Schwarze Stars, weiße Retter
Kritik am Oscar-Gewinnerfilm "Precious"
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die hellhäutigsten Figuren des ganzen Films sind: Er schmeichle dem weißen Publikum "mit dem Stereotyp des wohlmeinenden Sklavenhalters
Es ist anklagend, dass nur hellhäutige Personen in der Situation sind, jemand, der in Schwierigkeiten ist, zu helfen. Denn es belegt, dass Schwaze nicht in diese Positionen vordringen können und immer noch nicht Chancengleichheit herrscht.
Es ist wohltuend zu sehen, dass es hellhäutige Personen gibt, die nicht die Situation als gegeben hinnehmen und jedem ungeachtet der Hautfarbe helfen, der Hilfe nötig hat.
So kann man drei Sichten auf eine Situation haben und das zeigt, dass es gar nichts sagt, außer man will, dass es eine Aussage hat und dieses vor den eigenen Karren spannen.
@tomatensosse
Ich habe ir gerade ein paar Screenshots auf imdb.com angeschaut, ich denke, die Ausstattung entspricht den 89ern und auch die Plot Synopsis auf imdb.com beinhaltet als erstes "in 1987".
Bild
Hab mir auch den Trailer angeschaut, der zwar viel aus Nahaufnahmen besteht, aber diesen Eindruck bestätigt.
Digital_Data
Im Übrigen gebe ich Dir recht:
Digital_Data sagte:
die hellhäutigsten Figuren des ganzen Films sind: Er schmeichle dem weißen Publikum "mit dem Stereotyp des wohlmeinenden Sklavenhalters
Es ist anklagend, dass nur hellhäutige Personen in der Situation sind, jemand, der in Schwierigkeiten ist, zu helfen. Denn es belegt, dass Schwaze nicht in diese Positionen vordringen können und immer noch nicht Chancengleichheit herrscht.
Ich möchte betonen/klärend ergänzen: hier -
Digital_Data sagte:
Es ist wohltuend zu sehen, dass es hellhäutige Personen gibt, die nicht die Situation als gegeben hinnehmen und jedem ungeachtet der Hautfarbe helfen, der Hilfe nötig hat.
ist es, für die Aussage, wichtig dass es sich bei den "hellhäutigen Personen" um relativ hellhäutige SCHWARZE handelt...
... übrigens gibt es unter schwarzen US-Amerikanern auch Rassismus, dahingehend, dass sich die Helleren für besser halten, an die Weißen assimilieren und am liebsten einheiraten wollen, und ihre Herkunft am liebsten verleugnen würden - dieses Phänomen nennt man colorism.
Vielleicht erzählt das Buch, bzw. der Film auch einfach nur eine Geschichte, wie jeder andere Film auch. Haben die Kritiker schon mal was von Hubert Selby gelesen?
Ich habe den Film noch nicht gesehen, finde es aber jetzt schon gut, dass man nicht krampfhaft versucht hat, dem Elend unbedingt noch was Positives gegenüber zu stellen, damit die Sichtweisen wieder ausgewogen sind.
Ja, das ist schon traurig: wer auch immer einen Schwarzafrikaner als Vorfahren hat, gilt in den USA als "african-american". Keiner wuerde von einem "dunkelhaeutigen Weissen" sprechen.
Die amerikanische und europaeische Kulturen sind eben fixiert darauf, alles und jeden mit einem Label zu versehen.
Die fortwaehrende Reduzierung von Menschen auf ihre ethnische Abstammung ist nicht viel mehr als versteckter Rasissmus (selbst wenn's gut gemeint ist).
Ich glaube, wir stimmen überein: mit meiner Erwähnung der one-drop-rule weise ich darauf hin, dass es sich nicht um eine - unwichtige - biologische Angelegenheit handelt, sondern um eine schlimme, für die Betroffenen folgenschwere, gesellschaftliche, soziologische Sichtweise - die ich selbstverständlich nicht teile!!!
Ich selbst betrachte die biologische/genetische Disposition eines jedweden Menschen selbstverständlich als völlig gleichwertig.
Aber in der Gesellschaft, insbesondere der US-Gesellschaft, um die es hier geht, ist das leider nicht der Fall! Und für jeden betroffenen Diskriminierten ist es natürlich auch nicht nebensächlich! Viele haben keine andere Wahl, als sich mit anderen Diskriminierten zu solidarisieren, und so entstehen, aus soziologischer Sicht, gesellschaftliche Gruppen bzw. Minderheiten.
(Ich finde es ja immernoch lustig, dass Frauen (über 50% der Bevölkerung) als "Minderheit" bezeichnet werden. Und zwar nicht weil sie weniger wären (was nicht der Fall ist), sondern, weil sie diskriminiert werden. Minderheit = diskriminierte Gruppe).
10.03.2010 - 12:59 Uhr
tomatensosse
angelocrator sagte:
Die fortwaehrende Reduzierung von Menschen auf ihre ethnische Abstammung ist nicht viel mehr als versteckter Rasissmus (selbst wenn's gut gemeint ist).
