Männergeschichte
Text: freiwild
Dies ist die Geschichte von einem kleinen Männchen. Es war wirklich sehr klein. So groß wie eine zierliche Zeigefingerspitze vielleicht, und klein genug, um nicht einmal einen Namen zu besitzen. Es hatte eine lustige rote Zipfelmütze auf dem Kopf, eine hübsche Latzhose an und zwei winzige Socken an den Füßen.
Jede Nacht schlief es in seinem kleinen Bettchen. Und morgens stand es auf, setzte sich an sein kleines Tischlein mit dem kleinen Stuhl und aß eine Haferflocke aus einer Schüssel, die für unsereins mit bloßem Auge kaum zu erkennen war. Dann brach das kleine Männchen auf und machte kleine Männerarbeit. Streichhölzerhacken zum Beispiel, oder Wassertropfen sammeln. Den ganzen Tag lang war es am schuften, bis es Abends erschöpft und verausgabt zu seinem kleinen Tischlein zurückkehrte. Da aß es noch einen Brotkrümel, bevor es sich in das winzige Bettlein begab, um zu schlafen.
Eines Tages jedoch traf das winzige Männchen beim Ameisenhüten ein riesiges Mädchen. Das war groß genug um einen Namen zu haben, und es war sehr schön. Und weil das große Mädchen sehr nett zu allem war, und dem kleinen Männchen sehr gefiel, verliebte es sich.
Also nahm das kleine Männchen all seinen Mut zusammen, stellte sich vor das große Mädchen, zog seine Socke aus und sagte: „Liebes, großes Mädchen. Ich habe dich sehr gern. Magst du meine Socke haben?“ Das große Mädchen aber drehte sich wortlos um und stapfte von Dannen.
Das machte das kleine Männchen sehr traurig. Da rannte es los, und stellte sich wieder vor das große Mädchen, zog seine Zipfelmütze aus und sagte: „Liebes, großes Mädchen. Ich habe dich sehr gern. Magst du meine Zipfelmütze haben?“ Das große Mädchen aber drehte sich wortlos um und stapfte von Dannen.
Das machte das kleine Männchen sehr verzweifelt. Da lief es nach Hause, um die schönsten Sachen zu holen, die es nur finden konnte. So brachte es seine leckersten, größten Brotkrumen, die allerbesten Steichholzsplitter, seine schönsten Haferflocken und einige Tropfen des besten Wassers, um zu sagen: „Liebes, großes Mädchen. Ich habe dich sehr gern. Magst du all diese Sachen haben? Sag mir, darf ich sie dir schenken, einfach so?“ Das große Mädchen aber drehte sich wortlos um und stapfte von Dannen.
Da wusste das kleine Männchen nicht mehr was es machen sollte. Ganz traurig stand es da und weinte, obwohl auch kleine Männer eigentlich nicht weinen. Vor lauter Verzweiflung fasste es einen Plan. Und so ging es ein allerletztes Mal zu dem großen Mädchen, und sagte: „Jetzt gebe ich dir alles was ich noch habe. Meine ganze kleine Welt. Nur weißt du, meine Welt – das bist du. Und weil es mich für dich nicht gibt, deswegen gibt es meine Welt nicht mehr.“
Da legte es sich in sein Bettchen, und das traurige kleine Männchen wurde immer, immer kleiner. Irgendwann war es unter der riesigen Bettdecke kaum noch zu sehen, bis man es nur noch mit einer Lupe, und bald gar nicht mehr erkennen konnte.
Und dann
war es
einfach
weg.
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26.01.2010 - 13:05 Uhr
Pettersen