17.01.2010 - 18:30 Uhr

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Eine Frage der Zukunft

Text: peter-wagner - Foto: tilla eulenspiegel/photocase.com

Sollen wir im Leben immer besser oder einfach zufrieden werden? Versuch über einen unterschätzten Gedanken

Malte Pennekamp öffnet die Tür zum Café Jasmin im Münchner Univiertel. Der Dienstagmorgen ist kalt und das Café ist mollig geheizt. In einem der lindgrünen Sessel sitzt eine Studentin und blättert im Economist, einem knochigen aber klugen Wirtschaftsmagazin aus England. Auf dem Titel steht "Bubble warning - Why assets are overvalued." Vorne, nahe an der Theke, sitzt ein Student und liest das Buch Sofies Welt. Der Philosophie-Exkurs war mal ein Bestseller, weil er die Sehnsucht der Menschen nach Sinn stillte. Nach dem Abitur sah sich Malte als Sofies Welt-Leser. Sein Vater wollte einen Economist-Käufer aus ihm machen. Heute wirkt Malte, 24, ein bisschen erschöpft. Er hat harte Wochen hinter sich, er ist Sprecher des Zusammenschlusses der bayerischen Studierendenvertretungen und hat die Proteste der Studenten mit organisiert. In diesem Kaffeehausgespräch soll es nicht nur um die Proteste gehen. Es soll um die Frage gehen, was wir eigentlich von der Zeit nach der Ausbildung und nach dem Studium erwarten? Sollen wir immer besser werden und immer mehr erreichen? Ist das der Sinn des Lebens? Oder sollen wir einfach nur irgendwann - zufrieden sein? Die Fragen klingen banal. Vielleicht sogar so banal, dass manche sie übersehen. Malte wächst in der Nähe von Düsseldorf auf und als er nach dem Abitur seinem Vater sagt, dass er gerne Philosophie oder Psychologie studieren möchte, schüttelt der den Kopf. "Brotlos", sagt er und ist wahrscheinlich nicht der einzige Vater der Welt, der diese Vokabel kennt. Malte hört sich die Argumente mit dem "Lebensunterhalt" und den "Berufsaussichten" an. "Ich hab mich erst fürchterlich aufgeregt", erinnert er sich. "Dann habe ich verstanden, dass er es gut mit mir meint - und nachgegeben." Wobei sich dieses "Nachgeben" stärker anhört als es war. Malte einigt sich mit seinem Vater auf ein "Kompromissfach", wie er es nennt. Er macht sich auf den Weg nach München und studiert Politikwissenschaften an der Hochschule für Politik. Wenn man so will, macht er den Economist und Sofies Welt zu seinen Pflichtlektüren. Ein bisschen hat er selbst entschieden, ein bisschen sein Vater. Während der Studentenproteste erklärt Malte der Öffentlichkeit immer wieder, warum seine Kommilitonen unzufrieden sind. Seit es den neuen Bachelorabschluss gibt, fehlt vielen Studenten das, was ein Studentenleben einmal ausmachte: Zeit und Freiheit und das Gefühl von Selbstbestimmung. Im alten Studiensystem konnte man in vergleichsweise entspannter Atmosphäre ein gebildeter und erwachsener Mensch werden. (Als Wilhelm von Humboldt vor gut 200 Jahren in Berlin die Universität gründet, denkt er an einen Ort zur "Persönlichkeitsformung".) Im neuen Studiensystem soll jeder sehr schnell das Beste aus seinem Potential machen. Es geht im Protest also keineswegs nur um Studiengebühren und Studieninhalte, es geht für die Studenten um die Haltung zum Leben.
"Es ist ein Schatz, wenn ich gründlich für mich herausarbeite, was mich als Person ausmacht." Malte schaut recht lange aus dem Fenster und denkt über Zufriedenheit nach. "Mein Problem ist: Ich bin nicht in der Lage, ohne Ehrgeiz zu funktionieren. Was ich mache, möchte ich gut machen. Wenn ich koche, möchte ich zum Beispiel der beste Koch sein. Ich bin Perfektionist. Zufriedenheit stellt sich bei mir erst ein, wenn ich meine volle Leistung abgerufen habe." Er schaut nachdenklich in den Raum. "Ich glaube", sagt er dann aber, "wer ehrgeizig ist, kann nie richtig zufrieden sein." Ehrgeiz und Fleiß und Leistungsbereitschaft sind etwas sehr Deutsches. Noch heute werden bei uns viele Todesanzeigen mit diesem (positiv gemeinten) Sprüchlein versehen: Müh und Arbeit war ihr Leben, treu und fleißig ihre Hand. Möge Gott ihr Ruhe geben, Rasten hat sie nie gekannt. Deutschland ist eine Arbeitsgesellschaft, sagen Wissenschaftler, die sich die Deutschen genau anschauen. Was ein Mensch in Deutschland ist und darstellt, verbindet sich eng mit der beruflichen Stellung. Der Drang zum Karrieremachen, zum Besserwerden ist in einer solchen Gesellschaft die Regel. Trotzdem merken viele Menschen irgendwann, dass der berufliche Erfolg nur ein Teil des Lebens ist. Das Hamburger Magazin stern ging vor ziemlich genau einem Jahr mit einer Titelgeschichte zum Thema Arbeit an die Öffentlichkeit. Darin erzählen Menschen, wie irgendwann in ihrem Berufsleben der düstere Schatten des Zweifels über ihr Schaffen fällt. Sie sind Daimler-Mitarbeiter oder Computerunternehmer und kriegen plötzlich die Krise. Sie haben das Gefühl, zu Gunsten ihres Ansehens ihre Träume verraten zu haben und steigen aus und halten plötzlich Pferde oder eröffnen Weinläden. Solche Geschichten von Aussteigern sind einerseits anregend - viele möchten es ihnen gleich tun. Andererseits machen diese Geschichten Angst. Es scheint, als seien diese Menschen irgendwann auf ein falsches Gleis gesetzt worden. Vielleicht, weil sie ihrem Vater nach der Schule nicht einmal einen Kompromiss abgerungen haben. Vielleicht, weil sie ihr Berufsleben allein an den Maßstäben der Arbeitsgesellschaft orientiert haben. Vielleicht auch, weil sie nicht rechtzeitig nachgedacht haben. Franz Riedmiller von der Münchner Agentur für Arbeit ist der Mensch, der es an guten Tagen schafft, Studenten auf das richtige Gleis zu setzen. Er ist 56 Jahre alt und Berater für akademische Berufe. Wenn er formuliert, macht er das sehr vorsichtig. Er weiß, dass man nie alle Menschen über einen Kamm scheren kann. Doch es gibt da eine Tendenz zur Nachdenklichkeit, sagt er. In der Wirtschaftskrise seien die tollen Chancen dünner gesät und das habe die Gedanken seiner Studenten verändert: "Zurzeit muss man um das, was man will, kämpfen. Man muss sich genau mit der Frage auseinandersetzen: Was will ich?" Riedmüller glaubt, dass die Krise die Sinne für das eigene Leben schärft. Und das findet er toll. Er denkt über die Studenten nach, die sich vor ihm auf den Stuhl setzen (800 kommen jedes Jahr zu den vier Beratern in der Agentur für Arbeit). "Es ist ein Schatz, wenn ich gründlich für mich herausarbeite, was mich als Person ausmacht. Es ist eine mühselige Auseinandersetzung mit sich selbst. Aber wer das mit sich macht, hat einen Vorteil." Franz Riedmiller wünscht sich mutige Menschen, die sich nicht von Außen beeinflussen lassen. Malte Pennekamp glaubt, dass uns vor allem der Vergleich mit anderen antreibt. Er sagt: "Viele setzen sich nie konkret damit auseinander, wie sie sein wollen. Ich glaube, viele unserer Handlungen entstehen situativ. Wir orientieren uns am jeweils nächsten Gut - an der nächsten Prüfung oder vielleicht auch nur an dem Streit, der gerade zu lösen ist. Vor allem aber orientieren wir uns an anderen - und werden dabei unglücklich." Vielleicht ist es eine nette Übung, das eigene Leben einmal daraufhin abzuklopfen, wann wir fremden Maßstäben gefolgt sind und wann wir wirklich unsere Ideen durchgesetzt haben. Ein junger Kerl aus Amerika hat diese Übung schon sehr früh probiert. Pat Tillman versuchte immer, seinen inneren Motivationen zu folgen. Er versuchte, wie Malte, alles so gut zu machen, wie er nur konnte: Pat trainierte viel und wurde ein geachteter Footballspieler bei den Arizona Cardinals. 2002 meldete er sich bei der US Army, weil er das Gefühl hatte, seinem Land dienen zu müssen. Er schlug gut dotierte Footballverträge aus und handelte sich das Kopfschütteln seiner Familie ein. Mit 27 Jahren kam er in Afghanistan durch "Friendly Fire" ums Leben. Nach dem Tod interessiert sich der Autor Jon Krakauer für das Leben von Pat Tillman. (Krakauer hat auch Into the Wild geschrieben, das Buch über den lebenssüchtigen Ausreißer Christopher McCandless, der in der Einsamkeit Alaskas starb.) Krakauer bekommt Pats Tagebücher zu Gesicht und liest darin, wie Pat über Tage hinweg in einem Army-Lager in Saudi-Arabien den Essay "Selbstvertrauen" von Ralph Waldo Emerson studiert. "Selbstvertrauen hat meine Seele berührt", schreibt Pat in sein Tagebuch. "Brillant, wirklich brillant!" Krakauer verfasst schließlich ein Buch über Pats Leben ("Auf den Feldern der Ehre", Piper) und zitiert darin eine Passage aus Emersons Essay: Was ich tun muss, ist alles, was mich angeht, und nicht das, was die Leute denken. Diese Regel, die im tatsächlichen Leben wie im intellektuellen Leben gleich schwer zu befolgen ist, kann für die Unterscheidung zwischen Größe und Niedrigkeit dienen. Es wird dadurch umso schwerer, weil man immer Leute finden wird, die glauben, besser zu wissen, was deine Aufgabe ist, als du selbst. Leicht ist es, auf der Welt nach der Meinung der Welt zu leben; leicht lässt sich in der Abgeschiedenheit der eigenen gemäß leben; groß aber ist der, welcher inmitten der Menge mit vollkommener Klarheit die Unabhängigkeit der Abgeschiedenheit bewahrt. Im Buch und in Pats Leben steckt viel amerikanisches Pathos. Man muss es subtrahieren, um zu verstehen, wie Pat tickte. Er konnte mit dem Begriff "Zufriedenheit" wahrscheinlich nichts anfangen, sonst hätte er weiter Football gespielt. Er begriff sein Leben wohl als eine Aufgabe, in der es darum geht, mit sich selbst deckungsgleich zu werden. Vielleicht hat er mehr als Zufriedenheit gesucht; seinen persönlichen Frieden zum Beispiel. Nun geht es im Café in München auf Mittag zu und Malte Pennekamp nähert sich seiner Lösung zu der Frage, ob man immer besser oder einfach nur zufrieden werden soll. Er erinnert sich an das erste Prinzip des Existenzialismus von Jean-Paul Sartre und wird kurz zu dem, was er einmal sein wollte: zum Philosophen. "Der Mensch ist nichts anderes als das, wozu er sich macht" lautet das Prinzip. Malte interpretiert den Satz so: "Wenn der Mensch sein eigener Gesetzgeber ist, dann sollte er sich selbst Wege auferlegen, seine Zufriedenheit zu erlangen." Und wenn der Mensch der Meinung sei, das ginge nur, indem er immer besser würde - dann sei das auch in Ordnung. Zumindest für Malte und Sartre. Und wer diese Antwort nicht mag, muss sich selber eine suchen.


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DagnyTaggart
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Mag ich Mag ich nicht

0

17.01.2010 - 18:44 Uhr
DagnyTaggart

In die Leseliste anstatt Sophies Welt, mal 'The Fountainhead' aufnehmen.

utti
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Mag ich Mag ich nicht

9

17.01.2010 - 18:49 Uhr
utti

das alte jetzt ist wieder da. danke danke danke

wollmops
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Mag ich Mag ich nicht

2

17.01.2010 - 18:51 Uhr
wollmops

"Vielleicht, weil sie ihrem Vater nach der Schule nicht einmal einen Kompromiss abgerungen haben."

