Der Song des Jahrzehnts: "Seven Nation Army" von den White Stripes
Der jetzt-Kosmos hat über die beliebtesten Songs des vergangenen Jahrzehnts abgestimmt. Erst wurden Jahressieger ermittelt und anschließend traten diese zehn Songs gegeneinander an. Seit dieser Woche ist klar: Der Song des Jahrzehnts ist für den jetzt-Kosmos „Seven Nation Army“ von den White Stripes. Eine Würdigung
Es ist eine von Anton Bruckners fünfter Sinfonie entlehnte Melodie, die das Fundament für die weltberühmte Basslinie bildet, die von einer runter gestimmten Gitarre mantrahaft wiederholt wird. Nach jedem Vers werden verzerrte Bottleneck-Gitarren aufeinandergeschichtet, die das Thema aufgreifen und die Balance aus Pop und Härte schaffen. Jack White singt dazu, dass selbst eine Armee aus sieben Nationen ihn nicht aufhalten könnte. Diese titelgebenden sieben Nationen sind übrigens ein Bild aus der Kindheit des Sängers. Als kleiner Junge dachte er, der Name der Heilsarmee („Salvation Army„) sei „Seven Nation Army“.
- Der gecastete Jesus 24.05.2012
- Sorry, ich hab' einen Freund... 21.05.2012
- Gema in gerecht 21.05.2012
- Die Zukunft des Horst Seehofer 15.05.2012
- Das ABC zu NRW 11.05.2012
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Die White Stripes sind wie The Kills, Dresden Dolls auch die ideale Kult-Formation: ein Duo. Und Duos haben schon immer Musikgeschichte geschrieben: Lilian Harvey & Willy Fritsch, Frank & Nancy Sinatra, Eurythmics, Roxette. Das passt schon so. Es gibt Schlimmeres, das in 30 Jahren auf den Partysamplern landen könnte.
Am nächsten dran ist im Moment nach meinem empfinden Mike Oldfield - Moonlight Shadow.
Ab 0:15 genau hin hören, dass ist schon so nah dran, dass man eine Eigenständigkeit absprechen muss. Insofern bin ich wieder etwas beruhigt, dass ein Stück in den Nullern gewonnen hat, dass seine Ursprünge wohl in den frühen 80ern hat ;-).
Digital_Data
eisengrau sagte:
Seh ich auch so. Eben typisch für seine Epoche. Bewusst Lo-Fi, rotzig, ein klein bisschen jammerig, androgyn und energiegeladen.
Ganz genau! Und es ist - sehr wichtig - grölbar.
Wiederum typisch für die Epoche.
coolfire sagte:
eisengrau sagte:
Seh ich auch so. Eben typisch für seine Epoche. Bewusst Lo-Fi, rotzig, ein klein bisschen jammerig, androgyn und energiegeladen.
Ganz genau! Und es ist - sehr wichtig - grölbar.
Wiederum typisch für die Epoche.
naja, Gröhlbares war auch schon immer ganz vorn. Von "Die Fahne hoch" bis "Na na na na, hey-hey-hey, goodbye!". Das würde ich jetzt nicht als typisch für das letzte Jahrzehnt sehen. :-)
1990: RHCP - Give It Awy
1991: Nirvana - Smells Like Teen Spirit
1992: RATM - Killing In The Name (Oh Du fröhlichehe...)
1993: Lenny Kravitz - Are You Gonna Go My Way
1994: Blur - Boys And Girls
1995: Oasis - Wonderwall (Ich kann den Song nicht mehr hören, aber OK.)
1996: Skunk Anansie - Weak
1997: Foo Fighters - Everlong
1998: The Smashing Pumpkins - Ava Adore
1999: Placebo - Every Me, Every You (eigentlich schon '98, aber erst richtig mit dem Eiskalte-Engel-Soundtrack durchgestartet)
Das ist übrigens nur der erste Entwurf und wie man sieht, habe ich den deutschen HipHop, US-Rap, Techno etc. noch erstmal rausgelassen und mich nur auf (seinerzeit) alternativen Krach konzentriert. Wenn man das nicht tut, brechen nämlich alle Dämme: Dann kommen noch so Sachen wie The Prodigy oder Metallica mit ins Spiel, da müßte man für jedes Genre eine eigene Liste backen...
Grüße,
Don
donrazzi sagte:
da müßte man für jedes Genre eine eigene Liste backen...
um dein beispiel aufzugreifen, 1991 kamen nirvanas "smells like teen spirit", public enemys "apocalypse '91" und guns'n'roses "use your illusion" raus, die man zwar nicht alle top finden muss, die aber im jeweiligen genre durchaus meilensteine waren.
Überhaupt finde ich rückblickend, die 90er waren das Jahrzehnt, in dem ewige Nostalgiker versucht haben, einen Gitarrensound künstlich am Leben zu halten, der damals schon alt aussah gegenüber der neuen, v.a. elektronischen Musik. The Prodigy waren da schon ein gutes Stichwort.
Aber jedes Jahrzehnt wird aus einem gewissen zeitlichen Abstand heraus verklärt, von denen, die in diesem Jahrzehnt 16 oder17 waren. Der ist halt bei den 00ern noch nicht vorhanden, kommt aber sicher noch.
eisengrau sagte:
Überhaupt finde ich rückblickend, die 90er waren das Jahrzehnt (...)
Aber jedes Jahrzehnt wird aus einem gewissen zeitlichen Abstand heraus verklärt, von denen, die in diesem Jahrzehnt 16 oder17 waren.
ja, und? :)
alcofribas sagte:
ja, und? :)
Nichts und. :-)
Ich sage nur, man kann nicht behaupten, die 90er seien musikalisch besser gewesen als die 00er, schon gar nicht in punkto Rock. Aber es gibt eben viele Leute, so um den Jahrgang 1980, die ihre Jugenderinnerungen damit verbinden. Es wird auch welche Jahrgang 1990 geben, die genauso von diesem Jahrzehnt schwärmen werden.
eisengrau sagte:
Lenny Kravitz war doch unsäglich. Aufgewärmter 70er-Jahre-Eintopf. Und Skunk Anansie fand ich auch nur gepflegten Manierismus. Viel Gefrickel, keine Energie.
War ja auch nur als Beispiel gemeint. Im Prinzip ist aber jeder der Songs, die ich genannt habe, in seinem Jahr durch einen anderen ersetzbar. Nur wollte ich Doppellungen bei den Bands vermeiden.
Überhaupt finde ich rückblickend, die 90er waren das Jahrzehnt, in dem ewige Nostalgiker versucht haben, einen Gitarrensound künstlich am Leben zu halten, der damals schon alt aussah gegenüber der neuen, v.a. elektronischen Musik. The Prodigy waren da schon ein gutes Stichwort.
Du kannst doch nicht ernsthaft versuchen, die musikalische Innovationen an der Instrumentierung festzumachen! Wenn Du so rangehst, waren zweihundert Jahre klassiche Musik Einheitsbrei und Aufguß. Da hast Du dann aber eine Bandbreite von Mozart bis Schönberg.
Mir ist durchaus bewußt, daß die einzige Innovation in der Rockmusik der Neunziger eigentlich Grunge und damit das Ende des überhöten Startums ist. Aber wenn's jetzt nur rein um die Technik ginge, müßte man knallhart sagen, daß seit 1968 stillstand herrscht.
Ausserdem: Ich habe ja durchaus geschrieben, daß man eine solche Liste für jedes Genre machen könnte, bei der Elektronik stünden bei mir (reinsubjektiv) dort dann The Prodigy, Air, Chemical Brothers, Fatboy Slim, Propellerheads und Massive Attack. Ich sehe aber nicht, daß es in den 00ern irgendein musikalisches Schwergewicht wie The Prodigy gibt. Ist zwar nicht ganz meine Musik, aber seinerzeit so Über-Innovativ gewesen...
Aber jedes Jahrzehnt wird aus einem gewissen zeitlichen Abstand heraus verklärt, von denen, die in diesem Jahrzehnt 16 oder17 waren. Der ist halt bei den 00ern noch nicht vorhanden, kommt aber sicher noch.
Das ist richtig - und ich habe lange darüber gegrübelt, ob das nur meine subjektive Wahrnehmung ist, oder ob die letzten Jahre tatsächlich so dürftig waren. Dann habe ich mir mal die Headliner der großen Festivals der letzten Jahre angesehen: Natürlich findet man dort auch viele Bands, die erst kürzlich groß geworden sind, aber insgesamt läßt sich eine Dominanz von älteren Bands feststellen. In den Neunzigern war das anders: Die 80er waren mausetot und dementsprechend die Plätze auf der Center Stage frei...
alcofribas sagte:]http://news.bbc.co.uk/2/hi/entertainment...
[link=http://news.bbc.co.uk/2/hi/entertainment...
Ach, du scheiße, was für eine grausame Liste.
donrazzi sagte:
Du kannst doch nicht ernsthaft versuchen, die musikalische Innovationen an der Instrumentierung festzumachen! Wenn Du so rangehst, waren zweihundert Jahre klassiche Musik Einheitsbrei und Aufguß. Da hast Du dann aber eine Bandbreite von Mozart bis Schönberg.
Doch, genau das war das Revolutionäre, dass man mit der 40jährigen Tradition aus Riff, Strophe, Refrain und Solo gebrochen hat und quasi eine Art "primitive" Musik benutzte, sich in Ekstase zu tanzen. Genau wie Punk in den 70ern mit dilettantischem Gitarrengeholze gegen die bombastisch instrumentierten Psychedelic-Bands revoltiert hatte.
donrazzi sagte:
Mir ist durchaus bewußt, daß die einzige Innovation in der Rockmusik der Neunziger eigentlich Grunge und damit das Ende des überhöten Startums ist. Aber wenn's jetzt nur rein um die Technik ginge, müßte man knallhart sagen, daß seit 1968 stillstand herrscht.
