15.02.2010 - 23:51 Uhr

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Lehre von der Durschnittlichkeit (Eine Fabelübung)

Text: freiwild

Der kleine Max zog aus, um der Größte zu werden. Da kam er in eine Stadt, auf dessen Marktplatz ein Pianist ein Konzert gab. Er hörte dem Pianisten andächtig zu, und beschloss ein besserer Klavierspieler zu werden, als dieser es war. Also übte Max Tag und Nacht, und dann war es so weit, dass er auf dem Marktplatz sein eigenes Konzert geben konnte. Da kam der Pianist, den Max eines Tages so bewundert hatte, und lobte sein Spiel, in dem er sich um Längen geschlagen sah. Doch schon ein paar Wochen später geschah es, dass ein anderer Pianist sein Können zum Besten gab, und er hörte die Leute sagen, dass sie noch nie etwas besseres gehört hatten. Da zog Max sich frustriert zurück und las ein Buch. Während er da so las beschloss er, ein besserer Autor zu werden, als es der Verfasser dieses Buches war. So schrieb er Tag und Nacht, bis er eines Tages seinen Erstling veröffentlichen konnte, den die Kritik loben würde, als ein tiefgründiges Meisterwerk. Doch bald schon kam ein anderer Literat daher, und dem Sprachen sie mehr Skandal zu, und mehr Erfolg. Den nannten sie jetzt das Besondere, und Max fühlte sich vergessen. Wieder niedergeschlagen und Frustriert zog Max sich in die Einsamkeit zurück, bis schließlich einer von den Marktleuten ihn ein wenig aufmuntern wollte, und ihn deshalb zu einer Partie Schach einlud. Weil es aber Max erste Partie war, musste er sich bald geschlagen geben, und er entschied sich, die Revanche für sich zu entscheiden, indem er der beste würde. So trainierte er sein Verständnis und schärfte seinen Blick, er lernte die geschicktesten Züge zu erkennen und bald schon musste sich der Kaufmann geschlagen geben. Es ergab sich aber, dass ein großer Schachspieler in die Stadt reiste, in der Max gastierte, und diesem kam das Talent des jungen Mannes zu Ohren. So stand er sich mit Max bald in einer Partie gegenüber, und der erfahrene Experte hatte diesen, der nur einen kurzen Augenblick lang in der Aufmerksamkeit nachgelassen hatte, schon kurz darauf geschlagen. Da erkannte Max, dass wohl der Weg des Degens seine Bestimmung war. So verbesserte er seine Schwertführung und die Beinarbeit. Er steigerte seine Geschicklichkeit ins unermessliche, und wurde flinker als es die besten Mäuse sind. Als er sich schließlich für unschlagbar hielt, zog er hinaus in die Welt, und er mordete den besseren Pianisten, den besseren Schriftsteller und den besseren Schachspieler, um sich für die Schmach zu rächen, die sie ihm angetan hatten. Als eines Tages ein Fechter ihn zum Duell herausforderte, stellte dieser sich als der Bruder eines getöteten vor. Er sagte, er habe von Max Talenten gehört, und dass er geübt habe, und nun gekommen sei, um ihn zu schlagen. Der letzte Gedanke, der Max ereilte, war, dass er wusste, wie es um das Schicksal dieses jungen Mannes bestellt war, jetzt wo er starb. Die Durchschnittlichkeit, wurde ihm zuletzt noch bewusst, ist völlig unterbewertet. Es kommt darauf an, sie schätzen zu lernen, in sich und in den Dingen.


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3 Kommentare

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zauber_fee
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Mag ich Mag ich nicht

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12.02.2010 - 00:39 Uhr
zauber_fee

Das ist sehr wahr, aber ich glaube jeder kommt mal an den punkt, an dem er seine durchschnittlichkeit zu akzeptieren lernt! *

Aporia
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Mag ich Mag ich nicht

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12.02.2010 - 17:46 Uhr
Aporia

Fabelhaft.

sisyphe1
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Mag ich Mag ich nicht

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12.02.2010 - 21:30 Uhr
sisyphe1

ehrgeiz ist der gefährlichste geiz.


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