Die Verteidigung des Remix gegen den Betrug
In der Debatte um die Abschreiberin Helene Hegemann verrutschen selbst renommierten Autoren die Begriffe. Zeit für eine Klarstellung
Man muss Helene Hegemann dankbar sein. Nicht wegen ihrer Feuilleton-Frisur oder gar wegen ihres Romans. Nein, Dank verdient die Berliner Autorin einzig, weil sie (vermutlich unfreiwillig) ein Thema auf die Tagungsordnung der Aufregung gehoben hat, das dringend mehr Aufmerksamkeit verdient: den Unterschied zwischen kreativem Remix auf der einen Seite und betrügerischem Plagiat auf der anderen. Um es vorweg zu sagen: Nach allem, was wir bisher wissen, hat Helene Hegemann betrogen. Sie hat für ihren Roman „Axolotl Roadkill“ weite Teile aus dem Buch und dem Blog des Berliner Autoren Airen abgeschrieben - und dies verschwiegen. Betrügerisch daran ist der zweite Teil des Satzes: Sie hat behauptet, das Buch stamme von ihr. In Wahrheit stammen aber – zumindest einige Teile – von (mindestens) einem anderen Autoren. Der Münchner Blogger Deef Pirmasens hat dies am Wochenende sehr eindrücklich dargelegt – und damit eine Aufregungsmaschine in Gang gesetzt, die seit dem munter die Begriffe durcheinander wirft. Um den Unterschied zwischen betrügerischem Plagiat und kreativem Remix zu verstehen, muss man sich neben Helene Hegemann den amerikanischen DJ Gregg Gillis vorstellen. Wo Hegemann ans Ende ihres Buches eine kurze Dankesliste mit Namen von Freunden und Verlagsmitarbeitern stellt, hat Gregg Gillis ins Booklet seiner letzten CD - quasi als Quellenangabe - eine Liste von über 200 Künstlern geschrieben, bei denen er sich kopierend bedient hat. Die Musik, die Gillis unter seinem Künstlernamen Girl Talk macht, besteht aus nichts anderem als aus Kopien. Er vermischt Schnipsel, Akkorde und Zitate aus anderen Liedern zu neuen Songs. Aber – und hier ist der bedeutsame Unterschied zu Helene Hegemann – Gregg Gillis verschweigt dies nicht. Im Gegenteil: Girl Talk ist genau für diese Form des Mashups bekannt, er bedient sich (ebenfalls anders als Hegemann) bei sehr bekannten Künstlern, nennt diese und stellt sie in neue Zusammenhänge. Der 29-Jährige aus Pittsburgh ist keineswegs der erste, der diese Form der kreativen Kopie nutzt. Die Liste der samplenden, remixenden und kopierenden Künstler ist vermutlich weit länger als die in den Booklets der Girl Talk-CDs. Urvater dieser musikalischen Form des Mischens und Kopierens ist vermutlich Grandmaster Flash, der für seine Single The Adventures of Grandmaster Flash on the Wheels of Steel vor fast 30 Jahren mittels dreier Plattenspieler aus fremden Material Neues entstehen ließ. In keiner Sekunde vermittelt dieses über sieben Minuten lange Lied den Eindruck, den Helene Hegemann in den vergangenen Wochen in jedem deutschen Feuilleton vermittelt hat. Man findet viele Bezüge in dem Song, aber die Aussage „Das ist alles von mir“ sucht man in den "Adventures of Grandmaster Flash on the Wheels of Steel" vergeblich. Und darin liegt der entscheidende Unterschied zwischen kreativem Remix und betrügerischem Plagiat.
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JoergAuch sagte:
alcofribas sagte:
..., bis weißer rauch aufsteigt.
Hey, das ist irgendwo geklaut!
Copy & Paste?
das ist ein zitat aus der europäischen kulturgeschichte.
09.02.2010 - 20:08 Uhr
alcofribas
wollmops sagte:
alcofribas sagte:
innerer reichsparteitag
alco, Du bist wenigstens ehrlich :-D
natürlich. :)
mein herz hat noch nie als mördergrube getaugt. :)
synthie_und_roma sagte:
ich möchte den aufschrei sehen des users von jetzt.de der plötzlich seine besten sätze und absätze in dem buch einer total gehypten jungautorin findet, die zumindest mithilfe seines geistigen eigentums bücher ohne ende verkauft. total schäbig.
Ich würde total ausrasten! Mir wurde heute schon gesagt "Guck mal ob von Dir auch was drinne ist". Ich frag mich immer noch, wie man auf sowas kommen kann.
Der Hype hat mich sowieso sehr irritiert. Als ich vor einigen Monaten noch mit meinem "Sex, Drugs und Rock and Roll" Manuskript von Verlag zu Verlag zog, sagten mir die alle "Das ist uns zu heiß". Rowohlt schrieb mir "Toller Stil, aber die Geschichte gefällt uns nicht. Schade, das war wirklich knapp". Die Absage von Rowohl hängt seitdem bei mir auf dem Klo.
Jetzt also das. Vielleicht hätte ich behaupten sollen, ich sei 17. Vielleicht hätten sie es mir dann abgekauft. Keine Ahnung.
Nun ist sie also entlarvt, die Wunderpuppe.
rose sagte:
Jetzt also das. Vielleicht hätte ich behaupten sollen, ich sei 17. Vielleicht hätten sie es mir dann abgekauft.
dann würden wir jetzt dich schlachten statt lenchen. weil, 17 bist du mal nicht.
sonst striket mein arte. und ich muss mein tv zur drehbank umbauen.
afrirali sagte:
man kann nur die frage wiederholen: wer hat eigentlich beide bücher gelesen?
Wieso muss man das denn überhaupt?
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09.02.2010 - 19:35 Uhr
baabcom