Die Veränderungen vollziehen sich auf anderer Ebene: Der Computer und die neuen Möglichkeiten der Aufnahmetechnik machen teure Studios und Teamarbeit in der Band überflüssig, daher gibt es heute sehr viel mehr Raum für Einzelmusiker als früher. Und es wird mehr gesampelt und gebastardet als je zuvor.
donrazzi sagte:
Das ist richtig - und ich habe lange darüber gegrübelt, ob das nur meine subjektive Wahrnehmung ist, oder ob die letzten Jahre tatsächlich so dürftig waren. Dann habe ich mir mal die Headliner der großen Festivals der letzten Jahre angesehen: Natürlich findet man dort auch viele Bands, die erst kürzlich groß geworden sind, aber insgesamt läßt sich eine Dominanz von älteren Bands feststellen. In den Neunzigern war das anders: Die 80er waren mausetot und dementsprechend die Plätze auf der Center Stage frei...
Hm. Muss ich noch drüber nachdenken. Schreib ich vielleicht im neuen Jahr was dazu.
eisengrau sagte:
Doch, genau das war das Revolutionäre, dass man mit der 40jährigen Tradition aus Riff, Strophe, Refrain und Solo gebrochen hat und quasi eine Art "primitive" Musik benutzte, sich in Ekstase zu tanzen. Genau wie Punk in den 70ern mit dilettantischem Gitarrengeholze gegen die bombastisch instrumentierten Psychedelic-Bands revoltiert hatte.
Na, so neu ist das auch nicht - einige indigene Bevölkerungen machen sowas schon seit Jahrtausenden. Aber auch in der westlichen Pop-Musik gibt's einfache, tanzbare Beats und den Hang zum Minimalismus schon seit der Disco-Bewegung der 1970er. Die der heutigen Elektro-Musik zugrundeliegenden Synthesizer gehen dabei auf Forschungen und Experimente an diversen Musikhochschulen in den 1950er/60er Jahren zurück. Aber die Initialzündung ist natürlich die Verbreitung der Computertechnik ab den späten 1980er Jahren.
Nein, vielleicht sollte ich lieber mal ein paar Kernthesen aufstellen:
1. Die Nullerjahre sind in der (gehobenen) Popmusik sehr stark durch ihre beiden Vorgängerjahrzehnte dominiert.
2. Die Neunziger waren zwar nicht unbedingt innovativ, aber extrem vielseitig (Grunge, Techno, Dance, Rap und diverse Crossover).
3. Jugendliche, die in den 00er-Jahren aufgewachsen sind, können ohne Probleme auf die Musik der Vorgängerjahrzehnte zurückgreifen. Dieser Fundus ist enorm.
4. Hierdurch wird insgesamt der Innovationsdruck aus der Musik genommen: Weil bereits so vieles ausgelotet worden ist, braucht man nicht wirklich viel neue Musik. Da daneben noch viele Musiker der Vorjahrzehnte aktiv sind, entsteht dieser Druck auch nicht bezüglich Live-Performances.
Wenn man die 90er anschaut, so sind doch gerade da die Garage, bzw. Alternativ-Rock-Bands entstanden. Wie sie alle heißen. Die spielen alle heute noch. Insbesondere Ende der 90er auf der Insel. Hives, Radiohead und wie sie alle heißen.
Wenns hier nur um "Innovation" der Rockmusik geht, sehe ich eher die 90er als ausschlaggebend dafür an. Viele Bands wurden hier gegründet, die erst in den 00ern zum Erfolg kamen, oder?
Ich sehe es persönlich so :
"Früher" (fängt schon gut an, hihi :) ) hörte man entweder Schlager oder Jazz, Heimatmusik oder Rock n Roll, Schlager oder Rock, Psy.-Rock oder Punk, Punk oder Disco usw. ... aber heute hast du in einem Jahrzehnt, welches schon in den 90ern begann, soviele von verschiedenen Musikrichtungen, dass man manchmal wahnsinnig wird, wenn einer einen in eine "Musik-Schublade", stecken will. Alleine die Millionen Formen von Rock Musik.
Wirtschaftlich gesagt : Der Markt ist übersättigt von Musikrichtungen.
Das da keine mehr hinaussticht wie früher ist dabei leider klar. Man kann sich nämlich nicht mehr abgrenzen wie früher (60er ... mit Rock (Beatles, Hendrix und wie sie alle hießen), oder 50er mit Rock n Roll ect.) weil schlichtweg die Grenzen ineinander fließen. Leider würd ich sagen.
Vielleicht wurd auch deswegen, um Back to Topic zu kommen, Seven Nation Army zu dem Song des Jahrzehnt gewählt, weil es soviele Cover davon gibt (wie im Text zu lesen) und eine Eingrenzung dadurch nicht von nöten ist.
Wie dem auch sei, Zweimann, pardon, Zweipersonenbands wurden hier schon einige genannt (Dresden Dolls ect.), ich empfehle noch "The Black Keys" (dreckiger Garagen-Blues-Rock) und natürlich "Blood Red Shoes".
Das ist alle meine Meinung, jetzt könnt ihr mich zerfleischen.
Schönes Neues zusammen :)
Die_Eintagsfliege sagte:
Damdam, ich schalt mich mal frecherweise ein ...
Wenn man die 90er anschaut, so sind doch gerade da die Garage, bzw. Alternativ-Rock-Bands entstanden. Wie sie alle heißen. Die spielen alle heute noch. Insbesondere Ende der 90er auf der Insel. Hives, Radiohead und wie sie alle heißen.
Wenns hier nur um "Innovation" der Rockmusik geht, sehe ich eher die 90er als ausschlaggebend dafür an. Viele Bands wurden hier gegründet, die erst in den 00ern zum Erfolg kamen, oder?
Ja, erfolgreich sind die heute alle schon, aber innovativ waren sie nicht, wie überhaupt in den 90ern in punkto Rockmusik überhaupt nichts innovativ war. Tut mir leid, wenn ich da ganz entschieden dagegen halten muss.
Die Briten haben eigentlich nur die Kinks kopiert und die Amis Minor Threat. Ein paar Postrock-Bands wie haben sich in die 70er zurückgeflüchtet, und die HC/Metal-Szene begnügte sich mit der Leistung, Rap und Gitarren zusammenzubringen (z.B. Clawfinger, Megavier). Gab ja auch genug her für die ersten 20 Crossing-All-Over-Sampler.
Wenn es in den 90ern Innovation gab, dann allenfalls durch die Elektroniker, die das Prinzip "Song" abgeschafft und durch "Track" ersetzt haben. Bezeichnenderweise gab es Ende der 90er auch mal einen Artikel mit einem Acid- Veteranen in der SZ, mit dem Titel: "Wir töteten Rock'n'Roll"
02.01.2010 - 10:44 Uhr
eisengrau
02.01.2010 - 10:48 Uhr
eisengrau
In dem Sinne hast du natürlich recht, das viele Bands auch hätten in den 60ern und 70ern gespielt haben könnten, welche heute Erfolgreich sind.
Ok, somit richtig, deine These. Wobei ich nicht von "kopieren" sprechen würde.
Also ist Innovativ nur Grunge (vielleicht auch Lo-Fi, aber ist weniger bekannt) und die Nu-Metal / Crossover -Szene, wobei es die ja auch schon zu Teilen in den 80ern gab.
Aber wie ich schon sagte : Was heißt hier "nur"? Es gab damals schon zig Musikrichtungen. Da was Innovatives zu finden, ist schwierig. Wie auch?
Und die Massen bewegen, wie einst der Jazz, Rock n Roll, Rock, Punk ect. ging auch nicht, schlichtweg weil es zu viele Musikgeneres gibt, an die schon viele Hörer gebunden waren. (Neben den Sozial-Gesellschaftlichen-Situationen in den Jahrzehnten, die aber mal aussen vor gelassen werden)
Auch die Rückkehr zu dem 60er und 70er Rock-Sound in diesem, bzw. jetzt vergangenen Jahrzehnt, ist nur der Versuch, etwas zu finden, um sich in irgend einer Weise von der Musik der Jahre zuvor abzugrenzen. Muss ja ein begehren nach der (alten) Musik, nach dem alten Sound gegeben haben, vielleicht auch mit dem Hintergedanken an die "Revolutionäre" Zeit damals und der, nunja, platt gesagt, Sehnsucht danach. Denn eines ist ganz klar : Jede Generation versucht sich von seiner Vorgängergeneration und vorallem von der Elterngeneration abzugrenzen.
Ach, alles schwierig zu diskutieren, dafür macht es ein heiden Spaß mit euch :)
Darüber, über Musikgenere und -generationen und Jugendkultur, darüber sollte die SZ mal nen ausführlichen Bericht schreiben.
Weniger zum lesen, sondern zum anschließenden diskutieren :)
Cheers!
02.01.2010 - 13:11 Uhr
Die_Eintagsfliege
Abgrenzung hat es in den 90ern eigentlich nur durch die elektronische Musik, Techno ect. gegeben, evtl. auch vom Rap, richtig. Weil es schlichtweg "Neu" (zumindest Massentauglich) war.
Wollte das nochmal erwähnen, bevor die einzelnen Lobbys einspringen. :)
Es ist halt immer die Frage, ob man die Vorgänger nur abkupfert oder was wirklich Eigenes draus macht, das sich nicht nur in einem immer wiederkehrenden computergenerierten "Sound" äußert, sondern auch mal in eigenen, unverwechselbaren Strukturen wie z. B. bei Tool oder den Neubauten. Und da ist im letzten Jahrzehnt meiner Ansicht nach erschreckend wenig an die Oberfläche gekommen.
Ich sage nicht, dass es das nicht gibt, aber es hat es schwer, sich gegen die Strömungen der bloßen Kopien von Kinks, Led Zeppelin etc etc etc durchzusetzen. Im Internet gibt es da ja viel zu entdecken ... aber schade, dass solche Perlen dann beim breiten Publikum keine Chance haben gegen Grölsongs wie Seven Nation Army.
