25.01.2010 - 18:30 Uhr

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Strahlende Aussichten

Text: anna-kistner - Bild: ddp, Eon

Deutschland sucht händeringend Nukleartechniker. Studenten wollen das Fach aber nicht belegen. Nach dem vorläufigen Ende des Atomausstiegs wird sich das möglicherweise ändern - am Münchner Eon- Lehrstuhl freut man sich schon.

Über schlechte Studienbedingungen können sich die Studenten am Lehrstuhl für Nuklertechnik an der TU München nicht beklagen. Für 2,5 Millionen Euro hatte Eon den Atom-Lehrstuhl 2007 gestiftet. Doch bislang blieben die Studenten aus. Von einem eingeschriebenen Bachelor- und zwei Master-Studenten sprach der Grüne Landtagsabgeordnete Sepp Dürr im Dezember und sorgte für ordentlich Entsetzen bei den streikenden Hörsaalbesetzern. Wenn Politiker und Vertreter der großen Atomkonzerne nun beginnen, über längere AKW-Laufzeiten zu streiten, dann könnte das Ergebnis der Verhandlungen nicht nur ordentlich Geld in die Kassen der Stromkonzerne spülen, sondern vielleicht auch neue Studenten in die Räume des Lehrstuhls für Nukleartechnik an der TU München. Noch ist die unbegrenzte Laufzeitverlängerung der 17 deutschen Atomkraftwerke keine beschlossene Sache, aber laut Informationen des Spiegels wurde bei einem Treffen am Donnerstag im Kanzleramt das Aus für den Atomausstieg zumindest vorläufig besiegelt. Erst nach der im Mai stattfindenden Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen will die Bundesregierung ihr neues Atom-Konzept präsentieren. Bis dahin dürfen aber alle 17 Atommeiler am Netz bleiben – auch die überalteten Meiler Biblis A und Neckarwestheim 1, die nach dem rot-grünen Plänen in den nächsten Monaten hätten abgeschaltet werden müssen. Margitta Franke ist Diplom Ingenieurin und im Hauptberuf Vorzimmerdame am Eon-Lehrstuhl von Professor Rafael Macián-Juan. Jetzt.de bat die glühende Atomkraft-Befürworterin um eine Einschätzung der Lage: jetzt.de: Frau Franke, auf welches Ergebnis beim Atomkraft-Gipfel im Kanzleramt hatten Sie denn gehofft? Margitta Franke: Natürlich auf den Beschluss einer Laufzeitverlängerung. Wenn Deutschland seine Energieversorgung sichern und den Kompromissen von Kyoto entsprechen will, kann die Kernenergie einen großen Beitrag dazu leisten. Die von rot-grün geplante Schließung der Atomkraftwerke führt, meiner Meinung nach, zu einer gnadenlosen Ressourcenverschwendung. Warum sollte man einem Arbeiter, der mit 40 Jahren auf dem Höhepunkt seiner Arbeitskraft und seines beruflichen Wissenstands ist, plötzlich kündigen? Das würde doch auch keinen Sinn machen. Deutschland sollte seine führende Position im Know-How der Nukleartechnik behalten.
Nur sehr wenige Studenten interessieren sich aber bislang für dieses Know-How. Würde der Beschluss einer Laufzeitverlängerung den Studiengang wieder attraktiver machen? Aber sicher. Wir hatten in den letzten Jahren so viele ausländische Studienbewerber, aber wenig Deutsche. Die trauen sich einfach nicht. Das habe ich in meinen vielen Gesprächen mit Studenten an der TU München deutlich raushören können. Interesse für das Fach ist eindeutig da, zum Beispiel sitzen in der Einführungsvorlesung im Fach Nukleartechnik circa 100 Studenten. Die meisten belegen Nukleartechnik aber im Nebenfach und studieren im Hauptfach klassischen Maschinenbau. Wie sind denn aktuell