08.03.2010 - 18:30 Uhr

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Ois easy!

Text: max-scharnigg - Illustration: Katharina Bitzl

Warum wir so gerne einen Dialekt sprechen, den wir eigentlich nicht können

Es ist doch so: Wir können kein Bairisch, auch wenn wir das als junge Münchner nicht gerne zugeben. Klar, wir kennen Bairisch, wir erkennen es, wir verstehen es und können auch Fetzen davon wiedergeben. Aber wenn es ans Sprechen geht, ans richtige „Wort für Wort“-Bairisch, da müssen die meisten von uns ehrlicherweise doch passen. Bei manchen ist es nur die mangelnde Übung, schließlich waren es nur Opa und Oma, die es ihnen vormachen konnten und die heute nicht mehr da sind. Anderen wurden hoffnungsvolle Ansätze im Gymnasium abtrainiert, denn zwischen Lateinextemporale und Medizinertest war einfach kein Platz für ein weiches Zwischending aus Singen und Grunzen. Wieder andere, und die sind in der Mehrheit, konnten einfach noch nie Bairisch, weil es Zuhause nicht gesprochen wurde oder weil das Zuhause irgendwo lag, wo es keinen bayerischen Dialekt gab. Soll ja auch vorkommen. Das echte Bairisch also mag irgendwo in den hintersten Winkeln des Bayernlandes noch Amts- und Alltagssprache sein, in München ist es so selten wie ein Rind am Rindermarkt. Kein Grund zu Lamentieren, denn es war schon 1958 so, als Siegfried Sommer notierte: „Altbairisch wird in München kaum mehr gesprochen.“ „Ois easy, Oida. Check di nei!“ Wir könnten die Sprache also getrost vergessen und wären nicht mal die erste Generation. Aber, und das ist das Komische, wir haben sie doch recht gerne. Wir ordnen die Überbleibsel des Dialekts als chic ein, es gehört sich geradezu, sie gut zu finden, wie es sich auch gehört, Leitmayr & Batic, Bierstüberl, Monaco Franze und die U-Bahnfahrer-Ansager gut zu finden: aus einer lokalen Loyalität heraus. Wir ahnen vielleicht, dass diese Kleinigkeiten zu den wenigen Dingen zählen, die unser Leben hier von den jungen Leben in Köln, Montreal oder Paris unterscheiden, pflegen sie deswegen mit dem Stolz der Eingeweihten und sagen statt des globalen „Merci!“ viel lieber unser langgezogenes „Merse!“
Mit Stolz praktizieren wir also das Merse!-Münchnerisch, was gar keine eigene Sprache ist, eher ein Konglomerat von Ausdrücken. Nicht anerkannt von Dialaktforschern, aber umso verbreiteter an den Clubtheken, Stadtstränden und Vernissagen Münchnes. Diese Hilfssprache (eigentlich ist es sogar nur ein besseres, temporäres Geräusch) verändert sich schnell, weil sie am liebsten von den Jungen verwendet wird und sich dabei wie von selbst mit der Jugendsprache mischt. Aus Anglizismen werden gleich Bavarismen, und je hipper und unmünchnerischer die Situation ist, desto öfter hört man die stolz eingestreuten Brocken, die überlauten „Geweida!“, die immer süffige Begrüßung „Was geht’n, Oida?“ oder das herrlich polyglotte „Ois easy, check di nei!“. Diese Ausdrücke funktionieren wie Anfeuerungsrufe, als könnte man mit ihnen den Abend oder die Gesellschaft besonders innig anschubsen. Wer sie im Mund hat, trägt sie wie ein wertvolles Accessoire, ein bisschen angeberisch und gut sichtbar. Sie sind ein lebensfrohes und immer etwas zu laut vorgetragenes Bekenntnis zum Standort, und sie können alleine stehen, brauchen keine Einbindung in einen flüssigen Dialekt. In gewisser Weise ist dieser Rumpf-Dialekt ein Abbild der Stadt und ihres Lebensgefühls, das ja schon vor langer Zeit mit „Laptop und Lederhosen“ recht treffend klassifiziert wurde. Im gleichen Verhältnis wie hier heute die Laptops den Lederhosen zahlenmäßig überlegen sind, werden in das gängige Normalo-Deutsch die gelegentlichen Münchnerismen eingestreut. München: überwiegend global, gelegentlich g’schert! Die Bavaro-Brocken sind Botschafter aus einer gemütlichen, manchmal ungehobelten und meist vergangenen Welt und wirken besonders kontrastreich auf roten Teppichen und in der Nähe von Champagner, deswegen ist die Schickeria besonders dankbarer Abnehmer. Bairisch, wenn es mal laut und lustig sein soll Aber auch den Normalmünchnern dient das Merse!-Müncherische bis zu einem gewissen Grad immer noch als Distinktionsmerkmal, wie es jeder Dialekt tut. Wer erst seit einem Jahr in der Stadt studiert, kann den kleinen Code noch nicht glaubhaft in sein Reden integrieren, kriegt in den Fluch „Fack!“ (sprich: Fahgg!) nicht das breit-weiche, das ihn an der Isar zu einer liebenswerten Unmut-Äußerung macht. Neulinge kämen nicht auf die Idee, an die Namen ihrer Freunde bei der Begrüßung ein -heimer oder -inger anzuhängen, wie wir Merse!-Münchner es bisweilen machen, um die derart Angesprochenen lautmalerisch zu bajuwarisieren. „Na logen, Spezicowboy!“ rufen wir, wenn wir dann gefragt werden, ob wir wirklich aus München kommen und „Nixn!“, wenn erörtert wird, ob der Abend schon enden soll. Dazwischen reden wir Hochdeutsch, das nun mal unsere eigentliche Sprache ist. Aber immer wenn es besonders laut, lustig oder schön sein soll, dann muss es doch noch Bairisch sein. Ein bisserl, eben.


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looqpool
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Mag ich Mag ich nicht

1

08.03.2010 - 18:51 Uhr
looqpool

° bayern gibt es sei der linie ludovic womöglich nur noch in genetisch abgesicherten ländereien und dazugehörigen komunen - lassen wir uns doch einfach auch auffrischen und umdisponieren - mal schauen, ob was zustande kommt an kulturenumtausch...

eisengrau
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Mag ich Mag ich nicht

0

08.03.2010 - 19:33 Uhr
eisengrau

München ist halt der echte und einzige melting pot auf der Welt. Nicht Fisch, nicht Fleisch, oder auf Wunsch auch beides gleichzeitig. Dafür mag ich die Stadt aber auch.

tatjana_traurig
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Mag ich Mag ich nicht

2

08.03.2010 - 19:37 Uhr
tatjana_traurig

lustig und schön.

Jollscherl
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Mag ich Mag ich nicht

1

08.03.2010 - 19:43 Uhr
Jollscherl

schade drum.

Purcell
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Mag ich Mag ich nicht

2

08.03.2010 - 19:49 Uhr
Purcell

Treffend analysiert.

Ich kann (nach fast zehn Jahren München) ja nicht einmal so Exotismen wie "Scharnigg" exakt in der Weise aussprechen wie jemand, der hier geboren ist. Distinktionsmerkmal 4-ever.

Digital_Data
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Mag ich Mag ich nicht

4

08.03.2010 - 20:12 Uhr
Digital_Data

Zvui Zuagroasste hoit !

Dischidal_Daita

MissTruthiness
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Mag ich Mag ich nicht

18

08.03.2010 - 20:21 Uhr
MissTruthiness

ein münchner u-bahnfahrer-ansager hat gestern gesagt: "wenn's nachad no d'ehre hättn ei zum steing, kannt ma eventuell weidafahrn."

madguitar
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Mag ich Mag ich nicht

2

08.03.2010 - 20:25 Uhr
madguitar

und meint ihr, das wär münchen-spezifisch? das gibts sogar in klein- und kleinststädten im hintersten oberfranken.
und ja, ich finds schade, dass dialekte aussterben. umso mehr bin ich froh, dass ich noch dialekt sprechen kann.

Jollscherl
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Mag ich Mag ich nicht

5

08.03.2010 - 20:28 Uhr
Jollscherl

ich find bloß dieses seltsame münchner gemisch im stile von "und dann war ich im englischen garten g'wesen und hatt' a bier 'trunken g'habt" ganz grauenvoll. entweder gscheid oder gar ned.

Renard
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Mag ich Mag ich nicht

14

08.03.2010 - 20:32 Uhr
Renard

"Wer a bissal kuscheln mecht, der steigt no ei. Wer's ned so kuschlig mog, der wart no a weng, da näxte Zug steht scho hintn o."

Können wir mal einen U-Bahn-Sprüche-Tagesticker machen? ;)

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Mag ich Mag ich nicht

5

08.03.2010 - 20:34 Uhr
Renard

Jollscherl sagte:
ich find bloß dieses seltsame münchner gemisch im stile von "und dann war ich im englischen garten g'wesen und hatt' a bier 'trunken g'habt" ganz grauenvoll. entweder gscheid oder gar ned.


"war gewesen" gibt's im münchnerischen sicher nicht ;)

MissTruthiness
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Mag ich Mag ich nicht

0

08.03.2010 - 20:34 Uhr
MissTruthiness

Renard sagte:
"Wer a bissal kuscheln mecht, der steigt no ei. Wer's ned so kuschlig mog, der wart no a weng, da näxte Zug steht scho hintn o."

Können wir mal einen U-Bahn-Sprüche-Tagesticker machen? ;)


haha! sehr schön!
dagegen ist meiner ja gar nix.

Jollscherl
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Mag ich Mag ich nicht

0

08.03.2010 - 20:35 Uhr
Jollscherl

Renard sagte:
Jollscherl sagte:
ich find bloß dieses seltsame münchner gemisch im stile von "und dann war ich im englischen garten g'wesen und hatt' a bier 'trunken g'habt" ganz grauenvoll. entweder gscheid oder gar ned.


"war gewesen" gibt's im münchnerischen sicher nicht ;)


den satz hab ich original so in münchen gehört. am ende warens nur zuagroaste, die sich als dialektferne münchner mit hang zum urigen dialekt ausgegeben haben (häh?).

lea2
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Mag ich Mag ich nicht

0

08.03.2010 - 20:47 Uhr
lea2

dialekte! toll! ich mag sie, kann aber leider keinen richtig, spreche also hochdeutsch mit einfärbung

tricia_81
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Mag ich Mag ich nicht

2

08.03.2010 - 21:50 Uhr
tricia_81

bei so texten wird mir wieder bewusst, was das entfremdende moment an jetzt.de ist - es kommt aus münchen.

für mich als berlinerin ist bairisch eh böhmische dörfer, bzw. kommt mir spanisch vor.

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Mag ich Mag ich nicht

3

08.03.2010 - 21:53 Uhr
tricia_81

und "war gewesen" ist zumindest genauso berlinerisch, sollte es überhaupt bairisch sein.

"wa ick gestan inna ausstellung jewesen, wah. allet zu mit kultur da, alta."

Jollscherl
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Mag ich Mag ich nicht

0

08.03.2010 - 21:57 Uhr
Jollscherl

tricia_81 sagte:
und "war gewesen" ist zumindest genauso berlinerisch, sollte es überhaupt bairisch sein.

"wa ick gestan inna ausstellung jewesen, wah. allet zu mit kultur da, alta."


war gewesen ist halt plusquamperfekt und somit deutsch.

tricia_81
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1

08.03.2010 - 22:02 Uhr
tricia_81

klaro. aber es anstelle des einfachen perfekt zu verwenden, ist dialektal.

Jollscherl
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Mag ich Mag ich nicht

-2

08.03.2010 - 22:04 Uhr
Jollscherl

tricia_81 sagte:
klaro. aber es anstelle des einfachen perfekt zu verwenden, ist dialektal.

kommt drauf an: hat er das bier im englischen garten getrunken oder eben schon lange davor? ;-)

wollmops
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Mag ich Mag ich nicht

0

08.03.2010 - 22:10 Uhr
wollmops

lea2 sagte:
dialekte! toll! ich mag sie, kann aber leider keinen richtig, spreche also hochdeutsch mit einfärbung

ich auch nicht so. Mein Schwäbisch entspricht so ziemlich dem, was der Max hier über die Merse-Münchner sagt. Leider.

melankomikerin
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Mag ich Mag ich nicht

0

08.03.2010 - 22:43 Uhr
melankomikerin

A gäh, im Bairischen gibt es doch kein Plusquamperfekt!

Ich bin auch so eine, dies versteht und kann, aber beim Reden hört es sich blöd an. Außer halt so Sachen wir schiach und gscheid etc. Verstehe bis heute nicht, warum meine Mutter nur mit ihren Eltern Bairisch gesprochen hat und mit uns bloß Hochdeutsch.

klinsmaus
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Mag ich Mag ich nicht

0

08.03.2010 - 23:10 Uhr
klinsmaus

Kenn ich ein bisschen: Meine Eltern sind beide Oberbayern, aber ich klinge gerade so mal süddeutsch.

Digital_Data
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Mag ich Mag ich nicht

2

08.03.2010 - 23:32 Uhr
Digital_Data

Wenst dauernd vo so neimodischm Schmarn wia Plusquamperfekt redst, nachad brauchst di ned wundern, wenn d' Leid moanan, des war koa boarisch gwen.

Digital_Data

marquez
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Mag ich Mag ich nicht

1

08.03.2010 - 23:45 Uhr
marquez

Jollscherl sagte:
ich find bloß dieses seltsame münchner gemisch im stile von "und dann war ich im englischen garten g'wesen und hatt' a bier 'trunken g'habt" ganz grauenvoll. entweder gscheid oder gar ned.


stimme ich zu. dieses "angelernte" münchnerische bayerisch ist schrecklich.

ally1983
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0

09.03.2010 - 00:16 Uhr
ally1983

meine beste freundin kann nur richtig gut bairisch, wenn sie ordentlich getrunken hat....

jakao
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0

09.03.2010 - 01:24 Uhr
jakao

Text ist echt gut geschrieben.
Ich find Münchnerisch super. Das macht alles ein wenig sympathischer. Und damit mein ich nicht das aufgesetzte Münchnerisch der Schickaria, sondern das Münchnerische, das der gemeine Münchner mal etwas stärker oder schwächer spricht. Insgesamt wird dem Hochdeutschen so etwas seine Härte genommen ohne seine Würde zu verlieren :-)
Vor allem die kleinen feinen Unterschiede, wie eben die weichere Aussprache oder kleine Wörter wie "fei" oder "mei", oder "des" "hama" (das haben wir)...
Und ja mei, wenn man halt ein wenig angetrunken ist, ist es halt einfach nur Gaudi ein bisschen "Slang" zu reden :)

SinnundSinnlichkeit
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Mag ich Mag ich nicht

2

09.03.2010 - 02:49 Uhr
SinnundSinnlichkeit

"Ne schöne Jrooß ahn all die, die unfählbar sinn,
vun nix en Ahnung hann, die ävver, immerhin
su dunn als ob,
weil op Fassade, do stonn se halt drop."

Nicht ausm Norden und Ich könnte es auch nicht Freihand. Als meine Großeltern noch lebten bin Ich da automatisch rinn jefalle wenn Ich da wahr, aber jetzt klappt dat nich mehr...

kharmapolizei
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Mag ich Mag ich nicht

4

09.03.2010 - 06:59 Uhr
kharmapolizei

Ihr mit eurem München-Kram.

Jackyll
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Mag ich Mag ich nicht

2

09.03.2010 - 07:21 Uhr
Jackyll

Der Rest Bayerns weiß schon, warum er die jüngeren Münchner als "Isarpreißn" bezeichnet... ;)

Aber das ist wohl in jeder größeren Stadt so. Beim Dialekt gibts ein Land-Stadt-Gefälle, ist hier in Ingolstadt (leider) nicht anders. Szenedeutsch sticht Bairisch aus. Ich würd auch gern öfter (richtigen) Dialekt hören.

Jollscherl
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Mag ich Mag ich nicht

0

09.03.2010 - 07:53 Uhr
Jollscherl

Digital_Data sagte:
Wenst dauernd vo so neimodischm Schmarn wia Plusquamperfekt redst, nachad brauchst di ned wundern, wenn d' Leid moanan, des war koa boarisch gwen.