Die Prägungsphase mit so um die 17 stimmt zwar, wir hatten alle in der Schule unsere Bands die uns prägten, Sweet, auch Abba, die sicher sehr innovativ waren, Status Quo (Rockin all over the World, als kommerzielles Beispiel) oder Uriah Heep (Lady in Black 'Ahaha aha wurde teilweise von mehreren in der Schule als Rafrain dauernd angestimmt, so populär war das, evtl. auch ein Song des Jahrzehnts). Übrigens viele aus dieser Zeit hatten Bands zu ihren Idolen gewählt. Trotzdem gilt für fast alle die in den 70er Teens waren die 80er-Zeit als die beste Musikzeit und wir sind kaum geprägt. Wir hörten Pop, Rock, Disco, Hardrock aber auch so Sachen wie Marianne Rosenberg oder Udo Jürgens. Und auch damals gab es Innovation, wie z.B. Sailor (Girls, Girls, Girls) mit einem metalischen Klavierinstrument, dass die Gruppe extra baute, oder Showwaddywaddy (When oder I Wonder Why) mit kanonartigem Männerchor und auch Abba, die heute selbst bei Popgrößen als eine Band gelten, die die Musikwelt nachdrücklich veränderte.
Nehmen wir mal die 70er:
"Waterloo" Abba
"Lady in Black" Uriah Heep
"Rockin all over the World" Status Quo
"We will Rock You", "We are the Champions" von Queen
"Ballroom Blitz" von Sweet
"Music" von John Miles
"Live and let die" von Paul McCartney
"Yes Sir I can Boogie" von Baccara
"Riverss of Babylon" von Boney M.
"Don't bring me down" von E.L.O.
"Grease" als Filmmusik
"TNT" und "Highway to Hell" von ACDC
"The Wall" von Pink Floyd
"Smoke on the Water" von Deep Purple, was nun wirklich ein genialer Riff ist, gegen den Seven Nation Army nur so abstinkt
Niemand würde auch nur in Frage stellen, wenn einer dieser Hits zum Hit des Jahrzehntes werden würde und diese Liste ließe sich beliebig fortstezen. Dabei erscheint es nicht, dass durch die Breite der Liste die Wichtigkeit leidet. "Waterloo" erscheint genauso wichtig wie "Live and let die" oder "We will rock you" oder "Bohemian Rapsody" um noch ein innovatives Beispiel zu nennen. Man tut sich selbst schwer innerhalb der einzelnen Gruppen den Dominator zu finden, da "We will Rock You" gleich hoch neben "Bohemian Rapsody" steht, wie "Waterloo" neben "Dancing Queen" steht.
Die 80er zeichnen sich durch eine unglaubliche Breite der Musikrichtungen aus, die selbst in die heutige Zeit strahlt: "Neue deutsche Welle" oder "Foreigner" mit ihrem metallischem Kanada-Rock oder Musikfilmen (Flashdance, Footloose, Berverly Hills Cop, La Boom) sind nur drei der Themen und trotzdem schaffte es ein junger Michael Jackson nebenbei "King of Pop" zu werden. Eines darf allerdings gerade in diesem Zusammenhang nicht übersehen werden. Anfang der 80er ohne Privatsender und Internet hörten wir das, was im Radio/Fernsehen "durchkam" oder in der Disco gespielt wurde. Durch das Internet, Fernsehen und Radios und MP3-Tauschen hat man es heute bedeutend leichter sich breit zu informieren.
Auf der anderen Seite tun sich Songs damit aber schwerer zu dominieren, da die mögliche Breite ein Feind der Konzentration ist. Die 70er Liste zeigt aber, dass es auch damals die Breite gab und eben trotzdem Songs, die die Zeit dominierten. Hier ist bereits in den 90er ein Rückgang zu spüren. Dominanz ging hier von Nirvana und einigen wenigen anderen aus, die Breite in der Spitze reduzierte sich bereits und ist in den 00ern noch ärmer geworden. Eine Band wie Queen wurde heute die Musikwelt in einer Weise dominieren, wie sie dass in den 70er und 80er nicht konnten, weil die Konkurrenz zu groß war.
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und die musik der 70er und 80er ist dir so wichtig, weil du jung warst, und nicht, weil sie so viel besser war als alles, was heute passiert.
Eine Band wie Queen wurde heute die Musikwelt in einer Weise dominieren, wie sie dass in den 70er und 80er nicht konnten, weil die Konkurrenz zu groß war.
Im Leben nicht.
Die Musikbandbreite hat sich seit den 80ern nicht verringert, ganz im Gegenteil, sie hat sich vervielfacht.
Vielleicht wären sie berühmt, aber sie hätten, und da würd ich mein Haus oder Auto drauf setzten, niemals den Erfolg haben, wie damals, schlichtweg weil viele Musikhörer sich in anderen Richtungen festgesetzt haben, die es damals noch nicht gab.
Ich halts wie Thomas Crown, scheinbar hast du die Musik der letzten beiden Jahren nicht so verfolgt.....
Im Übrigen, die Hits sind Pophits. Gerade die 70er waren doch auch Rockgeprägt. Ich erwähne nur mal LedZep. Finden bei dir aber wenig Beachtung, bis gar keine.
Das ist ein zusätzliches Zeichen, dass deine These von "Wären heute berühmter und würden alles in den Schatten stellen" nicht gelten kann.
Led Zeppelin habe ich nicht mehr erwähnt, weil es schon hier erwähnt war. Außerdem ist Boney M ischer kein Rock sondern eher Pop oder Disco. Du widerlegst Dich aber selbst:
"niemals den Erfolg haben, wie damals, schlichtweg weil viele Musikhörer sich in anderen Richtungen festgesetzt haben, die es damals noch nicht gab."
Das würde bedeuten, dass die heutige Jugend sich stärker auf einzelne Musikrichtungen geprägt hat, als die unsere, denn ich hatte ja gerade erklärt, wir haben alles gehört, was gut war. Anscheinend verteidigt man heute bis auf's Blut die eigene Richtung, was mir durchaus öfter über den Weg läuft. Diesen Richtungsstreit gab es auch früher z.B. mit Musik ala Foreigner, deshalb extra erwähnt.
Obwohl wir z.B in den 70er aufgewachsen sind haben uns aber auch die Beatles, Elvis Presley oder Bill Haley und viele andere aus den 50er und 60er interessiert und wir wußten, dass es was besonderes ist. Dagegen scheint die heutige Jugend, oder zumindest einige davon, sich fast dogmatisch auf eine Musikrichtung zu fixieren, anscheinend um eine gewisse Identität zu beweisen oder zu erzeugen.
Es ist ja nun nicht so, dass ich keine Medien konsummiere. Ich schaue viel fern, bin viel im Internet unterwegs, gerade auch auf Seiten, die auch Sound liefern, höre auch Radio und kriege eben auch durch mein Engagement bei Jugendfilmern mit, was die junegn Leute bewegt, nur läuft einem die Musik, die Du ansprichst dort tatsächlich nur wenig über den Weg. Obwohl also anscheinend die Werbeindustrie gerade stark an der Zielgruppe 14 + interessiert ist, scheint es nur wenig Musik, die diese Gruppe propagiert in die entsprechenden Medien zu schaffen.
Das mit den Emotionen stimmt zumindest bei mir nicht. Es gibt Musik, die ist emotional ungalublich geprägt, bei mir z.B. von E.L.O "Hold on Tight". Das Lied gefällt mir aber nicht so sonderlich gut. "Don't bring me down" hatte dort wesentlich mehr Wirkung, weil es gefällt, es ist für mich weder mit Erinnerungen noch mit Emotionen verbunden. Gerade wir haben aufgrund der erwähnten Schwierigkeiten, Radio lieferte nur eingeschränkte Breite, Fernsehen versagte in der Zeit vollkommen, Discotheken auf dem Land waren nur schwierig, die 70er und 80er Musik auch oft erst später "entdeckt".
Noch etwas zur Entwicklung. Unsere Eltern und vor allem Großeltern bezeichneten unsere Musik als, ... sage ich hier jetzt besser nicht, sonst gibt es eine ellenlange Diskussion, das war ein Kultutkampf mit unseren Eltern: "So ein Schund", "so ein Mist", "das ist keine Musik". Ich sage nicht, "Seven Army Nation" ist Schund oder schlecht. Mir gefällt das Lied ja, obwohl der Riff nach meiner Meinung gar nicht neu ist und sich aufgrund der dauernden Präsenz ziemlich schnell abläuft, das ist nicht die Frage. Die Frage ist, ob es ein Hit des Jahrzehntes ist und mehr, wie viele wirkliche Alternativen es gibt, denn die Breite der Alternativen zeigt auf, ob die Musik eines Jahrzehntes grundsätzlich wichtig war oder nicht und da sieht es nach meiner Meinung bei den 00ern ganz mau aus.
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Wenn ich von Innovation rede, meine ich auch nicht, dass eine kleine Avantgarde das Rad neu erfindet, sondern dass Stilmittel, die sich früher auf kleine Avantarden beschränkt haben, plötzlich auf breiter Ebene Akzeptanz finden.
Was das 60er-Jahre-Revival angeht, rede ich übrigens durchaus bewusst von Kopieren.
In den 90ern wurde ja - in Ermangelung einer neuen Subkultur- Onkel Herberts Mobiliar in die Clubs geschleppt: 60er-Jahre Tapeten (notfalls auch nachgedruckt), Steh- und Hängelampen, Designerstühle.
Meine Theorie dazu: Wo keine Krise - und die 90er waren ein ziemlich krisenfreies Jahrzehnt -, da keine Notwendigkeit und somit kein Antrieb zur Rebellion.
Und wo keine Rebellion, da wird's eben langweilig und dann muss wenigstens Verehrung für rebellischere Zeiten her.
Bei Grunge war ja Langeweile sogar das Thema. ("here we are now/ entertain us"), und witzigerweise war der zweite Nirvana-Hit "Come as you are" ausgerechnet eine Kopie von Killing Jokes "Eighties".
Und zu schreiben, in den Neunzigern hätt's keine Musik gegeben, die die Massen bewegt, ist einfach gequirlte Scheiße in Anbetracht einer Million Menschen, die 'ne riesige XTC-Party rund um die Berliner Siegessäule veranstaltet haben (Nannte sich Love Parade).
Und was die Siebziger angeht: Ja, die waren ein großartiges Musikjahrzehnt, stellt ja auch keiner in Abrede. Da ließe sich eine Liste wie die meine auch mit Rockmusik bilden. In den 80ern ist das mit Rockmusik etwas schwieriger, dafür geht's mit Pop und New Wave.
