Keine Rettung in letzter Minute
Ein 18-Jähriger kündigt seinen Suizid im Internet an, die Polizei kommt zu spät. Ist die Telekom schuld?
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28.02.2010 - 18:59 Uhr
MorbusBahlsen
Ein Sprecher der Telekom sagte jedoch, dass sich Mitarbeiter in diesen speziellen Situationen "auf jeden Fall strafbar" machten, "entweder wegen Verstoßes gegen das Telekommunikationsgesetz oder wegen unterlassener Hilfeleistung." Es sei häufig schwer abzuschätzen, ob es sich bei Selbstmordankündigen im Internet nur um einen "Jux" oder Ernst handele.
Ich finde es ja ein bißchen anmaßend von der Telekom, eine solche Unterscheidung nicht der Polizei zu überlassen. Für sowas sind die schließlich da. Falls sich wirklich einmal einer einen solchen "Jux" erlaubt, muss er eben damit rechnen, dass die Polizei seine Wohnung stürmt. Selbst schuld. Und vermutlich muss er sich dann noch wegen Vortäuschens einer Straftat verantworten.
JoergAuch sagte:
Ich finde es ja ein bißchen anmaßend von der Telekom, eine solche Unterscheidung nicht der Polizei zu überlassen. Für sowas sind die schließlich da.
Ich würde solche Entscheidungen mal nicht einfach so der Exekutive überlassen, denn dafür sind die nämlich explizit NICHT da.
soylentyellow sagte:
Ist Selbstmord denn eine Straftat?
Ich muss mich korrigieren. In Deutschland ist er das nicht. (War das früher mal anders? Ich hatte das so im Hinterkopf.) Aber ich könnte mir vorstellen, dass die Vortäuschung eines Suizids irgendwie strafbar ist. Was sagen denn die Juristen dazu?
JoergAuch sagte:
Ich finde es ja ein bißchen anmaßend von der Telekom, eine solche Unterscheidung nicht der Polizei zu überlassen. Für sowas sind die schließlich da.
Ich würde solche Entscheidungen mal nicht einfach so der Exekutive überlassen, denn dafür sind die nämlich explizit NICHT da.
Wem denn sonst? Willst du erst Richter und Ärzte zu Rate ziehen? Bei Gefahr im Verzuge wäre zunächst mal die Polizei zuständig.
Die andere Frage ist: Will oder soll man einen Selbstmörder überhaupt retten?
JoergAuch sagte:
Bei Gefahr im Verzuge wäre zunächst mal die Polizei zuständig.Die andere Frage ist: Will oder soll man einen Selbstmörder überhaupt retten?
sehe ich auch so. Wenn die Internet-User die Polizei verständigen, dann muss die doch losflitzen und gucken. Egal ob Gag oder nicht. Ist es ein Gag, dann sollte die Person wegen Irreführung oder sonstwas bestraft werden.
Ob ein Selbstmörder gerettet werden soll, ist eine schwierige Frage. Ich denke zunächst hat jeder Mensch die Pflicht, ein Leben zu erhalten. Und wenn der Selbstmörder sich wirklich selbst umbringen soll, dann soll er es gefälligst auch so machen, dass es funktioniert und nicht noch andere dabei in Gefahr kommen.
Man könnte andersherum auch dir unterstellen, du willst die Polizei daran hindern, ein Leben zu retten, um die Polizei schlecht aussehen zu lassen.
MorbusBahlsen sagte:
Der Punkt ist, dass ihr an das Gute im Menschen, nein, das Gute in der Polizei glaubt. Nicht alles, was die Polizei macht, ist richtig. Doch wenn dieses Organ erst nach ihren Aktionen "kontrolliert" wird, besteht die Gefahr eben, dass einem diese Kontrolle immer mehr entgleitet. Deswegen sind Entscheidungen zur Datenherausgabe ja auch normalerweise durch die unabhängige Justiz zu fällen und nicht durch ein staatliches Organ.
