Butterblumen
Ich erinnere mich an den Tag, an dem du losgezogen bist, um Butter zu kaufen, für den Kuchen, den ich dir backen wollte. Wenn man aus dem Küchenfenster in den Hof sah, hörte man die Birkenblätter singen und in dem alten Backsteinhaus gegenüber brannte schon Licht. Es war ein lauer Sommerabend, die Mücken liebten meine seidene Haut und ich liebte das Leben. Der schwarz lackierte Küchenstuhl hatte schon ein wenig Farbe verloren. Ein weißes Tischlein für zwei, die Obstschale aus Frankreich und dein Aschenbecher am Fensterbrett. Ich habe die Wände mit Vokabeln tapeziert. Nominativ, Genitiv, Dativ --- da standst du wieder vor mir, hinter einem blumigen Sofa für vier."Schau mal, was ich für uns gefunden habe!"
Wir haben dann die Wohnung umgekrempelt, Kommoden verschoben und Bücher sortiert. Das Sofa stand von da an in der Mitte des Raumes und mit einer bunten Decke merkte man die abgewetzten Stellen gar nicht. Wir begannen auch gleich aufzuräumen und zu putzen, bis wir uns erschöpft und zufrieden an einander klammerten.
"Was wolltest du eigentlich kaufen?" habe ich da gefragt.
Im Eifer des Gefechts hatten wir auf die Butter vergessen.
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