In den Sechzigern geht das sicherlich auch mit frühem Rock oder Soul. Nur in den 00er-Jahren wird das eben schwierig, die Probleme kennen wir ja...
Wenn Du die Love-Parade als Beispiel für die erfolgreiche Musik nimmst, dann kannst Du die Fan-Meile auch dafür hernehmen, dass alle jungen Leute Fußballl mögen. So funktioniert das aber nicht. Da es eben bei der Love-Parade auch andere Gründe gibt da hinzugehen, wie es bei der FAN-Meile auch andere Gründe als Fußball gibt, um da hinzugehen.
Die Stadion-Rock-Attitüde kam erigentlich erst auf, als Queen schon erfolgreich war. Man füllt nicht erst ein Stadion und wird dann erfolgreich sondern umgekehrt, Du solltest Ursache und Wirkung nicht verwechseln.
Zum Thema Rock und 80er Jahre: ACDC, van Halen, auch teilweise Phil Collins und Genesis am Rande, aber wohl auch eher Rock als Pop, dann auch BAP, Queen, Nazareth, Talking Heads, Hooters, (Frankie goes to Hollywood), Status Quo, Peter Gabriel. Der Rock verschwand erst so Mitte der 80er aus den Charts, weil die Gruppen die ihn repräsentierten in die Jahre kamen und keine nach kamen.
Digital_Data
Digital_Data sagte:
Die Frage ist, ob es ein Hit des Jahrzehntes ist und mehr, wie viele wirkliche Alternativen es gibt, denn die Breite der Alternativen zeigt auf, ob die Musik eines Jahrzehntes grundsätzlich wichtig war oder nicht und da sieht es nach meiner Meinung bei den 00ern ganz mau aus.
eben weil es so viele alternativen gab, hat es niemand mehr in so konsensprägender weise nach oben geschafft wie z.B. die superhelden der 80er. in den 00ern gibts die castingphänomene und ansonsten kaum noch was, was alle wirklich begeistert. das liegt an der zersplitterung der szenen, aber auch an deren auflösung. denn ganz im gegenteil: die jugendlichen bleiben nicht mehr einem, also "ihrem" stil treu (auch wenn man das z.B. bei manchen indies mit ihrer elektronik/hiphop-aversion durchaus glauben könnte), nichts ist mehr dogmatisch. man kann italodisco aus den 80ern, norwegische spacedisco aus den 00ern, 70er souldisco und 60er soul hören, man kann aber auch 00er indierock, hiphop, megapop und undergroundhouse gleichzeitig hören. alles ist verfügbar, jederzeit. das ist einer der gründe, warum der konsens kleiner und machtloser geworden ist.
03.01.2010 - 00:45 Uhr
ThomasCrown
"Es ist kein Zufall, dass die Popmusik ständig für tot erklärt wird: Die unmittelbare Begeisterung des Einzelnen ist im Pop ungleich mehr Bedingung als etwa dort, wo das Publikum nur herumsitzt (oder gibt es vielleicht Thielemann-T-Shirts?). Weil das aber so ist – und der Pop auch noch immer ein ordentliches Produktionstempo vorlegt –, spürt jeder, der eine Zeit lang ausgestiegen war, in dem Moment, in dem er sich dem Pop wieder mal zuwendet, sofort ein existenzielles Verlustgefühl: Ah, damals waren wir ganz eins, heute sind wir es nicht mehr – also stimmt irgendwas mit dem Pop nicht mehr. Aber es ist natürlich genau andersrum: Nicht der Pop ist das Problem, sondern die, die ihn nicht mehr hören"
(Jens-Christian Rabe ist Pop-Redakteur der Süddeutschen Zeitung.)
03.01.2010 - 00:46 Uhr
ThomasCrown
"Die Popmusik hat 2009 einen Schritt nach vorn gemacht und zwei zurück: Es gab zwar Künstler, die ernsthaft Lieder über ihr Leben schreiben – aber die Charts werden weltweit von Musikern aus Castingshows dominiert, deren Musik sich an neunjährige Mädchen richtet. Mainstream-Pop wird heute nicht mehr für Teenager gemacht, sondern für Kinder."
(Elly Jackson ist die Sängerin des englischen Elektropop-Duos La Roux, das im Sommer mit den Hits Bulletproof und I’m Not Your Toy weltweit Erfolge feierte.)
Weil das aber so ist – und der Pop auch noch immer ein ordentliches Produktionstempo vorlegt –, spürt jeder, der eine Zeit lang ausgestiegen war, in dem Moment, in dem er sich dem Pop wieder mal zuwendet, sofort ein existenzielles Verlustgefühl: Ah, damals waren wir ganz eins, heute sind wir es nicht mehr – also stimmt irgendwas mit dem Pop nicht mehr.
Sorry, wenn ich das jetzt so sage, aber ich habe noch nie größeren Mist gelesen. Ich fühle keine existenzielle Verlustangest, wenn ich heute Mika höre und dieser guten alten 80er Pop wieder neu interpretiert einbringt. Ich erfreue mich an der guten Musik und ich bin mit dieser Musik genauso viel oder genauso wenig eins, wie damals. UNd diese Mika-CD hat bei mir auch keinen anderen Platz, wie die Soft-Cell-CD oder Freddy Mercury, sie steht im selben Regal und sie ist auf der Festplatte im selben Ordner.
Ich glaube wir müssen hier grundsätzlich mal einiges unterscheiden. Es gibt gute Produkte und auch Kunst ist letzten Endes ein Produkt, dass seine Kunden finden muss, es gibt also gute Produkte, die sofort durch irgendetwas begeistern. Bei Musik ist dies zunächst weniger die Aussage oder eine emotionale Verbindung sondern schlicht, ob die Tonkombination uns gefällt.
Bei den angesprochenen Castingshows wird der zweite Weg beschritten. Das heißt man platziert ein Produkt oft genug in den Medien und gibt ihm durch die Art wie man es präsentiert ein Image. Das heißt, dass Produkt wird vollkommen ohne Nutzen verkauft, sondern alleine durch eine dauerhafte Prsäsentation und ein erzeugtes Image. Deshalb gibt es auch die Big-Brother-Stars und den Kult um diese, obwohl diese Personen grundsätzlich vollkommen talentfrei sind.
Die Musik der Castingshows richtet sich dabei nicht an neunjährige Mädchen, wie obiger Autor anscheinend aus einer eifersüchtigen Resignation anprangert, sondern an einfach gestrickte Individuen, die durch eine wiederholte Berieselung und ein dazu passendes Image "gefangen" werden. Dabei wird konsequent eine Überhöhung erzeugt, die durch Konterparts erzeugt wird, also durch die Bösen, die Zicken oder die Widersacher, die dem eigentlich Sympathischen im Wege stehen. Durch dieses Gut-Böse-Gefälle (schon im Film-Thread erklärt, Bat Man und Joker, die Schöne und das Biest), erhöht man über Wochen das Image einer einzelnen Person so stark, dass es neben den niedrigen Talenten und niedrigen Characteren wie Phönix aus der Asche aufsteigt. Viele dieser Zickenkriege oder Streits sind dabei vollkommen inszeniert.
Diese "Stars" haben dann auch meistens eine Halbwertzeit, die bis zur nächsten Castingshow reicht, da sie zum einen als Sieger dann keine Widersacher mehr haben und so schnell von ihrem Glanz und ihrer Überhöhung einbüßen und zum anderen der Kult systembedingt abgebaut werden muss, damit für die neue Staffel ein neuer Kult aufgebaut werden kann und wieder genug "Follower" und ich benutze das Wort bewußt, verfügbar sind..
Insofern disqualifiziert sich der obere Schreiber selbst vollkommen, da er anscheinend die Mechanismen dieser Castingshows nicht versteht und nur neidisch auf diese herabblickt.
Digital_Data
Jimi Hendrix mit "Hey Joe", "All Along the Watchtower" u.a. , Cocker mit z.B. "With a little help from my friends", selbst Elvis hat von alten Bluesgrößen "kopiert".
Ganz zu schweigen von Animals, Guns n Roses ect.
Klar haben die auch eigene Titel gemacht, sogar sehr gute, aber richtig bekannt wurden sie erst mit, in dem Fall, RICHTIGEN "Kopien".
Das 60er-Retro-Gedöhns birgt wenigtens neueres, wenn auch die Musikrichtung einigermaßen gleich ist. Und gerade die Lo-Fi Szene, um jetzt beim Rock zu bleiben, zeigt doch, das es dort eine Entwicklung gab.
@Data
Außerdem ist Boney M ischer kein Rock sondern eher Pop oder Disco. Du widerlegst Dich aber selbst:
Ich habe nie was von Boney M geschrieben oO
Alles von dir genannte ist eher dem Pop zuzurechnen.
Und nicht falsch verstehen : Nach unten in der Zeitleiste hört die Jugend sicherlich sehr viel Musik, aus den 60er, 70er, 80er und 90ern.
Aber halt in seinem Musiksprektrum. Wobei nichtmal das.
Auch ich höre ab und zu, man mag es kaum glauben, Queen, aber nur die bekannten Hits. Der Rest interessiert mich nicht. Genauso wie bekannte Pop sachen aus der Zeit, die ich eigentlich nicht so mag, die 80er, sei es "Sweet Dreams", aber vorallem Punk-Sachen.
Das sind halt "Kult" Sachen, bis heute.
Das ändert aber nichts an der Tatsache, das man wirklich versucht, heute einigermaßen in seinem Musikspektrum zu bleiben, (Außnahmen bestätigen die Regel), das hast du richtig erkannt.
Es wird nicht alles gekauft, was uns der Markt hergibt, sagen wir es so. :)
Die_Eintagsfliege sagte:
Ha, wenn du so willst, @eisengrau, gabs "kopien" schon seit Jahrzehnten, nicht explizit in den 90ern.
Jimi Hendrix mit "Hey Joe", "All Along the Watchtower" u.a. , Cocker mit z.B. "With a little help from my friends", selbst Elvis hat von alten Bluesgrößen "kopiert".