Moment mal. Okay, im 19. Jahrhundert gibt es immer diese Komponisten- und Dichterviten, wo der Junge halt noch ein Jurastudium absolvieren mußte, um den gestrengen Herrn Papa zufriedenzustellen. Das gibt's heute immer noch?

Meine Eltern haben sich weder eingemischt, als ich mir ein Gymnasium aussuchte, noch, als ich mir meine Fremdsprachen aussuchte, noch, als ich mir ein Studienfach aussuchte. Okay, ab und zu haben sie einen Kommentar abgegeben, aber das war mir doch herzlich wurscht. Ist das in der Pubertät nicht eigentlich normal? Oder hab ich einfach früh mitbekommen, daß man selbst seines Glückes Schmied sein sollte, weil es ja doch kein anderer für einen erledigt?

rohmreider
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Mag ich Mag ich nicht

1

17.01.2010 - 19:01 Uhr
rohmreider

in münchen gibt es kaffeehäuser?

ein_oxymoron
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Mag ich Mag ich nicht

2

17.01.2010 - 19:08 Uhr
ein_oxymoron

mops, ich haette mir nach dem abi gerne etwas zeit genommen, um in verschiedene studiengaenge reinzusehen und mir zu ueberlegen, was ich wirklich mit meinem leben anstellen will. meine mutter meinte dazu nur, "nichts" unterstuetze sie nicht - ich waere also gleich mal auf mich allein gestellt gewesen. so habe ich eben nach ein paar halbherzigen unijahren abgebrochen und diese orientierungsphase halbwegs geholt, als die zeit dafuer eigentlich nicht mehr so guenstig war. naja.

TheJoker
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Mag ich Mag ich nicht

0

17.01.2010 - 19:11 Uhr
TheJoker

Je nachdem was dich glücklich macht.

wollmops
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Mag ich Mag ich nicht

1

17.01.2010 - 19:12 Uhr
wollmops

@oxy
zu sagen, man will sich erst mal ein bißchen umschauen, ist aber was anderes, als zu sagen, "ich will Philosophie studieren" und das dann nicht zu dürfen.

... im übrigen kann man doch während "ein paar halbherzigen Unijahren" trotzdem "in verschiedene Studiengänge reinsehen"? nicht?

Yeah_Yeah
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Mag ich Mag ich nicht

0

17.01.2010 - 19:17 Uhr
Yeah_Yeah

mops, ich hatte an der uni auch einen kumpel, der von seinem vater gedrängt wurde, bwl zu studieren. der vater hatte einen betrieb und wollte, dass sein sohn den mal übernimmt und sich deswegen mit wirtschaft auskennt. mein kumpel hat sich fürchterlich mit dem studium gequält. und dass er nach fünf jahren desinteressierter quälerei soviel mehr ahnung vom führen eines unternehmens hatte als durch das, was er praktisch bei seinem vater mitbekommen hat, bezweifle ich.

MorbusBahlsen
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Mag ich Mag ich nicht

4

17.01.2010 - 19:18 Uhr
MorbusBahlsen

Die Hinleitung zur zentralen Frage des Artikels finde ich allerdings sehr bedenkenswert:

"Zurzeit muss man um das, was man will, kämpfen. Man muss sich genau mit der Frage auseinandersetzen: Was will ich?"


Ist es wirklich nur zurzeit so? Wurde jemals einer Menschengeneration wirklich etwas geschenkt? Wieviele Leute mussten nicht wenigstens etwas um ihr eigenes Wohl oder wenigstens Geld- und Machterhalt kämpfen? Es ist das woran unsere Sinnfragen auch ein bisschen scheitern, dass wir versuchen, in unserer Situation immer das nie dagewesene zu vermuten. Und doch, aus der Geschichte lernen wollen oder können wir nur selten. Wir können Parallelen zwischen antiken und mittelalterlichen Staatsformen ziehen, Lebensentwicklungen und Sinnfindungen der damaligen Zeit beurteilen und gegeneinander abwägen, aber den Schritt zur Vollständigkeit in Bezug auf unser eigenes Sein lassen wir dann doch, vorsichtshalber, vermissen.

ein_oxymoron
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Mag ich Mag ich nicht

8

17.01.2010 - 19:20 Uhr
ein_oxymoron

ansonsten: sehr kluger mensch, der sartre.
mein ansatz: ich habe eine beschreibung meines idealen ichs erarbeitet, so wie ich mich wohlfuehlen und fuer richtig halten wuerde. seit ich mir dieses ideal immer wieder vor augen halte, habe ich mich der person, die ich gerne sein moechte, immer mehr angenaehert, und das ist mir wichtiger als irgendeine karriere.

glitzerkugel
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Mag ich Mag ich nicht

0

17.01.2010 - 19:23 Uhr
glitzerkugel

@ Dagny: damit kommt man doch beim Economist raus, oder?

Die_Eintagsfliege
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Mag ich Mag ich nicht

2

17.01.2010 - 19:23 Uhr
Die_Eintagsfliege

"Die Fragen klingen banal. Vielleicht sogar so banal, dass manche sie übersehen."

Oh ja. In meiner Ausbildung hatte ich, nach Aussagen wie : "Gibt Gas, sonst wirste nichts" drauf geantwortet, dass mir gar nichts dran liegt, eine "große" Karriere zu machen. Ich wurde belächelt. Das ich das bitter Ernst meine, hat er nicht verstanden. Gab noch etliche ähnliche Situationen.
Leider ist das Geld das ausschlaggebende. Ich weiß gar nicht, wie ich zu Schulzeiten über die Runden gekommen bin, lediglich mit Taschengeld. oO
Erst in der Arbeitswelt habe ich festgestellt, wie lästig Geld sein kann, wenn man erstmal welches verdient, und welche verdammten Pflichten einen förmlich erschlagen. Schade drum.
Wenn ich dann auch den Satz aus einem berühmten Film von mir gebe "Ich bin auf der Suche nach einem Job mit dem geringstmöglichen Maß an Verantwortung." werde ich ebenfalls nur belächelt.

Hat nur bedingt mit dem (sehr guten!) Text zu tun, wollte es aber mal loswerden, dass man sich heute (?) zwischen Leistungsgesellschaft oder Easyleben entscheiden muss. Zumindest ist das bei mir der Fall.
Kann mir auch vorstellen, das es eben nicht überall so ist. Wenn dem so sein sollte, bitte ich drum, mir zu sagen, wo hin ich ziehen muss . Danke sehr.

wollmops
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Mag ich Mag ich nicht

1

17.01.2010 - 19:23 Uhr
wollmops

Yeah_Yeah sagte:
mops, ich hatte an der uni auch einen kumpel, der von seinem vater gedrängt wurde, bwl zu studieren ...


na gut, okay, es ist sicher nicht für alle Leute einfach, sich durchzusetzen. Trotzdem verstehe ich nicht, wie Eltern so bescheuert sein können, ein Kind in einer so wichtigen Entscheidung gegen dessen Neigung zu etwas zu drängen - und umgekehrt verstehe ich nicht, daß das Kind sich nicht mit Klauen und Zähnen wehrt. Schließlich sind die Eltern ja verpflichtet, die Ausbildung ja bezahlen - gut, vor Gericht will kaum jemand gehen. Ich kenne aber auch ein paar Leute, darunter eine sehr gute Freundin, die sich das Studium alleine finanziert haben. Das ist hart, aber immer noch besser, als irgendeinen Quatsch zu machen, der einem nicht liegt.

ein_oxymoron
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Mag ich Mag ich nicht

0

17.01.2010 - 19:26 Uhr
ein_oxymoron

wollmops sagte:
@oxy
zu sagen, man will sich erst mal ein bißchen umschauen, ist aber was anderes, als zu sagen, "ich will Philosophie studieren" und das dann nicht zu dürfen.

... im übrigen kann man doch während "ein paar halbherzigen Unijahren" trotzdem "in verschiedene Studiengänge reinsehen"? nicht?

och mops, meine mutter haette auf ein philosophiestudium auch zumindest herabgesehen. wie genau sie reagiert haette, weiss ich nicht, aber sie haette sicher versucht, mich von etwas anderem zu ueberzeugen.
in verschiedene studiengaenge reinzusehen habe ich durchaus versucht, aber so einfach war das nicht (stichwort anwesenheitspflicht, zum beispiel), und ganz so halbherzig habe ich dann auch nicht studiert. ich war nur noch nicht bereit dafuer, u.a. deswegen wurde das nichts.

wollmops
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Mag ich Mag ich nicht

0

17.01.2010 - 19:29 Uhr
wollmops

aber das
ein_oxymoron sagte:
mein ansatz: ich habe eine beschreibung meines idealen ichs erarbeitet, so wie ich mich wohlfuehlen und fuer richtig halten wuerde. seit ich mir dieses ideal immer wieder vor augen halte, habe ich mich der person, die ich gerne sein moechte, immer mehr angenaehert, und das ist mir wichtiger als irgendeine karriere.

hört sich doch klug und zufrieden an - hast Dich also doch noch durchgesetzt, trotz Hindernissen. Es geht also doch irgendwie ohne mit fünfzig plötzlich in den Ashram zu gehen.

light_my_fire
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Mag ich Mag ich nicht

3

17.01.2010 - 19:30 Uhr
light_my_fire

guter text
beängstigendes thema

Yeah_Yeah
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Mag ich Mag ich nicht

2

17.01.2010 - 19:34 Uhr
Yeah_Yeah

wollmops sagte:
... Trotzdem verstehe ich nicht, wie Eltern so bescheuert sein können, ein Kind in einer so wichtigen Entscheidung gegen dessen Neigung zu etwas zu drängen - und umgekehrt verstehe ich nicht, daß das Kind sich nicht mit Klauen und Zähnen wehrt...


natürlich ist das bescheuert und macht das kind sicher in vielen fällen nicht glücklich. aber ich kann mir vorstellen, dass viele eben die argumente ihrer eltern (lebensunterhalt verdienen, berufsaussichten, betrieb übernehmen...) vernünftig finden. und wer ist schon felsenfest davon überzeugt, das richtige fach zu wählen, selbst wenn es ihm spaß macht? viele denken doch darüber nach, ob sie mit ihrem lieblingsfach auch mal geld verdienen können oder ob sie gleich arbeitslos werden. ich kenne kaum jemanden, der in der abizeit nicht tausendmal hin und her überlegt hat, ob er ein bestimmtes fach nun studieren soll oder doch lieber etwas anderes.

wollmops
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Mag ich Mag ich nicht

5

17.01.2010 - 19:41 Uhr
wollmops

Yeah_Yeah sagte:
aber ich kann mir vorstellen, dass viele eben die argumente ihrer eltern (lebensunterhalt verdienen, berufsaussichten, betrieb übernehmen...) vernünftig finden
...
viele denken doch darüber nach, ob sie mit ihrem lieblingsfach auch mal geld verdienen können oder ob sie gleich arbeitslos werden.


das ist aber einfach Schwachsinn, sorry. Je mehr einen etwas interessiert, desto besser wird man darin sein, und desto eher findet man wahrscheinlich eine Stelle. Ich will das nicht restlos verallgemeinern, aber ich kenne einige Leute, die Exotisches studiert haben, und keine Probleme hatten, sich damit zu ernähren (darunter mich selbst, wofür ich dem Schicksal extrem dankbar bin, denn die Brotlosigkeitsvorwürfe hab ich mir so lange angehört, daß ich sie inzwischen sogar immer noch glaube und entsprechend kaum fassen kann, daß ich einen Job habe). Umgekehrt kenne ich diverse Juristen, die enorme Schwierigkeiten hatten, unterzukommen, und Ärzte, die unter beschissenen Bedingungen arbeiten. Wenn man dann noch unglücklich ist mit dem Fach - dann bleibt echt nur noch der Ashram.

ein_oxymoron
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Mag ich Mag ich nicht

0

17.01.2010 - 19:45 Uhr
ein_oxymoron

mops, es ging ja nur darum, dass es sehr wohl noch eltern gibt, die da reinpfuschen wollen es nur gut meinen, und ich denke nicht, dass das so selten ist. aber klar, wenn man wirklich will und dafuer kaempft, dann geht das auch so. ist halt erst mal schwierig, sich von solchen fremden erwartungen und auch ernsthaften sorgen zu befreien, aber das gehoert wohl auch zum (richtigen) erwachsenwerden.

marksu_
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Mag ich Mag ich nicht

5

17.01.2010 - 19:46 Uhr
marksu_

unsere aktuellen bildungssysteme in deutschland (wie auch in österreich) werden immer noch stärker darauf ausgerichtet ANGESTELLTE zu produzieren. die einzige frage ist immer, ob man nachher einen job bekommt. aber vielleicht ist EIN JOB für viele der falsche lebensentwurf.

für viele menschen mit einer idee, ist es besser mit lust zu einem unternehmer erzogen zu werden. das müsste unser bildungssystem leisten.

ein grundwerkzeug mitgeben, das hilft die eigenen träume und ideen umzusetzen.

mit unternehmer meine ich nicht den buchhalter, sondern den menschen mit einer idee, die er in die tat umsetzt, jeden tag neue probleme mit neuen lösungen ausgleicht und der gesellschaft etwas wertvolles liefert.