Digital_Data


also, die haben das so gesagt, zwei damen im alter von schätzomatisch 25 jahren. in münchen. und rein sprachwissenschaftlich war das plusquamperfekt. mehr kann ich da jetzt nicht dazu sagen als: war so.

octopussy
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Mag ich Mag ich nicht

0

09.03.2010 - 08:28 Uhr
octopussy

eisengrau sagte:
München ist halt der echte und einzige melting pot auf der Welt. Nicht Fisch, nicht Fleisch, oder auf Wunsch auch beides gleichzeitig. Dafür mag ich die Stadt aber auch.


Einspruch. In Hamburg hat man das auch.

cail
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Mag ich Mag ich nicht

0

09.03.2010 - 09:04 Uhr
cail

Spezicowboy ??

eisengrau
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Mag ich Mag ich nicht

0

09.03.2010 - 10:14 Uhr
eisengrau

octopussy sagte:
Einspruch. In Hamburg hat man das auch.


Ich dachte, Hamburg wäre ganz klar Fisch. ;-)
Na, aber identitätsmäßig so zerrissen wie München ist HH nicht. Schau mal, in München hast Du das unermüdlich von der Regierung gepflegte bayerische Brauchtum neben Schicki-Szene, die ihren Kosmopolitismus abfeiert. Das ist schon eine sehr gespaltene Persönlichkeit, während den Hamburgern der Sammelbegriff "nordisch" relativ leicht von der Zunge geht.

shafty
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Mag ich Mag ich nicht

3

09.03.2010 - 11:00 Uhr
shafty

ich bin mit schwäbischer mutter und hochdeutschem vater in süddeutschland aufgewachsen, in der schule wurde hochdeutsch gesprochen. meine geschwister und ich sowie fast alle alten freunde können wenn sie wollen herrlichsten akzentfreien dialekt sprechen, machen das aber interessanterweise fast ausschliesslich wenns lustig sein soll, ein bestimmter typus mitmensch charakterisiert werden soll oder (innerfamiliär) tatsächlich auch manchmal um irgendwelche gefühlsdinge anzusprechen die einem etwas peinlich sind und die man durch den dialekt zum selbstschutz ironisch bricht.
aber hochdeutsch und dialekt ist eigentlich immer strikt getrennt und dialektwörter werden eigentlich nie in einen hochdeutschen satz eingestreut. dass ist ein typischer zugezogenen fehler :-)

Dosenknall_mit_Ueberschall
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0

09.03.2010 - 11:19 Uhr
Dosenknall_mit_Uebers…

wollt ja egtl. schon aufhörn zu lesen, als ich hier zum 1.000.000 mal "junge Münchner" lesen musste. ja, ja, ja, ja...junge berliner/münchner zur paarungszeit. wir sind weltoffen, aber abseits dieser 2 städte haben wir keine ahnung und interessiert uns auch nichts.

is doch gut...sprache dient der verständigung...sodass sich ALLE untereinander verstehen. wenn in hintertupfingen oder jedem beliebigen anderen minimalen dorf ein eigener dialekt herrschte (einhergehend mit inzucht), weil die reise ins nächste dorf 5 tagesmärsche dauerte, man zwischendörflich höchstens auf und in den dazwischenliegenden wiesen und wäldern kopulierte, dann war das doch nicht gut.

heute haben wir weltweite massenmedien, bessere transportmöglichkeiten und die sprache nivelliert sich auf einem standard, den alle verstehen. dafür ist sprache ja schließlich da - zur verständigung.

dialekte mögen einem dann und wann ein wohlig-kuscheliges heimargefühl und geborgenheit geben, aber diese ganzen traditionsbewussten dialekt-bewahrungsvereine nerven ebenfalls gewaltig.

"ois easy" und "neichecken" erinnert mich irgendwie eher an privatuni-"businesschool"-studenten mit rosa polohemd (hochgestellter kragen). motto: dumm, aber elite!

keos
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1

09.03.2010 - 11:26 Uhr
keos

der text ist richtig gut geschrieben, danke dafür =)

und ich mag dialekte. auch bairisch, unsere nachbarn (irgendwo in den bergen graubündens, wo ich aufgewachsen bin) kamen aus bayern und so bin ich mit bairisch aufwachsen... *hach.

meinen eigenen dialekt - den aus graubünden - verteidige ich hier in basel wacker. allerdings offenbar nicht so wacker wie ichs gern hätte, denn zurück in graubünden heisst es nicht selten: man hört, dass du schon lange in basel lebst!

queen_without_a_country
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0

09.03.2010 - 12:25 Uhr
queen_without_a_country

shafty sagte:
ich bin mit schwäbischer mutter und hochdeutschem vater in süddeutschland aufgewachsen, in der schule wurde hochdeutsch gesprochen. meine geschwister und ich sowie fast alle alten freunde können wenn sie wollen herrlichsten akzentfreien dialekt sprechen, machen das aber interessanterweise fast ausschliesslich wenns lustig sein soll, ein bestimmter typus mitmensch charakterisiert werden soll oder (innerfamiliär) tatsächlich auch manchmal um irgendwelche gefühlsdinge anzusprechen die einem etwas peinlich sind und die man durch den dialekt zum selbstschutz ironisch bricht.
aber hochdeutsch und dialekt ist eigentlich immer strikt getrennt und dialektwörter werden eigentlich nie in einen hochdeutschen satz eingestreut. dass ist ein typischer zugezogenen fehler :-)


*winkt solidarisch herüber*
so war es bei mir auch. wobei ein echter Hindelanger auch nut die Augenbrauen hochzieht, wenn er meinen "Dialekt" hört.

Dirty_D
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0

09.03.2010 - 12:53 Uhr
Dirty_D

bei mir daheim wurde leider auch nur hochdeutsch geredet, genauso im kindergarten und allen besuchten Schulen.
Irgendwie wollten meine Eltern unbedingt ihre sprachliche Einfärbung verbergen um in München, wo sie hingezogen sind, als kosmopolitische Kulturmenschen wahrgenommen zu werden. (Es gab nunmal Zeiten, in denen dialekt-sprechende Menschen hier als "Giasinger"-Bauernvolk wahrgenommen wurden, inkl. Diskriminierung und solchen Späßen)
Dafür darf mir immer wieder die Frage gefallen lassen, woher ich denn eigentlich käme, mit verdutzten, ungläubigen Gesichtern auf die Antwort "Ich bin ein echtes münchner kind´l". Wenn ich aber ins "Ausland", sprich ausserhalb Bayerns reise, wissen die Leute sofort dass ich aus München komme. Dies zeigt aber wiederum, dass es das Münchnerische als Dialekt tatsächlich gibt.

P.S.: „Ois easy, Oida. Check di nei!“ wurde noch NIE von einem echten Münchner, den ich kenne, gebraucht. NOCH NIE! Und wenn, dann von irgendwelchen Saupreiß´n so mitte der 90er...... Oida kommt übrigens eigentlich fast ausschliesslich im Sprachgebrauch der Migrations-Münchner vor.

lenitas
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09.03.2010 - 14:17 Uhr
lenitas

wos soi denn bittschee "na logen" und "nixn" mit bairisch zum doa hom??

monni
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09.03.2010 - 14:25 Uhr
monni

Eines der schoensten Komplimente, das ich je bekommen hab, war 'Wenn du redest, geht die Sonne auf'. Und das wo ich zwar aus Bayern, aber Regierungsbezirk Schwaben komme, und deswegen wohl einen rechten Mischmasch aus Bayrisch und Schwaebisch spreche.
Mir faellt immer sofort auf, dass ich staerker Dialekt spreche, wenn ich bei meinen Eltern bin. Aber so richtiges Bayrisch geht nicht mal, wenn ich mich richtig anstrenge. Leider.

eisengrau
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1

09.03.2010 - 14:35 Uhr
eisengrau

lenitas sagte:
wos soi denn bittschee "na logen" und "nixn" mit bairisch zum doa hom??


Mei, do kanntst grod frogn: Wos hod da Löwe auf da boarischn Fahna verloren? Der wohnt doch bei die Nega. ;-)
Und wos da Flugplatz mitm Strauß zum doa hod, woaß aa koaner. Des is hoid modern.

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09.03.2010 - 14:37 Uhr
eisengrau

Renard sagte:

"war gewesen" gibt's im münchnerischen sicher nicht ;)


Doch: "Des war a griabix Fest gwesen, wenns ned a so gregnt hätt. " ;-)

OOMONO
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09.03.2010 - 14:57 Uhr
OOMONO

lenitas sagte:
wos soi denn bittschee "na logen" und "nixn" mit bairisch zum doa hom??


"na logen" ist ja wohl ganz klar hamburgisch.
das klingt dann in etwa so: "wasn dat für snack, mien jung? na logän geiht dat nu inne kneipä und da bestellste uns schöön n poaar knollän astraa!"

greez, fischkopp oomono

shoota
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09.03.2010 - 15:06 Uhr
shoota

Jollscherl sagte:
war gewesen ist halt plusquamperfekt und somit deutsch.


... aber grammatikalisch falsch angewendetes deutsch, wenn ich mich nicht irre. - machen die berliner gerne und meine kollegin, die aus der fulda-ecke kommt. das perfekt wäre die bessere wahl ...

Digital_Data
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09.03.2010 - 15:10 Uhr
Digital_Data

Dosenknall_mit_Ueberschall sagte:
wollt ja egtl. schon aufhörn zu lesen, als ich hier zum 1.000.000 mal "junge Münchner" lesen musste. ja, ja, ja, ja...junge berliner/münchner zur paarungszeit. wir sind weltoffen, aber abseits dieser 2 städte haben wir keine ahnung und interessiert uns auch nichts.is doch gut...sprache dient der verständigung...sodass sich ALLE untereinander verstehen. wenn in hintertupfingen oder jedem beliebigen anderen minimalen dorf ein eigener dialekt herrschte (einhergehend mit inzucht), weil die reise ins nächste dorf 5 tagesmärsche dauerte, man zwischendörflich höchstens auf und in den dazwischenliegenden wiesen und wäldern kopulierte, dann war das doch nicht gut.heute haben wir weltweite massenmedien, bessere transportmöglichkeiten und die sprache nivelliert sich auf einem standard, den alle verstehen. dafür ist sprache ja schließlich da - zur verständigung.dialekte mögen einem dann und wann ein wohlig-kuscheliges heimargefühl und geborgenheit geben, aber diese ganzen traditionsbewussten dialekt-bewahrungsvereine nerven ebenfalls gewaltig."ois easy" und "neichecken" erinnert mich irgendwie eher an privatuni-"businesschool"-studenten mit rosa polohemd (hochgestellter kragen). motto: dumm, aber elite!


Naja, die Suche nach dem kleinsten möglichen gemeinsamen Nenner ist nicht gerade das, was ich mir so vorstelle.

Digital_Data

joeditt
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1

09.03.2010 - 15:15 Uhr
joeditt

1.) Gfoet ma. Autentisch warat no scheena, oba immahin: da Wille zööt fias Weak.
;-))

2.) Wo gibtsn eichare U-Bahn-Schprüche?

Joe (oisa ägantlich da Dschou),
interessiata Wiena.

Dosenknall_mit_Ueberschall
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09.03.2010 - 15:18 Uhr
Dosenknall_mit_Uebers…

data: nicht der kleinste gemeinsame nenner. ein gemeinsamer nenner, auf dem man aufbauen kann, ist ausreichend. sicherlich ist ein aktiver wortschatz (aktuelle dt. unterschicht) von ein paar dutzend wörtern nicht erstrebenswert.

sprache(n) verändern sich permanent, das will ich damit sagen. da kann man nix aufhalten oder bewahren. das ist fakt.

joeditt
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1

09.03.2010 - 15:25 Uhr
joeditt

shoota sagte:
.... aber grammatikalisch falsch angewendetes deutsch (...) machen die berliner gerne und meine kollegin, die aus der fulda-ecke kommt. das perfekt wäre die bessere wahl ...


Naa, foesch. Den a Dialekt hot extra Regln.

Und wö do iagndwea wos fon wegn Elite mant: aa foesch - i wü autentisches Platt genauso hean wia autentisches Züri Dütsch, autentisches Kölsch (des is a bissl hoat, oba ma gweent se), kloarawäse Balihna Schnauze, unbedingt Sächsch (one "i", gö), Schäbisch, dann ... mia in Östarääch ham aa a uanliche Palettn, und ägantlich mechat e no a bisl mea iba de untschidlichn Wariantn vom bayrischn Boarisch wos leana.

So schauts aus. Waaßt?

Jackyll
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0

09.03.2010 - 15:28 Uhr
Jackyll

Ich würd ja auch gern öfter Bairisch reden, allerdings lässt das mein Studienort (Mannheim) leider nicht zu. Die beschweren sich teilweise eh schon, dass mein Akzent manchmal zu extrem ist, und da auch noch andere Bayern (die auch noch Dialekt sprechen!) zu finden, ist schwieriger, als an Augustiner zu kommen (und des is da schon schwer genug!) :(

An anderen Unis muss es auch net anders sein. Freunde erzählen mir, dass sie in München, Ingolstadt oder Regensburg schief angeschaut werden, wenn sie in der Uni Bairisch reden, und selbst wenns nur mit Freunden ist. Dass die Profs aus aller Welt kommen und man auch gegenüber den nicht-Bayern verständlich sein will ist mir natürlich klar, aber dann mit Freunden? In der Kneipe? Wenns einer net versteht, kann man dem Betreffenden ja die Ausdrücke erklären oder notfalls auf Hochdeutsch oder Englisch umsteigen.

Aber ständig muss ja net sein. Die Schweizer sind so stolz auf ihren Dialekt, dass sie ihn sogar als eigene Sprache bezeichnen und auch im öffentlichen Leben (Ämter, Läden, TV, Parlament etc) sprechen, ohne sich um die Rest-Deutschsprachigen zu scheren; und auch bei den Österreichern hört mans in allen Ebenen. Und nein, lieber BR, man ist nicht volks- (und dialekt-)nah, wenn man hier und da mal ein "Schmankerl" oder "griawig" in diesen Hochdeutsch-Touristenbairisch-Mischmasch, aus dem der Großteil eurer Sendungen zu bestehen scheint, einstreut. Nehmts eich a Beispui an de Schweiza! ;)

joeditt
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09.03.2010 - 15:30 Uhr
joeditt

Dosenknall_mit_Ueberschall sagte:
sprache(n) verändern sich permanent, das will ich damit sagen. da kann man nix aufhalten oder bewahren. das ist fakt.


No na - oba ma kentat se bemüün, das wos fia de Füüfoet gschicht. Am bestn im Feanseen. Sunst bläbat uns jo nua a pseudo-lebendige Einfalt.

Giselamagda
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1

09.03.2010 - 15:30 Uhr
Giselamagda

Tja leider ist es seit langem unschicklich geworden, auch zu Hause = dahoam den Dialekt zu sprechen. Ich bin in München geboren, aufgewachsen, zur Schule gegangen und habe auch dort studiert. Wir haben damals, ab den 50er Jahren zusammen nur Dialekt gesprochen, und keine Rechtschreibfehler gemacht. Damals gab's noch keine Schickimicki.Die heutige Jugend hat einen beschränkteren Wortschatz , spricht Hochdeutsch vermischt mit Anglizismen , und die Rechtschreibung, na ja ....
Seit 40 Jahren lebe ich in Italien, wo es eigentlich dieselben Probleme gibt - keiner, außer in bestimmten Orten spricht niemand mehr Dialekt, obwohl ein Dialekt die Sprache bereichert.

joeditt
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09.03.2010 - 15:37 Uhr
joeditt

Jackyll sagte:
Wenns einer net versteht, kann man dem Betreffenden ja die Ausdrücke erklären oder notfalls auf Hochdeutsch oder Englisch umsteigen. Aber ständig muss ja net sein.


Genau so is.

Die Schweizer sind so stolz auf ihren Dialekt, dass sie ihn sogar als eigene Sprache bezeichnen und auch im öffentlichen Leben (Ämter, Läden, TV, Parlament etc) sprechen, ohne sich um die Rest-Deutschsprachigen zu scheren; (...) Nehmts eich a Beispui an de Schweiza!


Eem! Genau.

und auch bei den Österreichern hört mans in allen Ebenen.