Ganz zu schweigen von Animals, Guns n Roses ect.
Klar haben die auch eigene Titel gemacht, sogar sehr gute, aber richtig bekannt wurden sie erst mit, in dem Fall, RICHTIGEN "Kopien".
Was Du "richtige" Kopien nennst, nennt man Coverversionen. ;-)
Gab es natürlich schon immer. Und in der Klassik gibt es nahezu keine originären Musikstücke der Interpreten. Da sind fast alle Darbietungen Neuinterpretationen von bekannten Werken.
Ich rede aber nicht von Neuinterpretation, sondern von Abkupfern, seien es einzelne Riffs oder Stilelemente. Leider selten zum Originelleren hin. Nirvana wurden ja schon genannt. Die Rapper "borgen" sich ganze Refrains in Originalinstrumentierung und füllen den Platz dazwischen mit eigenen Worten auf. Und wenn man Jets (auch wenn's schon 00er ist) "Are You Gonna Be My Way" neben Iggy Pops "Lust For Life" und anderen Stooges_Stücken hört, weiß man, wer sich da von wem hat "inspirieren" lassen.
Kurz: Mag ja alles ganz nett und tanzbar sein, aber von Innovation seh ich da gar nichts. Eine eben selbstreferentielle, weitgehend ideenlose Szene im 5. Jahrzehnt des Rock'n'Roll.
Der Unterschied zu früher ist: Joe Cocker macht bei "With a little help" aus einem Beatles-Lied einen Joe-Cocker-Song und prägt ihm seinen ganz eigenen Charakter auf. Heute nimmt man Versatzstücke von früher, verkauft sie als etwas Neues und hofft, dass es keiner merkt. Und scheint ja auch blendend zu funktionieren.
Ich mein : Wo ist das Problem, sie kopieren ja nicht unbedingt, sondern nehmen lediglich Stilelemente.
Und gerade Arctic Monkey, mit den gewaltigen Drums, hat doch nicht von The Who abgekupfert.
Auch Wolfmother.
Sie nehmen Stilelemente der 60er und 70er, die ja nicht schlecht waren, und machen eigene (!) Musik draus. Keine Kopien, sondern eigene.
Das die Künstler von einzelnen Gruppen inspiriert wurden und werden, ist klar. Das gabs auch in den 60ern schon, selbst bei Beatles und Hendrix.
Und Live, gibt es klasse Bands heut zu Tage. Auch Arctic Monkeys zähle ich darunter, die ich aber erst einmal sehen durfte. Aber gerade Jack White mit seinen diversen Bands find ich auch live eine Nummer für sich.
Also :
Wo ist das Problem?
Es wird ja nicht als was gaaaaaaaaanz neues verkauft. Im Gegenteil, die Worte "Retro-Sound", "die 60s sind zurück" klingeln mir heut noch in den Ohren.
Ich finde die Bands gut. Weil es eben seit den 80ern nur noch einen Minimalen Anteil an Bands gab, die wirklich guten 60er Sound hinbekommen haben, wo die Musik doch eigentlich recht gut ist.
Anders gesagt : Wenn die ganzen Band, Wolfmother, Hives, Raconteurs und und und, in den 60ern, 70ern gelebt hätten, wären sie auch von der Musik inspiriert worden, nur hätte man ihnen nicht den unbegründeten Verdacht der Kopie auferlegt.
Sie kopieren nicht, sie lassen sich inspirieren. Haben aber immer noch tolle eigene Stilelemente. Meine Meinung.
Eine der ganz wenigen halbwegs populären Bands, die heute noch was ganz Eigenes macht, das unverwechselbar ist, sind für mich die Queens of the Stone Age. Die greifen auch alles Mögliche auf, aber sie machen was ORIGINELLES draus, was es in der Form vorher noch nicht gab.
03.01.2010 - 14:08 Uhr
Gargoyle
03.01.2010 - 14:10 Uhr
Gargoyle
03.01.2010 - 14:11 Uhr
Gargoyle
Im Übrigen betätige ich keine "Daumen-Button", weil die mir persönlich zu doof sind (und ehrlich gesagt frage ich mich, wofür die gut sein sollen). Kann dir aber gerne, wenn du das möchtest, einen Daumen nach oben geben oO.
Des Weiteren ist "hört sich an wie die 60er" nicht gleichbedeutend mit abkupfern. Sie lassen sich inspirieren. Genauso wie Hendrix von Chuck Berry oder BB King, und die Beatles von Cochran oder Buddy Holly. Oder Stones und Cream aus diversen 40er Blues.
Retro-Trend als Kopie zu verkaufen, das nenne ich billig, da es keinerlei Grundlage bedient.
Das Jack White hundertmal bessere Sachen macht als Seven Nation Army brauchst du mir nicht zu sagen. Bin großer Fan von ihm. ;)
Was hat denn seinerzeit AC/DC, Ramones, Motorhead in den 80er gemacht? Eine Rückbesinnung auf den alten, harten Rocksound, wo es neben den Bands noch so aufgeblähte Gruppen wie Queen oder Yes gab.
Nochmals : Die heutige Musik ist an die 60er ANGELEHNT, sie kopiert sie aber nicht.
Oder kopiert auch Amy Winehouse alten Soul und Swing?
Wenn etwas gut war, wieso sollte man sich von dem nicht inspirieren lassen, hö?
Die machen immer noch eigenes Handwerk. Und auch Queens of the Stone Age verwendet Elemente der 60er.
03.01.2010 - 14:31 Uhr
Die_Eintagsfliege
03.01.2010 - 14:32 Uhr
Die_Eintagsfliege
Digital_Data sagte:
Weil das aber so ist – und der Pop auch noch immer ein ordentliches Produktionstempo vorlegt –, spürt jeder, der eine Zeit lang ausgestiegen war, in dem Moment, in dem er sich dem Pop wieder mal zuwendet, sofort ein existenzielles Verlustgefühl: Ah, damals waren wir ganz eins, heute sind wir es nicht mehr – also stimmt irgendwas mit dem Pop nicht mehr.
Sorry, wenn ich das jetzt so sage, aber ich habe noch nie größeren Mist gelesen. Ich fühle keine existenzielle Verlustangest, wenn ich heute Mika höre und dieser guten alten 80er Pop wieder neu interpretiert einbringt. Ich erfreue mich an der guten Musik und ich bin mit dieser Musik genauso viel oder genauso wenig eins, wie damals. UNd diese Mika-CD hat bei mir auch keinen anderen Platz, wie die Soft-Cell-CD oder Freddy Mercury, sie steht im selben Regal und sie ist auf der Festplatte im selben Ordner.
du denkst aber bei mika eben nicht "ey, super mucke! ich will tanzen!", sondern du denkst "ah, guter alter 80er-pop". das ist schon eine abgeklärte wahrnehmung, die bei aller begeisterung und euphorie, die du vielleicht dennoch verspürst, dafür sorgt, daß mika vielleicht neben soft cell steht, aber nicht die gleiche emotionale bedeutung für dich hat.
wenn man mika als 14- oder 16jährige/r hört, kennt man soft cell eben meistens nicht und erlebt das ganz anders.
bei deiner einordnung des castingphönomens gebe ich dir größtenteils recht, allerdings ist das wohl eher die deutsche sichtweise. in den usa sind castingstars ja nicht nur einmal zu massenstars aufgestiegen (timberlake usw.), in gb gibts robbie und take that und wenn ich an castinggruppen wie die jonas brothers denke: doch, die sind für 9jährige.
Was mir heute aber fehlt, ist das Eigenständige, was aus sowas entstehen könnte. Stattdessen klingt es für mich meist nur so "wie damals" - ohne dem Ganzen einen persönlichen Stempel aufzudrücken. Da fällt für mich auch Oasis drunter, die es geschafft haben, eine ganze Karriere als Beatles-Klon aufzubauen. Deren letzte CD mag ich zwar gerne, aber dennoch hör ich an allen Ecken und Enden nur nachgemachten Sgt Pepper, Abbey Road, White Album. Ähnlich verhält es sich mit Soundtrack of our Lives: Kaum sind die Doors-Anklänge rum, klingt es schon nach Beatles oder auch mal Who. Was Arctic Monkeys betrifft: Schon das "Dancefloor"-Lied hätte sich prima auf der ersten Who-LP "y Generation" gemacht, ohne großartig aufzufallen. Und bei Wolfmother ging es mir tatsächlich des Öfteren so, dass ich zuerst dachte, ich hörte einen Led Zeppeli-Song, den ich bislang noch nicht kannte - bis ich mir dachte, ach ja, Wolfmother ....
Wie gesagt, es ist nicht das Aufgreifen alter Sachen, was mich stört, es ist das Recyceln ohne eigene Ideen.
Und jetzt verläßt mich die Political Correctness: Ein Kollege von mir hat mal bei 'ner Freizeit von der Lebenshilfe mitgeholfen. Zwei Wochen Dauerbechallung durch Daniel Kübelböck inklusive...
03.01.2010 - 14:58 Uhr
donrazzi
donrazzi sagte:
@Gargoyle: Nur das bei TSOOL noch etwas eigenes mit einem sehr eigenen, unverwechselbaren Sound herauskommt. Eben das verwursten vieler Einflüsse zu einer neuen Gesamtkonzeption. Und Live können die auch 'ne ganze Menge...
Live zähle ich TOOL zu den tollsten Konzerterlebnissen, die ich jemals hatte. Vor denen habe ich einen Riesenrespekt!
donrazzi sagte:
Mein Gott, ich habe mir gerade mal Wolfmother bei Youtube reingezogen. Hab' ich zwei Minuten durchgehalten, jetzt bin ich wieder bei Led Zeppelin. Dreister kopieren geht ja wohl kaum. Und dabei scheinen sie den Lo Fi-Gedanken so weit getrieben zu haben, daß die Produktion unausgereifter klingt, als das Original. So ein Schrott.
Darf man mal fragen, was du gehört hast?
Ich meine : Alle erfinden eigene Riffs, eigene Texte, eigene Soli und und und.
Handgemacht.