die Berufsaussichten für Nukleartechniker? Sie könnten, ehrlich gesagt, schon jetzt kaum besser sein. Atomtechniker werden händeringend gesucht. Bei der Modernisierung von Kernkraftwerken, bei dem Aufbau neuer und dem Rückbau alter Anlagen, bei der Gewährleistung der Reaktorsicherheit, beim Lösungen für die Probleme der Wiederaufarbeitung und Endlagerung von Nuklearabfällen – überall sind Nukleartechniker gefragt. Momentan gibt es viele offene Stellen, bei großen und kleinen Konzernen der Nukleartechnik. Und wegen der hohen Fachkompetenz sind auch die Verdienstchancen tip top. Woran liegt es dann, dass so wenige deutsche Studenten bei ihnen eingeschrieben sind? Viele zweifeln einfach daran, sich komplett auf das Fach zu spezialisieren. Wer will schon in den Rückbau einsteigen? Klar, auch für den Rückbau der Reaktoranlagen braucht die Industrie gut ausgebildete Nukleartechniker, aber sind wir mal ehrlich: Solche Aussichten sind doch völlig demotivierend für einen jungen Studenten. Ich bin mir sicher, dass wir viel mehr Studienbewerber hätten, wenn die Politik nicht immer so wankelmütig wäre. Es ist doch auch schade, dass wir hier Geld in die Ausbildung vorwiegend ausländischer Studierenden stecken, die dann aber ihr Wissen in ihren Heimatländern einsetzten.
Professor Dr. Rafael Macián-Juan ist Inhaber des Eon Nukleartechnik Lehrstuhls an der TU München. Seine Sprecherin und Vorzimmerdame Margitta Franke wollte nicht mit aufs Bild. Was erhoffen sich die vielen ausländischen Studierenden denn von einem Studium am Münchner Nukleartechnik Lehrstuhl? Wir haben viele Studenten aus Ländern, in denen das Wissen um die Nutzung von Nukleartechnik nicht so stark ausgebildet ist wie hier in Deutschland, und die kommen gerne zu uns. Unser Forschungsschwerpunkt ist die Reaktorsicherheit. Ausländische Studenten können nach dem Studium zu Hause in ihren Ländern die Kenntnisse anwenden und die Entwicklung und Sicherheit der Kerntechnik im Ausland positiv beeinflussen. Befürchten Sie in naher Zukunft einen Mangel an deutschen Nukleartechnikern? Deswegen wurde der Lehrstuhl 2007 ja auch eigentlich ins Leben gerufen. Wir sollten dafür sorgen, dass Deutschland seine Technologieführerschaft im Nuklearbereich erhält. Wir müssen junge Leute motivieren. Aber noch besser als wir kann das die politische Entwicklung im Land und dazu trägt die im Kanzleramt - wenn auch vorläufig - getroffene Entscheidung wesentlich bei. Woher rührt denn ihre Begeisterung für die Atomkraft? Bei Exkursionen mit Studenten besuchen wir häufig das Atomkraftwert Isar I und ich muss sagen, dass ich immer wieder begeistert von der hohen Energieeffizient bin. Ich bin jetzt fünfzig Jahre alt und in der damaligen DDR aufgewachsen. Ich kenne noch die Kohlekraftwerke, mit denen wir damals Energie erzeugt haben. Was das für eine Umweltzerstörung war, und wie auch die dortigen Nachbarländer unter der Verschmutzung gelitten haben. Das kann man sich heute gar nicht mehr vorstellen. Dass wir Atomkraft zur sauberen Energiegewinnung brauchen, finde ich unstrittig. Probleme gibt es nach wie vor bei der Beseitigung des atomaren Mülls. Die Frage nach der geeigneten Endlagerung ist immer noch nicht beantwortet. Gerade hier muss weiter Forschung betrieben werden. Auch deshalb brauchen wir viel mehr junge Nukleartechniker in Deutschland.


