Studieren bis zur Erschöpfung
Viele Hochschüler fühlen sich gestresst und überfordert, die Zahl der Hilfesuchenden wächst
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ich will nicht pauschalsieren und natürlich ist es von uni zu uni unterschiedlich. aber oft ist es meiner meinung nach einfach reines rumgeflenne von leuten, die ein bisschen mehr leistungsdruck gut vertragen könnten - besonders geisteswissenschaftler sollten lieber ruhig sein, da ihr studium verglichen mit naturwissenschaftlern immer noch sehr locker ist. aber scheinbar fühlen sich viele um die herbeigesehnte, "faule" studizeit betrogen. aber uni war schon immer schwerer als schule und wer im abi viel lernen musste, für den wird das studium eine harte zeit. wenn ein studium nicht schwierig und fordernd ist, dann ist es auch nichts wert.
Sowas kann einem nämlcih auch während des Abiturs passieren...
Im Text steht ja auch, dass der arme Kerl ohne Ende gebüffelt hat (vielleicht war das Studium einfach zu anspruchsvoll für ihn?!) und vor allem keine Freunde hatet - da würde es mir auch nicht gut gehen.
Renaissance_Man sagte:
wenn ein studium nicht schwierig und fordernd ist, dann ist es auch nichts wert.
klar. wir ackern ja auch fürs leben...
in zehn jahren existenz des studiengangs zwei abbrecher - von 140 studenten. seit einführung des bachelors vor zwei jahren: vier abbrecher bei insgesamt 14 studenten. und zwei weitere studenten krankgeschrieben für das laufende semester.
Weiterhin kommt es bei Geisteswissenschaften eher darauf an, wissenschaftliche Methoden zu vermitteln, der konkrete Gegenstahnd, an dem vermittelt wird, ist zweitrangig.
Aber das Wichtigste: Geisteswissenschaften sind viel weniger kanonisierbar als andere Fächer. Wer Literatur studiert, hat einen unermeßlichen Fundus an potentiellen Themen, mit denen er sich beschäftigen kann. Bei Jura oder Medizin ist es viel einfacher, unumgängliches Basiswissen zu definieren und dieses dann in Klausuren abzuprüfen.
Was hat das nun mit dem Bachelor zu tun? Nun, der Bachelor und die starke Verschulung dieser Studiengänge engen gerade Geisteswissenschaftler erheblich in der Themenwahl ein, und für jemanden, der später nach Möglichkeit ein Experte auf seinem GEbiet sein soll, ist das absolutes Gift. Nicht nur, daß es sich katastrophal auf die Motivation auswirkt, es nimmt auch die Luft ein Thema, das einem am Herzen liegt, entsprechend zu vertiefen. Aber genau das ist die Existenzgrundlage für Geisteswissenschaftler, damit wollen sie später ihre Brötchen verdienen...
Als legte das Studium nicht eher gerade dadurch die Grundlage für viele Einsatzmöglichkeiten, dass es zu selbständiger Organisation, zu freien und ganz unterschiedlichen, aber intensiven Auseinandersetzung mit selbstgewählten Themen anregte.
Weswegen der 23jährige Master-Absolvent aus den USA zwar viel gelesen und gelernt hatte, aber sicher nicht das Reflexionsniveau des 32jährigen Magisters aus Deutschland hatte (der ja auch, quasi "nebenbei" eine Fülle von Lebenserfahrungen vorzuweisen hatte, weil er einen eigenen Haushalt zu führen gelernt hatte, etliche Nebenjobs ausprobiert hatte etc.).
Typisch deutsch ist es da auch, wenn man glaubte, das "Endprodukt" des oft sehr bewußten Erwachsenen mit einer langen Ausbildung durch eine Strukturreform jetzt auch schneller und billiger bekommen könnte. Die G-8-Reform an den Gymnasien geht da ähnlich falsche Wege.
Die gute Nachricht: es gibt auch ganz viele andere Möglichkeiten, sich nicht verrückt machen zu lassen; einen Studienplatz zu finden, der eine gute, aber weniger prüfungsintensive Studienzeit erlaubt; Studienorte zu wählen, in denen die Betreuung besser ist als an den meisten deutschen Unis...
Leider sind die entsprechenden Beratungsangebote an den Schulen knapp, die Betreungsangebote der psych. Beratungsstellen an den Unis oft mit längeren Wartezeiten belastet.
das system muss doch mit dem land - mit der schulausbildung, den sozialen systemen, finanzsystemen, dem arbeitsmarkt etcpp- kompatibel sein. die universitäten sind doch nicht das einzige, was sich unterscheidet. das fängt bei der frühkindlichen erziehung an, geht über die gesamte schullaufbahn und auch das arbeitsleben ist ein anderes, mit anderen verhaltens- und kommunikationsnormen. änderungen gehen da nur langsam. und wenn jetzt jemand globalisierung schreit - auch vor ba/ma haben deutsche absolventen ihren weg ins ausland gefunden. sogar sehr gut.
dafuer wusste von den bachelor leuten jeder warum er in die uebung kommt: um die uebung mit bestandenem schein abzuhaken. Ich fand es einfacher auf schwache bachelor-studenten einzugehen als auf die diplomer, die dann oft schnell verschwunden sind (und den schein wohl nochmal versucht haben). bei den bachelor-leuten kamen auch von schwachen Studenten oft Fragen bekommen schlicht weil sie mussten und die Gruppe ist nicht so brutal in den kenntnissen auseiandergelaufen wie die uebliche diplomer-uebung wo die drei besten fragen stellen und der rest schweigt. Ja, ich habe gesehen dass einige sehr gestresst waren.
es ging ihnen aber immer noch besser als die leute die eine wirklich solide pruefungsangst entwickelt haben weil sie ein semester lang nicht zu sehen waren.
Ich kann sowieso muendlichen vortraegen nur schwer folgen und zweifle die wirksamkeit von vorlesungen und uebungen mit>10 teilnehmern komplett an. Meiner meinung nach waere es besser jeweil 3 studierenden 20 minuten mit dem uebungleiter einzuraeumen als 18 studierenden 2 stunden.
der beschriebene fall krankt auch an anderen dingen. Die sache mit dem sich nutzlos fuehlen weil man nichts verdient hat nichts mit bachelor zu tun und ja, auch diplomer die ich kenne (oder eben nicht) haben darunter gelitten dass sie am we nach hause sind.
afrirali sagte:
es ist natürlich albern, einen 23 jährigen us master absolventen und einen 32 jährigen dt magister absolventen zu vergleichen. vergleich halt mal jemanden, der in den usa bis er 32 war an der uni blieb und studierte und einen deutschen 32 jährigen magister.
es ist natürlich nicht albern, denn die konkurrenzsituation 23 us/32-dt ist eine typische bewerbersituation, die explizit die bologna-einführung hier rechtfertigen sollte.










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17.01.2010 - 18:41 Uhr
Cate81
Bis vor einigen Jahren ist man noch mit einer am Anfang gar nicht so falschen "Schau mer mal"-Mentalität ins Studium gestartet, heute dominiert der Gedanke "Ich muss". Ich muss sehr gute Noten haben, ich muss alle Prüfungen sofort schaffen, ich muss mithalten können, ich muss besser sein als andere, ich muss mindestens einen Auslandsaufenthalt und ein Ehrenamt vorweisen können, ich muss das Studium in 6 Semestern schaffen und dann noch einen Master draufsatteln, ich muss ganz viele Hobbys als Ausgleich haben, etc. etc. etc.