Ich_bin_Bielefeld
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2

17.01.2010 - 19:47 Uhr
Ich_bin_Bielefeld

Ich möchte eine Welt in der ich aus einer Toilette trinken kann ohne ausschlag zu bekommen... ich liebe diesen Text. Ich liebe mich ich liebe das Leben... aber warum muss man immer kämpfen. Warum Kämfer sein und nicht Liebhaber? Habt euch alle lieb. Bitte!!!!

Begunje62
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Mag ich Mag ich nicht

3

17.01.2010 - 20:09 Uhr
Begunje62

also wenn ich nur ans geldverdienen und mich mit anderen vergleichen gedacht hätte, als ich angefangen habe zu studieren hätte ich es gelassen.
ich bin aber auch der meinung, dass man, wenn man etwas mit leidenschaft tut dann auch immer irgendwo unterkommt. kompromisse sind teil des lebens und manchmal machen sie das leben auch interessanter! Oft sind es doch grade die, die etwas nur aus pflichtgefühl studiert und dann auch in diesem beruf gearbeitet haben, die dann alles hinschmeissen und in der toskana ein b&b eröffnen... statt ein halbes leben lang ein extrem zu leben und dann die andere hälfte ein anderes kann man doch von anfang an einfach das, was einen wirklich glücklich macht mit dem, was man halt tun muss verbinden. klappt sicher nicht immer, aber unterm strich kommt bestimmt ein kleines glücksplus dabei raus.
kinder sind übrigens dann auch wieder so ein kompromiss... aber davon will ich gar nicht anfangen. ;)

fraeuleiningeborg
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1

17.01.2010 - 21:02 Uhr
fraeuleiningeborg

Hm. Ich hab genau das studiert, was ich wollte (ein "Brot-Fach"), bin damit genau das geworden, was ich werden wollte, und bin auch recht erfolgreich damit.
Ich könnte also sehr zufrieden sein, aber eigentlich suche ich eher nach einem neuen Weg. Der Job alleine ist dann doch zu mager, um sein Selbstbild darauf zu gründen.

looqpool
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Mag ich Mag ich nicht

-1

17.01.2010 - 21:30 Uhr
looqpool

° mich kotzen die ganzen experten die nicht mal einen richtigen
° espresso zu stande bringen an. und ihre mitläufer, hier als
° opfer dargestellt, noch mehr...

Aporia
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17.01.2010 - 21:44 Uhr
Aporia

marksu_ , das hast du ganz hervorragend auf den Punkt gebracht!

alces
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Mag ich Mag ich nicht

3

17.01.2010 - 21:48 Uhr
alces

glitzerkugel sagte:
@ Dagny: damit kommt man doch beim Economist raus, oder?

Im Economist war vor nicht all zu langer Zeit ein eher unschmeichelhafter Artikel über Ayn Rand und ihre Coterie. Die mögen sie also auch nicht unbedingt so...

Herr_Marcus
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Mag ich Mag ich nicht

-1

17.01.2010 - 22:23 Uhr
Herr_Marcus

.. ich finde die starke fixierung auf studium und beruf hier schon verkürzend und gebe zu bedenken das nach dem Studium und den ersten Jahren im Job noch so schätzungweise 50 weitere Jahre mit Sinn gefüllt werden wollen...

ich denke man unterschätzt da auch einige Berufe ... also zB dieser Jobvermittler von dem da im Artikel gesprochen wird...

" Er denkt über die Studenten nach, die sich vor ihm auf den Stuhl setzen (800 kommen jedes Jahr zu den vier Beratern in der Agentur für Arbeit). "

Also 800 Studenten bei 4 Beratern .... macht 200 pro Nase im Jahr... das heisst also durschnittlich 1nen am Tag...
..

also da hat ja echt Zeit sich super Gedanken zu machen ... klingt nach nem feinen Job bei dem man sich auch noch bei nem Kaffee mit intelligenten Leuten über Lebensperspektiven unterhalten kann....

goof
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0

17.01.2010 - 22:33 Uhr
goof

1
Sehr gutes Thema, wird viel zu selten angegangen.
Möglicherweise bieten die Veränderungen auf dem Arbeitsmarkt da noch eine andere Chance: wenn nicht mehr klar ist, mit welchen Jobs man seine materielle Existenz sichert, wenn BWL, Jura und Medizin letztlich nicht die Sicherheit bieten, dann ist die Notwendigkeit der intensiven Auseinandersetzung recht einsichtig.

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Mag ich Mag ich nicht

3

17.01.2010 - 22:38 Uhr
goof

2
Als einer solchen (freiberuflichen) Berater kann ich in den Beratungen feststellen, dass die Berufsentscheidungen bzw. die Wahl des Studienfaches häufig von einem Bild geleitet wird, das jemand von einem Beruf/einem Fach hat, weniger aber von der Persönlichkeit, auf die und deren Lebensziele hin eine Lebensplanung zuallererst ausgerichtet sein sollte.

Muss man die Berufswahl nicht zu einem Zeitpunkt treffen, da man sich seiner selbst noch gar nicht sicher ist?
Bestand nicht gerade darin, der Lebenschancen sichernde Vorteil der Prä-Bologna-Zeit, dass man in fünf, sechs oder mehr Jahren nicht zielgerichtet und effizient tätig sein musste, sondern sich auf den Weg machen konnte, über sich und die eigenen Ziele etwas Entscheidendes herauszufinden?

Herr_Marcus
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4

17.01.2010 - 22:42 Uhr
Herr_Marcus

.... by the way.. leute die nicht studieren.... solls ja auch geben da draussen ... . treffen die Berufswahl so mit 15 bis 16 ......

goof
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Mag ich Mag ich nicht

0

17.01.2010 - 22:44 Uhr
goof

3
Die Frage "immer besser oder einfach zufrieden" präjudiziert auch eine normative Wertung, die erst einmal in Frage zu stellen wäre:
ist "zufrieden" etwas Schlichtes, ein Weniger gegenüber anzustrebender Perfektion?

Und umgekehrt: ist "immer besser" zu werden, tatsächlich ein Weg zur Perfektion? Oder ist nicht die gesellschaftliche Wunsch- und nicht realisierbare Idealvorstellung von perfektem menschlichen Handeln genau die Futterrübe, mit der gesellschaftliches Einfügen, Sich-Bescheiden, Hinnehmen von Hierarchien, Einhalten von Konventionen mit "sanftem Druck" erreicht wird?

Ein Vorschlag für ein empirisches Vorgehen wäre also, nicht auf Vorschlag des Berufsberaters ein paar Schnupperpraktika in dieser oder jener Branche zu machen, sondern gezielt solche Menschen aufzusuchen, die nach außen erkennbar Lebensfreude, Glück, Zufriedenheit etc. ausstrahlen. Diesen Menschen "auf den Zahn zu fühlen", mit diesen Menschen zu reden, herauszufinden, welche Persönlichkeit solche innere Freiheit und Souveränität ermöglicht, könnte dann doch eher förderlich sein.

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0

17.01.2010 - 22:48 Uhr
goof

(@Herr Marcus: deshalb erdreistete ich mich als 15jähriger Schüler, mich vehement dafür einzusetzen, jedem Menschen eine lange Schulzeit und ein Studium zu ermöglichen, ganz unabhängig von Noten, sozialem Status und anderen Selektionskriterien; einfach als für alle Menschen förderliche Chance, selbständig denken und handeln zu lernen, ohne all die Einschränkungen, die eine berufliche Ausbildung zu einem Zeitpunkt zu machen, da die entscheidenden Weichenstellungen für den Lebensweg in Sachen Persönlichkeit getroffen werden.)

DearMrSupercomputer
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17.01.2010 - 22:49 Uhr
DearMrSupercomputer

Gustav Radbruch wurde von seinem Vater zum Jurastudium gedrängt und er hat sich durchgequält. Am Ende war er Justizminister und später Rechtsphilosoph (Radbruchsche Formel). Vielleicht kennen die Eltern einen mit 18,19 doch besser als man selber?

wollmops
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1

17.01.2010 - 22:50 Uhr
wollmops

DearMrSupercomputer sagte:
Vielleicht kennen die Eltern einen mit 18,19 doch besser als man selber?


dann wär ich jetzt Hotelfachfrau (Mama) oder Romanautorin (Papa). Naja, wieso nicht.

goof
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Mag ich Mag ich nicht

0

17.01.2010 - 22:55 Uhr
goof

4
Glück, Zufriedenheit, Lebensziele, auch der angesprochene Ehrgeiz: alles Phänomene, die im Rahmen einer Identität ihre Ausprägung erfahren.
Und wenn Sartre (der späterhin übrigens auch die sozialen Bedingungen "gelingender Selbstverhältnisse" zu reflektieren suchte) recht hätte, dass wir es mindestens ein ganzes Stück in der Hand haben, welche Person wir sein wollen, dann wäre es gleichwohl wichtig zu wissen, welche Eigenschaften welche Einstellungen, Werte befördern;
wenn dagegen ein Philosoph wie Schopenhauer rechthätte, dass wir eben höchstens alles können, was wir wollen, aber nicht auch wollen können, was wir wollen, dann wäre es gut, die Grenzen unseres Strebens erkennen zu können (mindestens in Umrissen), so dass wir uns nicht unnötig oder gar absehbar vergeblich abstrampeln müssten.

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17.01.2010 - 23:00 Uhr
goof

5
Die Psychologie, die Persönlichkeitsforschung dort, greift ja gängig auf das sog. Konzept der "Big Five" zurück: das sind jene wesentlichen fünf Charaktereigenschaften, die uns mitgegeben wurden und nur in geringerem Maße als andere Persönlichkeitsmerkmale einer willentlichen Veränderung unterliegen: die Anlage zur Neurotizität zählt dazu, unsere Aufgeschlossenheit gegenüber Neuem, die Frage der Gewissenhaftigkeit und der Verträglichkeit, die Frage, wie extrovertiert oder introvertiert wir ausgerichtet sind.
Schon wer da zu realistischen Einschätzungen der eigenen Person gelangt, wird viele beruflche Entscheidungen eher präzise und angemessen treffen können, wird seltener völlig falsche Entscheidungen treffen.

fraeuleiningeborg
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2

17.01.2010 - 23:03 Uhr
fraeuleiningeborg

DearMrSupercomputer sagte:
Gustav Radbruch wurde von seinem Vater zum Jurastudium gedrängt und er hat sich durchgequält. Am Ende war er Justizminister und später Rechtsphilosoph (Radbruchsche Formel). Vielleicht kennen die Eltern einen mit 18,19 doch besser als man selber?