Najo - bei uns nördeln fua oem de Kids zunehmend. Schau da amoe Online-Profile fo Wiena Kids an: "mal" schtot "aamoe", "n" schtot "aa", "ne" schtot "aane" und - wiaklich! - "nee" schtot "naa" oda wenegstns "nein". Echt grindig - net de Leit, oba de Symptome.

Jackyll
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09.03.2010 - 15:39 Uhr
Jackyll

Giselamagda sagte:
Wir haben damals, ab den 50er Jahren zusammen nur Dialekt gesprochen, und keine Rechtschreibfehler gemacht. Damals gab's noch keine Schickimicki.Die heutige Jugend hat einen beschränkteren Wortschatz , spricht Hochdeutsch vermischt mit Anglizismen , und die Rechtschreibung, na ja ....

Amen. Irgendwo hab ich mal gelesen, dass Dialekte die Rechtscheibkompetenz fördern, weil sich die Schüler anscheinend mit zwei "Sprachen" (=Dialekt und Hochsprache) auseinander setzen müssen. Auf jeden Fall wird die Sprachkompetenz gefördert.
Giselamagda sagte:
keiner, außer in bestimmten Orten spricht niemand mehr Dialekt, obwohl ein Dialekt die Sprache bereichert.

Echt? Das heißt, einen Mailänder kann man nicht von einem Neapolitaner unterscheiden? Das hätt ich nicht gedacht...

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09.03.2010 - 15:44 Uhr
Jackyll

joeditt sagte:
Najo - bei uns nördeln fua oem de Kids zunehmend. Schau da amoe Online-Profile fo Wiena Kids an: "mal" schtot "aamoe", "n" schtot "aa", "ne" schtot "aane" und - wiaklich! - "nee" schtot "naa" oda wenegstns "nein". Echt grindig - net de Leit, oba de Symptome.

Des san hoid de Krocha, de muaß ma ned vastäh ;)

Naja, is halt Schriftdeutsch. Natürlich kannst an Dialekt auch schreiben, aber des liest sich halt net so flüssig. Im Schriftverkehr find ichs Hochdeutsch unter zwei Dialektsprechern noch angemessen, in der Sprache schauts scho anders aus.

Aba im ORF heast as scho gscheid naus, dass dea kerl im feansehkastl a östarreicha is.

joeditt
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09.03.2010 - 15:48 Uhr
joeditt

Giselamagda sagte:
Die heutige Jugend hat einen beschränkteren Wortschatz , spricht Hochdeutsch vermischt mit Anglizismen, und die Rechtschreibung, na ja ...


Schtimt. Läda. Aa bä uns (in Wien).



spricht niemand mehr Dialekt, obwohl ein Dialekt die Sprache bereichert.


Wans nue des warat. Oba es is schlima: schtot korrekter Schriftsprache hamma a kommunikative MacDonaldisierung, des d ee ganz guat skizziast - mit am Haufn an pseudo-norddeutschen Elementn. Und ole glaum, des warat "Hoch"deitsch (manan tans Schriftdeitsch) - dawöö is des a künstliches Konglomerat, in des se bis in de öffentlich-rechtlichn Medien systematisch aa no andare Föla änschlächn.

Aan dafo nenn i Dativismus:
"Der Dienstwagen Barack Obamas, DEM Präsidenten der USA."
Ha, wo isn dea Dativ plötslich daheagschnäpt kuma? Genitiv! DES Präsidenten miaßats haaßn.

Wäh.
... tschuidigts.

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09.03.2010 - 15:51 Uhr
joeditt

Jackyll sagte:
Naja, is halt Schriftdeutsch.
zitat]

"Ne", "n", "mal" und "nee" san SCHRIFTdätsch?
Ge, des is oba net dä Eanst.

8-X

eisengrau
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-1

09.03.2010 - 15:52 Uhr
eisengrau

Giselamagda sagte:
Tja leider ist es seit langem unschicklich geworden, auch zu Hause = dahoam den Dialekt zu sprechen. Ich bin in München geboren, aufgewachsen, zur Schule gegangen und habe auch dort studiert. Wir haben damals, ab den 50er Jahren zusammen nur Dialekt gesprochen, und keine Rechtschreibfehler gemacht. Damals gab's noch keine Schickimicki.Die heutige Jugend hat einen beschränkteren Wortschatz , spricht Hochdeutsch vermischt mit Anglizismen , und die Rechtschreibung, na ja ....
Seit 40 Jahren lebe ich in Italien, wo es eigentlich dieselben Probleme gibt - keiner, außer in bestimmten Orten spricht niemand mehr Dialekt, obwohl ein Dialekt die Sprache bereichert.


Ich arbeite für eine Münchner Firma, die mehr als 40 Mitarbeiter aus allen Teilen Deutschlands beschäftigt und ein paar aus anderen Ländern der Erde. Wenn hier jeder seinen Dialekt sprechen würde, wäre das der reinste Turm zu Babel. Dialekt ist - man muss es leider so hart sagen- etwas für Leute, die ihren Heimatort nie verlassen und auch nicht mit Fremden kommunizieren müssen. Alle anderen sind auf Hochsprache angewiesen.

Jackyll
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1

09.03.2010 - 15:53 Uhr
Jackyll

joeditt sagte:
Aan dafo nenn i Dativismus:
"Der Dienstwagen Barack Obamas, DEM Präsidenten der USA."
Ha, wo isn dea Dativ plötslich daheagschnäpt kuma? Genitiv! DES Präsidenten miaßats haaßn.

Im Boarischn (und Östarreichischn) gibts gar koan Genitiv gar nia ned! Genitiv, pfui deife!
(dafia gibts de fümffache Vaneinung: "Bei uns hod no nia ned koana koa Bia ned drunga!") :P

joeditt
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09.03.2010 - 15:54 Uhr
joeditt

Klana Lapsus kuats fuam Schpächan - tuatma lad.

Nocha mochts as guat, Lädln,
baba und foeds net.

Jackyll
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09.03.2010 - 15:54 Uhr
Jackyll

joeditt sagte:
"Ne", "n", "mal" und "nee" san SCHRIFTdätsch?
Ge, des is oba net dä Eanst.

a so is des gmoant, hob mi valesn. tschulligung.

joeditt
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09.03.2010 - 15:58 Uhr
joeditt

Jackyll sagte:
Bei uns hod no nia ned koana koa Bia ned drunga!
:P


Des muaß no sää: scheeeeeee, bravo!

Bä us gibts dafia:
"Do schtön se ee aa a åå."

(Fois des wea net richtig sicht: des Letste is a "a" mit Ringal om.)

Haaßt:
"Da stellen sich sowieso ebenfalls welche an."

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09.03.2010 - 16:00 Uhr
joeditt

Blede Tastatua: natialich net "bä us", sondan "bä uns".

Hot me echt gfräät,
Baba.

Digital_Data
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09.03.2010 - 16:07 Uhr
Digital_Data

@Dose

Es gibt gerade in Dialekten Wörter, die sich gar nicht so einfach übersetzen lassen, da es eben kein einzelnes Wort in einer anderen Sprache gibt, dass dieses richtig repräsentieren würde. Insofern werden die Ausdrucksweisen ärmer.

Auf der anderen Seite gibt es im Bayerischen ja selbst regional ziemliche Unterschiede. Während in Berchtesgaden schmatzen eben für das schmatzen beimEssen gilt, wird es im Landshuter/niederbayerischen Raum für das miteinander reden verwendet. "Darüber müssen wir noch schmatzen (reden)." Trotzdem kann man oft am Kontext erkennen worum es geht. Z.B. verwenden Österreicher das Wort Jänner für Januar. Insofern mag es durchaus sinnvoll sein, dass man das etwas anpaßt, wenn wir dann aber Worte wie Boazn oder griabig verlieren, dann verlieren wir wirklich etwas.

Digital_Data

kleeschnitzel
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09.03.2010 - 16:18 Uhr
kleeschnitzel

Digital_Data sagte:
@Dose

Es gibt gerade in Dialekten Wörter, die sich gar nicht so einfach übersetzen lassen, da es eben kein einzelnes Wort in einer anderen Sprache gibt, dass dieses richtig repräsentieren würde. Insofern werden die Ausdrucksweisen ärmer.

Auf der anderen Seite gibt es im Bayerischen ja selbst regional ziemliche Unterschiede. Während in Berchtesgaden schmatzen eben für das schmatzen beimEssen gilt, wird es im Landshuter/niederbayerischen Raum für das miteinander reden verwendet. "Darüber müssen wir noch schmatzen (reden)." Trotzdem kann man oft am Kontext erkennen worum es geht. Z.B. verwenden Österreicher das Wort Jänner für Januar. Insofern mag es durchaus sinnvoll sein, dass man das etwas anpaßt, wenn wir dann aber Worte wie Boazn oder griabig verlieren, dann verlieren wir wirklich etwas.

Digital_Data



naja, fast.

in niederbayern kann man sehr wohl unterscheiden zwischen "beim kauen laut sein" und "plaudern" (einmal kurz das hohe a, einmal lang!) - berchtesgaden kann ich nichts zu sagen :-)

eisengrau
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09.03.2010 - 16:34 Uhr
eisengrau

Jackyll sagte:
Irgendwo hab ich mal gelesen, dass Dialekte die Rechtscheibkompetenz fördern, weil sich die Schüler anscheinend mit zwei "Sprachen" (=Dialekt und Hochsprache) auseinander setzen müssen. Auf jeden Fall wird die Sprachkompetenz gefördert.


Wäre das aber nicht viel sinnvoller mit zwei Sprachen, die auch irgendwo verstanden werden?
Ich meine, Dialekte pflegen ist ein schöner Luxus und sicher lehrreich, aber im (globalisierten) Alltag zunächst vollkommen nutzlos. Und daher kann man niemandem vorwerfen, wenn er sich zunächst mal an die Erfordernisse des Alltags anpasst und erst dann irgendwelche Spezialkenntnisse ausbildet.

Die_Eintagsfliege
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09.03.2010 - 16:53 Uhr
Die_Eintagsfliege

Und ich dacht', hier gings um Oi! 's.
Nun bin ich verwirrt und hab nach den Kommentaren ein bisschen Angst.

Geht also um Dialekte.
Da kenn ich nur den "Sejerlännr" Dialekt. In der milden Form wohlbekannt aus dem ersten Internet-Synchron-Lustig-Video "Sinnlos im Weltraum".

Orr wie orr wat?

MasterFowl
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09.03.2010 - 17:09 Uhr
MasterFowl

Ia pfeifen in Minga hobts no nia gscheid boarisch kina...i ko´s dafia ned schreim, na bassds scho wieda.

Jackyll
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09.03.2010 - 17:09 Uhr
Jackyll

eisengrau sagte:
Wäre das aber nicht viel sinnvoller mit zwei Sprachen, die auch irgendwo verstanden werden?
Ich meine, Dialekte pflegen ist ein schöner Luxus und sicher lehrreich, aber im (globalisierten) Alltag zunächst vollkommen nutzlos. Und daher kann man niemandem vorwerfen, wenn er sich zunächst mal an die Erfordernisse des Alltags anpasst und erst dann irgendwelche Spezialkenntnisse ausbildet.

Die zwei Sprachen werden ja auch wo verstanden. Einmal in Bayern und einmal in Restdeutschland.

Jaja, die Erfordernisse des Alltags. Als kleiner Stumpen im Kindergarten und daheim hab ich zuerst Bairisch gelernt, Hochdeutsch ist erst ab der Grundschule interessant geworden. Also hab ich im Alltag zuerst Bairisch und nicht Deutsch gebraucht ;)

So wie du das sagst, klingt das ja, als ob man mit Hochdeutsch aufwachsen soll und Bairisch als "optionale Fremdsprache" später vielleicht mal lernen kann. Das widerstrebt aber dem Grundbegriff von "Dialekt"; ein Dialekt kann natürlich auch gelernt werden, aber in erster Linie sprechen den doch die "Alteingesessenen", und das meistens auch schon von Geburt an. Da die Menschen aber immer mobiler werden und den Wohnort so schnell wechseln, dass da scho ganz schwindlig werd, kommt der Dialekt natürlich immer mehr in die Bredouille.

Außerdem find ich überhaupt nicht, dass Dialekte nutzlos sind. Viele kommen genau wegen dem Dialekt (jawohl, Dativ. Im Bairischen gibts nämlich keinen Genitiv! ;) in eine bestimmte Region; und der Dialekt gehört genauso zur Kultur wie die Tracht oder das Lebensgefühl. Wenn wir das alles vereinheitlichen würden könnte das Oktoberfest doch genauso in Hannover oder Dresden stattfinden (oder gleich ausfallen). Bayern ohne Dialekt, das wär ja fast wie, äh... Bayern ohne Bier - stell dir das mal vor! :P

Dosenknall_mit_Ueberschall
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09.03.2010 - 17:13 Uhr
Dosenknall_mit_Uebers…

Digital_Data sagte:
@Dose

Es gibt gerade in Dialekten Wörter, die sich gar nicht so einfach übersetzen lassen, da es eben kein einzelnes Wort in einer anderen Sprache gibt, dass dieses richtig repräsentieren würde. Insofern werden die Ausdrucksweisen ärmer.

Auf der anderen Seite gibt es im Bayerischen ja selbst regional ziemliche Unterschiede. Während in Berchtesgaden schmatzen eben für das schmatzen beimEssen gilt, wird es im Landshuter/niederbayerischen Raum für das miteinander reden verwendet. "Darüber müssen wir noch schmatzen (reden)." Trotzdem kann man oft am Kontext erkennen worum es geht. Z.B. verwenden Österreicher das Wort Jänner für Januar. Insofern mag es durchaus sinnvoll sein, dass man das etwas anpaßt, wenn wir dann aber Worte wie Boazn oder griabig verlieren, dann verlieren wir wirklich etwas.

Digital_Data


okay, okay...ich reduziere die vorteile der massenmedien- und transportgesellschaft dann halt auf die verbesserte genetische durchmischung - auch der landbevölkerung ,)

Raschka
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09.03.2010 - 17:20 Uhr
Raschka

Pff... ich wohne in München und ich KANN bayrisch. Hochdeutsch kann ich im Übrigen auch.

Digital_Data
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09.03.2010 - 17:23 Uhr
Digital_Data

Jackyll sagte:
Bayern ohne Dialekt, das wär ja fast wie, äh... Bayern ohne Bier - stell dir das mal vor! :P


Und vor allem ohne Fredl Fesls Translation Jodler.

Digital_Data

eisengrau
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09.03.2010 - 17:26 Uhr
eisengrau

Jackyll sagte:

Die zwei Sprachen werden ja auch wo verstanden. Einmal in Bayern und einmal in Restdeutschland.


In Bayern?? Da versteht man ja schon in der Oberpfalz den Oberbayern nicht mehr.

Jackyll sagte: Jaja, die Erfordernisse des Alltags. Als kleiner Stumpen im Kindergarten und daheim hab ich zuerst Bairisch gelernt, Hochdeutsch ist erst ab der Grundschule interessant geworden. Also hab ich im Alltag zuerst Bairisch und nicht Deutsch gebraucht ;)

In meiner Kindheit war die Wahrscheinlichkeit, dass man Kinder nichtbayerischer Herkunft trifft, schon ziemlich groß. Natürlich hatten wir auch Kinder, die den Sprachpatriotismus ihrer eltern gut verinnerlicht hatten, und die sich den ganzen Tag gebrüstet haben, dass sie am besten oder als einzige "richtiges Bairisch" können.

Jackyll sagte:So wie du das sagst, klingt das ja, als ob man mit Hochdeutsch aufwachsen soll und Bairisch als "optionale Fremdsprache" später vielleicht mal lernen kann. Das widerstrebt aber dem Grundbegriff von "Dialekt"; ein Dialekt kann natürlich auch gelernt werden, aber in erster Linie sprechen den doch die "Alteingesessenen", und das meistens auch schon von Geburt an. Da die Menschen aber immer mobiler werden und den Wohnort so schnell wechseln, dass da scho ganz schwindlig werd, kommt der Dialekt natürlich immer mehr in die Bredouille.

Eben. Also, worin liegt dann für den Menschen, der mobil sein muss, der Nutzen des Dialekts?

