04.02.2010 - 18:30 Uhr

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Wenn die Würfel fallen. Der Spieleabend

Text: anna-kistner - Illustrationen: katharina-bitzl

Bin ich dran? Muss ich aussetzen? Ein Spielbrett und ein paar Figuren können Menschen verändern. Aus Anlass der Nürnberger Spielemesse haben wir vier typische Spieleabend-Teilnehmer in der jetzt.de-Redaktion ausfindig gemacht.

Der Bescheißer Der Grund, warum ich so ungern an Spieleabenden teilnehme ist ziemlich peinlich: Spielen bringt die schlechtesten Seiten meiner Persönlichkeit ans Tageslicht. Sobald ich mich darauf einlasse, mich an den Tisch setze, die Männchen in meiner Farbe in Stellung bringe und zum ersten Mal den Würfel werfe, werde ich zu einem ausgesprochen unangenehmen Zeitgenossen. Ich will nämlich gewinnen. Und wie ich gewinne, ist mir dabei ziemlich egal. Dieser unbedingte Wille zum Gewinnen zeigt sich bei mir allerdings nicht wie beim ähnlich unsympathischen Ehrgeizigen in dem Versuch, meine Gegner durch Können oder Glück auszuschalten, sondern daran, über die krummen, verbotenen Wege kurz und schmerzlos ans Ziel zu gelangen. Denn der Versuch, ehrlich gewinnen – den habe ich auch schon öfter versucht. Es funktioniert nicht. Bei mir jedenfalls nicht. Wenn niemand hinschaut, dann stehle ich ein paar Monopoly-Tausender aus der Bank. Und wenn meine Gegner beim „Mensch ärgere dich nicht“ nicht aufpassen wie drei Luchse, kommt es immer wieder vor, dass ich mich „aus Versehen“ verzähle und ein mir auf die Nerven gehendes gegnerisches Männchen aus dem Feld kegle. Ich weiß nicht genau, woran es liegt, dass ich mich auf dem Gesellschaftsspielfeld zu so einem Unsympathen entwickle, dessen Moral nicht mal bis zur Tischkante reicht. Genauso wenig, warum ich in betrunkenem Zustand immer wieder zur Kleptomanin werde und Nippes und Klopapierrollen aus fremden Wohnungen stehle (immerhin bleibt es immer bei Gegenständen im marginalen Wertbereich). Ich muss mich wohl einfach damit abfinden, dass die dunklen Seiten meiner Existenz bei Spiele- und Getränkeabenden ans helle Licht gezerrt werden. Und beidem so weit wie möglich aus dem Weg gehen. Immerhin haben die Schummeleien einen Vorteil: Sie sorgen dafür, dass mir die Spielabende dann doch um ein Vielfaches mehr Spaß machen, als wenn ich ehrlich verlieren würde. Die Aufregung, wenn ich in unbeobachteten Momenten einen Griff in die Bank tue, die Konzentration, die ich aufbringen muss, um mit steinerner Mine meine Gegner davon zu überzeugen, dass ich gerade eine Vier und keine Drei gewürfelt habe – das Leben kann sehr aufregend sein, wenn man zum Betrüger wird. Blöd wird es immer dann (und es kommt natürlich immer dazu), wenn ich von meinen Mitspielern beim Betrug erwischt werde. Diese Moralapostel erklären mir dann immer, dass Spiele nur funktionieren, wenn sich alle an die Regel halten. Schnarch. Klar haben sie recht in ihrer Empörung, aber das ändert nichts daran, dass ich die Langweiler von dem Moment an ohne mich weiterspielen lasse und mich aufmache, die Wohnung der Gastgeber nach mitnehmenswerten Gegenständen zu durchsuchen. penni-dreyer
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