma gerade bescheisst, ich habe naemlich die letzten drei Gehaltsabrechnungen immer noch nicht gesehen, obwohl meine Adresse richtig im System ist. Wenn das, was auf meinem Konto landet, aber wirklich alles ist, was mir dieses Jahr netto uebrigbleibt, weiss ich bald nicht mehr, wie ich das Geld fuer meine unverschaemt hohe Miete zusammenkratzen soll. Oder vielmehr, ob es das wert ist. Nein, das hier ist keine Art von Leben mehr, die ich fuehren moechte. Jetzt, wo ich so ueber meine Alternativen nachdenke, wird mir das schmerzhaft bewusst.
Was tue ich, um den Alternativen naeherzukommen? Ich habe angefangen, morgens auf dem Weg zur Arbeit finnische Vokabeln zu lernen. Das kleine Woerterbuch habe ich tatsaechlich immer in der Tasche, und suche zwischendurch Woerter, die mir gerade einfallen, oder schlage eine beliebige Seite auf. Unterwegs und oft auch zu Hause hoere ich finnisches Radio. Heute habe ich eine Diskussion ueber die finnische Einwanderungspolitik so gut es ging verfolgt (zugegeben, es ging nicht so gut) und Woerter nachgeschlagen, die ich raushoeren konnte.
Die Uni in Lappland, die ich nach der Endgueltigkeit der Bewerbungsfrist fuer das englische Bachelor-Programm gefragt hatte, hat sich noch nicht gemeldet. Was fuer ein Mist mit dieser Frist. Zwei Wochen. Naechste Chance: fuer August 2011. Wie werde ich die naechsten eineinhalb Jahre rumkriegen? Es gibt immer noch keine definitiven Neuigkeiten zur Lage der Firma. Vielleicht sollte ich mich trotzdem an Hotelrezeptionen in Lappland bewerben oder so.
Schon wieder halb sechs, als ich nach Hause kam. Tasche runter, Mantel aus, Stiefel aus, Bett. Bis mich der Hunger wieder halbwegs munter machte. Ich zwang mich noch dazu, die Wohnung in Ordnung zu bringen, zu spuelen, mich um die Pflanzen zu kuemmern. Ich zwang mich dazu, einkaufen zu gehen. Ich musste mich zu allem zwingen. Trotzdem ein grosser Fortschritt: Frueher haette ich das nicht geschafft. Frueher, als "keine Lust" als Entschuldigung schon vollkommen genuegt haette. Da haetten sich Klamotten, Einkaufszettel, Tueten und was auch immer so anfiel auf dem Boden angehaeuft, das Geschirr in der Kueche gestapelt, die Pflanzen waeren vor sich hingetrocknet. Am Wochenende haette ich das meiste davon muehsam aufgeholt, vielleicht, und waere deswegen zu nichts anderem gekommen. Frueher, vor ein paar Wochen. Ich schaffte es noch, meine Konzentration so weit zusammenzuhalten, dass ich ein paar Nachrichten schreiben konnte, die hoffentlich auch fuer die Empfaenger Sinn ergeben wuerden.
Beim Steuerkram hoerte es aber dann doch auf. Ich kapierte nichts. Ich war zu muede. "As soon as possible" - na, dann ist es jetzt eben nicht possible. Dafuer hat Lidl hier bald Mehrfachsteckdosen - dann kann ich gleichzeitig Tee kochen und den Kuehlschrank kuehlhalten! Wunder der Technik. Und als mir unangenehm auffiel, dass meine Brille so verschmiert war, dass ich nicht mehr richtig hindurchsehen konnte, setzte ich sie einfach ab. Man sollte es ja auch nicht uebertreiben mit der Disziplin.
- Tag 28: Ende des Tschakka-Tagebuchs 22.03.2010
- Tag 27: Die perfekte Party 21.03.2010
- Tag 26: Im Schnelldurchlauf 19.03.2010
- Tag 25: Es regnet perrrkele. 18.03.2010
- Tag 24- nachgereicht 18.03.2010








1
10.03.2010 - 23:59 Uhr
tiara_parka