HERZkunst
Text: freiwild
Ich habe schon immer davon geträumt, gut Klavier spielen zu können. Und singen. Nicht, weil ich die Kunst so schätze, oder klassische Musik verstehen könnte. Nur weil ich Lieder für dich schreiben möchte, wenn es so weit ist. Alles für ein bisschen Kitsch.
Jetzt wandere ich über diesen vergilbten Großelterndachboden, von der Sonne über die Jahre sorgfältig ausgeblichen und jeder Farbe beraubt. Seine Ecken haben Eselsohren, aber die Schneekälte, die durch die undichten Dachziegel hereinzieht, ist ganz real. Unter mir knartschen filmisch die Dielen, machen ihrer Spannung hörbar Luft und bei jedem Schritt wirbelt es ein paar Storbkörner auf. Vielleicht nur, damit die im Licht der wenigen Wintermorgensonnenstrahlen, die durch eine Dachdeckerluke hereinfallen, ihre seltsam verspielte, verträumte Choreografie aufführen.
Schwebend, ganz leicht, nah dran an getanzt, bis zu den Tasten, schwarze und weiße, 88 Stück, wie zum Marsch in einer Reihe, stehn sie da, seit 100 Jahren, oder mehr, wer weiß das schon.
Und wenn die Finger sich erst noch erinnern, dass sie für dich spielen wollen, ergreift sie eine Leichtigkeit, und meine seltsam schiefe Melodie erfüllt den Raum mit Wärme.
Weil jedes kleine Gedicht, jedes bisschen Poesie, alles ist für diesen einen Augenblick. Nur um dir zu sagen: Ich liebe dich. Nur um den Tod versteh'n zu lernen.
Und dann nehm' ich meine Beine in die Hand und renn'. Ganz egal wie lange es dauert, einfach immer weiter Richtung Horizont. Bis zum Tor in eine Phantasie, in der die Antwort richtig ist, und jedes Ende gütlich.
Warum schreibt man immer über Liebe und Tod?
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20.01.2010 - 22:10 Uhr
Ouch