Jackyll sagte:Außerdem find ich überhaupt nicht, dass Dialekte nutzlos sind. Viele kommen genau wegen dem Dialekt (jawohl, Dativ. Im Bairischen gibts nämlich keinen Genitiv! ;) in eine bestimmte Region; und der Dialekt gehört genauso zur Kultur wie die Tracht oder das Lebensgefühl. Wenn wir das alles vereinheitlichen würden könnte das Oktoberfest doch genauso in Hannover oder Dresden stattfinden (oder gleich ausfallen). Bayern ohne Dialekt, das wär ja fast wie, äh... Bayern ohne Bier - stell dir das mal vor! :P


Ich lerne doch nicht extra Dialekt, um für die Touris den Wurzelsepp zu spielen. Das können ja meinetwegen die Leute tun, die in der Tourismusbranche arbeiten, die können sich auch die Krachlederne anziehen und Fachwerkhäuser bauen.
Also, nichts gegen ein bisschen regionales Profil, aber wir sind doch nicht im Indianerreservat!

joeditt
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09.03.2010 - 17:30 Uhr
joeditt

Es lebt ja weiter: schön.

Jackyll sagte:
Wäre das aber nicht viel sinnvoller mit zwei Sprachen, die auch irgendwo verstanden werden?


Easchtns soitat des mit Dialektn ee funktionian.

Tswätns: Englich oda Französich oda iagndwos Slawisches (oda Tiakisch, Ungoarisch, Italienisch, Schpanish) schrittwäse obm Schuianfang is ee gschäät. Des haaßt oba net, dass da Dialekt woatn miaßat. Und es is aa ka Hindanis fia koarekte Schriftschproch. Natialich keat aufpaßt, damits ka Ibafoadarung gibt.

De Hearausfoadarungen san jo faschidn: aamoe gets um Untaschiide trots ana Menge fo Gemänsamkätn, dann wida gets um bedingte Paralöön do und duat trots großa Untaschiide.

@Die_Eintagsfliege

Fiacht de net - probias aafoch.

Und do waratn no a poa Links:

A
http://www.ostarrichi.org/woerterbuch.ht...

CH
http://www.berndeutsch.ch/website/de_CH/...
http://www.zuri.net/slang

D(Süd)+A (bairisch mit "i")
http://bar.wikipedia.org/
(iba den lossn se aa no mea Wikipedia-Weasionen fia Regiolekte aus da Bundesrepublik findn)

Und
@eisengrau

Es mocht afoch Spaß! Nua des weda koarekt schriftdäätsche no noatdäätsche Gekwake is do echt fad. Wö nemlich:

it don't mean a thing if it ain't got that swing

Faschteest?
;-)

eisengrau
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09.03.2010 - 17:38 Uhr
eisengrau

MasterFowl sagte:
Ia pfeifen in Minga hobts no nia gscheid boarisch kina...i ko´s dafia ned schreim, na bassds scho wieda.


Als ob wir hier in München auf so plumpe Provokationen eingehen würden, das macht man vielleicht bei Euch draußen im Outback. ;-)

joeditt
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09.03.2010 - 17:41 Uhr
joeditt

Schawiida fatippt. Grrr.

- errata -

Schpanish => Schpanisch
Spaß => Schpaß
noatdäätsche => noaddäätsche

Tschuidigts bitte.

Jackyll
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09.03.2010 - 17:44 Uhr
Jackyll

eisengrau sagte:
In Bayern?? Da versteht man ja schon in der Oberpfalz den Oberbayern nicht mehr.

Einzelne Ausdrücke vielleicht. Als Oberbayer kann ich die da (noch) sehr gut verstehen.

eisengrau sagte:
In meiner Kindheit war die Wahrscheinlichkeit, dass man Kinder nichtbayerischer Herkunft trifft, schon ziemlich groß. Natürlich hatten wir auch Kinder, die den Sprachpatriotismus ihrer eltern gut verinnerlicht hatten, und die sich den ganzen Tag gebrüstet haben, dass sie am besten oder als einzige "richtiges Bairisch" können.

Dann zähl ich wohl zu diesen ;)

eisengrau sagte:
Eben. Also, worin liegt dann für den Menschen, der mobil sein muss, der Nutzen des Dialekts?

Darüber lässt sich jetzt wieder streiten. Wenn du einmal irgendwo sesshaft geworden bist, dann möchtest du dich doch auch mit den Ureinwohnern unterhalten können. Schon alleine aus Höflichkeit würde ich dann deren Mundart lernen und nicht erwarten, dass die mir alles in schönstem Hannoverdeutsch vorbeten.
Allerdings muss ich gestehen, dass ich meinen Dialekt manchmal auch in meinem Studienort (Mannheim) spreche - sehr zur Belustigung der anderen (und Neid; manche wünschen sich, dass ihre Eltern daheim Dialekt gesprochen hätten).
Wenn du allerdings alle zwei bis drei Jahre irgendwo anders wohnst, dann hat es natürlich auch keinen Sinn, den örtlichen Dialekt zu verinnerlichen, da stimm ich dir zu.

eisengrau sagte:
Ich lerne doch nicht extra Dialekt, um für die Touris den Wurzelsepp zu spielen. Das können ja meinetwegen die Leute tun, die in der Tourismusbranche arbeiten, die können sich auch die Krachlederne anziehen und Fachwerkhäuser bauen.
Also, nichts gegen ein bisschen regionales Profil, aber wir sind doch nicht im Indianerreservat!

Hat ja auch keiner gesagt. Wobei auch genau die Indianer mit Stolz ihre eigene(n) Sprache(n) sprechen (jaja, Sprache nicht gleich Dialekt, ich weiß).
Außerdem ist das alles miteinand verbunden, die Lebensweise, die ganze Kultur und eben auch der Dialekt. Mia san mia hoid.
Und die Tourismusleute machen genau das, indem sie ordentlich die Werbetrommel mit bayerischen "Marken" rühren. Man kann vielleicht die Kommerzialisierung anprangern, aber im Endeffekt haben sie doch nur schon dagewesenes genommen, das ein bisschen zurechtgeschnitten und vermarkten das Ganze jetzt. Es ist ja nicht so, als ob sie was völlig neues nehmen und den Leuten aufzwängen.

Sprache und damit auch Dialekt ist natürlich einem ständigen Wandel unterzogen. Was aber nicht heißt, dass wir jeden Schmarrn mitmachen müssen. Der "süße Boy" oder das "süße Girl", die in den 50er Jahren zur Jugendsprache gehörten, hört man heutzutage nirgendwo mehr (vielleicht, weil die Leute kapiert haben, dass es einfach bescheuert klingt ;). Es besteht also noch Hoffnung, dass wir sprachliche Verirrungen à la "oida" oder "gemma mäkkes" bald wieder los sind ;)

eisengrau
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09.03.2010 - 17:47 Uhr
eisengrau

joeditt sagte:


Und
@eisengrau

Es mocht afoch Spaß! Nua des weda koarekt schriftdäätsche no noatdäätsche Gekwake is do echt fad.


Ja mei, das Leben ist halt nicht nur Spaß.

joeditt sagte: Wö nemlich:

it don't mean a thing if it ain't got that swing

Faschteest?
;-)


Naa, so guat is mei Boarisch ned. Ich hob bloß "i" und "a" und "Got" verstandn. ;-)

joeditt
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09.03.2010 - 18:15 Uhr
joeditt

Oesa guat.

@eisengrau

(Hhhhhhp...-)

it dount miin ä (s)ing if it äint gat d(s)ät swing

Des "(s)" ket so iagndwii tsutslt oda gehöltslt. Angeblich kenan des aa de Läät in Grichnland und in Schpanien (tsum Bäschpü: Barcelona / Barrr(s)elona).

Foet unta Gratis-Nochhüfe.
(lol ...) Bidde? Nix. Goa nix.

@MasterFowl

"Minga" is a oatografischa Genuss. Hmmm.

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09.03.2010 - 18:21 Uhr
joeditt

(Ee kloa, warat jo a Wunda.)

"ket" (nach "Des "(s)" ...") => "keat"

eisengrau
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09.03.2010 - 18:29 Uhr
eisengrau

Jackyll sagte:
Einzelne Ausdrücke vielleicht. Als Oberbayer kann ich die da (noch) sehr gut verstehen.


Es ist aber eigentlich Aufgabe einer Sprache, die ganze Menge an Informationen zu transportieren und nicht nur einen Lückentext.

Jackyll sagte:
Dann zähl ich wohl zu diesen ;)


Gut möglich, ich kenn Dich ja nicht.
Ich habe halt so manche erlebt (und erlebe sie heute noch), die ihre Sprache mit einem... - naja, wie soll man es sagen, ohne den Begriff Regionalchauvinismus zu verwenden? - am besten gar nicht.


Jackyll sagte: Darüber lässt sich jetzt wieder streiten. Wenn du einmal irgendwo sesshaft geworden bist, dann möchtest du dich doch auch mit den Ureinwohnern unterhalten können. Schon alleine aus Höflichkeit würde ich dann deren Mundart lernen und nicht erwarten, dass die mir alles in schönstem Hannoverdeutsch vorbeten.
Allerdings muss ich gestehen, dass ich meinen Dialekt manchmal auch in meinem Studienort (Mannheim) spreche - sehr zur Belustigung der anderen (und Neid; manche wünschen sich, dass ihre Eltern daheim Dialekt gesprochen hätten).
Wenn du allerdings alle zwei bis drei Jahre irgendwo anders wohnst, dann hat es natürlich auch keinen Sinn, den örtlichen Dialekt zu verinnerlichen, da stimm ich dir zu.


Wenn ich in einem Ort lebe, der nur von "Ureinwohnern" bewohnt ist, werde ich sicher zumindest mal versuchen, die Sprache, in der man sich dort mitteilt, zumindest zu verstehen, auch wenn sie von der Amtssprache abweicht. Aber solche Orte gibt's ja auch kaum noch. Da müsste man recht drastische Umsiedelungsaktionen durchführen, um den Zustand von 1850 in bayerischen Kleinstädten wieder herzustellen.


Jackyll sagte: Hat ja auch keiner gesagt. Wobei auch genau die Indianer mit Stolz ihre eigene(n) Sprache(n) sprechen (jaja, Sprache nicht gleich Dialekt, ich weiß).

Ich weiß, ich kenne sogar Bayern die sich für Indianer halten. Ohne Scheiß. Sitzen im Tipi, spielen Didgeridoo und reden Bairisch.:-)

Jackyll sagte:
Außerdem ist das alles miteinand verbunden, die Lebensweise, die ganze Kultur und eben auch der Dialekt. Mia san mia hoid.

Naja, offensichtlich habe ich eine ganz andere Kultur und Lebensweise als Du, und Du eine ganz andere als mein Nachbar usw. Wen genau meinst Du denn mit "mia"?

Jackyll sagte: Sprache und damit auch Dialekt ist natürlich einem ständigen Wandel unterzogen. Was aber nicht heißt, dass wir jeden Schmarrn mitmachen müssen. Der "süße Boy" oder das "süße Girl", die in den 50er Jahren zur Jugendsprache gehörten, hört man heutzutage nirgendwo mehr (vielleicht, weil die Leute kapiert haben, dass es einfach bescheuert klingt ;). Es besteht also noch Hoffnung, dass wir sprachliche Verirrungen à la "oida" oder "gemma mäkkes" bald wieder los sind ;)

Verirrt hat sich, wer in der Sackgasse steht, nicht, wer unbekannte Wege beschreitet, sag ich immer. Modische Verirrungen wie jeans und Rock'n'Roll haben es auch nach Bayern geschafft, und halten sich da schon Jahrzehnte, sogar auf dem Land, das konnten auch die strengsten Traditionalisten nicht verhindern.

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09.03.2010 - 18:36 Uhr
eisengrau

joeditt sagte:
Oesa guat.

@eisengrau

(Hhhhhhp...-)

it dount miin ä (s)ing if it äint gat d(s)ät swing

Des "(s)" ket so iagndwii tsutslt oda gehöltslt. Angeblich kenan des aa de Läät in Grichnland und in Schpanien (tsum Bäschpü: Barcelona / Barrr(s)elona).

Foet unta Gratis-Nochhüfe.
(lol ...) Bidde? Nix. Goa nix.



So so, hamma wieda wos g'lernt: Boarisch is, wennst as S tsutslst, und s'echte Boarisch werd in Barcelona und Griechnland gredt.
Solchane Nachhilfelehra hätt i in da Schui braucht, nochad war aus mia vielleicht wos worn. ;-)

joeditt
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09.03.2010 - 18:52 Uhr
joeditt

Hm. Liest dich ein bisserl traurig, eisengrau. Nicht deine Stimmung, sondern deine Botschaft insgesamt.

... hatte ich vorbereitet. Dein letzter Kommentar zeigt, wie sehr du auch anders kannst - fein: mein erschüttertes Zwerchfell lässt schön grüßen.

Ich assoziier mit Dialekt keine vermeintlich tourismusfördernde Wurzelseppelei (wenn ich Musikantenstadl hör, muss ich ganz schnell wohin, und nachher hab ich laaange Sodbrennen). Sondern eher Widerborstiges, Gradliniges. Weniger Bayrhammer, mehr Sedlmayr (etwa seine Reiseberichte - u. a. die Dokumentation zur Herstellung(!) antiker Möbel in Schottland). Oder, wie erwähnt - ich bin ja Wiener -, Helmut Qualtinger (ätzende Kabarettklassiger aus den 50ern, schöne abgrundtief böse Lieder mit Andre Heller in den 80ern), H.C. Artmann usw.

Oder Josef Weinheber, bevor er sich eingebildet hat, die Nazi poetisch hofieren zu müssen:

Waa net Wien, wann net duat,
wo ka Gfrett*) is, ans wuad.
Wöö**) des Gfrett ohne Grund
gibt uns Kean, hoet uns gsund.

*) = Wickel (norddeutsch: Zoff)
**) offenes "ö", wie in "Hölle" (ich will hier keine Sonderzeichen posten, die womöglich nur Unlesbares ergeben)

Now if that ain't punk or almost a gangsta rap prelude, then I know nothin' bout music. Und wo soll da der Wurzelsepp sein? Ge weida.

Außerdem gehts um Kultur - du nimmst immer von neuem Bezug auf Zweckmäßigkeit. Aber das ist halt der nicht einmal so feine, sondern prinzipielle Unterschied zwischen Prioritäten - da widerspricht dir auch niemand - und einander strikt ausschließenden Alternativen - postulierst du zwar nicht, aber tendenziell liest du dich so.

Mit schönen Ausnahmen.

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09.03.2010 - 19:02 Uhr
joeditt

Eigentlich heißts ja, wer einen Rechtschreibfehler findet, dürfe ihn behalten. Ich hab oben getippt: "Kabarettklassiger" - den gib i oba nimma hea, dea keat mia. Kloa?

Jackyll
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09.03.2010 - 19:14 Uhr
Jackyll

eisengrau sagte:
Es ist aber eigentlich Aufgabe einer Sprache, die ganze Menge an Informationen zu transportieren und nicht nur einen Lückentext.

Na na na, Lückentext schaut anders aus. Solang sich beide Parteien verstehen passt noch alles. Aber versuch mal einen Schweizer mit einem Ostfriesen zusammenzusetzen; die brauchen erstmal eine Viertelstunde, bis der eine überhaupt kapiert, was der andere für eine Sprache spricht.
eisengrau sagte:
Gut möglich, ich kenn Dich ja nicht.
Ich habe halt so manche erlebt (und erlebe sie heute noch), die ihre Sprache mit einem... - naja, wie soll man es sagen, ohne den Begriff Regionalchauvinismus zu verwenden? - am besten gar nicht.

Na zu denen möcht ich aber nicht gehören. Toleranz muaß scho sei, gäi.
eisengrau sagte:
Wenn ich in einem Ort lebe, der nur von "Ureinwohnern" bewohnt ist, werde ich sicher zumindest mal versuchen, die Sprache, in der man sich dort mitteilt, zumindest zu verstehen, auch wenn sie von der Amtssprache abweicht. Aber solche Orte gibt's ja auch kaum noch. Da müsste man recht drastische Umsiedelungsaktionen durchführen, um den Zustand von 1850 in bayerischen Kleinstädten wieder herzustellen.

