Der Kern der Privatsphäre: über den Wert von Kinderfotos
Es ist uns egal. Und es ist uns auch egal, dass es ein Problem sein könnte. Wir lassen uns auf Partys fotografieren und freuen uns sogar, dass die Bilder sich anschließend im Netz wieder finden, wir dokumentieren unser Leben online, singen peinliche Lieder in YouTube-Clips oder bloggen persönliche Details in Statuszeilen und finden nichts dabei. Vielleicht ahnen wir, dass das nicht der beste aller Wege ist mit der so genannten Privatsphäre umzugehen, aber es ist uns dann doch egal. Ein wenig wie die leidige Renten-Debatte. Auch hier wissen wir, dass man sich eigentlich frühzeitig um eine Altervorsorge kümmern müsste, aber dann kommt doch wieder was dazwischen. So jedenfalls ist das Bild, das von der so genannten Internet-Generation in den etablierten Medien verbreitet wird. Junge, gedankenlose Menschen, die ihr Leben samt aller Fehltritte und Peinlichkeiten ins Netz stellen und kein Interesse an den Folgen zeigen. Die Schamgrenze sinkt, meinen selbsternannte Experten beobachtet zu haben und schreiben vom Verschwinden der Privatheit in einer Zeit, in der alles öffentlich wird.
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Jollscherl sagte:
...eigenen kinder präsentierend (am schlimmsten - die können sich ja noch nicht dafür oder dagegen aussprechen im gegensatz zu einem selber) oder heiratend (am zweitschlimmsten).
dafür grün, grün, grün. kinder- und hochzeitsfotos nur an verwandte und freunde. und nicht 100 pro woche.
ich meinte, wenn mein Profilbild Perücke trägt... oder wenn nur ein Ausschnitt zu sehen ist, aber is auch nich so wichtich.
betany sagte:
außerdem finde ich, dass durch die meisten socialnetwork-seiten oder blogs im prinzip die fassade, die vor der eigentlichen person steht nur noch opulenter wird. man stellt sich so hin wie man gerne sein würde, nicht wie man ist, daher hat das nichts mit privatssphäre zu tun. nur eine andere form von selbstmarketing, das schon immer betrieben wurde, das internet eröffnet nur noch mehr möglichkeiten das viel konsequenter und lückenloser zu betreiben.
was selbstdarstellung bzw. -vermarktung angeht, stimm ich zu. ich denke das ist der grund, warum man sich dem trend, private fotos ins netz zu stellen schwer verweigern kann. man guckt sich fotoalben von "freunden" bei facebook an, findet es sogar noch peinlich, was die alles reingestellen. dennoch denkt man gleich mal ans veröffentlichen im internet wenn man im wirklichen leben ein foto in einer lustigen situation macht. weil man mithalten will, sich interessant machen will.
viell gibt es aber auch schon so eine automatische verknüpfung in unserem gehirn - digitales foto = digitales fotoalbum im internet.
dass man aber seine privatsphäre dennoch bedeckt hält, weil man nur eine fassade aufbaut, denke ich nicht. auch die fassade, die jmd wählt, sagt so viel über ihn aus.
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26.02.2010 - 11:54 Uhr
Jollscherl
wie gesagt: eigene kinderfotos find ich eigentlich gar nicht so arg privat wie in dem text dargestellt (den ich auch sehr gern gelesen hab).