Nun ja, wenn er ein typischer Jurist gewesen wäre, wäre es ihm schwer gefallen, das System durch eine neue Denkweise zu bereichern. Insofern würde ich das eher einen glücklichen Zufall nennen.

diedrossel
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2

17.01.2010 - 23:03 Uhr
diedrossel

meine eltern haben immer gesagt, "mach was dich glücklich macht". vielleicht das größte geschenk, was sie mir machen konnten.

und ich möchte nicht wissen, wieviele von den spackos, die sich gerade wieder die taschen mit millionen bonuszahlungen vollstopfen und nicht einmal VERSTEHEN, warum das nicht von der öffentlichkeit herzlich begrüßt, sondern verurteilt wird, ayn rand auf dem nachttisch liegen haben. >90 % wäre meine schätzung. moralisch korrumpierend wie mein kampf.

goof
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0

17.01.2010 - 23:10 Uhr
goof

6
Mein persönliches Fazit: Identität meint auch nach dem Wortsinn die Übereinstimmung der eigenen Werte/Normen mit den eigenen Handlungsmöglichkeiten und dem eigenen Tun. Wer "mit sich im Reinen" ist, also etwa nicht zu viele der kleinen oder großen Widersprüchlichkeiten des Lebens austragen muss, hat große Chancen, eine Persönlichkeit zu entwickeln, die "in sich ruht", deren Handeln weniger von den gesellschaftlichen Konventionen bestimmt wird, als von dem eigenen reflektierten Urteil.
Wer glaubt, dafür perfekt oder der Beste sein zu müssen, wird in unseren modernen Gesellschaften sehr viel stärker mit den normativen Widersprüchen konfrontiert sein, und also weniger Handlungsautonomie und Zufriedenheit erfahren.

Dabei sollte das Bewußtsein dafür, dass Widerspruchsfreiheit eben auch nur ein (nicht gänzlich realisierbares) Ideal sein kann, nicht verlorengehen, ebensowenig die (intrinsische) Motivation, die erkannten Widersprüche anzugehen, sie möglichst kleinzuhalten.

lady_dawn
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17.01.2010 - 23:12 Uhr
lady_dawn

Ich vermisse hier etwas den Gedanken des beruflichen Wegs. Als Arzt kann ich doch immer noch entscheiden, ob ich in einer Klinikfabrik, als Hausarzt oder im Ausland arbeiten will, es sind mir doch alle Möglichkeiten offen, mich in verschiedene Richtungen zu bewegen, ob ich forschen oder lieber in einer Pharmafirma zufrieden bin, oder mich spezialisiere oder Bücher schreibe.

Mit dem Studium ist doch nicht der Lebensweg beendet, dann fängt er doch erst an, und es liegt an mir, ob ich trotzdem Künstler oder Selbständiger sein will.
Zufriedenheit entsteht aus den genutzten Möglichkeiten und der Erfüllung eines Jobs, den ich mache. Wechsel mag dabei immer wieder eine entscheidende Rolle spielen.

Zufriedenheit - irgendwie klingt das auch nach wenig.
Wann gibt man auf, um einfach nur "zufrieden" zu sein?

Zufriedenheit kann bedeuten, Ziele zu verfolgen und sich in jedem Erfolg zu baden, mehr zu wollen, das Gefühl zu haben, auf dem richtigen Weg zu sein, Gelegenheiten nutzen und das Beste aus sich herauszuholen.

goof
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1

17.01.2010 - 23:14 Uhr
goof

@diedrossel: die Schwierigkeit besteht ja darin, als junger Mensch zu wissen, welche Art von Glück man anstreben möchte, welches Glück besonders glücklich macht, und ob das eigene Glück überhaupt ein gesellschaftlich so definierter Zustand ist.
Wer sein "Lebenslied in Moll singt", hat auch einen Anspruch auf Melancholie und Wehmut bspw.

Und natürlich sind die allermeisten Eltern, die ich kennengelernt habe, in ihrer Vorstellung von einem "Kind, mach, was dich glücklich macht" geleitet von gesellschaftlich bestimmten und bestimmbaren Glück.

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17.01.2010 - 23:18 Uhr
goof

@lady_dawn: für viele Menschen ist ja der gesellschaftlich zuvor suggerierte Handlungsspielraum in einem Beruf in der Realität dann doch erheblich eingeschränkt, was nicht selten zu den so unbequemen Sachzwangsjacken führt.
Und für die Motivation, die Stärke, das Selbstbewußtsein, jederzeit einen neuen Weg einschlagen zu können, sich neu zu erfinden, braucht es eben auch, ganz bestimmte Persönlichkeitsmerkmale, die nicht soo leicht veränderbar sind.
Wenn ich Neuem gegenüber sehr wenig offen bin, kann ich mich bemühen, aber es wird mir schwerfallen; wenn ich grundsätzlich leicht Ängstlichkeiten ausbilde, wird es mir schwerfallen, von dem Erreichten zu lassen zugunsten einer noch ungewissen besseren Zukunft etc.

diedrossel
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4

17.01.2010 - 23:19 Uhr
diedrossel

nö, ich hatte die freiheit, ein jahr nix zu machen, ich habe ein studium angefangen und nach sechs semstern abgebrochen, als ich dann endlich wusste, was ich wollte, was ich bin. ich habe dann noch fast drei jahre zig unbezahlte praktika gemacht, acht semester ein studium absolviert, was keine zeit zum arbeiten nebenbei ließ - und meine eltern haben mich immer unterstützt, nie gefragt, wie ich mir das vorstelle. dafür sind sie dann selber nicht in urlaub gefahren. nichts, was man sich von einem gehalt leisten kann, entschädigt einen für die acht bis zehn stunden pro tag, wie man mit arbeiten verbringt. diese zeit sollte einem zufrieden machen und stolz und glücklich. an den meisten tagen.

goof
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3

17.01.2010 - 23:21 Uhr
goof

Ein einfaches empirisches Experiment: fragt mal zehn beliebige Menschen fortgeschrittenen Alters Eurer sozialen Nahumgebung danach, ob sie glücklich/zufrieden sind, und bittet diese Personen, jeweils drei bis fünf Gründe für ihr Glück bzw. Unzufriedenheit zu nennen.

Wieviel Beruf kommt darin vor?

DearMrSupercomputer
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0

17.01.2010 - 23:23 Uhr
DearMrSupercomputer

fraeuleiningeborg sagte:
DearMrSupercomputer sagte:
Gustav Radbruch wurde von seinem Vater zum Jurastudium gedrängt und er hat sich durchgequält. Am Ende war er Justizminister und später Rechtsphilosoph (Radbruchsche Formel). Vielleicht kennen die Eltern einen mit 18,19 doch besser als man selber?


Nun ja, wenn er ein typischer Jurist gewesen wäre, wäre es ihm schwer gefallen, das System durch eine neue Denkweise zu bereichern. Insofern würde ich das eher einen glücklichen Zufall nennen.


Was isn ein typischer Jurist und warum fällt es so einem schwerer, das System (?) durch eine neue Denkweise zu bereichern? Klar war das Zufall. Ich durfte auch machen was ich wollte und bin da auch mehr oder weniger glücklich drüber, aber ich glaube halt auch - so wie bei Radbruch - dass die Eltern auch gut wissen manchmal, was man gut kann und was nicht. und man hat ja auch gern mal so traumtänzerische ideen usw., die, wenn man mal drüber nachdenkt, wirklich sinnlos sind.

dendefrau
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17.01.2010 - 23:25 Uhr
dendefrau

wow, sehr guter text.

JuleKoenig
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1

17.01.2010 - 23:27 Uhr
JuleKoenig

Sehr guter Text,meiner Meinung nach .

Befinde mich 3 Monate vor meinem Abi.
Mir geht es ähnlich.
Tausende Berufsideen aufgrund zu vieler Neigungen.
Und je näher die Prüfungen rücken destoöfter häufen sich Fragen bezülich der Berufswahl. Nicht selten enden diese Debatten in Grundsatzdiskussionen und verstimmten Familienmigliedern.
Klar lässt's sich einfach sagen, dass man kämpfen sollte- doch Kampf ist ein gewisser Luxus.
Ich kenne einige Leute bei denen die Studiumswahl das Familienklima erheblich verstimmt hat.
Deswegen besteht der Luxus nicht aus ausreichender finanzieller Absicherung welche man evtl besizt oder sich aneignet ,sondern eher aus einem Luxus der Willensstärke bzw dem Fakt ,dass man genau weiß WAS man will und für dieses auch einsteht und mit den Konsequenzen leben kann.
Viele 18 jährige (danke G8 ) besitzen das noch nicht, woher auch?
Ich persönl. versuche meinen Eltern inregelmäßigen Abständen einen halbwegs gefestigten Berufswunsch zu erläutern, um einfach endlosen Diskussionen aus dem Weg zu gehen, welche mich nach längerem Grübel von keiner eigtl Idee evtl abbringen können.
Was ich also nun wirkl machen werde, wird für alle Beteilligten eine Überraschung . ich hoffe nur,dass ich mir dann sicher bin und gegebenfalls dafür kämpfe ... und keine Kompromisse schieße

fraeuleiningeborg
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2

17.01.2010 - 23:29 Uhr
fraeuleiningeborg

DearMrSupercomputer sagte:
Was isn ein typischer Jurist und warum fällt es so einem schwerer, das System (?) durch eine neue Denkweise zu bereichern? Klar war das Zufall. Ich durfte auch machen was ich wollte und bin da auch mehr oder weniger glücklich drüber, aber ich glaube halt auch - so wie bei Radbruch - dass die Eltern auch gut wissen manchmal, was man gut kann und was nicht. und man hat ja auch gern mal so traumtänzerische ideen usw., die, wenn man mal drüber nachdenkt, wirklich sinnlos sind.


Der typische Jurist (ich weiß, wovon ich spreche und nehme Anwesende mal aus) lernt in erster Linie, mit einem bestehenden System aus Wertungen zu arbeiten. Das dieses System in Wahrheit flexibel ist und auf Sand gebaut, ist nur den wenigsten bewusst und wird im Studium auch nicht abgefragt.

monochromatisch
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1

17.01.2010 - 23:46 Uhr
monochromatisch

„Durch die sichere Aussicht auf den Tod könnte jedem Leben ein köstlicher, wohlriechenderTropfen von Leichtsinn beigemischt sein – und nun habt ihr wunderlichen Apotheker-Seelen aus ihm einen übelschmeckenden Gift-Tropfen gemacht, durch den das ganze Leben
widerlich wird!“ (Nietzsche)

Also muß man je eigentlich nur zusehen, ein geeignetes Antidot zu finden, und wenn man das hat, ist es eigentlich völlig egal was man tut, hauptsache man tut etwas. In den wenigsten Fällen bleibt von einem Tag nicht soviel übrig, um ihn nicht mit etwas glücklichmachendem Füllen zu können.

Freddine
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6

18.01.2010 - 00:12 Uhr
Freddine

also meine Eltern mögen mein Studium nicht, denn ich studiere Kunst in einem französischsprachigen Teil dieser Welt:-) Ich werde ihrer Meinung nach arbeitslos, arm und unglücklich damit werden. Es hat so dermaßen viele Diskussionen deswegen gegeben, dass ich es inzwischen gar nicht mehr hören mag. Ich hatte vorher 2 Sem. Lehramt studiert und war sehr unglücklich damit, was aber vor allem auch an dem damaligen Studienort lag.

Als ich die Schule verließ wollte ich immer Lehrerin werden..als ich jedoch das deutsche, universitäre System kennenlernte, wollte ich einfach nur noch ausbrechen. Auf einmal hatte ich auch furchtbare Angst etwas in meinem Leben verpassen und mein Fernweh war unheimlich groß. Als ich im Ausland an einer Kunstakademie angenommen wurde, war mir als ob sich mir viele neue Wege eröffneten.

Ich habe meine Entscheidung des Studienwechsels und des "Auswanderns" nie bereut und ich weiß, dass es einmal schwer sein wird mit meinem abgeschlossenen Kunst- Studium. Ich frage mich manchmal, ob ich vielleicht zu naiv bin oder die Dinge derzeit noch aus einem recht jugendlichen Blickwinkel sehe, aber ich bin mir sicher, dass man irgendwie hinter dem, was man tut, stehen muss.