Das wirklich schlimme ist dass hier keiner kapiert dass man noch nicht mal Polizist sein muss um in einer Notlage das Gesetz zu brechen. Wenn ich davon ausgehe dass es in der Nachbarwohung brennt und mein Nachbar noch drin ist, sollte mir die Wohnungtuer die geringste Sorge sein falls ich einen Feuerloescher zur Hand habe. Wie unverforen muss man eigentlich sein um die formlose Anfrage eines Polizisten (fuer den das *ganz sicher* auch eine stressige Situation ist) mit dem Verfolgungswahn von MI, Schaueble oder dem Kontrollzwang von von der Leyen gleichzusetzen. Es tut mir sehr leit dass die Telekom-Angestellten auf eigene Verantwortung dme Polizisten haetten Vertrauen muessen. Ja. In kritischen Situation muessen wir alle - auch nicht Polizisten- gelegentlich Kompetenzen ueberschreiten. In kritischen Situationen muessen wir in die Rechte von anderne eingreifen. Und nein, kein Verweis darauf dass es noch einen Rechtsweg gibt nimmt uns die persoenliche Verantwortung ab.
Ich gehe nicht zum Richter bevor ich eigenmaechtig eine Unfallstelle sichere, auch wenn ich dabei eine Fahrbahn blockiere. Und wenn ich mitbekomme dass sich jemand umbringen moechte, werde ich selbstverstaendlich alle Massnahmen ergreifen, ihn davon abzuhalten, wenn ich davon ausgehen muss dass er in einer psychischen Notlage sein koennte).
drolli sagte:
Das wirklich schlimme ist dass hier keiner kapiert dass man noch nicht mal Polizist sein muss um in einer Notlage das Gesetz zu brechen.
Wer kapiert das nicht?
01.03.2010 - 13:49 Uhr
JoergAuch
JoergAuch sagte:
drolli sagte:
Das wirklich schlimme ist dass hier keiner kapiert dass man noch nicht mal Polizist sein muss um in einer Notlage das Gesetz zu brechen.
Wer kapiert das nicht?
MB der faselt die ganze Zeit was von staat und Polizei.
Ich sage nur: In diesem Falle ja. Aber ich gebe eben auch zu bedenken, dass jede Entscheidung in diese Richtung weitaus größere Konsequenzen für andere Bereiche haben wird, deren Auswirkungen nicht einfach unter den Tisch gekehrt werden dürfen!
MorbusBahlsen sagte:
drolli, die Situation ist ja nicht unbekannt. Und es gibt dazu genau deswegen gesetzliche Regelungen. Wenn die Praxis nicht dem Gesetz entspricht, dann muss das Gesetz angepasst werden.
Das Gesetz sieht ja vor dass man sich im Zweifelsfall auf seinen eigenen Verstand verlassen soll. Wenn man ultimativ jegliche verantwortung auf das Gesetz abwaelzen moechte, geht es schief.
Digital_Data
Digital_Data sagte:
Das potentielle Selbstmörder nun wissen, dass sie 20 Minuten Zeit haben ist schon sehr bedenklich, gerade auch, was das Nachahmen angeht
Berliner Suizidisten bräuchten sich da nicht so ein Stress machen, so lahm und unterbesetzt wie die Polizei hier ist...
@D_D: Die Sache mit den 20 Minuten ist doch albern. Wenn ein Selbstmörder auf Nummer sicher gehen will, kündigt er seine Absichten eben nicht vorher an. Wenn sich trotzdem unbedingt digital mitteilen will, kann er ja eine Mail mit Zeitverzögerung oder sowas losschicken.
Es gibt in diesem Zusammenhang mehrere Probleme. Wie schon in Studien festgestellt, gibt es in diesem bereich viele Nachahmungs"täter", die z.B. einem Torwart Enke folgen. Da die über dem Durchschnitt liegende Rate nach solchen Ereignissen nicht dazu führt, dass die Rate danach eine Zeit unter den Durchschnitt sinkt, muss man von zusätzlichen Selbstmorden ausgehen.
Damit wird alles, was man über Details berichtet problematisch, gerade auch wenn es um Prävention geht. Deine Zeitverzögerungsmail wird ja gerade erst notwendig, wenn man weiß wie schnell der Apparat in diesen Fällen reagiert.
Digital_Data
Ob die Nachahmungsselbstmorde zusätzlich sind, kann ich nicht sagen. Kann auch sein, dass die sonst übers Jahr in der Statistik fehlen. So viele sind es ja nicht, dass das auffällt.










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28.02.2010 - 18:56 Uhr
MorbusBahlsen
Und wozu dann diese reißerische Überschrift? Wenn's doch gar nicht den Tatsachen entspricht? Von der BILD gewechselt?