Auf dem Banana-Pancake-Pfad 7: Der Strand
Ein Netz aus Trampelpfaden und Hotels umspannt den Planeten. Man nennt es den Banana-Pancake-Pfad. Jede Woche lernen wir ein Stück davon kennen.
„Das ist er“, sagte Jan, er flüsterte beinahe vor Ehrfurcht. „Das ist er, der Strand.“ Vor uns erstreckte sich eine Sandautobahn von mehreren Kilometern Länge, die links von Palmen und so grünem Blätterkrams und rechts vom Meer beschränkt war. „Das ist der Strand, der Strand.“, sagte Jan wieder. Ein Strand, wie er nicht einmal auf einer Postkarte aus den Achtzigern Jahren hätte sein können. Jan hatte unbedingt hierher gewollt, seit Wochen von nichts anderem geredet. Er war durch ganz Mittelamerika gereist, hatte Reiseführer gewälzt und Buschtrommeln abgehört. Jans Mission: Er wollte den perfekten Strand finden. Was den Strand zu dem Strand machte? Nichts. Oder fast nichts. Da waren nur drei windschiefe Hütten, in denen wir übernachten sollten. Ein fast zahnloser Latino stand mit einer Zigarette im Mundwinkel vor einer Friteuse, in deren Fett Bananen schwammen. Er grinste, ein Stück Asche fiel in die Friteuse. „Ist schön hier“, sagte Jan. Ich nickte. „Aber wenig los“, sagte ich. „Wenn du Party machen willst, flieg halt nach Ibiza.“ „Ich mein ja nur...“ „Mann, wir haben gerade den Strand gefunden! Danach suchen alle Traveller in ganz Mittelamerika.“
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jetzt.de sagte:
So einfach aber ist die Sache nicht. Der perfekte Strand ist nämlich so wie eine angesagte Bar oder eigentlich wie alle coolen Sachen. Sie zerstören sich selbst. Je einsamer, perfekter, abgelegener der Strand ist, desto mehr wollen hin. Je mehr kommen, desto schneller ist die kritische Masse erreicht. Und dann kippt alles. Die Einheimischen bauen ein Internetcafe, ein Restaurant und einen kleinen Supermarkt, später Bars und noch später Friseursalons und Bumsläden. Ganz am Ende wird ein Resort gebaut und besoffene Russen in String-Tangas spielen Badminton am Strand.
So ist das leider mit der Trickle Down Economics: Es funktioniert, die Einheimischen investieren und spätestens wenn die Taucher kommen ist das Preisgefüge im Arsch und die Internetcafés/Geldautomaten/Drinks mit Schirmchen/Hütten mit fester Wand, Betonfußboden und Air Conditioning da.
Weil tauchen an sich schon teuer ist fallen da die kleinen Preisaufschläge garnicht mehr ins Gewicht, und, na ja, so ein richtiges Bett in einem Raum mit einer richtigen Wand, einem richtigen Dach, sandfreiem Fußboden und Klimaanlage ist nun doch komfortabler als eine Strohhütte mit original-Strand als Fußboden.
Aber der Reiz, dass es eben *nichts* außer dem Strand an sich gibt, der ist damit auch verloren gegangen...
soylentyellow sagte:
So ist das leider mit der Trickle Down Economics: Es funktioniert, die Einheimischen investieren und spätestens wenn die Taucher kommen ist das Preisgefüge im Arsch und die Internetcafés/Geldautomaten/Drinks mit Schirmchen/Hütten mit fester Wand, Betonfußboden und Air Conditioning da. Weil tauchen an sich schon teuer ist fallen da die kleinen Preisaufschläge garnicht mehr ins Gewicht, und, na ja, so ein richtiges Bett in einem Raum mit einer richtigen Wand, einem richtigen Dach, sandfreiem Fußboden und Klimaanlage ist nun doch komfortabler als eine Strohhütte mit original-Strand als Fußboden. Aber der Reiz, dass es eben *nichts* außer dem Strand an sich gibt, der ist damit auch verloren gegangen...
Das ist doch Quatsch. Nicht jeder Ort und jeder Strand eignet sich, um von dort aus Tauchtrips zu starten. Sind dann wohl eher die Einheimischen, die denken, ah das können wir anbieten, und damit noch mehr Geld verdienen. Und klar: wenn du dann das Klientel hat, was die gefliesten Bungalows haben will, dann baust du noch welche.
Ich hab mehrfach Insel_Tauchurlaub gemacht und stell dir vor: die richtigen und nicht nur mal eben weils hip ist Taucher, die wohnen in den einfachen Bungalows mit Holzboden, mit Moskitonetz überm Bett, einfache Hütten. Das teure Tauchzeug wird im Bungalow der Tauchschule eingeschlossen.
Also man kann das nicht verallgemeinern. Ich kenne es wirklich eher so rum, dass die Einheimischen ihren Geschäftssinn entdecken, kaum waren 3 Europäer da...
da werden stimmen gesenkt und ganz 'geheime' tips in irgendwelchen traveller bars abgegeben, wo man IHN findet... und dann zieht die karawane los.
5 jahre später erklären dann genau die karawanentraveller:
'du, da kann man echt nicht mehr hin. alles voll mit touris, alles nur noch mit ac. einfach total versaut.'
und ehrlich gesagt die 'echten' taucher, die in den einfachen hütten leben machen die sache auch nicht besser. jeder traveller/taucher oder wie auch immer er sich nennen mag sollte einfach dazu stehen, dass er ein entscheidender teil davon ist, jeden unentdeckten ort langfristig zum neckermann reiseziel zu machen.
alles selbst erlebt, alles selbst mitgemacht.
fortune_faded sagte:
Also ich bin ja wirklich nicht stolz auf das Land in dem ich lebe, aber wir haben doch auch Strände! Im Sommer nach St. Peter Ording oder Föhr, ist doch perfekt! Braucht man nicht bis nach Usbekistan reisen...
da brauch ich ja mit dem zug genauso lang hin wie mit dem flugzeug nach mittelamerika!
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05.03.2010 - 18:51 Uhr
alsti