Na, dann geh mal in irgendeinem Wirtshaus - muss nicht mal in Bayern sein - auf dem Land. Die Leute werden sich zwar bemühen, mit dir Hochdeutsch zu reden, aber Hochdeutsch in einer regionalen Kneipe ist halt einfach nicht authentisch.
So schlimm ist es auch nicht, aber trotzdem. Ich finds halt einfach schad dass der Dialekt so an Bedeutung verliert und vielleicht einmal ganz verschwindet.
eisengrau sagte:
Ich weiß, ich kenne sogar Bayern die sich für Indianer halten. Ohne Scheiß. Sitzen im Tipi, spielen Didgeridoo und reden Bairisch.:-)

geil :D
eisengrau sagte:
Naja, offensichtlich habe ich eine ganz andere Kultur und Lebensweise als Du, und Du eine ganz andere als mein Nachbar usw. Wen genau meinst Du denn mit "mia"?

Offensichtlich. Die Kultur hat sich halt auch geändert und tut das immer noch. Das Gefühl ist anscheinend nur saisonal und tritt nur während der Biergarten- und Volksfestzeit auf. ;)
eisengrau sagte:
Verirrt hat sich, wer in der Sackgasse steht, nicht, wer unbekannte Wege beschreitet, sag ich immer. Modische Verirrungen wie jeans und Rock'n'Roll haben es auch nach Bayern geschafft, und halten sich da schon Jahrzehnte, sogar auf dem Land, das konnten auch die strengsten Traditionalisten nicht verhindern.

Ein interessanter Spruch, den werd ich mir merken. Das mit den fünfziger Jahren war ein blöder Vergleich, das geb ich zu. Was ich sagen wollte ist: ein paar Modeerscheinungen bleiben, andere gehen, andere werden verändert.

Ich seh mich selber nicht als Traditionalist, obwohl mich manche durchaus im weitesten Sinn so sehen könnten. Die Endung "-ist" hat immer sowas fundamentalistisches, rigoroses. So will ich ja net sein. Du kannst die Leute ja nicht zwingen, einen bestimmten Dialekt zu sprechen oder eben auch nicht (auch wenn die CSU jahrzehntelang versucht hat, den Dialekt aus den Schulen zu verbannen).

Ich find Bairisch einfach schön, und als Muttersprachler will ich das auch mal an meine Kinder weitergeben und hoffen, dass die damit auch noch was anfangen können, also mit ihren Freunden Bairisch reden oder sowas. Warum sollte ich denen diesen wunderbaren Dialekt vorenthalten? Wenn sich die globale Jugendkultur schon um einige wenige (meistens amerikanische) Stars dreht, dann will ich doch ein kleines bisschen identitätsstiftend wirken. Ihre Identität müssen sie natürlich selber finden, klar, aber das kann ich ihnen ja mal mitgeben. Ob sie dann Bairisch ablehnen oder nicht, bleibt ihnen überlassen.
Ich kenne viele Leute, die sich gewünscht hätten, dass im Elternhaus Dialekt gesprochen worden wäre; aber ich hab bis jetzt noch keinen einzigen Dialektsprecher kennen gelernt, der sich das Gegenteil gewünscht hätte.

Also dann, ich packs mal, üb mich ein bisschen in Völkerverständigung -> Irish Pub ;)

eisengrau
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09.03.2010 - 19:21 Uhr
eisengrau

joeditt sagte:
Hm. Liest dich ein bisserl traurig, eisengrau. Nicht deine Stimmung, sondern deine Botschaft insgesamt.


ich lese mich traurig, weil ich sage, dass man Sprache zur Kommunikation braucht?? Das hätte ich gerne mal genauer erklärt.

joeditt sagte:

Ich assoziier mit Dialekt keine vermeintlich tourismusfördernde Wurzelseppelei (wenn ich Musikantenstadl hör, muss ich ganz schnell wohin, und nachher hab ich laaange Sodbrennen). Sondern eher Widerborstiges, Gradliniges. Weniger Bayrhammer, mehr Sedlmayr (etwa seine Reiseberichte - u. a. die Dokumentation zur Herstellung(!) antiker Möbel in Schottland). Oder, wie erwähnt - ich bin ja Wiener -, Helmut Qualtinger (ätzende Kabarettklassiger aus den 50ern, schöne abgrundtief böse Lieder mit Andre Heller in den 80ern), H.C. Artmann usw.

Oder Josef Weinheber, bevor er sich eingebildet hat, die Nazi poetisch hofieren zu müssen:

Waa net Wien, wann net duat,
wo ka Gfrett*) is, ans wuad.
Wöö**) des Gfrett ohne Grund
gibt uns Kean, hoet uns gsund.

*) = Wickel (norddeutsch: Zoff)
**) offenes "ö", wie in "Hölle" (ich will hier keine Sonderzeichen posten, die womöglich nur Unlesbares ergeben)

Now if that ain't punk or almost a gangsta rap prelude, then I know nothin' bout music. Und wo soll da der Wurzelsepp sein? Ge weida.

Ich glaube nicht, dass auch die CSU-Führung und die Kirche und eine Dorfgemeinschaft mit Mundart Widerborstigkeit verbinden und im Mundartdichter den Punk. Da geht es ja doch eher, wie Jackylll es schreibt, um Anpassung an eine regionale Leitkultur, die zwar allerorten auf dem Rückmarsch ist, sich aber immer noch trotzig gegen Veränderungen sträubt.

Widerborstig also höchstens gegenüber Einflüssen von außen. Das finde ich aber ehrlich gesagt, als jemand, der sich durchaus mit Kultur beschäftigt (damit ganz nebenbei auch sein Brot verdient), ziemlich borniert und einfältig. Hat auch in der Vergangenheit nie zu irgendwelchem Erfolg geführt.

Zu Deinen Beispielen: es mag ja manche scharfzüngige Kabarettisten und Dichter gegeben haben, die sich der Mundart bedient haben. Das lag aber eher daran, dass sie auch das "Volk" und nicht nur eine kleine Bildungsschicht erreichen wollten. Klar kann ich mich mit gewissen traditionellen Formen in die Seh-und Hörgewohnheiten des Publikums einschleischen, wenn ich das möchte, aber subversiv sein kann ich auch ohne. Ein Dieter Hildebrandt musste sich nicht im Bairischen versuchen, um sein Publikum zu erreichen, und auch ein Duo wie Erkan & Stefan fand es sinnvoller, sich so auszudrücken, wie es der tatsächlichen Ingolstädter und Münchner Lebenswelt entspricht, und nicht wie es kultuirell "vorgeschrieben" ist. Bayern (und Österreich) ist halt ein bisschen vielschichtiger geworden, in der Neuzeit und etwas internationaler. Die Münchner haben das ja schon vor 100 Jahren gelernt, der Rest von Bayern lernt es auch noch. ;-)

joeditt sagte: Außerdem gehts um Kultur - du nimmst immer von neuem Bezug auf Zweckmäßigkeit. Aber das ist halt der nicht einmal so feine, sondern prinzipielle Unterschied zwischen Prioritäten - da widerspricht dir auch niemand - und einander strikt ausschließenden Alternativen - postulierst du zwar nicht, aber tendenziell liest du dich so.

Mit schönen Ausnahmen.


Sorry, aber den Satz kapier ich nicht. Bitte was liest sich tendenziell wie?

Jackyll
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09.03.2010 - 19:23 Uhr
Jackyll

Was ich noch sagen wollt: Dialektsprecher sprechen nie nur den Dialekt; die allermeisten sind auch der Hochsprache mächtig. Ich sehe im Dialekt mehr eine Bereicherung als einen unnützen Ballast. Bairisch ist ja nicht umsonst mehrmals zum erotischsten Dialekt Deutschlands gekürt worden ;)

Jetz aber: Sláinte!

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09.03.2010 - 19:48 Uhr
Jackyll

Dann muss der Pub halt noch a bisserl warten. Ich weiß, ist zwar ne Unterredung zwischen euch zwei, aber ich mag meinen Senf doch so gern dazugeben ;)
eisengrau sagte:
ich lese mich traurig, weil ich sage, dass man Sprache zur Kommunikation braucht?? Das hätte ich gerne mal genauer erklärt.

Sprache ist primär zur Kommunikation da, da hast du recht. Allerdings kann man mit Sprache auch so viel Schönes anstellen, was nicht offensichtlich einem bestimmten Zweck folgt. Eben Dialekt. Oder Lieder. Gesang hat zwar augescheinlich keinen großen Nutzen, ist aber trotzdem in jeder Kultur der Erde zu finden (genau wie Dialekte auch, übrigens).

eisengrau sagte:
Ich glaube nicht, dass auch die CSU-Führung und die Kirche und eine Dorfgemeinschaft mit Mundart Widerborstigkeit verbinden und im Mundartdichter den Punk. Da geht es ja doch eher, wie Jackylll es schreibt, um Anpassung an eine regionale Leitkultur, die zwar allerorten auf dem Rückmarsch ist, sich aber immer noch trotzig gegen Veränderungen sträubt.

"Leitkultur" ist so ein unschönes Wort. Das impliziert einen absoluten Herrschaftsanspruch.
Ein paar Elemente mögen sich zwar gegen Veränderungen sträuben, aber über die Zeit wird sich alles verändern. Vielleicht werden sich dereinst auch einmal Wörter wie "oida" oder "krocha" fest im (austro-)bavarischen Wortschatz verankern, und ein paar andere Wörter werden in Vergessenheit geraten. Wer weiß. A propos Krocha: Der bairische Ausdrück für Limonade, "Kracherl", stammt von einer bestimmten Flaschenart, in der Limonade vor ca 100 Jahren verkauft wurde. Damals auch ein neues Wort, bis zum Krieg in aller Munde, und heute fast gar nicht mehr bekannt. So gehts halt.
eisengrau sagte:
Widerborstig also höchstens gegenüber Einflüssen von außen. Das finde ich aber ehrlich gesagt, als jemand, der sich durchaus mit Kultur beschäftigt (damit ganz nebenbei auch sein Brot verdient), ziemlich borniert und einfältig. Hat auch in der Vergangenheit nie zu irgendwelchem Erfolg geführt.

Was machst du denn, wenn ich fragen darf?
eisengrau sagte:
Zu Deinen Beispielen: es mag ja manche scharfzüngige Kabarettisten und Dichter gegeben haben, die sich der Mundart bedient haben. Das lag aber eher daran, dass sie auch das "Volk" und nicht nur eine kleine Bildungsschicht erreichen wollten.

Die gibt es immer noch, wie die blühende bayrische/bairische Kabarett-Szene beweist.

Wer sich als Dichter oder Kabarettist nur einer bestimmten Bildungsschicht verschreibt, ist meiner Meinung nach keiner. Klar gibt es anspruchsvolles und weniger anspruchsvolles Kabarett, aber man sollte sich nie auf eine "Schicht" festlegen.

Man kann das vielleicht mit den Simpsons vergleichen (der Vergleich hinkt wirklich böse, aber mir fällt gerade nix besseres ein): Als Kind fand man die wegen Barts Streichen und anderem Klamauk lustig, inzwischen mehr wegen den vielen (versteckten) Anspielungen auf die amerikanische Kultur.
Was ich damit sagen will: Du kannst anspruchsvolles Material haben und trotzdem alle "Schichten" damit ansprechen.

eisengrau sagte:
Klar kann ich mich mit gewissen traditionellen Formen in die Seh-und Hörgewohnheiten des Publikums einschleischen, wenn ich das möchte, aber subversiv sein kann ich auch ohne. Ein Dieter Hildebrandt musste sich nicht im Bairischen versuchen, um sein Publikum zu erreichen, und auch ein Duo wie Erkan & Stefan fand es sinnvoller, sich so auszudrücken, wie es der tatsächlichen Ingolstädter und Münchner Lebenswelt entspricht, und nicht wie es kultuirell "vorgeschrieben" ist. Bayern (und Österreich) ist halt ein bisschen vielschichtiger geworden, in der Neuzeit und etwas internationaler. Die Münchner haben das ja schon vor 100 Jahren gelernt, der Rest von Bayern lernt es auch noch. ;-)

Na, als ob der Rest von Bayern so hinterwäldlerisch wär ;)

Teilweise ist doch genau der Dialekt das, was sie groß gemacht hat. Wenn Erkan und Stefan normales Deutsch gesprochen hätten, dann wären die ganz schnell wieder in der Versenkung verschwunden.

Von Bülent Ceylan zB hatte ich noch nie etwas gehört, bis ich nach Mannheim gezogen bin. Der Monnemer Dialekt macht ihn erst zu dem, was er ist. Und von Verständnisschwierigkeiten kann man da überhaupt nicht reden - die meisten Ausdrücke sind eh lautmalerisch, dass man sich denken kann, was er meint, oder man fragt einfach wen, der den Dialekt beherrscht, wenn man es nicht versteht.

Ein Dieter Hildebrandt muss auch gar kein Bairisch können. Das ist eben seine Art. Natürlich könnten Ottfried Fischer, Günter Grünwald und Django Asül auch Hochdeutsch reden und immer noch Erfolg haben, aber dann wär doch der ganze Charme weg.

So, jetz aber endgültig. Der Bus ist schon weg, also ab aufs Radl :P

eisengrau
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09.03.2010 - 20:21 Uhr
eisengrau

Jackyll sagte:
Na na na, Lückentext schaut anders aus. Solang sich beide Parteien verstehen passt noch alles. Aber versuch mal einen Schweizer mit einem Ostfriesen zusammenzusetzen; die brauchen erstmal eine Viertelstunde, bis der eine überhaupt kapiert, was der andere für eine Sprache spricht.

Genau. Und wenn die genauso hartnäckig an ihrer jeweiligen Sprache kleben, und keiner zu irgendwelchen Kompromissen bereit ist, ist die Unterhaltung vermutlich sehr schnell beendet oder endet in Missverständnissen mit unabsehbaren Folgen.

Jackyll sagte: Na zu denen möcht ich aber nicht gehören. Toleranz muaß scho sei, gäi.

Da bin ich ganz Deiner Meinung. Toleranz heißt aber auch zu akzeptieren, dass die nächste Generation anders spricht als die vorangegangene. Auch wenn es schwerfällt.


Jackyll sagte:Na, dann geh mal in irgendeinem Wirtshaus - muss nicht mal in Bayern sein - auf dem Land. Die Leute werden sich zwar bemühen, mit dir Hochdeutsch zu reden, aber Hochdeutsch in einer regionalen Kneipe ist halt einfach nicht authentisch.
So schlimm ist es auch nicht, aber trotzdem. Ich finds halt einfach schad dass der Dialekt so an Bedeutung verliert und vielleicht einmal ganz verschwindet.

Ich finde es auch schade, dass Malerei an Bedeutung verliert, im Zeitalter der Fotografie. Oder dass man ale Moore trockenlegt. Aber die Entwicklung ist eben schon soweit fortgeschritten, dass Du eher als Spinner angesehen wirst, wenn Du an den traditionellen Elementen festhältst. Manchmal ja auch zu Recht.

Jackyll sagte: Was ich sagen wollte ist: ein paar Modeerscheinungen bleiben, andere gehen, andere werden verändert.

Ich seh mich selber nicht als Traditionalist, obwohl mich manche durchaus im weitesten Sinn so sehen könnten. Die Endung "-ist" hat immer sowas fundamentalistisches, rigoroses. So will ich ja net sein. Du kannst die Leute ja nicht zwingen, einen bestimmten Dialekt zu sprechen oder eben auch nicht (auch wenn die CSU jahrzehntelang versucht hat, den Dialekt aus den Schulen zu verbannen).

Ich find Bairisch einfach schön, und als Muttersprachler will ich das auch mal an meine Kinder weitergeben und hoffen, dass die damit auch noch was anfangen können, also mit ihren Freunden Bairisch reden oder sowas. Warum sollte ich denen diesen wunderbaren Dialekt vorenthalten? Wenn sich die globale Jugendkultur schon um einige wenige (meistens amerikanische) Stars dreht, dann will ich doch ein kleines bisschen identitätsstiftend wirken. Ihre Identität müssen sie natürlich selber finden, klar, aber das kann ich ihnen ja mal mitgeben. Ob sie dann Bairisch ablehnen oder nicht, bleibt ihnen überlassen.
Ich kenne viele Leute, die sich gewünscht hätten, dass im Elternhaus Dialekt gesprochen worden wäre; aber ich hab bis jetzt noch keinen einzigen Dialektsprecher kennen gelernt, der sich das Gegenteil gewünscht hätte.

