Floppy Molloy – Heathrow
Floppy wand sich. Sie kratzte an der Lehne, sie brauchte dringend eine Tüte Schokoriegel, jetzt. Flugangst machte immer so hungrig. Fliegen war eine Zumutung. Überhaupt: Floppy war sich nicht so sicher, ob es so eine gute Idee war, gleich am nächsten Tag nach London zu fliegen. Schließlich lag ihre Mutter immer noch im Koma und nachdem Floppys Vertretung zwanzig Minuten vor Abflug abgesprungen war, blieb das Stiftungsbüro die nächsten Tage über leer. Von Schnitzel fehlte weiterhin jede Spur. Floppy hatte zwar die Nacht über großzügig ihr Viertel durchplakatiert und die Notwache sämtlicher Tierheime abtelefoniert, aber niemand hatte einen dicken, grauen Kater gesehen. Auch das Abzugsrohr hatte geschwiegen, als Floppy es angebrüllt hatte. Floppy war fast froh, als das Flugzeug in ein Luftloch geriet – ein paar andere Gedanken waren schließlich nicht schlecht. Schnitzel war beunruhigt. Er hatte es gut gehabt, hatte jeden Tag deliziöses Futter bekommen und zum Nachtisch ein Löffelchen Kaviar. Dann hatten sie ihn immer durchgekrault und ihn dann mit einer pelzigen Kuscheldecke allein gelassen. Ab und zu hatten sie auch ein Eichhörnchen vorbeigeschickt, das er dann enthusiastisch totgespielt hatte. Toll war das gewesen. Doch dann hatten sie ihn in eine große, wattierte Kiste gepackt, die Schnitzel schon von seiner Stammdosenöffnerin kannte. Diese Kiste, wusste Schnitzel, bedeutete Unheil. Irgendwann ging immer der Deckel auf und jemand zerrte ihn hinaus und jagte ihm eine Spritze in den Hintern, steckte ihm kalte Metalltrichter in die Ohren oder rasierte ihn. Alles Scheiße. Deswegen ging Schnitzel auch sofort zum Buckeln über, sobald man ihn in die Kiste gepackt hatte. Lange konnte es schließlich nicht dauern und Schnitzel wollte vorbereitet sein, seinem Peiniger gleich eine wischen, sobald er ihn entdeckte. Das machte er immer so. Wielange dauerte das denn noch? Schnitzel tat vom Buckeln langsam der Rücken weh und auf den Krallenspitzen konnte er auch nicht länger stehen. Vielleicht, vielleicht hatte der Arzt Schnitzel ja vergessen und das hier war nur seine neue Schlafbox? Eine Schlafbox, in der man ihn spazierentrug und -flog? Vielleicht war das einfach nur eine neues Facette seines neuen Luxuslebens. Schnitzel entspannte sich, er schlief ein. „Dear passengers, have your passports ready for inspection, please.“ Auf ihrem Passfoto sah Floppy unglaublich scheiße aus. Aber egal: Hauptsache wieder festen Boden unter den Füßen. „Welcome to Heathrow Airport.” Schnitzel konnte diese Lautsprecherstimmen nicht ausstehen.- Uhrenvergleich 09.03.2012
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