Was ist daran falsch?
die meisten wirklichen innovationen in der modernen musik (um mal popmusik zu vermeiden) ist doch acuh durch technischen fortschritt hervorgerufen wurden: hardrock/metal durch die elektrische gitarre, disco/elektronik/techno durch synthesizer, keyboards, loop-maschinen, drum machines, laptops etc. (bzw.: durch deren erschwinglichkeit), hiphop ebenfalls durch sampler...
inzwischen kann halt jeder depp einen track oder song mit großraumdiscokompatibler produktion im eigenens chlafzimmer basteln, wenn er ein paar tausender für computerzeugs ausgibt. das ist zur zeit die innovation.
was als nächstes kommt? keine ahnung.
Die_Eintagsfliege sagte:
Ich meine : Alle erfinden eigene Riffs, eigene Texte, eigene Soli und und und.
Handgemacht.
Was ist daran falsch?
Handgemacht nachgemacht, das ist der Fehler. Es fehlt der eigene Charakter. Bei Jimi Hendrix - selbst wenn er einen Blues-Klassiker wie Mannish Boy oder Dylans All Along the Waatchtower spielt - denkst du dir: das kann nur Jimi Hendrix sein. Bei Wolfmother denkst du dir: "Klingt wie Led Zeppelin". Aber du denkst nicht: "So kann nur Wolfmother klingen". Das ist der Unterschied.
Er ist weder ein Qualitätskriterium, noch muss er überhaupt was Positives bedeuten. Er bedeutet lediglich, dass Menschen ihre Songs für z.T. Jahrhunderte alte Instrumente arrangieren und davon auch nicht loslassen wollen.
Schlimm dabei ist, dass man hier auch noch eine Unterscheidung zwischen sich trifft und jenen, die die neuen Mittel der Klangerzeugung nutzen, wobei Letzteren unterstellt wird, sie würden gar keine Arbeit in die Musik investieren, sondern alles geschähe von selbst.
Und natürlich höre ich Wolfmother raus. Aber definitiv.
Solln die Bands aufhören und die 60er begraben werden, hö?
Was solls auch neues geben? Gibt kein LedZep mehr (leider) und auch keinen Jimi mehr.
Gute, neue (!) Stoner-Psychedelic-Rock-Sound bekommt man u.a. nun von Wolfmother. Er spielt seine eigene Art. Genauso wie Eagles of Death Metal oder QotSA und andere.
Als billige Kopie würd ich das aber nicht bezeichnen, warum auch?
Es ist nichts kopiertes sondern nur eine Fortsetzung einer alten Musikrichtung.
Fest steht doch : Durch The Who, Kinks, Stones, Beatles, Hendrix und wie sie alle heißen, wurde ein Zeitalter für neue Musik eröffnet.
Das man daran anknüpft und eigene Lieder nach dem Muster strickt, ist weder schlecht, noch verwerflich, noch darf man denen Ideenlosigkeit vorwerfen.
Festgestellt wurde auch, dass es heute wahrscheinlich eine Musikrevolution wie sie damals stattfand (und auch schon früher, bspw. durch Elvis oder Chuck Berry) nicht mehr geben wird, da es ein zu großes Spektrum an Musik gibt.
Wieso ist es also schlecht, wenn man an alte Musik anknüpft?
Ich sehe es eher als Ehrung alter Meister an. oO
Die Musik ist angelehnt, nicht kopiert. Eigener Charakter ist bei jeder Band vorhanden. Mit ausnahme von Cover-Bands natürlich.
Nehmen wir als Beispiel mal die Rolling Stones - auch deswegen, weil sie extrem lange im Geschäft sind. Wenn man sich eine frühe Platte der Stones nimmt und mit einer späten vergleicht, wird man immer noch hören, daß es eine Rolling Stones-Platte ist, weil eben bei der Produktion darauf geachtet wurde, daß der Sound wiedererkennbar bleibt.
Was nun viele der neueren Bands machen, ist, daß sie einfach den Sound kopieren. Sie gehen also in ein Musikgeschäft, kaufen sich 'ne Rickenbacker und 'nen VOX-Verstärker und klingen somit wie die Bands einer vergangenen Epoche und entwickeln keinen eigenen Sound mehr.
Hierdurch geht aber zum einen der Wiedererkennungswert der Band verloren, zum anderen klingt das alles für etwas ältere Ohren, die ja die Klassiker schon zu genüge kennen, wenig neu. In den vergangen zehn Jahren haben aber extrem viele Künstler zunehmend auf solche Stil-Kopien gesetzt. Und genau das war in den drei, vier Jahrzehnten zuvor komplett anders.
donrazzi sagte:
In der Rockmusik hat sich in den vergangenen Jahrzehnten viel um den Begriff "Sound" gedreht. Für viele der hier zitierten älteren Bands galt es noch, einen eigenen Sound zu entwickeln. Heraus kommt dann eine bestimmte Mischung, die eigentlich so etwas wie das Markenzeichen dieser einen, speziellen Band, dieses einen speziellen Musikers sind.
Nehmen wir als Beispiel mal die Rolling Stones - auch deswegen, weil sie extrem lange im Geschäft sind. Wenn man sich eine frühe Platte der Stones nimmt und mit einer späten vergleicht, wird man immer noch hören, daß es eine Rolling Stones-Platte ist, weil eben bei der Produktion darauf geachtet wurde, daß der Sound wiedererkennbar bleibt.
Was nun viele der neueren Bands machen, ist, daß sie einfach den Sound kopieren. Sie gehen also in ein Musikgeschäft, kaufen sich 'ne Rickenbacker und 'nen VOX-Verstärker und klingen somit wie die Bands einer vergangenen Epoche und entwickeln keinen eigenen Sound mehr.
Hierdurch geht aber zum einen der Wiedererkennungswert der Band verloren, zum anderen klingt das alles für etwas ältere Ohren, die ja die Klassiker schon zu genüge kennen, wenig neu. In den vergangen zehn Jahren haben aber extrem viele Künstler zunehmend auf solche Stil-Kopien gesetzt. Und genau das war in den drei, vier Jahrzehnten zuvor komplett anders.
Der selbst kreierte Sound umfasst dabei aber auch Dinge wie charakteristische Arten, sein Instrument zu spielen - so bleibt der bereits erwähnte Keith Moon bis heute unverwechselbar, ebenso der Who-Bassist John Entwistle.
Und viele versuchen heute in der Tat, nur die alten Vorbilder zu imitieren, ohne etwas von sich selbst hinzuzufügen. Wenn früher John Lennon "Blue Suede Shoes" gesungen hat, klang er trotzdem wie John Lennon und versuchte nicht, als Elvis-Kopie rüberzukommen.
Zusätzlich zum Sound ebenfalls interessant: Wenn man sich den Werdegang der "Alten" ansieht: Bei den Beatles, den frühen Stones, den Who, bei Pink Floyd, King Crimson etc klang kein Album je wie das Vorhergehende, jedes hatte seinen ganz eigenen Charakter und fügte dem alten etwas Neues hinzu. Es gab eine Entwicklung! Während heute ein "Sound" so lange totgenudelt wird (oder minimalst verändert wird), bis er unpopulär wird. Musik ist nur noch das immer wiederkehrende Bekannte, nichts mehr, was das Denken und die Aufgeschlossenheit für Neues herausfordert.
03.01.2010 - 15:58 Uhr
Die_Eintagsfliege
teilzeitirrer sagte:
ich denke auch, wie donrazzi, dass vor allem der sound, das equipment etc viel ausmacht.
So einzigartige Musik wie z. B. die von Radiohead entsteht aber nicht nur durch Equipment. ;-)
Da braucht es scon auch noch ein bisschen Geniaität und Persönlichkeit, um so etwas auf die Beine zu stellen. :-)
doch bei vielen bands wird das wohl schon der fall sein.
teilzeitirrer sagte:
entscheidend dafür, dass viele das gefühl haben, eine der alten bands herauszuhören, ist wahrscheinlich doch auch, dass die neuen quasi die selben instrumente mit den selben effekten etc bespielen.
Und dieselbe Art von Melodien, derselbe Aufbau etc.
Ich hab mir Wolfmother auch grad mal angehört, das ist echt frappierend.
Ich habe gar nichts dagegen, dieselben Instrumente zu verwenden, das war schließlich über Jahrhunderte so. Trotzdem kann man die Komponisten ohne größere Schwierigkeiten unterscheiden.
Knochentrockener, geradeaus-Rock und nichts anderes. Eine Mischung aus LedZep, Black Sabbath, AC/DC und Deep Purple. Lag es in der Intention von Wolfmother, irgendwas Neues zu erfinden? Und : Ist es schlecht?
Es ist phänomenal, das so Jungs mit solchen Bands die "guten Alten Zeiten" wieder aufleben lassen und heute weiterhin Salonfähig machen. Ein Impuls wurde geschaffen, der auch die Jugend anspricht. Zumindest einen Teil. Sie lässt an alte Zeiten erinnern, an das, was heute so nicht mehr möglich ist.
Sie bedienen sich nicht ausgelutschten Sachen, sondern interpretieren die alte Zeit neu. Mit ihrer eigenen Musik. Sie gehen zurück zu den Wurzeln und erweitern das Spektrum an alter Musik, die in den 80ern aufgehört hat, massiv.
Gerade die, die damals dabei waren, (zumindest in meinem Umfeld) sagen, das sie solche Bands toll finden.
Solche Bands als Billige-Retro-Bands abzutun verdienen sie nicht, dafür machen sie Ihre Sachen zu gut.
Vielleicht liegts auch einfach daran, das ich damals nicht dabei sein durfte. Jetzt bekommt man "Neues Altes" auf dem Tablett serviert. Und kann sie sogar live besuchen.
Nicht vergessen, bspw. wurde Arctic Monkeys nicht künstlich hochgepuscht, sondern sind durch die Hörer selber zum Erfolg gekommen. Nur als ein Beispiel.
Ich ess ja auch lieber echten, hauchzart geschnittenen italienischen Hinterschinken als industriell gefertigtes Formpressfleisch, das nur so aussieht wie Schinken ... ;-)
So höre ich beides.