Und ganz ehrlich: Ich finde mein Studium supertoll :-)

afrirali
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1

18.01.2010 - 08:15 Uhr
afrirali

wenn man sich einfach mal ein bisschen weniger sorgen um alles machen würde...

bestgucci
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0

18.01.2010 - 10:57 Uhr
bestgucci

schönes Foto

diedrossel
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18.01.2010 - 11:06 Uhr
diedrossel

drolli
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1

18.01.2010 - 11:34 Uhr
drolli

Seit wann zaehlt eigentlich sophies welt zu den fuer an philosophie interessierten zu den zitierbaren buechern? Ich wuerde mich schaemen zuzugeben dass ich philosophie studieren wollte und dann mit 24 sowas (sophies welt zaehle ich schon als literatur, aber eher fuer 14-18 jaehrige) lese. Seine interpretation vom existentialismus ist genau auf dem niveau wie ich es von einem BWL-er erwarten wuerde.

ob der kleine einschub mit dem gefallenen helden uns irgenwie dem sinn des lebens naeher bringt, wage ich zu bewzweifeln. Ausser dass er einem den existentialismus hautnah nahebringt, unter der kategorie: 'wie nichte ich systematisch meine moeglichkeiten, auf dem schlachtfeld gehts schneller?' kann das ja keine funktion gehabt haben.

melooreen
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2

18.01.2010 - 12:27 Uhr
melooreen

hab nicht alle kommentare bis zum ende gelesen, aber die ersten zwei, drei seiten überflogen... stößt es niemanden auf, dass selbstfindung, eigene wünsche, das eigene selbst auch wieder nur als ein pluspunkt beim bewerben beschrieben wird? "Es ist eine mühselige Auseinandersetzung mit sich selbst. Aber wer das mit sich macht, hat einen Vorteil." Ich will nicht immer nur tun, was für mich "von Vorteil" ist.

AllesOderNichts
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18.01.2010 - 12:37 Uhr
AllesOderNichts

richtig gut, der text.

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1

18.01.2010 - 12:38 Uhr
AllesOderNichts

melooreen: muss ja nicht nur beruflicher vorteil sein.

buenaire
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18.01.2010 - 13:12 Uhr
buenaire

Es ist unangenehm, wenn man merkt, dass man für das, was man am liebsten tut, eher mies bezahlt wird und wie andere, die in der Schule nichts zu melden hatten und im besten Fall langweilig, wenn nicht unbeliebt, waren, finanziell an einem vorbeiziehen.
Man sollte also wissen, dass man sich nach dem Abitur zumindest entweder für das große Geld oder das kleine entscheidet. Insofern sollte man sich gut fragen, ob man auch mti einer kleinen Selbstlüge leben könnte. Denn dass man könnte, was die machen, die richtig abkassieren (bei der Bank, bei Versicherungen, im Immobiliengewerbe, im gehobenen Staatsdienst) liegt auf der Hand.

ThomasCrown
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18.01.2010 - 13:20 Uhr
ThomasCrown

ich definiere mich nicht über meine arbeit und habe auch nicht vor, das zu tun.

drolli
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18.01.2010 - 14:21 Uhr
drolli

buenaire sagte:
Es ist unangenehm, wenn man merkt, dass man für das, was man am liebsten tut, eher mies bezahlt wird und wie andere, die in der Schule nichts zu melden hatten und im besten Fall langweilig, wenn nicht unbeliebt, waren, finanziell an einem vorbeiziehen.


Nein, man kann auch einfach die Sache machen die man am zweitliebsten macht und damit genug Geld verdienen um siech die andere (als Hobby) zu finanzieren. Ich habe beim Zivi kurz ueberlegt ob ich sozpaed studieren soll um beim Anblick der Gehaeltertabelle schnell zur Erkenntniss zu kommen das Physik und spaeter Behindertenarbeit im Ehrenamt (wenn ich mal sesshaft geworden bin) besser ist (Vor kurzer Zeit habe ich mit zurueckerinnert und dann entsetzt festgestellt dass ich sogar das Gehalt meiner damaligen Chefin wenn es Euro und nicht DM gewesen waehren heute als problematisch empfinden wuerde und dass meine Entscheidung keine Almosen - und nichts anderes sind die Gehaelter im Sozialbereich leider - fuer eine Arbeit die ein Studium erfordert anzunehmen richtig war).



Man sollte also wissen, dass man sich nach dem Abitur zumindest entweder für das große Geld oder das kleine entscheidet.


Man sollte sich vor allem im klaren sein was fuer Konsequenzen fuer die persoenliche Freiheit das kleine Geld hat. IMHO keim Problem wenn man es gewoehnt ist zu sparen. Wohl aber ein Problem wenn man sich schon als Kind daran gewoehnt hat jedes Hobby haben zu koennen ohne dass die Eltern aufs Geld schauen muessen.


Insofern sollte man sich gut fragen, ob man auch mti einer kleinen Selbstlüge leben könnte. Denn dass man könnte, was die machen, die richtig abkassieren (bei der Bank, bei Versicherungen, im Immobiliengewerbe, im gehobenen Staatsdienst) liegt auf der Hand.


Offen gesagt war mir *nicht* klar wieviel man bei der Bank sogar als Physiker/Mathematiker/Programmierer (also in der zweiten Reihe, festgehalt, ohne Boni) verdient bis ich letztes Jahr mal die Jobs angeschaut habe....

MorbusBahlsen
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2

18.01.2010 - 14:29 Uhr
MorbusBahlsen

drolli sagte:
beim Zivi ... sogar das Gehalt meiner damaligen Chefin ... heute als problematisch empfinden ...

Na hoffentlich wirste dann mal nie nie arbeitslos... klingt schon ein bisschen sehr von oben herab, was du da ablässt. Den meisten Menschen bleibt eine "Entscheidung" zum höheren Gehalt sowas von verwehrt...

Begunje62
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3

18.01.2010 - 14:45 Uhr
Begunje62

na drolli, ich bin ja normalerweise nicht so aber da muss ich doch mal gemein sein und sagen dass es gott sei dank noch leute gibt, die sich trotz des geringeren gehaltes mit solchen berufen abgeben. vielleicht, weil sie damit glücklich sind.

unangepasste
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1

18.01.2010 - 14:45 Uhr
unangepasste

Endlich wieder ein guter Redaktionsartikel - danke!

drolli
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2

18.01.2010 - 15:10 Uhr
drolli

MorbusBahlsen sagte:
drolli sagte:
beim Zivi ... sogar das Gehalt meiner damaligen Chefin ... heute als problematisch empfinden ...



Schoen dass Du meine Kritik an dem gehalt weggelassen hast.

Du willst mir jetzt nicht wirklich versichern dass es ein Spass ist mit einem normalen Sozialpaedagogengehalt (in der Behindertenarbeit) alleinerziehend zu sein.

Das Gehalt *ist* problematisch. Es war es damals und es ist es heute.


Na hoffentlich wirste dann mal nie nie arbeitslos...


Das hoffe ich auch.


klingt schon ein bisschen sehr von oben herab, was du da ablässt. Den meisten Menschen bleibt eine "Entscheidung" zum höheren Gehalt sowas von verwehrt...


Mir bleiben auch viele Entscheidungen verwehrt. Im uebrigen glaube ich nicht dass es viele Leute gibt, die ausschliesslich fuer Sozialpaedagogik geeignet sind.

Und ja: es ist eine persoenliche Entscheidung, wie sehr man sich reinhaengt. Wenn man in einem Ausbildungsberuf soviel arbeitet wie man das als Nachwuchsforscher so tut, steigt man schnell auf. In den meisten Ausbildungsberufen reichen ja schon 55h/Woche Anwesenheit um sehr positiv aufzufallen.

Und nein: ich habe kein Mitgefuehl mit der Mehrheit. Die Mehrheit geht mir am allerwertesten vorbei und ich gehe der Mehrheit am allerwertesten vorbei. Am ehesten habe ich die Mehrheit so in Erinnerung dass sie es befremdlich fand dass mir viele Dinge Spass gemacht haben, die als etwas unschick und abgehoben galten - ich kann den Leuten die so gedacht haben nicht helfen. Nein, ein bischen Eigeninteresse und Motivation braucht es schon.

afrirali
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1

18.01.2010 - 15:38 Uhr
afrirali

drossel, manchmal schreibst du einen schwachsinn, da hauts mich echt um.

drolli
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0

18.01.2010 - 15:52 Uhr
drolli

Begunje62 sagte:
na drolli, ich bin ja normalerweise nicht so aber da muss ich doch mal gemein sein und sagen dass es gott sei dank noch leute gibt, die sich trotz des geringeren gehaltes mit solchen berufen abgeben. vielleicht, weil sie damit glücklich sind.


Ganz wundervoll und sehr bezeichnend dass der Kommentar von einer Frau kommt. Ein guter Teil des Frauen verdienen weniger als Maenner kommt daher dass Frauen im sozialbereich arbeiten und sich sowas gefallen lassen.

Meiner Ansicht nach ist es nicht die Loesung das hinzunehmen, sondern mit den Fuessen abzustimmen bis unsere Gesellschaft bereit ist das Geld auszugeben.

Ioana
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2

18.01.2010 - 16:02 Uhr
Ioana

finde den text jetzt nicht die entdeckung der saison. es war abzusehen, dass es einer der texte ist, der viel zustimmung hervorruft, weil er kapitalisten (also juristen und bwler) kritisiert und weil er fuer so eine nette note des "raums zur persoenlichen verwirklichung" plaediert. den gedanken "brotlosigkeit vs verkuemmerung der persoenlichkeit" fuer neu und absolut unterschaetzt zu verkaufen nehme ich den artikel nicht ab, schliesslich ist es eine sorge, mit der sich jeder studienanfaenger um die 19 auseinandersetzt. spaetestens bei studienende sollte er sich bewusst sein, dass das problem so gravierend nun auch nicht wahr. bei abiturabschluss kann von einer formierten "persoenlichkeit" doch gar nicht die rede sein, hoechstens von persoenlichen vorlieben, die einstellung zu seinem vermutlichen spaeteren beruf bildet sich doch hauptsaechlich auch waehrend des studiums. der eine oder andere mag da seine leidenschaft fuer bwl oder jura entdecken und feststellen, dass ihm philosophie oder sozialpaedagogik doch nicht gepasst haetten. andere brechen eben das studium ab. wozu fuer diese erkenntnis sartre aufgefahren werden muss versteh ich nicht ganz. halte die frage auch nicht unbedingt fuer die problematik des 21. jahrhunderts.

ThomasCrown
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1

18.01.2010 - 16:04 Uhr
ThomasCrown

entschuldigung, bin ich hier richtig bei neon?

Ioana
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0

18.01.2010 - 16:11 Uhr
Ioana

hinzuzufuegen ist dass kurioserweise die abbrecherquote in den faechern die eher mit persoenlichkeitsverwirklichung als brotverdienst zu tun haben ziemlich hoch ist.

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1

18.01.2010 - 16:20 Uhr
Ioana

MorbusBahlsen sagte:
Die Hinleitung zur zentralen Frage des Artikels finde ich allerdings sehr bedenkenswert:

"Zurzeit muss man um das, was man will, kämpfen. Man muss sich genau mit der Frage auseinandersetzen: Was will ich?"


Ist es wirklich nur zurzeit so? Wurde jemals einer Menschengeneration wirklich etwas geschenkt? Wieviele Leute mussten nicht wenigstens etwas um ihr eigenes Wohl oder wenigstens Geld- und Machterhalt kämpfen? Es ist das woran unsere Sinnfragen auch ein bisschen scheitern, dass wir versuchen, in unserer Situation immer das nie dagewesene zu vermuten. Und doch, aus der Geschichte lernen wollen oder können wir nur selten. Wir können Parallelen zwischen antiken und mittelalterlichen Staatsformen ziehen, Lebensentwicklungen und Sinnfindungen der damaligen Zeit beurteilen und gegeneinander abwägen, aber den Schritt zur Vollständigkeit in Bezug auf unser eigenes Sein lassen wir dann doch, vorsichtshalber, vermissen.


naja, eines ist tatsaechlich ein neueres phaenomen: die tatsache naemlich dass eine groessere masse an menschen ihren beruf nicht nur als lebenserhaltend betrachtet, sondern als mittel zur selbstverwirklichung und persoenlichkeitsfindung. ich behaupte mal, dass die bauern und arbeiter der frueheren generationen das nicht etwa so betrachtet haben.

krise2007
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18.01.2010 - 16:32 Uhr
krise2007

Die beste Ausbildung ist jene, die einen Studenten zu einem Menschen macht
Eine Frage, die ich erhielt: Was ist das Licht, welches in der Ausbildung von Kindern Veränderungen hervorbringt?
Mein Antwort: Das Licht, welches verbessert, ist eine Höhere Kraft, die Kraft der Weisheit, die vom Lehrer kommt und den Studenten beeinflusst, der dann fragt: „Was ist es ?”
Das Licht, welches verbessert, ist die Wirkung ...weiter unter
http://www.laitman.de/page/2/?s=bildung
Celine Polo

ThomasCrown
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2

18.01.2010 - 16:35 Uhr
ThomasCrown

immer diese esoteriker.

