Lass' die Affen doch Lachen, sie Lachen nie so schön wie du
Text: freiwild
Jetzt, wo der Boden draußen immer matschiger wird, und der hübsche Schnee dem lauten Regen weichen muss, wie der Boden dank Schmelzwasser, erinnere ich mich häufig daran zurück, wie wir zusammen in den Zoo gegangen sind.
Da war es dann zu dieser Jahreszeit so leer, dass wir von Zeit zu Zeit ganz alleine die sonst überfüllten Wege entlanggestapft sind. Manchmal hast du mich so verlegen von der Seite her angegrinst. Ein breites, schelmisches Grinsen, mit deinen schiefen Zähnen, und auch ein bisschen stolz. Dann hattest du wieder einen raffinierten Plan gemacht, um mich zu ärgern. Meistens bist du lachend mit deinen kleinen grünen Gummistiefeln in die tiefen Pfützen gehüpft, und am Ende waren wir beide ganz nass, matschbespritzt und kalt.
Ja, die Freude am Gehüpfe ist dir schnell vergangen, aber ich war ja vorbereitet. Also haben wir uns ein ruhiges Plätzchen gesucht, was häufig nicht besonders schwer war, und dir eine trockene Hose angezogen. Gegen die Kälte gab es dann einen heißen Kakao, in den wir beide gepustet haben, damit du schneller an den ersten, begehrten Schluck kommen konntest. Schon nach der Hälfte warst du wieder so ungeduldig, dass du versucht hast mit mir darüber zu verhandeln, wer deinen Rest trinkt.
Am liebsten von allen Tieren mochtest du die Affen, vielleicht weil die auch so gerne gelacht haben wie du. Immer wenn wir vor dem Affengehege standen, hast du angefangen die Tiere zu zählen. Du hast deine Finger dazu gebraucht, und manchmal auch viel Zeit. Sorgsam hast du sie einzelnd in deine Statistik aufgenommen, und wenn du nicht mehr weiter wusstest, hast du vorne wieder angefangen. Niemand durfte dir dabei helfen. Das war deine Aufgabe. Niemand durfte dir zur Seite stehen.
Sieben Tiere gab es da. Und als du sie alle gezählt hattest, und es waren nur sechs, dann hast du verzweifelt deinen großen kopf geschüttelt, mir hilflos in die Augen gesehen und gesagt "Nein, nein. Ich weiß doch dass es sieben sind. Es müssen sieben sein. Warum habe ich denn nur sechs gezählt? Es sind doch sieben..."
Das war vielleicht der traurigste Anblick meines Lebens, aber er hat mich an ein Lied erinnert, dass du immer gesungen hast. Vielleicht kanntest du es von deinem großen Bruder, und eigentlich war das überhaupt nicht meine Musik. Aber mit deiner ganz eigenen Melodie hast du manchmal vor dich her gesummt:
Nichts kann mich halten.
Nichts kann mich bremsen.
Ich bau mir was auf mit meinen eigenen Händen,
was das ich meins nenn', worauf ich stolz bin.
Ich muss es tun, ich weiß nich' wo würde ich ohne das enden.
Ich kann dieses Gefühl nich' einfach ignoriern',
ich muss es wenigstens versuchen,
ich hab doch nichts zu verliern'.
Auch wenn keiner dran glaubt,
ich muss euch nichts beweisen.
Ich halte fest an meinem Traum,
auch wenn ihr alle dran zweifelt.
Und wenn ich fall
dann steh ich wieder auf.
Ich fang von null an - Egal, ich nehm das alles in kauf.
Ich bin tough, nicht's kann mich halten, ich bin dafür zu stark -
Ich geh mein Weg auch alleine...
Den letzten Reim hattest du vergessen.
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27.02.2010 - 19:30 Uhr
sisyphe1