"Umsonst war es nicht!"
Text: andrea-heinz - Foto: AP
Vom Wiener Audimax schwappte der Studentenprotest nach Deutschland. Der Streik ist zu Ende – wie geht es den Besetzern jetzt?
Ende Oktober vergangenen Jahres besetzen Wiener Studenten die Universität um gegen die Studienreform zu protestieren und auf schlechte Bedingungen aufmerksam zu machen. Von Österreich schwappte der Protest auf Deutschland über. jetzt.de besuchte damals Wiener Studenten im Streikalltag. Was machen die ehemaligen Besetzer heute und was denken sie über den Streik?
Silke, 23, studiert an der Uni Wien und arbeitet nebenbei in der Universitätsbibliothek.
„Als ich in den Weihnachtsferien zur Arbeit wollte, standen vor dem Eingang schon ein paar Putzfrauen. Nach der Räumung des Audimax kurz vor Weihnachten befürchtete das Rektorat eine Neu-Besetzung und sperrte einfach das komplette Gebäude. Nur wer einen Mitarbeiter-Ausweis hatte, kam rein. Aber den hatten weder die Putzfrauen, noch ich. Die Securitys waren dann doch gnädig und haben mich hinein gelassen. Aber die Ängste der Uni-Leitung kann ich verstehen: Wenn sich länger nichts tut und keine handfesten Ergebnisse kommen, dann könnte ich mir schon vorstellen, dass das wieder überkocht. Abgesehen von den 34 Millionen Euro, die der Ex-Bildungsminister Johannes Hahn versprochen hat, sehe ich im Moment noch keine konkreten Erfolge. Jetzt sind so viele andere Sachen, die Skandale um das Asylzentrum in Eberau und die Hypo-Affäre, da wird die Bildungs-Debatte wohl ein bisschen untergehen. Aber die Hoffnung bleibt natürlich, dass der Protest in den Köpfen der Leute was bewirkt hat. Ganz umsonst war er sicher nicht. Man muss den Leuten bewusst machen, dass Bildung mehr sein sollte als dieser stressige Schul-Betrieb und die Sorgen um den Lebenslauf. Dieser Arbeitsmarktdrill kann nicht der einzige Qualitätsmaßstab für ein Studium sein. Ich finde, Persönlichkeitsbildung ist genauso wichtig wie die Fachausbildung. Und das nimmt man den Leuten, wenn man sie so durchpeitscht.“
Magdalena, 22, ist Mitglied des VSStÖ (Verband sozialistischer Studenten und Studentinnen Österreich) und hat sich während der Besetzung besonders in der Frauen AG engagiert.
„Ein Fazit für mich wäre »Wer kämpft kann was bewegen«. Das klingt banal, aber ich denke, daran haben viele Studierende vor den Protesten nicht mehr geglaubt. Ich hätte mir allerdings etwas mehr Eigenreflexion gewünscht und die Einsicht, dass Bildungs- und Gesellschaftspolitik nicht trennbar sind. Ich denke, es wird vor allem im Web 2.0 weiter gehen. Abgesehen davon, dass es an manchen Unis auch räumliche Abkommen mit den Besetzern gibt, etwa, den vorher besetzten Hörsaal einen Abend die Woche für das Plenum zu bekommen.“