Also dann, ich packs mal, üb mich ein bisschen in Völkerverständigung -> Irish Pub ;)


Es gibt ja nicht nur Dialekte, sondern auch Soziolekte, die eher an eine Szene gebunden sind, als an eine Region. Man darf nicht immer denken, es ginge nur verloren, und käme nichts Neues nach.
Wie sagte neulich schon wieder irgendso ein Lokalpolitiker (ob er den Sinn des Satzes überhaupt kapiert hatte, weiß ich nicht): Tradition ist nicht das Bewahren der Asche, sondern das Weitergeben des Feuers. :-)

wollmops
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09.03.2010 - 21:49 Uhr
wollmops

oh, schade hab ich die tolle Diskussion verpaßt! ich bin zwiespältig beim Thema Dialekt: einerseits finde ich Dialekte grundsätzlich ganz phantastisch kreativ und spannend und treffend und schön (und zwar alle, die ich kenne, auch in anderen Sprachen). Andererseits leidet das Hochdeutsche wirklich umso mehr, je mehr man seinen Dialekt pflegt - und das führt dann dazu, daß z. B. die Schweizer wirklich größere Schwierigkeiten in Ausdruck, Syntax und Rechtschreibung haben als die Deutschen. Was ja auch blöde und ein ziemlicher Nachteil ist. Dafür stirbt aber in Deutschland die Sprachvielfalt aus. Hm.

eisengrau
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09.03.2010 - 23:16 Uhr
eisengrau

Jackyll sagte:
Dann muss der Pub halt noch a bisserl warten. Ich weiß, ist zwar ne Unterredung zwischen euch zwei, aber ich mag meinen Senf doch so gern dazugeben ;)


Kein Problem. Das ist eine öffentliche Diskussion, hier darf sich jeder beteiligen.


Jackyll sagte: Sprache ist primär zur Kommunikation da, da hast du recht. Allerdings kann man mit Sprache auch so viel Schönes anstellen, was nicht offensichtlich einem bestimmten Zweck folgt. Eben Dialekt. Oder Lieder. Gesang hat zwar augescheinlich keinen großen Nutzen, ist aber trotzdem in jeder Kultur der Erde zu finden (genau wie Dialekte auch, übrigens).


Ich hab ja nie gesagt, dass ich keine Dialekte mag. Ich wundere mich lediglich über die Empörung hier, wenn neue Wörter Eingang in die gesprochene Sprache finden. Gerade, wenn der Dialekt dazu dient, Lieder oder andere künstlerische Erzeugnisse zu schaffen, müsste man doch über eine möglichst große Menge an Ausdrucksmöglichkeiten erfreut sein.

Und ich finde das Wehklagen, wenn sich die Leute für Hochsprache statt für Dialekt entscheiden, überzogen. Manches wird eben mit der Zeit unpopulär. Wir tragen ja auch nicht mehr die Klamotten aus vergangenen Zeiten.

Jackyll sagte:"Leitkultur" ist so ein unschönes Wort. Das impliziert einen absoluten Herrschaftsanspruch.
Ein paar Elemente mögen sich zwar gegen Veränderungen sträuben, aber über die Zeit wird sich alles verändern. Vielleicht werden sich dereinst auch einmal Wörter wie "oida" oder "krocha" fest im (austro-)bavarischen Wortschatz verankern, und ein paar andere Wörter werden in Vergessenheit geraten.

Genau darauf will ich ja hinaus.



eisengrau sagte:

Jackyll sagte: Was machst du denn, wenn ich fragen darf?
Kulturelle Bildung (mit staaatlichem Segen). Und eigenes künstlerisches Schaffen.


Jackyll sagte:Die gibt es immer noch, wie die blühende bayrische/bairische Kabarett-Szene beweist.

Wer sich als Dichter oder Kabarettist nur einer bestimmten Bildungsschicht verschreibt, ist meiner Meinung nach keiner. Klar gibt es anspruchsvolles und weniger anspruchsvolles Kabarett, aber man sollte sich nie auf eine "Schicht" festlegen.

Man kann das vielleicht mit den Simpsons vergleichen (der Vergleich hinkt wirklich böse, aber mir fällt gerade nix besseres ein): Als Kind fand man die wegen Barts Streichen und anderem Klamauk lustig, inzwischen mehr wegen den vielen (versteckten) Anspielungen auf die amerikanische Kultur.
Was ich damit sagen will: Du kannst anspruchsvolles Material haben und trotzdem alle "Schichten" damit ansprechen.


Na gut, die Vergangenheitsform war unglücklich gewählt, aber ich habe dabei eben auch die Humoristen vergangener Tage vor Augen gehabt. Was in den letzten 10 Jahren in Bayern an "Kabarett" vom staatlichen Rundfunk herangezüchtet wird, namentlich Grünwald und Springer, ist ja doch eher seichte, zahnlose Comedy. In anderen Bundesländern sieht es kaum besser aus.

Ein Weiß Ferdl zum Beispiel hat sich im Krieg und nach dem Krieg bewusst nicht an ein akademisches Publikum gewandt, sondern Texte geschrieben, in denen sich schon eher der Kleinbürger wiederfinden sollte. Eine Lach- und Schießgesellschaft wusste hingegen, dass sie eher in Akademikerkreisen punkten konnte und hat entsprechend anspruchsvolles, manchmal übertrieben vornehmes Programm in Hochdeutsch gemacht.

Jackyll sagte:Na, als ob der Rest von Bayern so hinterwäldlerisch wär ;)

Da sag ich jetzt nichts dazu. ;-)

Jackyll sagte:Teilweise ist doch genau der Dialekt das, was sie groß gemacht hat. Wenn Erkan und Stefan normales Deutsch gesprochen hätten, dann wären die ganz schnell wieder in der Versenkung verschwunden.

Es ist aber kein bayerischer Dialekt, obwohl die beiden Bayern (mit gespieltem Migrationshintergund) sind. Eigentlich ist es gar kein Dialekt, sondern Soziolekt. Dialekt ist im Wesentlichen an eine Region gebunden (deswegen finde ich das Festhalten daran in einer globalisierten Welt ja auch so altmodisch), Soziolekt an eine Altersgruppe oder Szene. Und Szenen enstehen und vergehen ständig irgendwo.

Jackyll sagte:Von Bülent Ceylan zB hatte ich noch nie etwas gehört, bis ich nach Mannheim gezogen bin. Der Monnemer Dialekt macht ihn erst zu dem, was er ist. Und von Verständnisschwierigkeiten kann man da überhaupt nicht reden - die meisten Ausdrücke sind eh lautmalerisch, dass man sich denken kann, was er meint, oder man fragt einfach wen, der den Dialekt beherrscht, wenn man es nicht versteht.

Bei Bülent Ceylan, ebenso wie bei Django Asül, ist es aber die Diskrepanz zwischen Herkunft und Sprache, was es so lustig macht, weil man das nicht erwartet. Lass irgendeinen Mannheimer oder Niederbayern deutscher Herkunft dieselben Texte vortragen, das findet kein Mensch witzig. Ergibt ja dann auch keinen Sinn mehr.
Beispiel Django Asül:
"Neilich hat mi oaner gfragt: Wo kemma nachad Sie her? Da hab i gsagt: Hengersberg.
Er: Nein, wo Sie geboren sind.
I: Ach so! Deggendorf."

joeditt
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09.03.2010 - 23:47 Uhr
joeditt

@eisengrau

Schau - der Jackyll schreibt:
Natürlich könnten Ottfried Fischer, Günter Grünwald und Django Asül auch Hochdeutsch reden und immer noch Erfolg haben, aber dann wär doch der ganze Charme weg.

Vor diesem Gedanken knie ich... naa, schmeiß i mi am Bauch. Und vor diesem Engagement:
So, jetz aber endgültig. Der Bus ist schon weg, also ab aufs Radl :P


eisengrau schreibt:
(...) hartnäckig an ihrer jeweiligen Sprache kleben (...)


Ge - hallo, iagndwea dahaam? Wos haaßt kleem? I red mindestns dreierlei Wienerisch und variier mein Schriftdeutsch in mindestens 2-3 Stilen. Sunst is jo schtinkfaad. Wia kumst auf die Idee, do miaßat iagndwea an ingndam (antsign) Dialekt pickn? So a Schmoan, heast.

Und das mein ich mit traurig - auch siehe (quasi unbedingt) zuerst Schriftdeutsch und eine andere Sprache lernen, die irgendwo wirklich gesprochen werde, oder so ähnlich. Worauf ich der nötigen Prioritätensetzung zugestimmt hab, nicht aber diesem Zug zur Unbedingtheit, also dem impliziten Nahelegen einander ausschließender Alternativen.

Kompromisse sollen - und zwar intelligenter als zuletzt - die EntwicklerInnen der Schriftsprache weiterhin schließen, das ist ja ihre zwingende Aufgabe. Ich aber pflege parallel mindestens einen Dialekt, wenn nicht mehrere Abstufungen davon zumindest ohne überregionalen oder zeitgeistigen Kompromiss. Was weder irgendwelche unübersetzbaren Fachbegriffe noch witzige Modewörter draußen hält, aber eine Alternative zur von TV- und Film-Produktions- sowie Synchron-Studios meist gepflogenen Vereinheitlichung bleibt - zu einem Sprachbrei, der weder Regiolekt (und sei es auch nur ein Norddeutscher), noch Schriftsprache noch eine vertretbare Zwischenform ist. Sondern ein ganz anderen Regeln eigendynamisch folgendes Irgendwas, das sich wie ein klebriger Isolierkitt generationstrennend über den gesamten deutschsprachigen Raum verbreitet (hat).

(...) akzeptieren, dass die nächste Generation anders spricht als die vorangegangene


ist ja in Ordnung. Der kleine Unterschied ist nur, dass die bisher ihre Sprache mindestens großregionsspezifisch im dortigen Alltag aktiv weiter entwickelt haben, während jetzt alle stattdessen die uniformen Studio- und Agentur-Einflüsse sowie die im Journalismus ins Kraut schießenden systematischen Grammatikfehler passiv übernehmen - von der dänischen Südgrenze bis zum äußersten Zipfel Südtirols.

Folge: ich hab beispielsweise von raimund & Nestroy über Karl Valentin bis H.C. Artmann alles gleich gut verstanden. Die markanteste Verständnisfrage war "Gwölb" - alter ausdruck für Geschäftslokal, weil meist (wegen günstigerer Miete) im Soutterain mit - wie in den Kellern - statisch belastbareren Gewölbe-Decken. Sonst kein Problem - nach weit über einem Jahrhundert. Heut? Alle - hervorragenden - KabarettistInnen, die noch vor zwei Jahrzehten alltagsüblichen Dialekt verwenden stellen fest, dass ein Gutteil des jüngeren Wiener Publikums vielen Gags mangels Sprachverständnis nicht mehr folgen kann. Aber (Pseudo-)Norddeutsch synchronisierte Actionfilme und Videospiele verstehen sie lückenlos. Heißt: da hats was, nämlich publikumsferne Fremdbestimmung und schwindende Vielfalt. Was mit erstaunlich wenig Training behebbar ist: ich hätt zum Beispiel nie erwartet, wie viel ich heute von Schweizer Fernsehsendungen versteh.

Gerade, wenn der Dialekt dazu dient, Lieder oder andere künstlerische Erzeugnisse zu schaffen, müsste man doch über eine möglichst große Menge an Ausdrucksmöglichkeiten erfreut sein.


Solange das so abläuft - und nicht irgendein Sprachbrei Dialekte UND Schriftsprache verdrängt - ist das ja eh wünschenswert.

Und ich finde das Wehklagen, wenn sich die Leute für Hochsprache statt für Dialekt entscheiden, überzogen.


Das Problem ist, dass dieses mit "mal", "ne" / "ner" ..., "nee"/"nö" usw., Pseudo-Anglismen (deren schlichte muttersprachliche Synonyme vielen gar nicht mehr einfallen) und damit verbundenem Pseudo-Norddeutschen Ton (der aber auch weder mit authentischem Platt, noch mit Sächsisch oder Balihna Schnauze zu tun hat) quer durch den gesamten Sprachraum alles Regionaltypische verdrängt, wie eine Isolierschicht. Da geht es nicht um bereichernde Wörter, sondern um einen durch nie dagewesen rasche (kommerz-)mediale Verbreitung übergreifenden Schwund an Vokabel- und Akzentvielfalt.

Das ist eben überhaupt nicht "Hoch"sprache - besser: Schriftdeutsch (von wegen Nieder-/Mittel-/Hochdeutsch: da liegt letzteres nämlich nicht im Norden).

Das ist MacDeutsch.

eisengrau
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10.03.2010 - 07:41 Uhr
eisengrau

joeditt sagte:
eisengrau schreibt:
(...) hartnäckig an ihrer jeweiligen Sprache kleben (...)


Ge - hallo, iagndwea dahaam? Wos haaßt kleem? I red mindestns dreierlei Wienerisch und variier mein Schriftdeutsch in mindestens 2-3 Stilen. Sunst is jo schtinkfaad. Wia kumst auf die Idee, do miaßat iagndwea an ingndam (antsign) Dialekt pickn? So a Schmoan, heast.


Hö, jetzt mal langsam, wir sind hier nicht im Bierzelt.
Um Dich und Deine Sprachkenntnisse ging es hier überhaupt nicht. Ich habe mich auf Jackylls Beispiel mit dem Ostfriesen und dem Schweizer bezogen. Und es wäre mir sehr recht, wenn Du meine Beiträge ganz lesen würdest und nicht irgendwelche Schlagwörter rausziehen und da dann draufdreschen.

Außerdem will ich nicht noch mehr neue Baustellen aufmachen, bevor ich ich nicht die alten abgearbeitet habe. Ich habe immer noch nicht erklärt bekommen, was dieser Absatz bedeuten sollte:

joeditt sagte: Außerdem gehts um Kultur - du nimmst immer von neuem Bezug auf Zweckmäßigkeit. Aber das ist halt der nicht einmal so feine, sondern prinzipielle Unterschied zwischen Prioritäten - da widerspricht dir auch niemand - und einander strikt ausschließenden Alternativen - postulierst du zwar nicht, aber tendenziell liest du dich so.

Mit schönen Ausnahmen.

joeditt
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10.03.2010 - 10:29 Uhr
joeditt

Gern. Ich machs aber ohne Anspruch auf Vollständigkeit - das Durchklicken durch den Text ist nicht nur ein bisserl mühsam, bei meinem Rechner dauert das auch.

Zuerst aber zum Kapitel Wurzelsepp (keine Ahnung, wer den zuerst genannt hat, passt aber zu einem allgemein diskutierten Aspekt).

Einerseits war mir deine Skizzierung dazu entgangen:

eisengrau:
in München hast Du das unermüdlich von der Regierung gepflegte bayerische Brauchtum neben Schicki-Szene


Versteh ich: das hätt (auch) bei mir - siehe Musikantenstadl - vermutlich nachhaltigeren Widerstand gegen Dialekt geweckt. Ich aber kenn aus völkstümlerischen Umfeld - und das eher nur medial - eine eher unauthentische Imitation von (diesfalls österreichischen) Dialekten. Hingegen echten, erdigen Slang aus dem gelebten Alltag (Ursprung: vor allem Arbeiterfamilien - aus Industrie und Handwerk - sowie Kleingewerbe). Und in recht originalgetreu gepflegter Form aus dem Wiener Kabarett mehrerer Generationen (spätestens von den 50ern bis jetzt) sowie TV-Produktionen ("Mundl" [Ein echter Wiener geht nicht unter], Kaisermühlen-Blues; ansatzweise: Tatort, Kottan). Und dann der bessere Teil des Austropop - von Ambros/Tauchen/Prokopetz (letzterer nur in Kooperation erträglich) und Georg Danzer bis STS (steirisch, auf Dauer a bisserl sentimental), Hubert von Goisern (Geschmackssache, aber talentiert, und da kommt auch die Lederhose im 21. Jahrhundert an), EAV-Dialektabteilung (san aa Steirer [mit Oberösterreich-Verbindung], aber Wien-kompatibel) und Drahdiwaberl (de san heit no rotzig, da Chef is a Gymnasiallehrer). Oder Kurt Sowinetz (verstorbener Schauspieler): 70er-LP-Klassiker mit Bigband, Titelnummer: Alle Menschn san ma zwider (Refrain zur Swing-bearbeiteten Melodie von Beethovens Lied an die Freude [vom Schiller is da nimmer viel übrig, hehe]).

