|
3
|
2
|
Lesenswert
| 13.01.2010 00:47
kleiner thriller über einen deutschen thillerautor-mit einem grinsen!
Text: zwischenweltenwanderin
Heiligabend mit ThrillEr wachte ruckartig auf, im sicheren Bewußtsein, etwas eminent Wichtiges vergessen zu haben. Natürlich mußte er erst einmal einen Moment zu sich kommen, sich orientieren. Er lag zu Hause in seinem eigenen Bett, allein. Auf den Dächern gegenüber, die er vom Bett aus sehen konnte, lag eine dicke Schneemütze, es war schon hell. Hell? Blitzartig fiel es ihm ein: Er hatte verschlafen! Es war bereits 11.33 Uhr und Heiligabend! Die Geschäfte hatten nur noch zweieinhalb Stunden geöffnet. Aber warum war das so wichtig? Sebastian schwang die Beine aus dem Bett und setzte sich auf. Er überlegte. Sandra hatte ihm vor Wochen schon erzählt, womit er ihren Eltern an Weihnachten eine Freude machen konnte und er war brav losgetrabt und hatte den Weinatlas für ihren Vater und die neueste Opern-CD von Anna Netrebko für ihre Mutter besorgt. Beides lag wohlverpackt unter dem Baum. Der Baum war auch da, bereits geschmückt, den hatte er also nicht vergessen. Das Geschenk für Sandra war ebenfalls da. Sebastian fror. Er sollte sich vielleicht doch mal angewöhnen, wenigstens im Winter mehr als ein kurzes T-Shirt zum schlafen anzuziehen, Betonung auf „kurz“. Er stieg in die Jogginghose, die vor dem Bett lag, und schlappte in die Küche. Erstmal Kaffee. Beim Anblick der riesigen Kühl-Gefrier-Kombination fiel es ihm ein! Da drin ruhte es, das Desaster: ca. 4 Kg schwer, nackt, steinhart gefroren. Die Weihnachtsgans! Er hatte völlig vergessen, das Vieh aufzutauen. Und selbst wenn er sie jetzt noch aus dem Gefrierfach holte, dauerte es mindestens 24 Stunden, bis sie richtig aufgetaut war, viel zu lange! Er überlegte kurz, ob er sie im Ofen oder der Microwelle enteisen sollte, verwarf den Gedanken aber. Das Risiko war zu groß, am Ende einen Gummiadler auf den Tisch zu bringen, und das, wo er großspurig verkündet hatte, er würde dieses Jahr die Gans machen, ganz alleine, für Sandra und ihre Eltern, sie bräuchte sich um gar nichts zu kümmern. 11.51Uhr, noch zwei Stunden bis Ladenschluß. Sebastian pfiff auf den Espresso und zog sich in windeseile an. Schliesslich waren sie hier in der Hauptstadt und nicht in irgendeinem Dritte-Welt-Land, in dem die Läden permant durch die Abwesenheit käuflicher Güter glänzten. Beim dritten Fleischer, an dem er auf dem Weg in die City vorbeikam, prangte wenigstens nicht schon draussen am Fenster ein Schild, welches mitteilte, Gänse, Enten und Karpfen wären restlos ausverkauft. Sebastian betrat den Laden, der erstaunlich leer war. Das mochte daran liegen, daß die meisten Berliner ihre Gänse, Enten und Karpfen bereits in Topf oder Pfanne hatten. „Ich hätte bitte gerne eine Gans“ sagte er höflich zur Fleisch- und Wurstwaren-Fachverkäuferin. Die junge Frau hinter dem Tresen sah ihn groß an und machte den Mund auf. Es gluckste. Das Glucksen kam von der zweiten Verkäuferin, die sich nicht schnell genug im Griff hatte, ihr Gelächter zu unterdrücken. „Sie sind n Witzbold, wa?!“ dröhnte es aus dem Kühlraum, dessen Tür der Metzgermeister gerade schloß. „Nein, ich.... hören Sie, ich hab vergessen, unsere Gans aufzutauen, die wird niemals rechtzeitig fertig! Ich brauche eine Gans!“ haspelte Sebastian. „Na denn mal viel Jlück, Kumpel“ polterte der Metzger. „Vielleicht ham Se ja wirklich welchet und irjendeener hat seine Jans nich abjeholt... aber wie Se die finden solln, weeß ick och nich. Trotzdem frohet Fest!