Damit hast du natürlich recht!
Wie gesagt: ich habe das nicht in einer biologischen, sondern in einer soziologischen Begrifflichkeit formuliert.
Doch selbst Barbara Streisand, die den Oscar für Regie vergab und die Bekanntgabe mit "The time has come" einleitete, sagte nur eine Minute vorher, dass ein Schwarzer die Chance hätte den Oscar zum ersten Mal zu gewinnen, ein "Afro-Amerikaner". Alle anderen sind Amerikaner, Schwarze sind Afro-Amerikaner. Das ist nach meinem Verständnis eine Einschränkung, die nur dann gleich wäre, wenn man im Gegenzug zu Weißen Caucasian-Americans sagen würde, oder etwas ähnliches. Gerade aber eben auch der Umstand, dass man Schwarz als Farbe immer erwähnt, weiß hingegen nie, ist ja auch eine dieser perfiden Arten den Unterschied zu zeigen.
Ich bin mir sicher, dass im amerikanischen Vorwahlkampft die Eigenschaft Barack Obamas ein Schwarzer zu sein, er ist es ja auch nur zur Hälfte, deutlich öfter erwähnt wurde, als das Hillary Clinton eine Frau oder eine Weiße ist. Und dieser Unterschied ist es, der abgebaut werden müsste, den die Medien aber weiterhin zementieren.
Digital_Data
oscars sind nur anders gearteten dildos
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4
09.03.2010 - 19:50 Uhr
tomatensosse
1. Ich kann das Argument gut nachvollziehen, dass es ein Problem darstellt, dass die historischen Ursachen der im Film dargestellten prekären Lebensverhältnisse - nämlich Rassismus und Unterdrückung - nicht mit einfließen.
Andererseits handelt es sich nun mal um ein individuelles Schicksal, das als eben solches perspektiviert dargestellt werden soll. Die echte Precious von 1987 (oder wann) hat sicherlich auch nicht die historischen Ursachen ihrer Situation reflektiert im Blick gehabt - das tut ja kaum ein junger Mensch! Es handelt sich hier um ein Kino-Drama, einen Spielfilm, der mit Mimesis, Identifikation mit den Charakteren und Mit-Leiden arbeitet und nicht um einen Dokumentarfilm. Ich finde dieses Vorgehen der Regisseure, auch bei einem Stoff der noch aktuelle soziale Missstände zum Thema hat, legitim. Nicht zuletzt ist das allgemeine Praxis. Sollen jetzt nur die Schwarzen in den USA nur noch Dokumentarfilme über ihre Situation drehen drürfen? Was ist das denn für eine verquere Ideologie.
2. Selbst, wenn die Regisseure kurze Infotexte zu Fakten am Anfang und Ende des Films eingeblendet hätten - ich denke, in den Köpfen der Zuschauer hätte das wenig geändert.
Was sonst kann ein Regisseur tun, um klar zu machen, dass das Drama in der 80ern spielt? Nun, eben entsprechende Requisiten verwenden. Ich bin recht überzeugt, dass das getan wurde. Wenn etwa das deutsche Publikum nicht weiß, wie der typische 80er-Jahre-US-Fernseher aussah, oder die Mode zu der Zeit: Pech, würd ich sagen.
3. Vergessen wir nicht, dass alle drei, auch die Carey, nach US-Gesinnung "schwarz" sind (one-drop-rule - auch Mariah Carey hat irgendwo einen schwarzen Vorfahren, auch wenn man es ihr nicht ansieht - war lange Zeit nicht bekannt). Dass die drei genannten Charaktere von hellhäutigen Schwarzen gespielt werden, KANN sauer aufstoßen - andererseits entspricht es der Realität: je heller der Schwarze, desto höher seine Aufstiegschancen in der Gesellschaft. Insofern ist es sehr realistisch, dass die Analphabetin Precious schokobraun ist, und ihr Lehrerin (!) allenfalls milchkaffefarben.
Ich habe einige afroamerikanische Literatur gelesen, darunter auch das bekannteste slave narrative von Frederick Douglas. Das Stereotyp des "wohlwollenden Sklavenhalters" ist mir dabei nicht untergekommen, denn selbst der menschlichste betrachtete Slaven letztlich als Dinge und alle Güte kannte - nach meiner Lektüre - Grenzen.
Abschließend: Mir scheint, man, oder: gerade die weiße, rassistische Lobby Amerikas, wollte hier rummäkeln, weil sie etwas Gutes, von Schwarzen Gemachtes nicht stehen lassen kann. Vielleicht mäkeln auch Schwarze daran rum; das wäre auch nichts Neues.
Selbst, wenn das wirklich schwer ist, und ein schwieriges Thema ist: Etwas mehr Relaxtheit, und der Mut zu sagen: "So uns so war es, und so und so ist es heute - das wollen wir - noch immer - ändern." - der täte allen Amerikanern und auch der Weltbevölkerung im allgemeinen - gut!
Ich bin mir sicher, dass es sich um einen gut gemachten, seriösen und sehenswerten Film handelt!