Hier also trägt der Dialekt (fast) nie Gamsbart, sondern Jeans, Arbeitsgwand usw. Er schunkelt nicht, sondern rockt in unterschiedlichen Stilvarianten (Swing & Jazz sind leider Ausnahmen). Und den Bogen zur Schriftsprache(nnähe) - ein Kontinuum ohne harten Bruch - spannt z. B. der Ex-Burgschauspieler Rainhard Fendrich (i waaß, mit "I am from Austria" steht der schon wieder knöcheltief im Zuckersirup, aber des is jo nua des aane End).

Und all das ist zunehmend in Gefahr. Nicht Verursacherin, aber Symptom: Christina Stürmer, Linzerin, anfangs bodenständig redend und damit für alle verständlich (war Buchhändlerin) - spricht und singt längst nur noch MacDeutsch.

Das, find ich, muss nicht sein.

Es ist genauso schlimm wie die Lederhosen-Abteilung, und es verdrängt auch die Schriftsprache.

Andererseits: gibts denn nicht auch Münchner bierdunst- und trachtenferne Gegenbeispiele? Fredl Fesl, Lisa Fitz, und auch der Wecker singt doch häufig Dialekt, oder (da gitbs sicher noch viel mehr, die ich leider noch nicht kenn)? Die sind - wie etwa auch der Sedlmayer - doch kein CSU-Brauchtums-Umfeld. Deshalb ist deine Münchner Zweiteilung - hier Dialekt mit Freistaatsemblem und Jagdtrophäe, dort Schicki-Szene (und sonst nix?) - bei mir nicht hängen geblieben.

Aber genau was du da ausblendest, sind für mich praktische Beispiele, dass Dialekt an sich weder brauchtümlerisch noch schwer verständlich ist.

eisengrau:
Ich arbeite für eine Münchner Firma, die mehr als 40 Mitarbeiter aus allen Teilen Deutschlands beschäftigt und ein paar aus anderen Ländern der Erde. Wenn hier jeder seinen Dialekt sprechen würde, wäre das der reinste Turm zu Babel.

Diesen Bau seh ich da eben nicht im Weg stehn.
eisengrau:
Dialekt ist - man muss es leider so hart sagen- etwas für Leute, die ihren Heimatort nie verlassen und auch nicht mit Fremden kommunizieren müssen.

Ich stell mir grad vor, wie du das dem Wecker sagst. A so a Schtubnhocka, wiaklich. ;-)
eisengrau:
Alle anderen sind auf Hochsprache angewiesen.

Da würd auch der (Dr.) Werner Schneyder heftig den Kopf schütteln. Und der Hildebrandt tät ihm nicht widersprechen.

Jetzt aber zu Prioritätensetzung versus Alternativentrennung.

Jackyll:
Irgendwo hab ich mal gelesen, dass Dialekte die Rechtscheibkompetenz fördern, weil sich die Schüler anscheinend mit zwei "Sprachen" (=Dialekt und Hochsprache) auseinander setzen müssen. Auf jeden Fall wird die Sprachkompetenz gefördert.

eisengrau:
Wäre das aber nicht viel sinnvoller mit zwei Sprachen, die auch irgendwo verstanden werden?


Ein Komparativ: der liest sich noch nach Prioritäten. In diesem Sinn: Zustimmung - das "viel" davor kann aber entfallen.
eisengrau:
Ich meine, Dialekte pflegen ist ein schöner Luxus


Luxus? Wenn die Schriftsprache nicht zu kurz kommt: nein. Übrigens kommt die heutzutage ohne Dialekt, aber mit MacDeutsch sehr wohl zu kurz, und das ist übel.

eisengrau:
Und daher kann man niemandem vorwerfen, wenn er sich zunächst mal an die Erfordernisse des Alltags anpasst und erst dann irgendwelche Spezialkenntnisse ausbildet.


Eh nicht! Wieder: Prioritätensetzung - okay. Aber "viel" sinnvoller, "erst dann" (und nicht schon parallel, wenns möglich ist) - das les ich als Tendenz zu einander ausschließenden Alternativen. Nicht, dass ich herauslese, jemand könne nachher auf jeden Fall nur eins von beiden, aber die wiederholte Heftigkeit versteh ich so: erst Schriftdeutsch (und wenn möglich eine Fremdsprache) halbwegs beherrschen, erst dann an Beschäftigung mit Dialekt denken.

Das aber hat auch den Nachteil, dass die Chance, womöglich authentisch im alltäglichen Umfeld gesprochenen Dialekt zu pflegen. Es ist ein bisserl, wie mit dem Schwimmen: Babies kann das bekanntlich schon sehr, sehr früh mühelos beigebracht werden. Wird das verpasst, gehen Vor-Fertigkeiten verloren und es wird müsam: das war bei mir so - ich war 6 oder 7 und hatte bis dahin nur mit Schwimmreifen geplantscht. Bis heute kann ich nur mäßig brustschwimmen. Dia Angst, Dialekt im Alltag behindere Schrift- (und Fremd-)Sprachen-Lernerfolge, ist ein Mythos.

joeditt:
Außerdem gehts um Kultur - du nimmst immer von neuem Bezug auf Zweckmäßigkeit.

Kultur: siehe oben, Kabarett, Pop/Rock - versus irgendwastümelde Tourismus-Inszenierungen, die ich auch nicht mag (und offenbar niemand hier).
joeditt:
Aber das ist halt der nicht einmal so feine, sondern prinzipielle Unterschied zwischen Prioritäten - da widerspricht dir auch niemand - und einander strikt ausschließenden Alternativen - postulierst du zwar nicht, aber tendenziell liest du dich so.

Hoff ich jetzt ein bisserl verständlicher erläutert zu haben.

Wenn ja, hab ich den Verdacht, dass wir eh gar nicht so weit auseinander liegen.

mixen
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10.03.2010 - 12:36 Uhr
mixen

isarpreissn greislige!

joeditt
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10.03.2010 - 12:55 Uhr
joeditt

Bei
"dass die Chance ..."
(vor meinem vorletzten Selbstzitat)
fehlt "... verpasst wird."

Digital_Data
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10.03.2010 - 13:32 Uhr
Digital_Data

Mein bester Freund hat eine Pragerin geheiratet, die gut englisch spricht, aber praktisch kein deutsch, aber sie versteht doch einiges in deutsch. Eine gemeinsame Freundin redet dann immer ganz bewußt hochdeutsch, was zum einen irre gekünstelt wirkt, aber eben auch nicht notwendig ist, da wir ja nicht tiefstes bayrisch reden sondern einfach farblich angehauchtes bayrisch und nur dann, wenn uns Dinge begegnen diese eben auch mal als Boazn benennen, nur dann ergibt sich der Inhalt aus dem Kontext und wird fast immer auch verstanden und ein nachfragen ist selten nötig. Sie versteht mich aber eben genauso gut als andere und ich stelle mich nicht um.

Kommen viele Nationen zu sammen, so ist immer ein unterschiedliches Level an Wortschatz vorhanden, d.h. es fallen immer Wörter, die andere (noch) nicht kennen. Das wird man nie ausschalten können, so hochdeutsch kann man gar nicht sprechen.

Gerade Engländer/Amerikaner legen ihren Dialekt aber auch nicht ab und machen es damit meiner Meinung nach richtig, denn der Dialekt ist auch ein Teil der Persönlichkeit und mir kommt es dann immer so vor als wenn meine Freundin dann eine andere Person wäre. Man ist nicht mehr so spontan und redet viel überlegter. Und für eine Firma würde ich meine Persönlichkeit nicht aufgeben.

Interessant ist in diesem Zusammenhang auch Folgendes. Mein Freund (der mit der Pragerin) lebte bis 11 Jahre in Prag und kam dann nach Deutschland. er spricht fließend tschechisch, war aber über Jahrzehnte nicht mehr dort. heute sagen seine tschechischen Freunde, er redet wie ein Kind. Er ist also mit seiner Ausdrucksweise auf einem Level stehen geblieben.

Und noch eine Anekdote zum Schluß. Als besagte Pragerin zum ersten Mal in Bayern auf der Landshuter Dult im Bierzelt war, fragte sie, was ein Obazda ist. Ihr Mann überlegte gerade, wie er das erklären sollte, bis jemand sagte: "Obazda is sold out ;-) !"

Digital_Data

eisengrau
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10.03.2010 - 15:31 Uhr
eisengrau

@joeditt:
Und, wer hat dann als einziger von der Drahdiwaberl-Truppe außerhalb von Österreich Karriere gemacht? Der Falco, mit seinem Mix aus Deutsch (wenn auch mit östereichischem Akzent) und Englisch. Hätte er in lupenreinem Dialekt weitergemacht und versucht damit international groß raus zu kommen, hätte der heute die Plattenverkaufszahlen der Jazz-Gitti.

*Aber genau was du da ausblendest, sind für mich praktische Beispiele, dass Dialekt an sich weder brauchtümlerisch noch schwer verständlich ist.*

Also, bloß, weil Du jetzt alle Mundart-Dichter und Sänger aufzählst, die es schon mal ins Fernsehen oder auf eine Bühne außerhalb ihres Heimatbundeslandes geschafft haben, ist das kein Beweis, dass ihr Dialekt überall verstanden wird.
Vielleicht sollte man mal die Hamburger, Dortmunder und Kölner auf jetzt.de fragen, wie sie Fredl Fesl so verstehen oder eine Luise Kinseher. Und die Künstler selbst, wieviele Tourtermine sie außerhalb ihres Sprachraums anteilig zum Gesamtpensum wahrnehmen.


*Ich stell mir grad vor, wie du das dem Wecker sagst. A so a Schtubnhocka, wiaklich. *
Mit Konstantin Wecker hab ich mich sogar mal unterhalten. Der singt zwar so einigermaßen bayerisch (aber sicher kein Bairisch), reden tut er aber, wenn es sachlich zugehen soll, Hochdeutsch, allenfalls mit etwas Akzent.

*eisengrau:
Alle anderen sind auf Hochsprache angewiesen.

Da würd auch der (Dr.) Werner Schneyder heftig den Kopf schütteln. Und der Hildebrandt tät ihm nicht widersprechen.*
Siehe oben.


*Luxus? Wenn die Schriftsprache nicht zu kurz kommt: nein. Übrigens kommt die heutzutage ohne Dialekt, aber mit MacDeutsch sehr wohl zu kurz, und das ist übel.*

Wo kommt die denn zu kurz? Die leidet höchstens darunter, dass es den Leuten ganz allgemein wurscht ist, ob sie was richtig oder falsch schreiben, weil alle zu trotzig sind, sich überhaupt noch was beibringen zu lassen. Das ist aber in allen Fächern so.

Und selbstverständlich ist Dialekt Luxus, denn lebensnotwendig ist er nicht. Oder funktioniert ohne Dialekt vielleicht keine Kommunikation mehr?

*Dia Angst, Dialekt im Alltag behindere Schrift- (und Fremd-)Sprachen-Lernerfolge, ist ein Mythos.*

Die Angst, mit dem Verschwinden des Dialekts verschwände auch die Kultur, aber ebenso. Außerdem habe ich sowas bestimmt nirgends behauptet.

*Außerdem gehts um Kultur - du nimmst immer von neuem Bezug auf Zweckmäßigkeit.*

Sprache ist eben - im Gegensatz zur Musik-, in erster Linie zur Informationsübermittlung da und erst in zweiter Linie zum Vergnügen und in dritter als künstlerisches Ausdrucksmittel.

*Hoff ich jetzt ein bisserl verständlicher erläutert zu haben.*

geht so. ein bisschen durcheinander, alles.
Und leider legst Du mir lauter Thesen in den Mund, die ich nie geäußert habe. Auf der anderen Seite betonst Du das Nebenher mehrerer Sprachen, regst Dich aber über aktuelle Sprachvermischungen (das, was Du MacDeutsch nennst) auf. So tolerant sind wir dann wohl doch wieder nicht.

Ich verstehe Deine Sorge um verschwindende kulturelle Errungenschaften, aber irgendwas bleibt halt immer auf der Strecke, wenn die Welt sich verändert.
Davon abgesehen gibt es ja genügend Vereine, die sowas intern pflegen und präsentieren genauso wie es Mittelaltervereine und Lateinzirkel gibt.

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10.03.2010 - 15:32 Uhr
eisengrau

mixen sagte:
isarpreissn greislige!


ab zurück ins Schrazelloch!

Digital_Data
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10.03.2010 - 16:15 Uhr
Digital_Data

Mit Ohnsorgtheater oder Emil kann man das auch als Bayer gut widerlegen.

Der_Digital_Data (jetzt in 3D)

eisengrau
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10.03.2010 - 16:50 Uhr
eisengrau

Digital_Data sagte:
Mit Ohnsorgtheater oder Emil kann man das auch als Bayer gut widerlegen.

Der_Digital_Data (jetzt in 3D)


Absolut richtig.

blubb123
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10.03.2010 - 19:54 Uhr
blubb123

Bap wird ja auch außerhalb Kölns gehört, auch wenn es sicher nicht immer verstanden wird. Erfolgreich sind sie trotzdem. Wahrscheinlich wären sies nicht, wenn sie hochdeutsch singen würden.

Corva
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11.03.2010 - 15:31 Uhr
Corva

der text wurde garantiert nicht von nem vollbayern geschrieben

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11.03.2010 - 15:34 Uhr
Corva

höchstens von nem oberbayern

shafty
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11.03.2010 - 15:44 Uhr
shafty

ach du scheisse...eine kollegin hatte heute ihren letzten tag und zieht nach münchen. aus diesem grund fand sie es eine totaaal witzige idee, ihre abschiedsmail auf bairisch zu verfassen. ich erspare euch die details, nur soviel: es war graaaauenhaft!!
erfahrung für mich: noch schlimmer als nicht gekonnter gesprochener dialekt ist nicht gekonnter geschriebener!

Corva
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11.03.2010 - 15:51 Uhr
Corva

shafty:
ein gutes beispiel liefert auch der text oben^^

MasterFowl
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11.03.2010 - 17:04 Uhr
MasterFowl

eisengrau sagte:
Als ob wir hier in München auf so plumpe Provokationen eingehen würden, das macht man vielleicht bei Euch draußen im Outback. ;-)



Ja wos sog i do jetzt am besten...Preis! - genau des wars xD

Digital_Data
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11.03.2010 - 17:56 Uhr
Digital_Data

I sog ned a so und i sog ned a so, nachad ko koaner sogn i hät a so oder a so gsogt.

Der_Digital_Data (jetzt in 3D)

eisengrau
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12.03.2010 - 09:52 Uhr
eisengrau

eisengrau sagte:

Jackyll sagte:Na, als ob der Rest von Bayern so hinterwäldlerisch wär ;)

Da sag ich jetzt nichts dazu. ;-)



Ich glaub, ich sag doch gleich was dazu.

MasterFowl sagte:

Ja wos sog i do jetzt am besten...Preis! - genau des wars xD


Meinten Sie: Preiß?

*gähn* Immer wenn dem Bauern nix mehr einfällt , holt er den Preußen raus. Das ist fast typischer als das dreibuchstabige Autokennzeichen. ;-)

joeditt
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12.03.2010 - 10:09 Uhr
joeditt

Eeeeemil (seufz) - den tät ich gern öfter sehn. Hab ich übrigens auch schon verstanden, bevor ich öfter Schweizer Ferrnsehen geschaut hab. Die Ohnesorg-Bühne war mir ein bisserl zu berlintümelnd statt balihnarisch (fast wie in Wien die Löwinger-Bühne).

Okay, eisengrau, also gibts - zusammengefasst - eine Annäherung sowie die Einigung darüber, dass wir uns nicht ganz einig sind. Is jo aa wos weat.

Darüber hinaus nur eines noch.

eisengrau:
Sprache ist eben - im Gegensatz zur Musik-, in erster Linie zur Informationsübermittlung da und erst in zweiter Linie zum Vergnügen (...)