“ Sebastian stand wieder auf der Strasse. Wohin jetzt? KaDeWe! Noch anderthalb Stunden... Im Laufschritt hastete er von der Lietzenburger in die Ansbacher Strasse und stand fünf Minuten später am Seiteneingang des Kaufhaus Des Westens mit der vermutlich größten Lebensmittel-Feinkost-Abteilung Deutschlands. Normaler Weise war dieser Eingang eher ruhig, die meisten Leute betraten den Konsumtempel durch den breiten Haupteingang. Heute war es auch hier gerammelt voll und er musste sich durch eine Menge voll bepackter Menschen ins Innere schieben. Mit der Rolltreppe nach oben in den sechsten Stock, kurz umsehen und zielstrebig in die falsche Richtung rennen! Er verlief sich hier regelmässig. Als Sebastian endlich vor der leergeplünderten Verkaufstheke der Geflügelabteilung stand, verließ ihn kurz jegliche Hoffnung. Mutig fragte er dennoch bei dem Mädchen dahinter, auf dessen Namensschild groß „Auszubildende“ stand: „Bekomme ich bei Ihnen noch eine Gans?“ „Haben Sie vorbestellt?“ fragte sie geschäftsmässig zurück. „Nein...äh....vergessen....“ murmelte Sebastian. „Moment bitte, ich seh kurz nach“ sagte sie, ihren Kunden mit einem Hauch von Glücksgefühl stehen lassend. Immerhin war es kein Nein! Kurz darauf hörte er lautes Zetern von weiter hinten: „Nimmste die Finger da weg, Mädchen!? Die is für den Wowereit reserviert, der Chauffeur kommt die gleich abholen!“ „Aber ich dachte....“ „Nich denken, lesen! Da stehts dran: WO-WE-REIT! Und nu gehste nach vorne und sagst dem vergesslichen Herren, daß es Dir leid tut, Ende. Kapier ich nie, Weihnachten is jedes Jahr am selben Tag, wie kann man das vergessen?“ Sebastian wartete nicht ab, bis die Auszubildende wiederkam und ihn bedauerte, obwohl es ihm gefallen hätte, morgen die Gans von Klaus Wowereit zu essen. Er zog sein Handy aus der Tasche und wollte Haberland anrufen. Das machte er immer, wenn er nicht mehr weiter wußte. Aber wozu? Er hätte Haberland bitten können, vielleicht mit Hilfe von Tarzan, eine oder zwei Enten von seinem See zu fangen. Aber die Vorstellung behagte ihm nicht, den alten Mann samt fast blindem Hund bei der Kälte nach draussen zu jagen, obwohl er nicht recht wußte, ob ihnen Kälte viel ausmachte. Schliesslich hatte er die beiden nur erfunden. Kaum wieder draussen, quakte es laut „Jingle Bells“. Sebastian ignorierte es so lange, bis ein Teenager in teuren Hip-Hop-Klamotten ihn anraunzte: „Gehste jetzt vielleicht ma ran, Alter? Das nervt!“ Natürlich, das war sein Handy! Seine Managerin war ein echter Christmas-Junkie und hatte in einem unbeobachteten Moment via Bluetooth Donald Duck als Klingelton auf seinem 3G installiert. Unterdrückte Rufnummer, na toll, dachte er, ging aber trotzdem ran, schon damit Donald nicht mehr quakte. „Na endlich, Mann! Wollte dir frohe Weihnachten wünschen!“ tönte es aus dem Apparat. „Borchert? Benutzt du wieder dein Spezialtelefon oder warum seh ich deine Nummer nicht? Und danke für die Wünsche, aber froh werd ich diese Weihnachten nicht mehr, oder weißt du, wo ich jetzt noch ne Gans herbekomme?“ Borchert war der Mann mit den Beziehungen, der Mann, der jemanden kannte, der wiederum jemanden kannte, der Mann, der für seine Geschäfte im Notfall ein nicht zu ortendes Funktelefon besaß, abhörsicher natürlich. „Sebastian, du bist sooo witzig manchmal“ gröhlte Borchert. „Das ist nicht witzig!“ motzte Sebastian zurück. „Ich brauche eine Gans, verdammt nochmal!“ „Kein Scherz? Hm.... geht auch Ente? In Wilmersdorf gibt’s zwei Chinamänner, denen könnte ich mit etwas sanfter Überredung ein paar Peking-Enten aus dem Kreuz leiern, aber Gänse? Chinamänner machen keine Weihnachtsgänse....“ sinnierte Borchert. „Keine Enten“ sagte Sebastian „dazu passen meine Beilagen nicht!“ „Wo bist Du gerade? Ich hätte da ne Idee, ich sammel Dich ein.