19.02.2010 - 18:30 Uhr

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"Zwischen Türken und Deutschen gibt es häufig kein Miteinander"

Text: daniel-schieferdecker - Foto: dpa

60 Jahre Berlinale und jetzt.de ist dabei. Heute sprechen wir mit Sibel Kekilli über "Die Fremde" und wundern uns über einen verqueren Film aus Japan.

So eine Berlinale, die bietet einem natürlich nicht nur cineastische Augenschmeichler, weltstädtische Internationalität und einen Hauch von Hollywood-Flair. Nein, auch das visuelle Skurrilitätenkabinett ist pickepackevoll mit verfilmten Entgleisungen. Hier ein kleines Best-Of: * Im gelungenen Panorama-Beitrag „Father Of Invention“ mimt Kevin Spacey einen Erfinder von verblüffenden Kombinationsgeräten. Er konstruiert zum Beispiel ein Pfefferspray mit eingebauter Kamera, sodass man das Bildmaterial nach erfolgreicher Abwehr eines körperlichen Übergriffs direkt beim nächstbesten Polizeirevier vorlegen kann.
Spacey in "Father of Invention" * Im japanischen Wettbewerbsfilm „Caterpillar“ vergewaltigt ein Mann ohne Arme und Beine seine Ehefrau, während diese auf seinem von Wunden entstellten Schädel rohe Eier zerquetscht. Wer von Beiden stärker unter dieser Szene zu leiden hat, wird allerdings nicht ganz ersichtlich. * Sehr viel romantischer geht es im Kurzfilm „Geliebt“ zu, der mit einer intimen Liebesszene beginnt. Mit einem Hund. Der verantwortliche Filmemacher Jan Soldat ist also quasi auf den Hund gekommen. "Ich hab's mit Menschen versucht, konnte aber keine Beziehung zu ihnen aufbauen. So eine Verbundenheit wie zum Hund habe ich vorher noch nie erlebt. Er ist treu, zeigt mir seine Liebe, belügt einen nicht, hintergeht einen nicht." (Da hatte die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien damals also doch recht, als sie „Claudia“ von Die Ärzte auf den Index gesetzt hatte. Allerdings erfolglos, wie man sieht.) *** Nach sechs Jahren läuft wieder ein Film mit Sibel Kekilli in der Hauptrolle auf der Berlinale. Wieder geht es um das selbstbestimmte einer Türkin in Deutschland und das Gefangensein in veralteten Traditionen. Wieder ist es ein Beitrag, auf den sich nahezu alle Kritiker einigen können. Bloß den Goldenen Bären, den wird sie dieses Mal nicht gewinnen – weil „Die Fremde“ leider nicht im Wettbewerb läuft. Wir trafen Sibel dennoch, um mit ihr über die große Erwartungshaltung nach „Gegen die Wand“, Ehre und Bushido zu sprechen. jetzt.de: In Anbetracht der Tatsache, dass du den großen Erfolg von „Gegen die Wand“ bisher noch nicht wiederholen konntest, stand in der „Zeit“ gerade, du würdest gegen die Wand deiner eigenen Geschichte laufen. Wie denkst du darüber? Sibel Kekilli: Na ja, mit dem Film haben wir immerhin den Goldenen Bären geholt. Da müsste man wohl schon den Oscar gewinnen, um das noch mal toppen zu können. Insofern macht es überhaupt keinen Sinn, dagegen anzurennen. Man sollte es lieber mitnehmen und genießen. In „Tagesspiegel“ stand wiederum zu lesen, dass du mit „Die Fremde“ nun durch die Wand gehen würdest. In dieser Aussage finde ich mich auf jeden Fall mehr wieder. Ich bin sehr froh, dass mir wieder so eine facettenreiche Rolle angeboten wurde und ich die Chance bekommen habe, mich darin zu beweisen. Im Film fällt oft der Begriff ‚Ehre’. Was wird denn genau darunter verstanden? Schwer zu sagen, aber im Fall von „Die Fremde“ heißt das vor allem ‚Besitz über die Frau’. Der übersteigerte Ehr-Begriff ist vor allem ein männliches Phänomen. Persönlich kenne ich solche Typen aber zum Glück nicht. Ich habe letztens gemeinsam mit Bushido ein Interview geführt, der früher auch sofort ausgerastet ist, wenn man ihn als Hurensohn beschimpft und damit seine Ehre beleidigt hat. Deswegen hat er auch schon mal eine Frau geschlagen und das kann ich nicht nachvollziehen. Heute sieht er das glücklicherweise anders. Im Film geht es um türkische Familien, die schon sehr lange in Deutschland wohnen, aber dennoch nach wie vor sehr eng mit der türkischen Kultur verhaftet sind. Woher kommt dieser starke Bezug zur ehemaligen Heimat und die geringe Adaption westlicher Sichtweisen? Das liegt an der fehlenden Integration, und zwar von beiden Seiten. Die Deutschen dachten, die Türken gehen sowieso irgendwann wieder zurück und haben sich keine Mühe gegeben. Die nachfolgenden Generationen der Türken haben dann die Frustration ihrer Eltern mitbekommen, und sich daraufhin auch immer weiter zurückgezogen. Häufig gibt es zwischen Türken und Deutschen eben kein Miteinander, sondern nur ein Nebeneinander. Man müsste einfach mehr aufeinander zugehen. Hat sich in dieser Hinsicht nicht schon viel getan? Bei einigen Leuten sicherlich, aber ich habe eigentlich das Gefühl, dass die Schlucht zwischen Türken und Deutschen immer größer wird. Zu meiner Schulzeit gab es zumindest nicht so viele Mädchen mit Kopftüchern an den Schulen. Denen wird aber leider auch nicht das Gefühl gegeben, dass Deutschland ihre Heimat ist, sodass sie sich immer weiter in die Kultur zurückziehen, die ihnen als die ihre verkauft wird. Hinzu kommt die wachsende Angst vorm Islam hierzulande, weil Dinge wie Terrorismus und Ehrenmorde fälschlicherweise damit verknüpft werden. Und die Moslems gehen leider nicht auf die Straße und machen den Leuten begreiflich, dass Ehrenmorde und Terrorismus nichts mit dem Islam zu tun haben. Das könnte schon einiges ändern.