übrigens die schrift des wolfmother-logos kommt mir irgendwie bekannt vor.. woher könnt ich die kennen?
Und das scheint nicht schlecht zu sein, im Gegenteil, sogar gut anzukommen. Ihnen das zum Vorwurf zu machen, ist das schlechteste, was man machen kann.
Wenn man Geschmack an einer Musikrichtung hat, soll man sie ausführen.
Oder soll eine Musikart nach seiner Entstehung direkt sterben, sobald die Bands nicht mehr sind? Dann dürfte man nun den Punk auch begraben.
Als ich das erste Mal Jet gehört habe, fand ich noch irgendwie witzig, daß die sich wie 'ne Mischung aus AC/DC und den Beatles anhören, aber inzwischen ist diese Masche ziemlich ausgelutscht. (Habe gerade übrigens mal wieder die wirklich frühen Pink Floyd gehört - könnte heute wieder in jeder Indie-Disco laufen...)
Die_Eintagsfliege sagte:
Ich habe nie was von Boney M geschrieben oO
Alles von dir genannte ist eher dem Pop zuzurechnen.
Du hattest geschrieben, dass es damals nur große Rock-Musik gab, das ist mein Gegenbeispiel zum Pop. Bei allen Gruppen, die ich angeführt habe, steht bei Wikipedia in der ersten Zeile "Ist eine Rockband", habe ich extra nachgeschaut. Auch wenn Wikipedia hier nicht die alles entscheidende Instanz ist, scheint es mir so, als wenn wir bestimmte Sachen erst einmal definieren müßten, bevor wir weiter reden.
ThomasCrown sagte:
sondern du denkst "ah, guter alter 80er-pop". das ist schon eine abgeklärte wahrnehmung
Nein, ich nehme einfach das Lied wahr. Dann gefällt es mir immer besser, dann suche ich mehr von dem Künstler. Dann merke ich, der macht mehr gute Sachen, die mir gefallen und dann fange ich an mich mit dem Künstler und seinem Hintergrund zu beschäftigen. Das kommt als letztes. Anfänglich interessiert mich nur die Musik und da ist mir vollkommen egal, wer das ist und warum. Ich mag z.B. von East 17 genau ein Lied "House of Love", der Rest interessiert mich nicht, da er auch nach anhören nicht gefällt. Wie sehr mir dieses Lied aber gefällt ist unabhängig dazu, dass es eine dieser dummen Boygroups ist. Ich habe z.B. Grace Kelly von Mika für einen Tanzzusammenschnitt verwendet, eben weil es mir so gut gefällt und weil es, was wenige Songs haben, einen mehrfachen Rhythmuswechsel hat, der den Song unglaublich interessant macht. Und wenn man mit einem Song schneidet, dann muss einem der wirklich gefallen, dass er dieses tausendfach Anhören beim exacten Schneiden "überlebt".
@donrazzi
Das mit dem Stil stimmt haargenau. Ein noch besseres Beispiel ist Bond-Filmmusik. Bond-Filmmusik wurde von vielen verschiedenen Künstlern gemacht, der Bond-Sound ist aber bei Sheena Easton, Paul McCartney und genauso bei Tina Turner zu hören. Dass dieser Grund-Sound nun auch bei den neuen Bonds verloren geht, zeigt die ganze Misere auf.
Noch etwas zum Cover. Ein Coversong ist eine Neuinterpretation eines bereits vorhandenen Liedes und nicht ein pures Nachspielen. Das Nachspielen finde ich auf jeder Party oder Hochzeitsfeier von 2.Reihe-Bands, die schlicht Lieder anderer Gruppen nachspielen und es ist gut das es diese Gruppen gibt.. Das ist für diesen Fall okay. Wenn aber Gruppen wie z.B. die A-Teens, um mal ein anderes Beispiel zu nennen, Abba-Songs nachspielen und mehr ist das nicht, ohne eigenes einzubringen, ohne eigene Stilmittel einzubringen und das Nachspielen noch nicht einmal gut auf die Reihe bringen, dann ist es mieses Kopieren und läuft bei mir unter maximal drittklassig, also noch hinter den Hochzeitsbands, die meisten durch eine Breite und gutes Nachspielen überzeugen.
Digital_Data
Gute Songs zu schreiben ist gar nicht mal so schwer, wenn man halbwegs musikalisch ist. Aber Arrangement und Sound können einen in den Wahnsinn treiben, wenn man unverwechselbar sein möchte. Und das ist der Vorwurf, den ich vielen heutigen Bands und Projekten mache: Die greifen einfach in die Trickkiste, was Cubase und Logic hergeben und kopieren den Sound einfach. Meiner Meinung nach geht da die Hälfte der kreativen Arbeit bei drauf, wobei das Original oft nicht erreicht wird.
03.01.2010 - 18:25 Uhr
donrazzi
In der klassischen Musik hat der Sound nie eine große Rolle gespielt - sicherliche gibt es Unterschiede der Vorlieben mancher Komponisten etwa bei der Besetzung, aber vieles ist dort eher aufführungspraktischen Kompromissen geschuldet, als daß der Komponist einen großen Einfluß darauf hatte (wenn ein Orchester nicht genügend Hornisten hatte, konnte der Komponist eben nicht die Hornisten stärker besetzen). Daß man klassische Komponisten auch "raushören" kann, wenn man ein Stück nicht kennt, liebt vielmehr an kompositorischen Details und Vorlieben - etwa Alberti-Bässe bei Mozart oder bestimmte harmonische Wendungen (etwa Tristan-Akkord bei Wagner). Das Wesen klassischer Musik - zumindest bis zum Anfang des 20. Jahrhunderts - ist somit die Arbeit des Komponisten mit einem bereits vorher festgelegten Klangkörper, den er nur minimal verändern kann. Das gilt insbesonders für klein besetzte Gattungen, etwa Streichquartette. Hinzu kommen natürlich noch gewisse Gattungsvorgaben (Stichwort: Sonatenhauptsatzform etc.).
Wenn jetzt in der Popmusik Bands hingehen und etwa die Instrumentierung, Effekte, Arrangements etc. von vorigen Bands übernehmen, dann fällt der Sound als Kriterium zur Beurteilung heraus. In diesem Fall müssen sie das kompositorisch kompensieren. Sie unterwerfen sich also jenen Kriterien, die bei der Beurteilung klassischer Musik gelten. Hieße also: Bestehendes weiterentwickeln, auf der Ebene des Songwriting neues einbringen etc. Puh...
donrazzi sagte:
Und genau da liegt das Problem: Es ist heute sehr einfach geworden, den Sound zu kopieren (Amp-Modelling, Nachbearbeitung am Rechner und im Studio). Aber eigentlich alle großen Bands haben sich ziemlich viele Gedanken um den Sound machen müssen, egal ob das jetzt Led Zeppelin, Rammstein oder Scooter sind. Der Sound ist ein entscheidender Faktor und da steckt viel Grips der Band (oder wenn die den nicht hat: Des Produzenten) drin.
Gute Songs zu schreiben ist gar nicht mal so schwer, wenn man halbwegs musikalisch ist. Aber Arrangement und Sound können einen in den Wahnsinn treiben, wenn man unverwechselbar sein möchte. Und das ist der Vorwurf, den ich vielen heutigen Bands und Projekten mache: Die greifen einfach in die Trickkiste, was Cubase und Logic hergeben und kopieren den Sound einfach. Meiner Meinung nach geht da die Hälfte der kreativen Arbeit bei drauf, wobei das Original oft nicht erreicht wird.
Ja, stimmt, die heutigen Bands hören sich alte Leute an, stellen die Amps auf vorher auf einer DVD gesehene Einstellung, schließen noch nen Wahwah an und schwupps ist die Idee da, während die in den 60ern über Jahre hinweg nur experimentiert haben.
So einfach ist es nun wirklich nicht.
Sie spielen einfach das, was sich GUT anhört.
Da ist die Musik ja im Prinzip das Spiegelbild der Zeit. Egal wo im Leben, es gilt nur der schnelle Erfolg. Ob bei den Aktien, bei Casting-Shows, im Fernsehen, im Kino, wenn der Film nach 3 Wochen schon wieder ausgelutscht aus den Kinos genommen wird, es wird derzeit nichts nachhaltig produziert. Alles ist für morgen ausgelegt, nichts für übermorgen. Die Musik ist da nur der Spiegel der Zeit.
Und so fehlen in der 10-seitigen Ursprungsliste eben auch so Künstler, die auf nachhaltigen Erfolg setzen. So ist z.B. Pink nur mit einem lausigen Titel vertreten, Lady Gaga nur mit Paparazzi aber nicht mit "Poker Face" oder fehlt Silbermond ganz. Gerade diese haben aber eben gerade einen eigenen Stil, auch was die Person(en) angeht. So leben wir immer mehr in einer Zeit der Eintagsfliegen ;-).
Digital_Data
Ich kann Dir nur empfehlen mal die ABBA-Dokumentation anzuschauen. Dort erklärt Benny wie der typische ABBA-Sound entsanden ist, wie wichtig denen das war und vor allem, dass es bis heute niemand geschafft hat, trotz Erklärung diesen Sound exact zu kopieren, weder Live noch im Studio. Andere sehr gute Beispiele sind die schon erwähnten Sailor.
Digital_Data
donrazzi sagte:
Für sowas gibt's Cover-Bands. Kennt jemand Nutellica? Die klingen sogar besser als das Original, weil die nicht so eingebildete Pisser sind wie der Hammet Kirk und sein Bay-Area-Quartett.
Nö. Aber Beatallica kenn ich. :-)
Finde die Originale aber trotzdem geil und Coverbands eigentlich blöd.
Es gibt ja Robbie- Williams- Cover- "Künstler" und U2-Coverbands und Australische Pink-Floyd-Shows. Verhält sich für mich wie Geleebananen zu echtem Obst: Überladen, synthetisch, ohne Nährwert.
Meine Meinung.
donrazzi sagte: Also, ich habe extreme Probleme, beispielsweise Bloc Party, Arctic Monkeys und Maximo Park auseinanderzuhalten.
