Ein Liebesbrief
Text: absurda
Du schreibst mir, nach all den Jahren. Und als würdest du nicht wissen, wie ich sogleich vor mich hinmurmle: "Ist dir denn nichts besseres eingefallen?" beginnst du den Brief mit: "Wie gehts dir?"
Ich würde dir gern schreiben, wie es mir geht, wie es mir gegangen ist, die letzten zehn Jahre. Wie leer ich mich gefühlt habe, als du weg warst, und wie es geschmerzt hat, jeden Tag in der Brust, wie nie zuvor und wie niemals wieder. Ich würde dir gern schreiben, ja, es stimmt, es ist noch wahr, ich habe dich geliebt und du hast mich geliebt.
Denn trotz allem wissen wir das beide.
Ich würde dir gern schreiben, dass ich, wenn ich ein bißchen älter, ein bißchen erfahrener und ein bißchen weniger stolz gewesen wäre, nicht einfach aufgegeben hätte. Kurzum wäre ich heute in der gleichen Situation, würde ich für dich kämpfen. Weil ich weiß, dass es nur wenige, sehr sehr wenige Menschen gibt, in deren Augen ich mich wieder finden kann, und dass du einer davon bist. Weil ich weiß, dass wir uns beide niemals vergessen konnten und schließlich...
Du schreibst mir, dass du geheiratet hast und du fragst, was ich "so mache".
Ich bin glücklich, würde ich vielleicht schreiben. Manchmal belohnt einen das Leben ja, und ja, nach all dem Leid habe ich so vieles erreicht, das ich mir gewünscht hatte: Paris sehen, afrikanischen Boden berühren, aus dem Land rauskommen, viel schreiben und studieren. Und schließlich lebt an meiner Seite ein sensibler, feinfühliger, wunderbarer Mensch, der mich besser versteht, als ich es selbst kann.
Wir haben Pläne und Träume...
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"Das Leben ist weiter gegangen. Bitte melde dich nicht mehr. " schreibe ich.
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09.01.2010 - 18:37 Uhr
shirin80