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Tulpenkrieg
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Mag ich Mag ich nicht

2

19.02.2010 - 20:39 Uhr
Tulpenkrieg

Wie vergewaltigt denn ein Mann ohne Arme und Beine seine Frau?!?

seleukos
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Mag ich Mag ich nicht

2

19.02.2010 - 21:45 Uhr
seleukos

Ritter der Kokosnuß? ;)

Maranatha
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Mag ich Mag ich nicht

-2

19.02.2010 - 22:23 Uhr
Maranatha

das kann ich mir denken,
solche probleme kenne ich nicht,
türken und andere ,
hatten zu mir schon gesagt,
du bist kein echter deutscher,
UND ICH WEIS AUCH WARUM

werauchimmer
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Mag ich Mag ich nicht

1

19.02.2010 - 23:28 Uhr
werauchimmer

ich will ja nicht böse klingen aber was soll denn der ordinäre deutsche tun um türken besser zu integrieren bzw. auf sie zu zugehen?

sollen wir einen rund-um-die-uhr betreungsservice einrichten für nicht integrationsunwillige ? noch mehr integrationskurse und leitkultur? ich glaub es geht gar nicht um mangelnde integration sondern um mangelnde erziehung, denn Vielfältigkeit ist in der westlichen kultur ja durchaus erwünscht.

das problem liegt darin das familien aus armen ländern die dort schon zur unterschicht zählten, in die unterschicht wechseln die es in deutschland gibt und es sich dort eben gemütlich einrichten.

dabei werden patriarchalische strukturen mitgenommen, die sich wohl nur sehr mühsam aufbrechen lassen dürften....

drolli
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Mag ich Mag ich nicht

3

21.02.2010 - 01:48 Uhr
drolli

werauchimmer sagte:
ich will ja nicht böse klingen aber was soll denn der ordinäre deutsche tun um türken besser zu integrieren bzw. auf sie zu zugehen?
...