Ioana
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1

18.01.2010 - 16:43 Uhr
Ioana

ThomasCrown sagte:
immer diese esoteriker.


weiss nicht was du hast. klingt doch schon fast wie emerson. :)

MorbusBahlsen
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18.01.2010 - 18:38 Uhr
MorbusBahlsen

Ioana sagte:
naja, eines ist tatsaechlich ein neueres phaenomen: die tatsache naemlich dass eine groessere masse an menschen ihren beruf nicht nur als lebenserhaltend betrachtet, sondern als mittel zur selbstverwirklichung und persoenlichkeitsfindung. ich behaupte mal, dass die bauern und arbeiter der frueheren generationen das nicht etwa so betrachtet haben.

Ja! Denn diese Fragen fanden ihre Antwort im Glauben der Fragenden, der Lebenskonzepte vorgab, deren Erfüllung auch zumeist die Erfüllung der eigenen Wünsche mit sich brachte. Heute tritt das in den Hintergrund, während der Beruf zunehmend diese Aufgabe übernimmt. Es geht aber, und hier ist die Parallele, in beiden Situationen darum, entsprechende Vorgaben zu erfüllen, sich im Rahmen der Gesellschaft und ihrer Konventionen zu bewegen, seine Arbeit gut zu meistern. Schafft man das, so stellt sich auch heute noch in ähnlichem Maß die eigene Zufriedenheit ein.

Die Sinnfrage ist die gleiche, und die Antwort darauf ähnlich: Im Erfüllen dessen, was man als glücklich machend anerkennt, kann man selbst auch glücklich werden. Insofern sehe ich hier schon ziehbare Parallelen und nicht nur nie dagewesenes, völlig neues.

83simi
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5

18.01.2010 - 19:08 Uhr
83simi

wieso soll ich eigentlich nach dem abi wissen müssen was ich will?
und wieso scheint es in deutschland von einem erwartet zu werden, dass man dieser entscheidung gefälligst auch ein leben lang treu zu bleiben hat?

Als wäre der Mensch ein zweidimensionales Wesen, auf das pro person nur 1 Berufswunsch und 2 Hobbies passen und das nach studienabschluss nicht mehr neu beschriftbar ist?

das hört sich für mich alles so fies nach ner kleinbürgerlichen "kindergarten-grundschule-gymnasium-studium-treudemarbeitsplatz-doppelhaushälfte-zweitwagen-zweikinder-rente-kreuzfahrt" direktrutsche in den tod an. alles tierisch sicher, tierisch vorhersehbar, tierisch langweilig. und gegen den mittvierzieger hausfrauenfrust kann man ja ein töpferatelier aufmachen *argh*

bei uns daheim gabs nie viel. bin bis ich 12 war mit meinen eltern in ner zweizimmerwohnung 45qm aufgewachsen. urlaub war nischt, am ende des monats wars gerne mal auch essensmäßig knapp. vadder ist gabelstaplerfahrer, mutter war schreibkraft und ich schon immer mit "was-ich-muss-mag-ich-nicht"-charakter ausgestattet.
nur hab ich mich nie arm oder anderen unterlegen gefühlt. ich hab nie den druck gespürt irgendnen sogenannten besseren "lebensstandard" erreichen zu wollen. für mich wars immer nur wichtig die dinge zu tun, die mich interessieren. dazu hatte ich weder viel lebensstandard zu verlieren, noch die lust für mehr materiellen reichtum dinge zu tun die mir zuwider sind.
das nahm mir schon immer diesen gesellschaftlichen leistungsdruck.

jetzt bin ich fast mit meinem studium fertig und würde gern an der uni bleiben, aber ob ich dort für den rest meines lebens arbeiten werde oder was ganz anderes ausprobier, kann ich nicht sagen. genausogut möglich, dass ich irgendwann noch lust habe was anderes zu machen.
ich hab mein ganzes studium keinen einzigen euro bafög beantragt, was durch unseren guten familienzusammenhalt und nicht zuletzt durch massig jobben möglich war.

spannende zeit gerade. aber ich bin mir für wenige arbeiten zu schade, und solang ich noch zwei gesunde hände und füße hab, werd ich schon nicht verhungern.

witzig find ich immer wieder, wie aggro manche auf meine einstellung reagieren. ein bwler nannte mich gar mal unverantwortlich, worauf ich meinte dass der einzige für den ich momentan verantwortung zu tragen hab ja wohl ich selbst bin und ihn mein leben nichts anginge.

diese idee der fixierung auf ein studium, ein interesse, ein job bis zur rente ist einfach wahnsinnig deutsch, und wenn jemand da nicht mit mäh schreit, wird er gleich mistrauisch beäugt.

in deutschland wird man bei einem vielfältigen lebenslauf gefragt, ob man etwa entscheidungsschwach oder mit kollegen schwer sozialisierbar war.
in den usa sagen sie dir, wenn du einen möglichst "bunten" lebenslauf hast, "wow, you must be wanted.". da gibts noch das ideal des tausendsassers.

Ioana
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1

18.01.2010 - 19:15 Uhr
Ioana

MorbusBahlsen sagte:
Ioana sagte:
naja, eines ist tatsaechlich ein neueres phaenomen: die tatsache naemlich dass eine groessere masse an menschen ihren beruf nicht nur als lebenserhaltend betrachtet, sondern als mittel zur selbstverwirklichung und persoenlichkeitsfindung. ich behaupte mal, dass die bauern und arbeiter der frueheren generationen das nicht etwa so betrachtet haben.

Ja! Denn diese Fragen fanden ihre Antwort im Glauben der Fragenden, der Lebenskonzepte vorgab, deren Erfüllung auch zumeist die Erfüllung der eigenen Wünsche mit sich brachte. Heute tritt das in den Hintergrund, während der Beruf zunehmend diese Aufgabe übernimmt. Es geht aber, und hier ist die Parallele, in beiden Situationen darum, entsprechende Vorgaben zu erfüllen, sich im Rahmen der Gesellschaft und ihrer Konventionen zu bewegen, seine Arbeit gut zu meistern. Schafft man das, so stellt sich auch heute noch in ähnlichem Maß die eigene Zufriedenheit ein.

Die Sinnfrage ist die gleiche, und die Antwort darauf ähnlich: Im Erfüllen dessen, was man als glücklich machend anerkennt, kann man selbst auch glücklich werden. Insofern sehe ich hier schon ziehbare Parallelen und nicht nur nie dagewesenes, völlig neues.


nochmal fuer bloedmaenner bitte.

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18.01.2010 - 19:17 Uhr
Ioana

83simi sagte:

diese idee der fixierung auf ein studium, ein interesse, ein job bis zur rente ist einfach wahnsinnig deutsch....


ah, nee, is sie nicht. mach dir da mal keine sorgen. nicht alles schlechte kommt aus deutschland. :)

83simi
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18.01.2010 - 19:20 Uhr
83simi

@Ioana:

83simi sagte:

diese idee der fixierung auf ein studium, ein interesse, ein job bis zur rente ist einfach wahnsinnig deutsch....



ah, nee, is sie nicht. mach dir da mal keine sorgen. nicht alles schlechte kommt aus deutschland. :)

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stümmt. müsst mir als indologiestudentin eigentlich besonders klar sein...von wegen kastenspezifische berufswahl und so *g*

Digital_Data
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19.01.2010 - 14:46 Uhr
Digital_Data

Zunächst werden wir durch eine Schule geführt, die uns ein Leben aufzwingt, dass fast zu 100 % fremdbestimmt ist und keine Anstalten unternimmt auch nur ansatzweise festzustellen, was die Talente einer Person sind. Und der Wunsch des Kindes lernen zu wollen wird auch schnell abgetötet oder kennt jemand ein Kind, das seine Eltern nach Stundenplan löchert mit Fragen wie "Papa wie funktioniert das ?" Damit würgt man das Fragen wollen ab und erkennt so auch durch die Fragen, die das Kind stellen würde nicht mehr, für was es sich denn interessiert. Am Ende dieser fremdbestimmten Zeit, in der Fragen zu gerade Interessantem nicht gestattet sind und die sich auch noch durch viel Warten kennzeichnet ist, kommt dann plötzlich die Entscheidung, was man denn werden möchte. Das ist ungefähr so, als wenn alle im Sport im Tor spielen müssen und man dann fragt, auf welcher Position wollt ihr denn spielen.

Anscheinend hat man nun den Bachelor auch noch so umgestaltet, dass aufgrund von Zeitnot und Prüfunghsdruck die Fremdbestimmung zugenommen hat und G8 zielt exact in die selbe Richtung, da bleibt kaum noch Zeit für Wahlunterricht. Wahrscheinlichm will unser System gar keine Individuen erzeugen.

Dann kommen wir in einen Job, der meistens ganz anders aussieht wie erwartet und vor allem wie uns erzählt wird. Da uns z.B. keiner erzählt wie viel Bürokratie in einem Job enthalten ist und wie wenig wir eigentlich an der eigentlichen Sache arbeiten. Außerdem hängt unser Job sehr von der Firma in der wir nun arbeiten ab, in einer anderen Firma kann unser Job schon vollkommen anders aussehen.

Nun versuchen wir zumindest Karriere zu machen. Das scheitert auch für viele, da einfach nicht alle Studenten befördert werden können, so viele leitende Positionen gibt es ja nun auch nicht und oft hängen diese Beförderungen an Dingen, die wir selbst nicht beeinflußen können (z.B. Geschlecht). Ganz zu schweigen von dem Umstand, dass Fühhrungskräfte nie irgendwas zum Thema Führen lernen. Die wichtigste Tätigkeit in unserer Gesellschaft basiert also auf persönlichen Präferenzen. Wie das dann läuft sieht man bei der Bundeskanzlerin.

Nun haben einige etwas mehr Glück als andere und finden ein Hobby oder eine Leidenschaft, die man auch zu seiner Existenz machen kann und brechen dann aus, wie oben so schön beschrieben.

Am System ändert das wenig, da die Entscheider in unserem Land Personen sind, für die das System vorteilhaft lief, warum sollten sie also was ändern. Und wenn, haben sie nicht wirklich eine Ahnung, welche Probleme die anderen denn haben und hatten. So haben wir viele Unzufriedene und der Rest flieht irgendwann in eine andere Existenz.

Gute Systeme schauen anders aus.

Digital_Data

ThomasCrown
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19.01.2010 - 14:57 Uhr
ThomasCrown

Digital_Data sagte:
Zunächst werden wir durch eine Schule geführt, die uns ein Leben aufzwingt, dass fast zu 100 % fremdbestimmt ist und keine Anstalten unternimmt auch nur ansatzweise festzustellen, was die Talente einer Person sind. Und der Wunsch des Kindes lernen zu wollen wird auch schnell abgetötet oder kennt jemand ein Kind, das seine Eltern nach Stundenplan löchert mit Fragen wie "Papa wie funktioniert das ?" Damit würgt man das Fragen wollen ab und erkennt so auch durch die Fragen, die das Kind stellen würde nicht mehr, für was es sich denn interessiert. Am Ende dieser fremdbestimmten Zeit, in der Fragen zu gerade Interessantem nicht gestattet sind und die sich auch noch durch viel Warten kennzeichnet ist, kommt dann plötzlich die Entscheidung, was man denn werden möchte. Das ist ungefähr so, als wenn alle im Sport im Tor spielen müssen und man dann fragt, auf welcher Position wollt ihr denn spielen.


mit verlaub: das hängt mitunter nicht vom system oder der schule ab, sondern von den lehrern. ich hatte auch lehrer/innen, die meine talente jahre vor mir erkannt haben.
ich durfte und wollte auch fragen stellen. aber ja, die mehrheit der lehrer war leider nicht so.

der größere systemfehler liegt hier meiner meinung nach nicht in lehrplanzwängen, sondern in der lehrerausbildung und -selektion.



