08.02.2010 - 18:30 Uhr

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Rap Review Rendezvous. Wir hören neue Platten mit DJ Explizit (Main Concept)

Text: daniel-schieferdecker

Rap-Musik, das bedeutet immer auch Sprache, Austausch, Kommunikation. Aus diesem Grund plaudert jetzt.de jeden Monat mit einem Vertreter aus dem HipHop-Kosmos über fünf aktuelle Rap-Veröffentlichungen. Heute mit DJ Explizit über die Neuerscheinungen von Diam’s, RJD2, Wale, Blakroc und Massive Attack.

(Foto: Maria Böhm) Als ein Drittel der Formation Main Concept hält DJ Explizit die Fahne für Rap-Musik aus dem Süden seit knapp zwanzig Jahren konstant hoch. Er war seinerzeit Teil der legendären Klasse von 94/95, ist als DJ nach wie vor noch regelmäßig in den Clubs der Nation aktiv und hostet derzeit gemeinsam mit Sepalot (Blumentopf) und Ben Mono die Radioshow „Ego Trippin’“ auf Ego FM, in der er jeden 2. und 4. Samstag im Monat zu hören ist. Aber auch bei Main Concept brodelt es wieder heftig – für dieses Jahr ist bereits ein neues Album in Planung. „Der 58er“: Aber jetzt geht es los mit dem Rap Review Rendezvous und
Diam’s - "S.O.S." jetzt.de: Die französische Rapperin Diam’s ist in ihrem Heimatland ein absoluter Superstar, hatte dort bereits mehrere Hit-Singles in den Charts und wird dort in einem Atemzug mit sämtlichen sonstigen Rap-Größen des Landes genannt. Wenn man hierzulande an erfolgreichen Frauenrap denkt, fällt einem außer Sabrina Setlur nicht sonderlich viel ein. Woran liegt das? DJ Explizit: Ehrlich gesagt, habe ich keine Ahnung. Vielleicht liegt es daran, dass viele Frauen zu stark den Männern nacheifern. Bei Diam’s habe ich erst gar nicht geblickt, dass es sich dabei um eine Frau handelt, weil sie eben auch sehr hart und männlich klingt. Und bei der soundästhetischen Verlagerung zu mehr Straßen- und Gangsta-Rap wird es Frauen heutzutage noch schwerer gemacht. „Enfants Du Désert“: Einen großen Teil seines Reizes bezieht Rapmusik aus dem Spiel mit der Sprache. Wie war es hier: Sprichst du französisch? Nein, deshalb konzentriere ich mich bei französischem Rap vor allem aufs Musikalische. Und wenn mir das zusagt, gefällt mir auch so eine Platte. „S.O.S.“ war mir insgesamt aber ein bisschen zu melodramatisch und hat mich auf Albumlänge irgendwann gelangweilt. Ihr Flow ist zwar nicht schlecht, aber insgesamt fehlt mir da die Funkyness. Mit dem Stück „Peter Pan“ gibt es auch eine Anti-Erwachsenwerd-Hymne auf der Platte. Würdest du auch gerne noch mal jünger sein, um HipHop heute noch mal vollkommen neu und unbedarft zu erleben? Nein, die Erfahrungen habe ich ja bereits gemacht. Und ob ich tatsächlich Lust hätte, die HipHop-Szene heute noch mal als Jugendlicher zu erleben, kann ich nur schwer beantworten. Dafür bin ich wohl auch einfach schon zu befangen. So, wie es damals war, war es cool für mich, das hat mich gecatcht, war neu und frisch. Da habe ich mich wiedergefunden und bin dann dabei geblieben. Aber wenn ich erst später gekommen wäre, hätte ich vielleicht auch etwas ganz anderes gemacht – wer weiß.
RJD2 - "The Colossus" Die Musik von RJD2 wird häufig als Intrumental-HipHop bezeichnet. Trifft es das deiner Meinung nach? Eigentlich nicht, zumindest nicht mehr, denn sein aktuelles Album ist sehr viel vocallastiger als seine letzten LPs. Auch die Produktion von „The Colossus“ klingt sehr viel cleaner als früher, aber trotzdem durchaus stimmig. Ich bin immer schon ein großer Fan von RJD2 gewesen, und auch das neue Album gefällt mir sehr gut. Es passt hervorragend in unsere Zeit. RJD2 selbst hat das Album gleichermaßen als kaleidoskopischen Blick nach vorne als auch zurück bezeichnet. Siehst du das ähnlich? Er ist mit dem Album auf jeden Fall neue Produktionswege gegangen, benutzt viel Gesang und hat viele Melodien eingearbeitet – insofern wirft er sicherlich einen Blick nach vorne. Trotzdem orientiert er sich immer auch noch zu einem gewissen Grad an seinen früheren Sachen und weiß um seine Wurzeln. „Let There Be Horns“ In einem Interview mit ihm stand zu lesen, dass sich seine musikalische Herangehensweise immer schon sehr stark an Popmusik orientiert, er dabei jedoch stets versucht hätte, das Direkte und Unmittelbare von Funk- und HipHop-Platten in seine Musik einzubauen. Ist diese Beschreibung für dich nachvollziehbar? Ja, zumindest auf dem neuen Album kann man das ganz deutlich heraushören. Er öffnet sich darauf durchaus dem Mainstream, ohne jedoch den alten Flavour vermissen zu lassen. Ich kann mir das wirklich super anhören, das ist momentan eines meiner absoluten Lieblingsalben.
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