Das ist eben leider ein recht abgehobener Irrtum. Du beschreibst das Soll, ich aber das Ist. Und letzteres wird von Medien bestimmt, die sich verständlicherweise vorrangig um ihre Existenz kümmern. Bei mindestens 2/3 Einkünften aus Inseraten bestehen daher die mit Informationscharakter teils aus verkaufsfördernden Begleittexten, teils aus Berichterstattung mit Rücksicht auf Großinserenten-Interessen und Erwartungen der Masse der KonsumentInnen. Mindestens genauso wirksam - mit Folgen auch für die Standardsprache - sind die angeblich dem Vergnügen, also tatsächlich der Unterhaltungsindustrie dienenden. Schaumgebremst zeigen auch die öffentlich-rechtlichen elektronischen Wirkung - dort heißt das: publikumsgerechte Formatierung und Quote.

Sprache wirklich ((fast) nur) zur Informationsübermittlung gibt es am ehesten in geisteswissenschaftlichen Bereichen und in der nicht auftragsabhängigen Grundlagenforschung: nicht sehr alltagebezogen.

Also werden für schriftsprachliche Kompromisse Verantwortliche künftig weniger diskutieren, ob es jetzt weiter in Österreich "der Liter" und in der Schweiz "das Liter" heißen soll, und wo Pfannkuchen Palatschinken sind oder eben nicht, sondern, ob "volle Kanne" als gesamtdeutscher Standardausdruck zu registrieren ist, und ob es zu Shareholder (Value) Synonyme geben sollte oder eben Pech hat, wer derlei Termini nicht versteht. (Test: einmal "Shareholder", einmal "Aktionär" auf http://wortschatz.uni-leipzig.de/ - beides probiert, kein Vergleich).

Die Entwicklung von gewachsenen Dia- und Regiolekten zu globalen Soziolekten oder was auch immer für Jargons einer möglichen Gesamtsprache ist nicht aufzuhalten - das will ich also nicht verhindern, weil das auch gar nicht möglich ist. Was mir dabei aber umso wichtiger ist: dass sich am Weg dorthin überflüssige Enseitigkeiten, riesenhafte Bocksprünge und alltagsferne Medieneinflüsse eher in Grenzen halten. Sodass die Entwicklung noch irgendwas mit den SprachbenutzerInnen zu tun hat, statt ihnen den Blick auf Alternativen zum Nachplappern von Vorgefertigtem zu verstellen, das zudem standardsprachliche Wortdefinitions-Kriterien ignoriert. Nötig ist also regionengestützte Lebendigkeit auf breiter Basis - irgendwelche Traditionsvereine können das am wenigsten leisten (klein / unwirksam / nostalgisch bis reaktionär / alltagsfern).

Kleines, relativ mildes Beispiel, eher noch am Rand dieses einheitsbabylonisierenden Stroms: "Technologie(n)".

Eingabe auf Google: "define:technologie"

Ergebnis 1:
Wikipedia: "(...) Herstellungs- oder Verarbeitungslehre (...) zunächst die Lehre (...)"
Ergebnis 2:
Wictionary: "Wissenschaft von der Technik"

So weit, so korrekt: Lehre/Wissenschaft, und nicht die anwendende Technik. Alltagsgebrauch? "In diesem handlichen Gerät finden Sie modernste Technologien." Na wui, sind dann also in einem winzigen Kastl beispielsweise fünf Forschungsinstitute und sieben Hörsäle??? Tatsächlich bietet ein Gerät (Anwendungs-)TechnIK(en) und wurde mit bestimmten HerstellungstechnIKen erzeugt - TechnoLOGIE(n) hingegen bildet/-n den dazu nötigen Wissenshintergrund. Also: Wort falsch, und oft auch noch falsche Mehrzahl.

Im Wictionary steht zwar außerdem "Synonym für Technik", das aber ist ein Zugeständnis an die (ungenaue) Praxis und fällt unter ugs.

Hier kann eben der "Luxus" der Dialektpflege helfen - also der Nicht-Unterdrückung von Vorhandenem (im Sinn meines Baby-Schwimmlern-Beispiels) - wie jedes Sprachtraining bei der Sensibilisierung für Bedeutung(en) und Unterschiede. Wer das früh genug spielerisch übt, hat tut sich auch leichter mit dem korrekten Verwenden von Standard- und Fremdsprache(n).

Weil die Grundfertigkeiten nicht Schriftdeutsch (Variante A, D bzw. CH), Oberpfälzisch/Südburgenländisch/... oder Englisch/Kantonesisch/... heißen.
Sondern mittels deren Anwendung spielerisch geübtes Begreifen, Differenzieren und präzis(er)es Definieren.

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12.03.2010 - 10:15 Uhr
joeditt

Boa, grauslich, die Fettschrift - Formatierungsfehler, tut mir leid.

eisengrau
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12.03.2010 - 10:28 Uhr
eisengrau

joeditt sagte:

Darüber hinaus nur eines noch.

eisengrau:
Sprache ist eben - im Gegensatz zur Musik-, in erster Linie zur Informationsübermittlung da und erst in zweiter Linie zum Vergnügen (...)


Das ist eben leider ein recht abgehobener Irrtum. Du beschreibst das Soll, ich aber das Ist.


Es ist weder abgehoben, noch ein Irrtum.

"Fünf Mammuts am Fluss."
Für solche Informationen hat der Mensch die Sprache erfunden. Die Sonette kamen erst viel später.

Und auch ich schreibe in erster Linie den ganzen Tag Mails informativer Art, mit denen ich Informationen übermittle. Und wenn ich alles Nötige erledigt habe, dann kann ich vielleicht anfangen, zu kalauern oder hier Gedichte zu schreiben.

Du hältst Deine Verehrung für Deinen Dialekt dermaßen hoch, dass Du denkst, ohne ginge gar nichts mehr. Aber nicht, weil der Dialekt im Alltag gegenüber der Hochsprache irgendwelche Vorteile hätte, sondern er Dir hilft, Deine Identität zu finden, und dich mit ein paar Leuten zusammenzutun, mit denen Du Dich gegen den Rest der Welt abgrenzen kannst. Das hat aber keine praktischen Gründe, sondern dient einzig und allein dem Selbstbewusstsein.

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12.03.2010 - 10:36 Uhr
eisengrau

joeditt sagte:
Eeeeemil (seufz) - den tät ich gern öfter sehn. Hab ich übrigens auch schon verstanden, bevor ich öfter Schweizer Ferrnsehen geschaut hab. Die Ohnesorg-Bühne war mir ein bisserl zu berlintümelnd statt balihnarisch (fast wie in Wien die Löwinger-Bühne).


Kann sein, dass Du richtiges Schwyzerdütsch verstehst, ich bin sicher, 95% meiner deutschen Mitbürger tun es nicht. Nicht mal alle Schwaben, und die sind sprachlich noch am ehesten dran.
Deswegen redet auch ein Emil Steinberger im deutschen Fernsehen eher Hochsprache, wie die meisten Schweizer.

Das Ohnsorg-Theater ist in Hamburg. Die Hamburger würden sicher nicht hingehen, wenn dort berlinert würde.

joeditt
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12.03.2010 - 10:55 Uhr
joeditt

Leider übst du dich in selektivem Antworten. Was du da zum Dialekt ausführst, genieß ich zwar durchaus, aber genau darum isses mir zuletzt nicht gegangen. Sondern um die Fehlmeinung, dass, was sich da ausbreitet, tatsächlich Schriftdeutsch sei, und nicht (graduelle Variationen von) MacDeutsch.

Und so heftig identitätsstiftend ist der Dialekt für mich nicht: den hiesigen hab ich mit 9-10 zu üben begonnen und mit 14-15 halbwegs gekonnt (den Slang erst mit 18-19). Aber ich schätz ihn als Teil der Vielfalt, weshalb ich auch mit wachsender Lust & Neugier den (Resten von) deutschen und schweizer Dialekten lausch. Den hiesigen kann ich (in seiner bereits bezirksübergreifend eingeebneten Form) halt am ehesten authentisch sprechen, während etwa meine eh noch dezenten "do isch ebbes gsi" - Versuche so manche Augenbrauenhebung auslösen. Im Alltag muss ich eher aufpassen, keine allzu langen schriftsprachlichen Schachtelsätze zu bauen.

Abgrenzen, ts ... bei meinem Englisch verweiger ich - teils aus Respekt vor Authentizität, teils aus Zweckmäßigkeit - regionale Anklänge (während manche deutschsprachigen Freizeit-Rocker versuchen, das "r" dreimal so heftig zu rollen wie SüdstaatlerInnen, und die Vokale noch breiter zu quetschen). Womit ich mich nimmer einsam fühl, seit mir ein in den USA Schule und Uni absolviert habender Schwarzafro-Franzose über den Weg gelaufen ist. Ein Englischlehrer, dem in seinem Unterrichtspraktikum sein betreuender Professor angehörs seiner neutralen Artikulation - halb anerkennend - erklärt hat: "You're teaching somewhere in the middle of the Atlantic." Womit ich mich gern identifizier (speaking - not teaching, of course).

glitzerkugel
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12.03.2010 - 11:18 Uhr
glitzerkugel

Sehr interessant die Reaktion eines Münchner Freundes, als wir mit vielen Niederbayern im Biergarten saßen, die den Münchner bezichtigten, nicht ordentlich Dialekt zu sprechen.

"Wieso wollt _ihr_ _mir_ eigentlich erzählen, wie _ich_ in _meiner_ Stadt reden soll?"

joeditt
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12.03.2010 - 11:20 Uhr
joeditt

Ohnesorg: tut leid - das ist nur eine blasse Erinnerung an TV-Übertragungen aus den frühen 70ern, da hab ich Ösi das noch nicht auseinanderklauben können. In meiner Erinnerung taucht da notorisch der Pfitzmann auf, der ja später Hauptrollen in Berliner TV-Serien gespielt hat. Und Hamburg war in meiner Erinnerung schon besetzt: mit Boy Gobert und dem Thalia-Theater, das bei weitem nicht nur, aber eben auch Boulevard gespielt hat.

Also Verbeugung vor Spitzen Stainän dort, Balihna Schnauze da, und Bitte um Vergebung.

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12.03.2010 - 11:22 Uhr
joeditt

Ajajaj - selbstverständlich Ohnsorg ohne "e".

MasterFowl
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12.03.2010 - 22:47 Uhr
MasterFowl

eisengrau sagte:
*gähn* Immer wenn dem Bauern nix mehr einfällt , holt er den Preußen raus. Das ist fast typischer als das dreibuchstabige Autokennzeichen. ;-)


Es tut mir wirklich schrecklich leid, dass du nichts hast mit dem du dich identifizieren kannst. Oder für das du Heimatgefühle entwickeln kannst. Dafür beherscht du die deutsche Rechtsschreibung besser als ich und hey du kannst mir jetzt gerne alle Fehler in meinen Kommentaren sagen, oder aber du kannst mich mal.

Ich mag Großstädte viel lieber als das Landleben - wahrscheinlich weil ich in einer eher kleinen Stadt mit "La" auf dem Kennzeichen aufwachse. Was also der Dialekt mit Bauern zu tun hat weißt du wohl selber nicht?

Der Kommentar war ein richtiges Eigentor...vielleicht merkst du es selbst wenn du ihn noch mal liest.

Und jetzt viel Spaß beim Korrektur lesen.

eisengrau
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13.03.2010 - 12:42 Uhr
eisengrau

MasterFowl sagte:
eisengrau sagte:
*gähn* Immer wenn dem Bauern nix mehr einfällt , holt er den Preußen raus. Das ist fast typischer als das dreibuchstabige Autokennzeichen. ;-)


Es tut mir wirklich schrecklich leid, dass du nichts hast mit dem du dich identifizieren kannst. Oder für das du Heimatgefühle entwickeln kannst. Dafür beherscht du die deutsche Rechtsschreibung besser als ich und hey du kannst mir jetzt gerne alle Fehler in meinen Kommentaren sagen, oder aber du kannst mich mal.

Ich mag Großstädte viel lieber als das Landleben - wahrscheinlich weil ich in einer eher kleinen Stadt mit "La" auf dem Kennzeichen aufwachse. Was also der Dialekt mit Bauern zu tun hat weißt du wohl selber nicht?

Der Kommentar war ein richtiges Eigentor...vielleicht merkst du es selbst wenn du ihn noch mal liest.

Und jetzt viel Spaß beim Korrektur lesen.


Drei Worte zu Deiner Pseudo-Analyse:
Bla
Bla
Bla

Ich habe eine Menge, womit ich mich identifizieren kann. Und ich muss dazu keine anderen Leute als Pfeifen oder Preißn anfegen, und schon gar nicht muss ich so einen lächerlichen Zirkus um meine Herkunft machen, um mich damit gut zu fühlen.

Bauer hat in diesem Fall auch nichts mit dem ehrbaren Beruf des Landwirts zu tun. Es hat auch nichts mit Stadt oder Land zu tun, mir ist es nämlich im Gegensatz zu Dir vollkommen egal, woher Du kommst. Es ist eine Geisteshaltung, nach dem Motto, alles, was nicht so ist wie ich, hat in meiner Heimat nichts verloren, und genau das plärrst Du doch raus, wenn Du andere als Saupreißn o.ä. bezeichnest.
Ist ja nicht so, dass Du der Erste von der Sorte wärst, dem ich begegne.

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13.03.2010 - 12:48 Uhr
eisengrau

joeditt sagte:
Leider übst du dich in selektivem Antworten.


Entschuldige Mal, du postest Kommentare von an die 100 Zeilen Länge, die nicht leicht zu lesen sind, teilweise aus nicht vollständigen Sätzen bestehen und von einem Thema zum anderen springen. Wenn ich da auf jedes einzelne Wort eingehen wollte, müsste ich meinen Job aufgeben, um Zeit für diese Diskussion zu haben.

MasterFowl
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17.03.2010 - 19:43 Uhr
MasterFowl

eisengrau sagte:
Bauer hat in diesem Fall auch nichts mit dem ehrbaren Beruf des Landwirts zu tun. Es hat auch nichts mit Stadt oder Land zu tun, mir ist es nämlich im Gegensatz zu Dir vollkommen egal, woher Du kommst. Es ist eine Geisteshaltung, nach dem Motto, alles, was nicht so ist wie ich, hat in meiner Heimat nichts verloren, und genau das plärrst Du doch raus, wenn Du andere als Saupreißn o.ä. bezeichnest.
Ist ja nicht so, dass Du der Erste von der Sorte wärst, dem ich begegne.


Genial - wirklich genial! Ich plädiere für den Erhalt des bayrischen Dialekts IN BAYERN und werde zum Rassisten gemacht. Wow, den Themensprung muss man erst einmal schaffen! Ich kann dir aber versichern, das ich kein Pseudo-Nazi bin und mich bei uns gegen rechte Gruppierungen einsetze. ;)

eisengrau
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17.03.2010 - 20:02 Uhr
eisengrau

MasterFowl sagte:

Genial - wirklich genial! Ich plädiere für den Erhalt des bayrischen Dialekts IN BAYERN und werde zum Rassisten gemacht. Wow, den Themensprung muss man erst einmal schaffen! Ich kann dir aber versichern, das ich kein Pseudo-Nazi bin und mich bei uns gegen rechte Gruppierungen einsetze. ;)


Kein Pseudo-Nazi, sondern im Gegenteil vielleicht nur pseudo-tolerant gegenüber kulturellen Entwicklungen.

Ich sehe nicht, wo Du Dich für den Erhalt des Dialekts einsetzt. Du rotzt halt die Leute an, die ihn nicht sprechen, das war's auch schon. Oder ist das als erzieherische Maßnahme gedacht?

Außerdem ist das kein Themensprung.
Jemand, der mich wider besseres Wissen als "Preiß" anredet (und ich hab das auch schon in herrlich bierselig-aggressivem Ton gehört), ist für mich auch nicht anders als jemand, der Dunkelhäutige als "Fidschis" bezeichnet oder Schwule als "Schwuchteln". Ich weiß ja auch, dass es nicht gerade anerkennend gemeint ist, und dass es auch nicht vorgesehen ist, eine Richtigstellung zu akzeptieren.


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