Ganz zu schweigen von dem Umstand, dass Fühhrungskräfte nie irgendwas zum Thema Führen lernen. Die wichtigste Tätigkeit in unserer Gesellschaft basiert also auf persönlichen Präferenzen.


ja, weil chefs nicht nach leitungs-, sondern nach fachkompetenz ausgewählt werden. und nach beziehungen natürlich.
dabei kann man zu sowas ja ebenso kurse belegen wie zu powerpoint oder neuen techniken, aber die selbstreflektion und kritikfähigkeit deutscher chefs ist ja leider auch kaum ausgebildet.

Digital_Data
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19.01.2010 - 15:54 Uhr
Digital_Data

@ThomasCrown

Aber wenn es nur vom Lehrer abhängt, dann ist ja eben ein Systemfehler.

Digital_Data

Tjenemit
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19.01.2010 - 15:56 Uhr
Tjenemit

dass einige wenige, denen das system nützt, die macht haben, das nicht zu ändern, ist kein deutsches problem. in frankreich zb gibt es für den staatsdienst mehr oder weniger ein paar Grandes écoles und nur wer die absolviert hat, kommt nach oben. auch im vielgelobten island bleibt die führungselite unter sich (im letzten spiegel nachzulesen).

für den normalen bürger bedeutet dies m.E. schon eine recht starke einzwängung in vorgegebenen bahnen, aus der man nur ausbrechen kann, wenn man ne tolle idee hat und sich selbstständig macht (mag von berufsbild zu berufsbild und neigungsrichtung variieren). ob unter diesen bedingungen der beruf für die meisten wirklich noch selbstverwirklichend ist, wage ich zu bezweifeln.

eben dies wird uns aber auch oft eingeredet, der perfekte job, ohne den geht es nicht. so bleibt man vllt. unzufrieden, obwohl man eigentlich schon 85% erreicht hat.

ThomasCrown
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19.01.2010 - 15:57 Uhr
ThomasCrown

Digital_Data sagte:
@ThomasCrown

Aber wenn es nur vom Lehrer abhängt, dann ist ja eben ein Systemfehler.

Digital_Data


ich bin mir nicht sicher, wie man schule und ausbildung von menschen unabhängig machen soll. und ob man das überhaupt will.

Digital_Data
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19.01.2010 - 19:31 Uhr
Digital_Data

So lange wir Schüler in eine Schule zwingen (Schulpflicht), damit sie dort lesen lernen, obwohl sie schon selbst lesen gelernt haben, kann es nicht besser werden. Schule muss individueller werden und Talente fördern.

Ich könnte mir zum Beispiel ein Modell vor stellen, bei dem zum einen Kinder auch Urlaub nehmen können im Gegenzug mit weniger Ferien und je nach interesse Fächer belegen können. Schule in Klassenverbünden ist eigentlich die typische Kategorisierung, die eine Bürokratie aufbaut. Wir lernen auch heute noch in Shculen viel zu spezifisches Wissen. Würden wir in dem Bereich den Lernplan entrümpeln, könnten wir ihn flexibler machen und damit Schülern die schon lesen können Alternativen bieten. Das würde auch die Selbstbestimmung stärken.

Gerade heute im Zeitalter des Computers könnte man hier auch den Unterricht stark individualisieren. So müßten sich die Begaten nicht langweilen, während man übt, sondern könnten bereits schwierigere Aufgaben lösen bzw. etwas für Fächer tun, in denen sie weniger begabt sind. Theoretisch könnte ein Schüler z.B. bei Mathe, wo er gut ist, in die Parallelklasse wechseln, wo deutsch läuft und er schlecht ist.

Wenn man eine Talentförderung durchführen würde, dann hätte man es auch später bei der Berufswahl leichter. Oder man muss Freiräume schaffen für mehr Wahlunterricht. Ich weiß nicht ob das noch so ist, dass man Wahlunterricht für ein ganzes Jahr machen muss. Es wäre z.B. günstiger, wenn man in verschiedene Dinge reinschnuppern kann. Man muss manche Sachen einfach ausprobieren um festzustellen, ob einem das gefällt.

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MorbusBahlsen
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19.01.2010 - 20:13 Uhr
MorbusBahlsen

Jo Digi, dann mal rüber mit der Kohle. Viele gute Schulsysteme scheitern an der Bezahlbarkeit. Weil das was nachher rauskommt unseren Verhältnissen doch eigentlich auch genügt.

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19.01.2010 - 20:21 Uhr
MorbusBahlsen

Ioana sagte:
nochmal fuer bloedmaenner bitte.

Hmm. Es heißt ja glaub ich, wenn man etwas nicht auch einfach ausdrücken kann, sollte man es besser bleiben lassen. Hätte ich mal.

Nunja. Ich kreise da um die Frage, was uns glücklich "macht". Es sind doch weniger irgendwelche zufälligen Umstände in unserem Leben, als das, was wir uns schaffen, was wir aus eigener Kraft erreichen. Wenn wir ein Ziel vor Augen haben, das wir erfüllen können, dann sind wir zumindest zufrieden wenn nicht sogar glücklich damit, es irgendwann erreicht zu haben. Früher gab es ein engeres Korsett aus gesellschaftlichen Zwängen und Glauben, die zwar die Möglichkeiten für "freiere" Ziele eingeschränkt haben, jedoch war damit das Erreichen der verfügbaren somit etwas einfacher, weil weniger beschwerlich und mit weniger Eigenleistung verbunden. Heute ist die Palette umso größer, was schon die Zielfindung an sich erschwert, und der große Durchschnitt mit mehr Eigenleistung dann auch nicht unbedingt selig wird.

Insofern nahm ich darauf Bezug, dass der Beruf hie wie da Mittel zur Selbstfindung sein kann, wenn nicht sogar damals genauso gewesen sein muss wie heute.

fraeuleiningeborg
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19.01.2010 - 21:25 Uhr
fraeuleiningeborg

Digital_Data sagte:
Ich könnte mir zum Beispiel ein Modell vor stellen, bei dem zum einen Kinder auch Urlaub nehmen können im Gegenzug mit weniger Ferien und je nach interesse Fächer belegen können. Schule in Klassenverbünden ist eigentlich die typische Kategorisierung, die eine Bürokratie aufbaut. Wir lernen auch heute noch in Shculen viel zu spezifisches Wissen. Würden wir in dem Bereich den Lernplan entrümpeln, könnten wir ihn flexibler machen und damit Schülern die schon lesen können Alternativen bieten. Das würde auch die Selbstbestimmung stärken.

Digital_Data


Naja, aber zum einen finde ich schon, dass ein gewisses Grundwissen in allen Fächern vorhanden sein sollte, und zum anderen ist ja ein Sinn der Sache auch, dass man lernt, sich Dinge zu erarbeiten, die einen vielleicht auch gerade nicht so interessieren. Da wird man ja auch im späteren Leben schwerlich drumrum kommen.

Digital_Data
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20.01.2010 - 01:35 Uhr
Digital_Data

@fraeuleiningeborg

Kinder haben einen ziemlich starken Lernwillen. Wir sollten uns den lieber zu Nutze machen, als ihn durch bürokratische Abläufe abzutöten.

@MorbusBahlsen

Im Prinzip bräuchte man ein Computerprogramm und Terminals mit Zugang für alle Schüler. Die Lehrer tragen den Stoff der nächsten Stunde ein, die Schüler suchen sich im Rahmen ihrer Interessen, Stärken und Schwächen die Stunden aus, die sie belegen wollen. Möglicherweise auch Jahrgansübergreifend. Das kann man im Prinzip mit Bordmitteln lösen. In Schulstunden finden oft Wiederholungen statt, für Begabte genügt oft die Wiederholung eines Stoffes oder die Hausaufgabe. Nicht auf das vorhandene Wissen, die Interessen und Begabungen im Schulsystem einzugehen kann nicht das Ziel der Schulbildung im 21. Jahrhundert sein.

Im übrigen ist in Europa Deutschland neben der Slowakei, Rumänien und Bulgarien eines der wenigen Länder, die die Schulpflicht so weit durchsetzen, dass z.B. das Schulen zu Hause durch Eltern oder vergleichbare Lehrer verhindert wird. Andere Länder sind hier teilweise schon über 5 %. Dieses Schulpflichtsystem stammt übrigens zu Teilen aus dem Dritten Reich, als man die Bildung im Nazi-Interesse gleichschalten wollte.

Digital_Data

MorbusBahlsen
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20.01.2010 - 02:52 Uhr
MorbusBahlsen

Oh, das Nazi-Argument hat nun über 6 Jahrzehnte auf dem Buckel... Zeit für ein anderes. In der Zwischenzeit hat naämlich sicher mindestens einer in der Kulturhoheit unserer 16 Bundesländer drüber nachgedacht...

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20.01.2010 - 02:54 Uhr
MorbusBahlsen

Die Schulpflicht geht übrigens weiter zurück als zum Dritten Reich und war keinesfalls eine Idee dieser Leute aus dem Dritten Reich, nicht umsonst ist es keine deutsche Eigenheit.

drolli
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20.01.2010 - 06:15 Uhr
drolli

MorbusBahlsen sagte:
Die Schulpflicht geht übrigens weiter zurück als zum Dritten Reich und war keinesfalls eine Idee dieser Leute aus dem Dritten Reich, nicht umsonst ist es keine deutsche Eigenheit.


Aber sowas weiss der gemeine feld-wald und wiesen proll doch nicht. Es gab doch kein deutschland vor den Nazis. Der groefaz hat das doch alles persoenlich erfunden, autobahnen und auch das schulsystem.

queen_without_a_country
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20.01.2010 - 09:26 Uhr
queen_without_a_country

MorbusBahlsen sagte:
Jo Digi, dann mal rüber mit der Kohle. Viele gute Schulsysteme scheitern an der Bezahlbarkeit. Weil das was nachher rauskommt unseren Verhältnissen doch eigentlich auch genügt.


also, wenn das heißen soll, dass das gegenwärtige deutsche Schulsystem "unseren Verhältnissen doch eigentlich genügt": I beg to differ. das ist ganz offenkundig nicht so, wenn man sich allein die Anzahl der Jugendlichen anschaut, die die Schule ohne Abschluß oder auch nur Grundkenntnissen wie Lesen, Schreiben, Rechnen verlassen.
und anders als digi zum Beispiel schreibt, geht es in der Schule auch um soziale Interaktion, die kann nicht einfach ein Computer übernehmen.

ThomasCrown
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20.01.2010 - 11:11 Uhr
ThomasCrown

queen_without_a_country sagte:
MorbusBahlsen sagte:
Jo Digi, dann mal rüber mit der Kohle. Viele gute Schulsysteme scheitern an der Bezahlbarkeit. Weil das was nachher rauskommt unseren Verhältnissen doch eigentlich auch genügt.


also, wenn das heißen soll, dass das gegenwärtige deutsche Schulsystem "unseren Verhältnissen doch eigentlich genügt": I beg to differ. das ist ganz offenkundig nicht so, wenn man sich allein die Anzahl der Jugendlichen anschaut, die die Schule ohne Abschluß oder auch nur Grundkenntnissen wie Lesen, Schreiben, Rechnen verlassen.
und anders als digi zum Beispiel schreibt, geht es in der Schule auch um soziale Interaktion, die kann nicht einfach ein Computer übernehmen.


d_d liegt die begabtenförderung aber anscheinend mehr am herzen (no pun intended). legititm, ich denke mir aber auch, daß die begabten/und oder von haus aus privilegierten schüler sowieso lernen, auch außerhalb der schule (museums- und theaterbesuche, diskussionen mit den eltern, bücherregal zuhause). und ich mache mir auch eher um die sorgen, die auch in der 3. klasse noch nicht wirklich lesen können.

@d_d: es gibt ja durchaus individuellere förderung, z.B. in gesamtschulen, wo man in jedem fach unterschiedliche leistungsklassen belegen kann. also deutsch a, aber mathe b. ähnlich wie später das leistungskurs/grundkurssystem (äh, gibts das eigentlich noch?).

Ioana
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20.01.2010 - 16:51 Uhr
Ioana

MorbusBahlsen sagte:
Ioana sagte:
nochmal fuer bloedmaenner bitte.

Hmm. Es heißt ja glaub ich, wenn man etwas nicht auch einfach ausdrücken kann, sollte man es besser bleiben lassen. Hätte ich mal.