“ Sebastian sagte es ihm und knapp 15 Minuten später hielt ein schwarzer Porsche 911 genau an der Bushaltestelle vor dem KaDeWe. Darin hockte Borchert, dem anscheinend wie immer zu warm war. Er trug nur ein dünnes T-Shirt, allerdings passend zum Datum mit einem freundlich aussehenden Santa Claus bedruckt, der über Borcherts Bauch grinste. Darüber stand in Goldschrift: Nenn mich nie WEIHNACHTSMANN! Borchert wendete um den Wittenbergplatz und sie fuhren Richtung Charlottenburg. Dabei erzählte ihm Sebastian von der Panne mit dem 4-Kg-Eisklotz in seinem Gefrierschrank und das es das Desaster des Jahres würde, wenn dieses Essen mit Sandras Eltern schiefging. „Versteh ich nicht, dann eßt ihr den Vogel eben übermorgen. Wo ist das Problem?“ Das war wieder typisch Borchert! Aber woher sollte er auch von den hochsensiblen Vorbereitungen, den generalstabsmässigen Planungen wissen, die man anstellen mußte, wenn man mit seiner Freundin Weihnachten feiern wollte? Ihre Eltern, seine Familie, keiner sollte am Ende beleidigt sein. Borchert hatte keine Freundin und ausser einem Bruder, den er ab und zu verprügelte, auch keine Familie. Ich hätte ihm wenigstens ein nettes Familienmitglied schreiben sollen, als Ausgleich sozusagen, dachte Sebastian. Laut fragte er: „Wo fahren wir eigentlich hin?“ „Zu Onkel Erwin. Eigentlich heisst er Erwin Patschke und ist niemandes Onkel, soweit ich weiß, aber die Kinder in der Siedlung nennen ihn schon immer so. Er nimmt ihnen nie den Ball weg, wenn sie auf dem Rasen spielen und verjagt jeden Typen, der länger als nötig bei einem Kind stehen bleibt und da nicht hingehört. Und was länger als nötig ist, entscheidet Onkel Erwin. Ausserdem könnte er an ne Gans rankommen...“ grinste Borchert. Inzwischen fuhren sie auf der Kaiser-Friedrich-Strasse Richtung Jakob-Kaiser-Platz. Gerade als sie hinter dem Schloß Charlottenburg in den Tegeler Weg einbogen, quakte Donald wieder los. Borchert grinste noch breiter, Sebastian drückte auf die Annahme-Taste. „Sag mal, wo bist du denn?“ wollte Sandra wissen. „Hallo Sandra! Ich bin nur schnell mit einem Freund unterwegs, wir müssen noch ganz dringend was erledigen...ähm....ja!“ wich er aus. „Aber um 18.00 Uhr bist du hier, ja? Vergiß nicht, wir wollen doch ins Theater!“ „Aber sicher, Schatz, gar kein Problem. Bis da hin bin ich läääängst bei dir“ versuchte Sebastian nicht nur sie, sondern auch sich selbst zu beruhigen und legte auf. „Geiler Klingelton, Alter!“ gröhlte Borchert. „Geschmackvolles Shirt, Alter!“ konterte Sebastian. Borchert sah an sich herunter und beide prusteten los. Hinter dem Jakob-Kaiser-Platz fuhren sie auf den Kurt-Schumacher-Damm, bogen kurz darauf in den Heckerdamm ein und landeten in einer Kleingarten-Kolonie mit Namen „Olympia“. „Da sind wir schon“ sagte Borchert „und da vorne steht schon Onkel Erwin!“ Er winkte einem etwa sechzigjährigen Mann, der eine gewisse Ähnlichkeit mit Tom Gerhard hatte, wenn er den „Hausmeister Krause“ im Fernsehen gab. Zumindest trug er so einen grässlichen Hut. Borchert parkte neben Onkel Erwin in zweiter Spur und nach einer kurzen, allgemeinen Begrüßung, zog der Onkel, der keiner war, einen verschnürten Jutesack aus dem nächstliegenden Gebüsch und stellte ihn Sebastian vor die Füße. Der Sack bewegte sich hektisch, schnatterte wütend und quakte. „Die lebt ja noch!“ Sebastian war entsetzt. „Jungchen, seh ick aus wie´n Supamarkt? Klar lebt die noch, wat haste erwartet? Schön jerupft und in Folje vapackt oda wie?!“ fragte der Onkel. „Woher haben Sie...“ „Das willst du gar nicht wissen“ sagte Borchert schnell. „Will ich nicht?“ „NEIN!“ „Also wat is nu?“ fing Erwin wieder an. „Willste den Braten nu haben oda nich? Jibt noch andere Interessenten, weeßte?!