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melancholie
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Mag ich Mag ich nicht

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25.01.2010 - 20:23 Uhr
melancholie

wenn ich so etwas lese, wünsche ich mir ja fast eine basisdemokratie...

vaus
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Mag ich Mag ich nicht

6

25.01.2010 - 20:49 Uhr
vaus

noch kein gramm radioaktiver müll entsorgt, die alten ruinen wie gundremmingen a immer noch nicht abgebaut, immer mehr probleme mit obrighein, biblis, krümmel;
strahlende aussichten. nicht nur für atom-techniker, sondern für alle!

soylentyellow
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Mag ich Mag ich nicht

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25.01.2010 - 21:19 Uhr
soylentyellow

Wenn man bedenkt dass die Soße auch nach dem Atomausstieg noch Jahrtausende (Jahrmillionen?) lang strahlen wird ist der Job mit diesem Studium so oder so sicher. Zur Not arbeitet man eben für Länder wie den Iran...

m0n0
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Mag ich Mag ich nicht

2

25.01.2010 - 21:46 Uhr
m0n0

Eon-Lehrstuhl?

Wissenschaftliche Objektivität bei der Risikobewertung kauft einem mit so einem Sponsor halt wirklich keiner mehr ab, ungeachtet der Tatsachen.

pudelwohlers
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25.01.2010 - 22:27 Uhr
pudelwohlers

Zwar bin ich Kernenergiegegner, doch ist es meiner Meinung nach schwachsinnig daraus ein Tabuthema zu machen. Und selbst wenn es ein privat unterstützter Lehrstuhl eines Energieriesen ist, ist es immer noch besser als nichts. Das Thema wird uns noch Jahrhunderte beschäftigen und da ist es meiner Meinung nach völlig daneben und an der Realität vorbei, jeden in dieser Branche an den Pranger zu stellen. Lasst sie doch von dieser Technologie schwärmen, solange es nur eine Brückentechnologie ist und mir kein Neues vor die Nase gebaut wird, kann ich damit leben.

Das aber in der gleichen Legeslaturperiode die Förderung für Regenerative Energien gekürzt werden, finde ich umso schlimmer.

Es würde mich freuen, sollten mal alternative Leute diesen Studiengang besuchen und in dieser Branche arbeiten, denn im Herzen ist es mir lieber, das sich ein von der Denkweise Alternativer um die Reaktor- und Endlagersicherung sorgt, als ein geldgeiler Konzernfuzzi.

trachtenjankerl
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25.01.2010 - 23:14 Uhr
trachtenjankerl

Was so ein Lehrstuhl auch leisten könnte:

Einen Draht in die Öffentlichkeit (Medien!) zu bauen, damit die mal lernt "Störfälle" richtig einzuordnen. Was einem in den letzten Jahren so alles als "gefährlich" verkauft wurde, ist völlig hanebüchen, und das ist GEFÄHRLICH. Ständig klingelnde Alarmglocken werden auf Dauer ignoriert. Das ist Politikern und Journalisten auf dem Öko-Kriegspfad leider egal, weil es denen um das Geld und die Wähler von heute geht, nicht die in zehn Jahren.

rotfront
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4

25.01.2010 - 23:38 Uhr
rotfront

NUKULAR!
das wort heisst NUKULAR!!!!

der_ingenieur
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Mag ich Mag ich nicht

3

26.01.2010 - 01:07 Uhr
der_ingenieur

Eon hat den Lehrstuhl 2007 gestiftet, und sucht gleichzeitig haenderingend nach Nukleartechnikern. Es ist ein Lehrstuhl, und die Ingenieursarbeit ist nun mal ein Handwerk, und vor allem eins, das Eon dringend braucht. Sorry, die Verschwoerungstheorie kauf ich euch hier nicht ab.

Was soll denn neues herauskommen in der Forschung in Reaktortechnik? Fehler/Probleme/Schwaechen werden ja nicht durch Doktoranden gefunden, die ein Kraftwerk wissenschaftlich untersuchen, sondern wenn Probleme auftreten. Und hier ist die Quelle eh der Kraftwerksbetreiber.

drolli
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Mag ich Mag ich nicht

0

26.01.2010 - 01:35 Uhr
drolli

Ja wir brauchen Nukleartechniker. Fuer das Aufrauemen der Asse werden zig Leute jahrelang Plaene zeichnen muessen. (und genehmingen).

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Mag ich Mag ich nicht

0

26.01.2010 - 02:06 Uhr
drolli

der_ingenieur sagte:
Eon hat den Lehrstuhl 2007 gestiftet, und sucht gleichzeitig haenderingend nach Nukleartechnikern. Es ist ein Lehrstuhl, und die Ingenieursarbeit ist nun mal ein Handwerk, und vor allem eins, das Eon dringend braucht. Sorry, die Verschwoerungstheorie kauf ich euch hier nicht ab.
...


Nein, aber jemand der nicht vorrausschauend genug ist 10J vor einem Engpass zu investieren traue ich auch nicht zu ein AKW zu betreiben.

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