Nunja. Ich kreise da um die Frage, was uns glücklich "macht". Es sind doch weniger irgendwelche zufälligen Umstände in unserem Leben, als das, was wir uns schaffen, was wir aus eigener Kraft erreichen. Wenn wir ein Ziel vor Augen haben, das wir erfüllen können, dann sind wir zumindest zufrieden wenn nicht sogar glücklich damit, es irgendwann erreicht zu haben. Früher gab es ein engeres Korsett aus gesellschaftlichen Zwängen und Glauben, die zwar die Möglichkeiten für "freiere" Ziele eingeschränkt haben, jedoch war damit das Erreichen der verfügbaren somit etwas einfacher, weil weniger beschwerlich und mit weniger Eigenleistung verbunden. Heute ist die Palette umso größer, was schon die Zielfindung an sich erschwert, und der große Durchschnitt mit mehr Eigenleistung dann auch nicht unbedingt selig wird.

Insofern nahm ich darauf Bezug, dass der Beruf hie wie da Mittel zur Selbstfindung sein kann, wenn nicht sogar damals genauso gewesen sein muss wie heute.


da kann ich dir teilweise zustimmen. ich bezog mich eher darauf, dass in frueheren epochen die moeglichkeiten zur berufswahl eher eingeschraenkt waren. keiner haette damals die qual der wahl zwischen bauer oder sinologen gehabt. der beruf, der wahrscheinlich in den meisten faellen als schuften aufm kartoffelacker gewesen war, war doch eher ein mittel zur selbsterhaltung. heute verhungert man selbst als schlechter germanist nicht. zur not kann man ja taxi fahren. um es so zu formulieren: heute arbeitet man um zu leben, frueher arbeitete man um nicht zu sterben. die frage ob man sich im getreidefeld selbstverwirklicht sah, war dann eine reine nebensache. heute sucht man sich den beruf aehnlich wie seinen partner aus: nach gesichtspunkten wie: passt er zu mir? was macht er aus mir? werde ich mit ihm gluecklich sein? schliesslich verbringt man mit ihm einen guten teil seines lebens. frueher scheint mir, war der aspekt des privaten vom rein notwendigen etwas strenger getrennt. damit beziehe ich mich auf die grosse schicht der gesellschaft, nicht einige wenige die frueher das privileg hatten zwischen koenig und priester zu waehlen.

Digital_Data
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20.01.2010 - 21:02 Uhr
Digital_Data

Digital_Data sagte:
Dieses Schulpflichtsystem stammt übrigens zu Teilen aus dem Dritten Reich, als man die Bildung im Nazi-Interesse gleichschalten wollte.


MorbusBahlsen sagte:
Die Schulpflicht geht übrigens weiter zurück als zum Dritten Reich und war keinesfalls eine Idee dieser Leute aus dem Dritten Reich, nicht umsonst ist es keine deutsche Eigenheit.


Ärgerlich. Die Schulpflicht wurde zuerst, wenn ich richtig informiert bin, 1917 in Preußen eingeführt, oder zumindest als eines der ersten. Damit ist es durchaus eine "deutsche Erfindung". Und als Schulpflicht bis auf's Blut durchgesetzt wird sie seit den Nazi's. Selbst heute noch fliehen Eltern mit ihren Kindern ins benachbarte Ausland, wegen der Schulpflicht.

@ThomasCrown

"d_d liegt die begabtenförderung aber anscheinend mehr am herzen" Nein, nicht die Begabtenförderung sondern die Förderung der Begabung des Einzelnen und jeder hat irgendeine Begabung, also einen Teilbereich in dem er bersser ist, als in einem anderen. Und wenn wir schon freie Berufswahl haben, dann sollten wir wissen in welchem Bereich die Begabung eines jeden Einzelnen liegt, damit er zumindest die Möglichkeit hat, diese Begabung für sich zu nutzen.

queen_without_a_country sagte:
und anders als digi zum Beispiel schreibt, geht es in der Schule auch um soziale Interaktion, die kann nicht einfach ein Computer übernehmen.


Nur weil man einen Teil durch Computer organisiert, heißt dies nicht, dass man auf soziale Interaktion keinen Wert legt. Das sind genau diese Todschlag-Argumente, die alle Internetgegner dauernd bringen. Ich hoffe Du gehörst nicht zu dieser Gruppe. Abgesehen davon möchte ich hier nicht erwähnen wie oft ich in der Schule gemaßregelt wurde, weil ich soziale Interaktion während des Unterrichts betrieb ;-) und Teamarbeit ist in den meisten Schulen und in unserem Prüfungssystem sowieso nicht vorgesehen. Das wäre dann das Nächste gewesen. Aber in jeder Stellenanzeige steht Teamfähigkeit drin. Wo lernen wir das ? Und ist es wirklich notwendig oder zerlegt unsere Wirtschaft die einzelnen Arbeitsabläufe so sehr in Kleinsteinheiten, dass eine Teamfähigkeit eigentlich vollkommen unnötig ist ?

Digital_Data

ThomasCrown
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20.01.2010 - 21:42 Uhr
ThomasCrown

Digital_Data sagte:
Digital_Data sagte:
Dieses Schulpflichtsystem stammt übrigens zu Teilen aus dem Dritten Reich, als man die Bildung im Nazi-Interesse gleichschalten wollte.


MorbusBahlsen sagte:
Die Schulpflicht geht übrigens weiter zurück als zum Dritten Reich und war keinesfalls eine Idee dieser Leute aus dem Dritten Reich, nicht umsonst ist es keine deutsche Eigenheit.


Ärgerlich. Die Schulpflicht wurde zuerst, wenn ich richtig informiert bin, 1917 in Preußen eingeführt, oder zumindest als eines der ersten. Damit ist es durchaus eine "deutsche Erfindung". Und als Schulpflicht bis auf's Blut durchgesetzt wird sie seit den Nazi's. Selbst heute noch fliehen Eltern mit ihren Kindern ins benachbarte Ausland, wegen der Schulpflicht.


nö, die geschichte der schulpflicht beginnt in deutschland bereits in der frühen neuzeit. spätestens im 19. jh auch in den kahtolischen teilen. genaue daten müßte ich nachgucken.
ich halte die übrigens für nicht unsinnig, aber es gibt ja auch durchaus alternativen - reformschulen (waldorf, montessori, summerhill), private schulen etc.


@ThomasCrown

"d_d liegt die begabtenförderung aber anscheinend mehr am herzen" Nein, nicht die Begabtenförderung sondern die Förderung der Begabung des Einzelnen und jeder hat irgendeine Begabung, also einen Teilbereich in dem er bersser ist, als in einem anderen. Und wenn wir schon freie Berufswahl haben, dann sollten wir wissen in welchem Bereich die Begabung eines jeden Einzelnen liegt, damit er zumindest die Möglichkeit hat, diese Begabung für sich zu nutzen.


ja, okay. aber sowas ist ja beispielsweise in dem von mir geschilderten gesamtschulsystem durchaus möglich. und die derzeitige bewegunghin zu einem zweigegliederten schulsystem (gymnasium und gesamtschule) unterstützt ja auch dieses eher modulare system.
berufsleben ist noch mal ne andere schiene, aber wir können ja nicht das gesamte bildungs- und ausbildungssystem mal eben diskutieren.

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21.01.2010 - 01:11 Uhr
Digital_Data

Sorry Tipfehler, das sollte 1717 heißen.

Es sollte schon in der Grundschule starten, noch einmal die Frage, was macht ein Kind in der ersten Klasse, wenn es schon lesen kann ? Langweilen ? Die Gliederung nach der 4. Klasse ist sowieso Müll.

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MorbusBahlsen
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21.01.2010 - 01:23 Uhr
MorbusBahlsen

Ein hyperaktives, ein sensibles, ein stilles, ein geschicktes, ein lautes, ein leises Kind? Weiß nicht so genau. Wahrscheinlich lesen.

ThomasCrown
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21.01.2010 - 10:56 Uhr
ThomasCrown

Digital_Data sagte:
Sorry Tipfehler, das sollte 1717 heißen.

Es sollte schon in der Grundschule starten, noch einmal die Frage, was macht ein Kind in der ersten Klasse, wenn es schon lesen kann ? Langweilen ? Die Gliederung nach der 4. Klasse ist sowieso Müll.

Digital_Data


ich konnte in der ersten klasse lesen und hab von meiner lehrerin bücher (für 2./3. klasse) bekommen, während andere gelernt haben. so what? vielleicht war das zu deiner schulzeit einfach nur noch ein bißchen rigider, d_d.

Ioana
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21.01.2010 - 11:39 Uhr
Ioana

die weitaus tragischere frage ist doch eher: was macht ein kind wenn es in der 3. oder 4. klasse noch nicht richtig lesen kann.

Begunje62
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21.01.2010 - 15:56 Uhr
Begunje62

ThomasCrown sagte:

ich konnte in der ersten klasse lesen und hab von meiner lehrerin bücher (für 2./3. klasse) bekommen, während andere gelernt haben. so what? vielleicht war das zu deiner schulzeit einfach nur noch ein bißchen rigider, d_d.


ich denke das ist auch sehr stark vom lehrer abhängig. ich konnte auch lesen und schreiben vor der 1. klasse und wurde aber von der lehrerin 2 jahre nur fertiggemacht deswegen (ich hatte es eben nicht "auf ihre art" gelernt). dafür mache ich aber eher die lehrerausbildung als das schulsystem verantwortlich...

Tjenemit
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21.01.2010 - 16:08 Uhr
Tjenemit

das stimmt. dabei wird mir immer wieder klar, was für ungeeignete menschen lehrer werden. chirug, anwalt etc., die können ja menschlich von mir aus total inkopetent sein, wenn sie darüber hinaus ihre arbeit machen, aber lehrer? wird man sowas als notlösung und dann kotzt es einen bis zur pensionierung an? traurig...

MorbusBahlsen
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21.01.2010 - 16:17 Uhr
MorbusBahlsen

Naja, was macht ein Lehramtsstudent denn, wenn ihm sein Beruf nach einer Weile doch nicht mehr zusagt? Den nimmt doch keiner. Schuld ist seine komische Ausbildung. Fachlich halbfertig und pädagogisch schlecht ausgebildet. Von allem ein bisschen zu wenig.

Tjenemit
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21.01.2010 - 16:19 Uhr
Tjenemit

eben, kaum kontakt zu schülern vorm abschluss und dann das große erwachen. da gibt es ja bei den juristen im referendariat noch praktischere zeiten...

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21.01.2010 - 17:21 Uhr
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@MorbusBahlsen

Da triffst Du sicher einen ganz wichtigen Punkt. Weiß eigentlich jemand, wie das im Ausland läuft, also gibt es da auch Studium auf Lehramt ?

@Ilona

Da würde es natürlich helfen, wenn die Schüler nicht in starren Klassenverbünden wären, sondern z.B. kleinere Einheiten für die, die Schwierigkeiten haben, eine weitere kleinere Einheit für die Hochbegabten und größere Einheiten für die durchschnittlichen. In größeren Schulen wären das wahrscheinlich dann nur Shculklassen die je nach Fach anders zusammen gestellt sind.

Oder man müßte die Teamarbeit verstärken. Wahrscheinlich wäre es schon hilfreich, wenn einer, der mit einem Fach Schwierigkeiten hat einen Begabten neben sich hat, der ihm helfen kann. Der Sitzplan könnte ja durchaus von Fach zu Fach wechseln.

Über unseren Filmclub kriege ich immer wieder durch Filme so Sonderfälle mit. Da ist z.B. die körperlich Behinderte, im Elektrorollstuhl, sehr stark in der Bewegung eingeschränkt, die viel Hilfe braucht, dass übernehmen abwechselnd Klassenkameraden, die reißen sich um den Job richtig. Außerdem würden die wechselnden Sitzpläne dabei helfen die Grüppchenbildung zu reduzieren.

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MorbusBahlsen
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21.01.2010 - 19:59 Uhr
MorbusBahlsen

Als (damals noch, tm) guter Schüler wurde ich in der Grundschule immer neben Leute gesetzt die mich nicht leiden konnten, weil ich besser war. Hat mir nix und denen nix gebracht im Endeffekt.


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