“ „Wir nehmen ihn“ Borchert schnappte sich den Sack und verfrachtete ihn auf die Rückbank, ohne Sebastian weiter zu beachten, der vor seinem inneren Auge ein Blutbad in seiner Badewanne vor sich sah. Er bekam auch nicht mit, wie ein 10-€-Schein nebst einer Flasche Weizenkorn den Besitzer wechselte und hörte durch den startenden Motor bloß noch, wie Erwin hinter ihnen her brüllte: „Sie heißt übrigens Agathe!“ „Mußte das sein? Mußte uns der nette Onkel auch noch sagen, wie das Vieh heißt?“ meckerte Sebastian auf der Rückfahrt. Das „Vieh“ Agathe schnatterte permanent von der Rückbank. „Jetzt stell dich nicht so an! Du hast keine Hemmungen, in Deinen Thrillern alten Damen einen Kugelschreiber ins Auge zu stechen oder kleine Jungs aus Krankenhäusern zu kidnappen und was weiß ich noch alles, und jetzt machst du einen Aufstand wegen dem Vogel?“ brummte Borchert. „Normaler Weise habe ich keine Ahnung, wie mein Essen heißt und ich muß es auch nicht persönlich abmurksen“ schimpfte der brutale Thrillerautor. „Na wenns weiter nichts ist! Weißt du, wo Anna Spiegel steckt? Ruf die an, die macht das garantiert. Gab es da nicht mal so eine Geschichte mit einem Hund und einem Baseballschläger?“ fragte Borchert genervt. „Das kommt ja überhaupt nicht in Frage!“ fuhr Sebastian auf. Es gab Menschen, von denen wollte man nur eines wissen, nämlich, daß sie irgendwo waren, nur nicht hier. Anna Spiegel war so ein Mensch. Je weniger man wußte, desto besser! „Tja, wie auch immer, wir sind da“ sagte Borchert und parkte abenteuerlich vor Sebastians Haus. „Sag mal.... könntest du nicht vielleicht...?“ druckste dieser herum. „Nee! Das mach du mal.Ich habe dir ja gerne geholfen, aber jetzt muß ich mal los, es ist nämlich Weihnachten, weißt du?“ Sprachs, reichte den Sack aus dem Fenster und gab Gas. Sebastian winkte ihm hinterher und hoffte, daß Borchert das im Rückspiegel gesehen hatte. Der Jutesack in seiner Hand zappelte nur noch leicht, vermutlich war Agathe müde von der ganzen Zeterei. In seiner Wohnung angekommen, stellte er den Sack, vorsichtig, in die Badewanne und setzte sich auf die Toilette. „Was mach ich denn jetzt mit Dir?“ fragte er. „Quak!“ kam es matt aus der Wanne. Sebastian ging in die Küche und holte ein flaches Zedernholzkästchen aus dem Schrank. Seine Auslandsagentin hatte ihm, zum Erscheinen eines seiner Thriller in Japan, so ein nobles, höllisch scharfes Küchenschwert geschenkt, das er noch nie benutzt hatte, aus Angst um seine Finger. Jetzt öffnete er das Kästchen, nahm das Messer heraus und wog es in der Hand. Da er in jedem Zimmer einen Laptop stehen hatte, natürlich auch in der Küche. Er fuhr ihn hoch und gab nach einigen Minuten „Gans schlachten“ bei GOOGLE ein. 26.300 Ergebnisse in 18 Sekunden, wow, es lebe die moderne Informationswelt, dachte er. Das Wichtigste war, dem Tier schnell das Genick zu durchtrennen, damit es nicht leiden mußte. Wo war bei Gänsen ein Genick? Gab es da eine Schemazeichnung? Es gab sogar Farbfotos! Sebastian sah gar nicht richtig hin. Sei es drum, er hatte hier ein Hatsumoto 3000, das Kawasaki unter den Henkers-Küchenmessern, er würde das jetzt hinter sich bringen! Wer einen ukrainschen Türsteher-Mafioso dazu bringen konnte, seine ungeliebten Mitbürger mit rostigen Blumenscheren zu bearbeiten, konnte ja wohl einen sauberen Schnitt mit einem noch jungfräulichen Scharfrichtermesser ausführen! Für Agathe nur das Beste! Zielstrebig stapfte er zurück zum Badezimmer, schnappte sich den Sack und öffnete die Verschnürung. Das Hatsumoto ging durch den Kabelbinder wie durch Butter. Agathe steckte den Kopf aus dem Sack, blinzelte ihn mit ihren schwarzen Knopfaugen an... „Quaaak?“ „Och neeeeeee! Okay, das war´s, ich will aussteigen!