Mir geht's total gut..und dir?
Text: shirin80
„Schön dich zu sehen.“ Dein charmantes Lächeln hast du immer noch drauf. Inzwischen habe ich aber gelernt genauso charmant und unverfroren zu lügen. „Total gut geht’s mir und dir?“ Während der nächsten halben Stunde tue ich so, als freue es mich gar nicht, dass deine neue Beziehung, die unsere abgelöst hat, in die Brüche zu gehen scheint. „Oh, das ist ja schade,“ lüge ich und wundere mich, wie sehr meine Gesichtsmimik zu dem Gesagten passt. Gar nichts zu sehen von den ?!?!?!?! ;-))))in meinem Kopf. Den versuche ich für den Rest der Nacht auszuschalten.
Ignoriere die parallel verlaufenden Filme von dem, was einmal war, dem, wie alles – allem voran ich- zusammen gebrochen ist, von dem, was jetzt ist. Du in meinem Bett. Das Gefühl vertrauter Haut. Deine Hände überall. An genau den richtigen Stellen, genau zur richtigen Zeit. Deine Lippen auf meinen. Der Geruch deines Aftershave, das ich ausgesucht habe und das nach so langer Zeit endlich wieder mein Zimmer durchzieht. Dieses Gefühl, endlich wieder zu Hause zu sein und die gleichzeitige Gewissheit, dort nicht lange bleiben zu können.
Während du schläfst durchwandere ich das Haus. Und unsere Geschichte. Und die Tatsache, dass irgendwo jemand auf dich wartet, so wie ich es damals getan habe. Ich versuche mich nicht dafür zu schämen, dass es mir egal ist, dass sie mir egal ist. Dafür dass ich in Wahrheit denke, dass sie mir nicht das Wasser reichen kann, dass sie unglaublich hässlich ist, dass ich sie hasse. Dabei hasse ich eigentlich ihre Rolle. Und die Tatsache, dass auch wenn ihr noch so wenig zueinander passen mögt, sie diejenige – noch?- an deiner Seite ist. Man denkt immer, man hat einen Anspruch auf die Person, die man ins Herz geschlossen hat. Bis die Person geht und ein kleines Stückchen der Person, das sich nicht mit dem Rest aus dem Herzen reißen ließ, für immer bleibt.
Am nächsten Morgen ist die Magie weg. Was bleibt, ist eine Vertrautheit, die nicht weiß, wohin mit sich selbst. So wie wir.
Deshalb bist du wohl auch so Hals über Kopf abgereist. Jetzt sehe ich dich ab und zu auf Facebook, wo sich dein Status und pseudo- Chats meist auf ein Leben beziehen, zu dem ich nicht gehöre.
Die Frage stellst du –bewusst oder unbewusst - nicht.
Mir geht’s total gut – und dir?
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