Aehm
-nicht seinen Kindern verbieten tuerkische Freunde zu haben
-nicht tuerkische Jugendliche aufgrund ihres Nachnahmens bei der einstellung benachteiligen (ja, auch personaler sind "ordinaere Deutsche").
-Nicht die Sprachfehler nachaeffen um ihnen einen Gefallen zu tun
-Keine unausgebildeten Bauern aus Anatolien vom Feld holen um in unserer Gesellschaft zu leben, weil sie besonders billig sind (Wenn man in den 50ern ins bayrische Hinterland gegangen waere und eine Mio Menschen ins heutige Berlin verfrachtet haette gaebe es aehnliche Probleme - auch da hat der Patriarch das sagen gehabt)
-Klarstellen dass die einzigen Gesetze die in deutschland zaehlen die deutschen sind und mit Haerte (die teuer sein kann) gegen verstoesse vorgehen (Aber dabei bitte nicht der Katholischen kirche auf die zehen treten, die aus Machtinteresse die fundamentalistischen Forderungen nach teilweisen paralellgesellschaften unterstuezt)

werauchimmer
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Mag ich Mag ich nicht

0

21.02.2010 - 12:25 Uhr
werauchimmer

da geb ich dir recht. der brave michel holt aber auch keine unausgebildeten bauern nach deutschland, das macht die politik. wie auch der rest deiner ausführungen.

und das mit den kindern: tut mir leid aber ich kenn nicht mal jemanden der jemanden kennt, der jemanden kennt der seinen kindern verbietet mit anderen kindern zu spielen NUR weil sie türken sind....(ausnahmen bestätigen die regel)

kleinessuessesengelchen
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Mag ich Mag ich nicht

0

21.02.2010 - 14:09 Uhr
kleinessuessesengelchen

Father of Invention: Top

Geliebt: absolut ekelhafter Flop
(warum ist das der einzige Kurzfilm, der in der Presse auftaucht? GRLMPF.)

kleinessuessesengelchen

jetzt_Kaffee
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Mag ich Mag ich nicht

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23.02.2010 - 13:20 Uhr
jetzt_Kaffee

@werauchimmer: So krass muß es gar nicht sein. Aber es gibt viele Fälle bei denen bi-nationale Beziehungen (in dem Fall zwischen Deutschen und Türken, eh klar) jede Menge blöde Bemerkungen einstecken müssen.
Mein Mann ist Türke, ich weiß also von was ich rede.

Und nur fürs Protokoll: Die blöden Bemerkungen kommen von beiden Seiten.

werauchimmer
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Mag ich Mag ich nicht

0

23.02.2010 - 19:59 Uhr
werauchimmer

ich bleib dabei: du magst in teilen recht haben , aber das trifft einfach nicht den knackpunkt der geschichte. das sind nebenfaktoren, die das problem aber nicht abschaffen können.

jetzt_Kaffee
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Mag ich Mag ich nicht

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24.02.2010 - 11:40 Uhr
jetzt_Kaffee

Nun ja... es gibt die Fälle die Du beschreibst: Anatolische Bauern, die hierher kommen und nicht ankommen wollen, die ihre veralteten Tradition auf Biegen und Brechen nicht aufgeben wollen.
Das ist die eine Seite.

Die andere Seite sind die gebildeten Türken die in ganz normalen Berufen arbeiten, die studiert haben, die hier geboren sind und nur im Urlaub mal in die Türkei fahren - wenn überhaupt. Ich kenne auch mehrere die ein absolutes schlechtes türkisch sprechen.
Aber jeder einzelne von ihnen hört mindesten einmal im Monat "ooh, sie sprechen aber gut deutsch!" oder "Müssen Sie kein Kopftuch tragen?" "Schlägt ihr Mann Sie?"
Sobald eine Türkin sagt daß sie heiratet fragt man sie mindestens 1x ob das eine Zwangsheirat ist usw.

Ich bleibe dabei: Es ist ein Problem von BEIDEN Seiten - viele Deutsche wollen nicht mit Türken befreundet sein (zumindest enger) und umgekehrt igeln sich die Türken ein und schimpfen auf die Deutschen.


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daniel-schieferdecker

ist jetzt-Mitarbeiter und hat diesen Beitrag verfasst.