“ schrie Sebastian und ließ das Mordinstrument auf die Badematte fallen, wo es stecken blieb. Zurück in der Küche fand er nach hektischem Suchen drei Dosen Ravioli, immerhin von ERASCO! „Na bitte! Prima! Das erste Weihnachtsessen mit Sandras Eltern, Kerzenlicht, Opernstars, die 'Stille Nacht' schmettern, das teure Porzellan, Kristallgläser und Dosenravioli! Sie werden mich lieben, klar doch!“ schimpfte er lautstark vor sich hin. „Und wenn sie mal ins Bad müssen, werde ich was von 'unzumutbaren Verhältnissen' murmeln, leider, leider... weil in meiner Wanne ihr Braten sitzt und sie noch anguckt! Ich erschieß mich!“ Zu allem Überfluß war es inzwischen schon fast 16.00 Uhr. Sandra wäre in gut anderthalb Stunden da und er hatte keine Ahnung, wie er ihr das alles erklären sollte. Kurz überlegte er, ob ein Wohnungsbrand, ausgelöst durch den Weihnachtsbaum, seine Probleme beheben würde. Diesen Gedanken verwarf er aber schnell, er hing an seiner Wohnung. Ausserdem hatte sein Baum Sicherheits-Elektrobeleuchtung. Sebastian ließ etwas Wasser in die Wanne laufen, holte das asiatische Küchenwunder und hackte damit den Endiviensalat in Streifen. Den brauchte er sowieso nicht mehr, denn das Endivienbett, auf dem die honigglasierte Weihnachtsgans ruhen sollte, würde heute ja nicht mehr gemacht werden. Gänse fraßen Salat, hatte er bei „Hundkatzemaus“ gesehen, und Agathe hatte garantiert Hunger. Die Gans Agathe schnatterte leise und zufrieden in seiner Philippe Strarck-Badewanne und schnappte nach dem Salat, als es läutete. Sandra! Jetzt schon? Sebastian machte die Badezimmertür zu und drückte auf den Summer. Es klopfte, sie war also schon oben. Er öffnete die Tür und vor ihm standen Haberland und Tarzan, Borchert und Onkel Erwin, die „Jingle Bells“ schmetterten und sich dabei anhörten wie Donald Duck, kurz vor einem Hysterieanfall. Konnte es eigentlich noch schlimmer kommen? Nein, entschied er, jetzt ist Feierabend! Mit einem: „Tut mir wirklich leid, Jungs!“ wollte er die Tür wieder zumachen, aber das Ding bewegte sich kein Stück. Sebastian drückte dagegen und kämpfte mit seiner Wohnungstür und... ... fiel dabei fast aus dem Bett! Er war schlagartig hellwach, auch wenn er die „Jungs“ immer noch singen hörte, aber nicht vor seiner Tür sondern dicht neben ihm. Verdammtes Handy! Er tastete danach, erkannte Sandras Nummer. „Hhmpf....“ „Tut mir leid, hab ich dich geweckt? Ich hab schon mal angerufen, ich habe gestern meinen Ring auf dem Waschbecken vergessen. Ich komm schnell hoch und hol ihn, ja? In fünf Minuten bin ich da...“ plauderte sie munter und hatte schon wieder aufgelegt. Sebastian stieg in seine Jogginghose und schlappte schlaftrunken in die Küche. Erstmal Kaffee. Da lag sie: groß und prächtig und wunderbar aufgetaut auf dem Abtropfbrett: die Weihnachtsgans! „Agathe“ murmelte Sebastian grinsend und schaltete die Kaffeemaschine an. Dann hörte er den Schlüssel im Schloß und Sandra, die erst ins Bad lief um ihren Ring zu holen, bevor sie zu ihm kam. „Oh toll, Kaffee! Ach guck mal, das lag in deiner Badewanne“ sagte sie und hielt ihm eine weiße Gänsefeder vor die Nase. Naaaa, welcher deutsche, nicht gänzlich unbekannte , Thrillerautor ist hier wohl gemeint? ![]() P.S. Ich weiß, ich seh furchtbar aus....das war die Rache des Fotgrafen, weil ich ihm mein murkliges Handy zum fotografieren gab ;)
Neue Texte zum Label 'Lesenswert':
Textoptionen
Mehr Texte
von zwischenweltenwanderin
Alle Texte
zum Label Lesenswert
Abonnieren:
Kommentare
oder
Texte von zwischenweltenwanderin
Kommentare
![]()
![]()
![]() Kommentar schreiben:
Kommentar >> speichern
|
||||||||||||||||||||||||||
0
Du hast schon abgestimmt Du hast schon abgestimmt Den Kommentar möchte ich melden