Friedemann Karig erzählt von minimalem Techno, maximaler Disco und noch mehr geilem BummBumm.
Massive Attack - Heligoland
Lassen wir die Vorgeschichte weg - genug wurde geschrieben von wegen „Sieben Jahre für ein Album treiben die Erwartungen hoch“ und „Die Könige des Downbeat sind zurück“. Der massive musikjournalistische Erstschlag hatte mir fast schon das eigentliche Hören verleidet, also dachte ich mir: wer nicht hören will, muss fühlen.
Augen zu, Boxen auf, Herz an: Klatschen da bei „Paradise Circus“ nicht junge Afrobritinnen einen wunderbar verschnörkelten Takt unter einer Melodie, schön genug zum Kinder machen? Klingen da nicht sämtliche kollaborierende Artists genau doppelt so gut wie bei sich selbst? Fließt diese Platte nicht durch den grauen Endwinter wie heißer Ingwertee in überfeierte Kehlen? Möchten wir nicht „Splitting the Atom“ mit seinen genial simplen Harmonien und der wahnsinnigen Stimme von Horace Andy für immer in die Schleife hängen? Fühlt man sich nicht bei jedem Song wie ein Schlafwandler, wach und irgendwie doch nicht wach? Warum ist solche Musik nur so selten?
Fazit: Massive Attack rechtfertigen jeden Hype.
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Keine Musik - Work Party EP
Prominent vorstellen möchte ich ein kleines DIY-Label aus Berlin, das sympathisch unaufgeregt(en) Techno produziert und dabei die gesamte Wertschöpfungskette in der Hand behält. Shirts, Außendarstellung, Platten - alles aus einer Kollektiv-Hand. Sieht so die Musikindustrie der Zukunft aus? Eigentlich ganz egal, so lange der Output stimmt, und das tut er.
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M.A.N.D.Y. & Booka Shade - Donut
Und wieder eine Perle aus dem Hause Get Physical: Ich spare mir den zweifelhaften Terminus „Sound-Kaskaden“, weise auf die unten folgende Möglichkeit hin, den Track selbst zu hören, und empfehle insbesondere den Remix von Boy 8 Bit und natürlich jenen von James Talk, die beide zu den bisher stärksten Nummern des jungen Jahres gehören. Super duper.
Noch besser: Den allerneuesten Track „Regenerate“ hier gratis und legal bekommen.
Der Remix von James Talk:
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Jahcoozi - Barefoot Wanderer
Die Band mit dem Wortspiel im Namen und dem programmatischen Albumtitel vom barfüßigen Streuner hat eine bewegte Vergangenheit (Mitglieder aus Berlin, London und Tel Aviv, unzählige Veröffentlichungen, Welt-Tourneen und Kollaborationen u.a. mit Modeselektor und Asian Dub Foundation) hinter sich, von der im Pressetext jedoch abgelenkt wird. Zu Gunsten der Rezeption einer musikalischen Mischung aus Dubstep, Dancehall, Breakbeat usw. usf.
Okay: Das Album ist eine interessante Mischung aus den genannten Stilen, einigen anderen Ethno-Einflüssen und gediegener elektronischer Produktion. Mal chillt es angenehm vor sich hin, dann pumpt es ganz schön rigide los. Vor allem bei dem grandiosen The Cure Cover „Close to me“ arbeiten charmante Vocals und satter Beat an einer eigensinnigen Veredelung des Klassikers, bei „Read the books“ trifft sperriger Song auf kluge Lyrics.
Das alles gefällt mir richtig gut, weil es in sich stimmig ist und selten in Nervosität abgleitet, weil es schlichtweg besser klingt als vergleichbare Acts und weil Frontfrau Sasha so heiß klingt wie sie aussieht.
„Barefoot Dub“