Ach, das ist doch Quatsch. Nicht, dass ich die genannten Bands gut finde. Aber wenn du die nicht auseinanderhalten kannst, dann hast du nicht zugehört.
Für mich gibt es hier zwei Songs des Jahrzehntes, der eine ist Enya, auch wenn man nicht dran denkt, wenn man den Song hört ist er mit 9/11 verbunden. Der zweite ist Canon Rock, weil er seinen Weg über YouTube und damit die Communities des Internets gemacht hat und als neues Arrangement, dass Klassik mit Rock verbindet dass dieses neue Arrangement sowohl bei Klassikliebhabern als auch bei Rockliebhabern gleichermaßen ankommt und damit eine Brücke auch zwischen der jungen und der alten Generation schlägt. Mehr kann ein Song eingentlich fast nicht leisten. Und dies als instrumental Version. Gerade auch das Video der Gitarrespieler auf dem Bett vor dem PC repräsentiert dieses Jahrzehnt vielleicht mehr als alles andere vorbei an Hitparaden, Musikmärkten und Plattenlabels.
Digital_Data
maloux sagte:
Damit eine herkömmliche gitarrenband heute noch als "innovativ" gilt muss sie doch noch mindestens eine exotische musikrichtung (balkan, orientalisch, afrikanisch,...) und elektro natürlich einbeziehen und ihre jeweiligen instrumente am besten studiert haben. die ansprüche sind da glaube ich extrem gestiegen auch wegen der konkurrenz.
Bands, die Balkan o. Ä. einbeziehen, gibt es ja mittlerweile auch einige, ist auch schon wieder zur Masche verkommen - so klingt Get Well Soon (so sympathisch mit der Herr Gropper auch ist) eben doch schon wieder ein bisschen nach Beirut.
Aber das ist in meinen Augen eh nicht der Punkt. Was ich die ganze Zeit sagen will: Es kommt nicht drauf an, welche Instrumente oder Stile oder Musikrichtungen man verwurstet, es kommt darauf an, seine eigene PERSÖNLICHKEIT mit einzubringen und die ganzen Einflüsse zu seiner ganz persönlichen, unverwechselbaren Mischung zu machen.
Ein Mensch wird ja auch nicht dadurch was Anderes, indem er vom C&A-Pullover in einen Armani-Anzug wechselt. Wenn er vorher hohl war, bleibt er es auch im Anzug.
Ganz drastisch sieht man in der klassischen Musik, wie Persönlichkeit Musik beeinflusst. Selbst ein Dirigent, der nur "alte Sachen" wie Beethoven mit einem Orchester einstudiert, kann daraus was Eigenes, Unverwechselbares machen - wenn er denn eine starke musikalische Persönlichkeit ist - man nehme nur Leute wie Leonard Bernstein oder Carlos Kleiber - da hatte ich in Konzerten jedes Mal das Gefühl, ich würde die alten Werke völlig neu erleben! Obwohl da immer nur dieselben Instrumente gespielt haben. ;-)
Digital_Data sagte:
Ich denke nicht, dass ein Song des Jahrzehntes nun besonders innovativ sein muss, egal was das nun überhaupt ist. Bei den 70er (Bohemian Rapsody, Music, Money, Money, Money, als ein Song der in sich eine kleine Rockoper ist) und 90er (Smells like teen spirit) würde mir nicht unbedingt ein innovativer Song des Jahrzehntes einfallen, bei den 80ern ist das schon leichter z.B. Falco und Rock Me Amadeus oder etwas aus den vielen neuen Richtungen die damals entstanden (99 Luftballons, Foreigner, Saga, MJ).
99 luftballons war nur noch der kommerzielle durchbruch einer innovativen bewegung, nämlich der frühen ndw (abwärts, der plan, daf, trio, fehlfarben, etc. nena war da ähnlich innovativ wie nickelback den grunge erfunden haben. zu foreigner und saga sag ich besser nix und mj war auch eher kein großer innovator, sondern nur der entertainer schlechthin.
eigentlich wollte ich hier kein nerd-faß aufmachen, aber wenn schon ausgiebig über die eigenständigkeit von wolfmother diskutiert wird...
Für mich gibt es hier zwei Songs des Jahrzehntes, der eine ist Enya, auch wenn man nicht dran denkt, wenn man den Song hört ist er mit 9/11 verbunden. Der zweite ist Canon Rock, weil er seinen Weg über YouTube und damit die Communities des Internets gemacht hat und als neues Arrangement, dass Klassik mit Rock verbindet dass dieses neue Arrangement sowohl bei Klassikliebhabern als auch bei Rockliebhabern gleichermaßen ankommt und damit eine Brücke auch zwischen der jungen und der alten Generation schlägt. Mehr kann ein Song eingentlich fast nicht leisten. Und dies als instrumental Version. Gerade auch das Video der Gitarrespieler auf dem Bett vor dem PC repräsentiert dieses Jahrzehnt vielleicht mehr als alles andere vorbei an Hitparaden, Musikmärkten und Plattenlabels.
kriegst du eigentlich tantiemen, wenn du canon rock erwähnst? ja, der song mag vielleicht das phänomen des internet-meme repräsentieren, als eines unter vielen anderen (revolution of dance bspw.), musikalisch steht der so sehr für das jahrzehnt wie die katze im pappkarton. das ist nicht innovativ, es ist nicht originell, es ist nur ein weiteres der videos, die sich gitarrenschüler weltweit wegen der skills zuschicken. und zufälligerweise ist das eben sehr oft angeguckt worden. so oft, daß selbst du das mitbekommen hast. komisch nur, daß das in musikblogs und auf musikseiten nicht vorkommt. wenn doch, hast du es vermutlich gepostet. seven nation army dagegen kennen 50% der bevölkerung, ob nun bewu0t oder unbewußt.
ich bezweifele sehr, daß wir dieses jahr von klassik in verbindung mit rock (wow, wie neu!) überschüttet werden.
03.01.2010 - 23:39 Uhr
ThomasCrown
donrazzi sagte:
Über Pachelbel improvisieren ist das Gegenteil von Neu. Egal auf welchem Instrument.
auch das gegenteil von Neu!
donrazzi sagte:
Über Pachelbel improvisieren ist das Gegenteil von Neu. Egal auf welchem Instrument.
So generalisiert, ist das ist ja wohl völliger Blödsinn, das müsste Dir doch eigentlich selber auffallen.
Jetzt sag bloß, es kommt nichts Neues dabei raus, wenn Alban Berg in seinem Violinkonzert über ein Motiv aus einer Bach-Kantate paraphrasiert ...
04.01.2010 - 00:10 Uhr
donrazzi
ThomasCrown sagte:
kriegst du eigentlich tantiemen, wenn du canon rock erwähnst? ja, der song mag vielleicht das phänomen des internet-meme repräsentieren, als eines unter vielen anderen (revolution of dance bspw.), musikalisch steht der so sehr für das jahrzehnt wie die katze im pappkarton. das ist nicht innovativ, es ist nicht originell, es ist nur ein weiteres der videos, die sich gitarrenschüler weltweit wegen der skills zuschicken. und zufälligerweise ist das eben sehr oft angeguckt worden. so oft, daß selbst du das mitbekommen hast. komisch nur, daß das in musikblogs und auf musikseiten nicht vorkommt
Tolles Totschlag-Argument. Ich poste hier öfters tolle Sachen, die ich auf YouTube finde und kriege dafür keine Tantiemen und ich finde dort auch oft seheneswerte Sachen, die nicht No. 2 bei Most Viewed sind. Bei Seven Nation Army werden ja oft als Grund die Covers angesprochen, wie viele davon gibt es zu Canon Rock auf YouTube ?
Als ich meinen Film zu Canon Rock gemacht hatte und oft mit Kamera und Stativ auf der Straße stand wurde ich x-mal angesprochen. Die Quote derer die Canon Rock rein über den Titel kennen liegt bei gefühlten 80 bis 90 %. Unterschätze die Popularität nicht, nur weil es nicht in den Blogs, in denen Du bist, diskutiert wird.
Die Diskussionen über Foreigner gab es schon damals, trotzdem ist es eine Stilrichtung, ob DU die nun gut findest oder nicht, spielt dabei keine Rolle. Und ob nun 99 Luftballons der beste Vertreter der neuen deutschen Welle ist, immerhin Nummer 1 in Amerika und auch ein Erfolg in den 00ern, zeigt zumindest, dass es zeit- und grenzenlos ist, auch wenn es den Kritikern icht so gefällt. Nur der (kommerzielle) Erfolg hat sich noch nie an den Kritikern orientiert.
Dass Du MJ nicht als wichtig ansiehst disqualifiziert Deine Meinung aber vollkommen, da er eben nicht nur der Künstler dieses Jahrzehntes war sondern weil er eben auch sehr viele Künstler beeinflußt hat und viele Sänger und Gruppen wohl erst als Folge von MJ entstanden sind. Ich hoffe, ich muss Dir das jetzt nicht noch erläutern.
Digital_Data
Digital_Data sagte:
ThomasCrown sagte:
Die Diskussionen über Foreigner gab es schon damals, trotzdem ist es eine Stilrichtung, ob DU die nun gut findest oder nicht, spielt dabei keine Rolle. Und ob nun 99 Luftballons der beste Vertreter der neuen deutschen Welle ist, immerhin Nummer 1 in Amerika und auch ein Erfolg in den 00ern, zeigt zumindest, dass es zeit- und grenzenlos ist, auch wenn es den Kritikern icht so gefällt. Nur der (kommerzielle) Erfolg hat sich noch nie an den Kritikern orientiert.
Dass Du MJ nicht als wichtig ansiehst disqualifiziert Deine Meinung aber vollkommen, da er eben nicht nur der Künstler dieses Jahrzehntes war sondern weil er eben auch sehr viele Künstler beeinflußt hat und viele Sänger und Gruppen wohl erst als Folge von MJ entstanden sind. Ich hoffe, ich muss Dir das jetzt nicht noch erläutern.
Digital_Data
och, bitte genauer lesen: es ging mir um innovation, nicht um qualität oder gar popularität.
nena war nicht innovativ, sie war erfolgreich.
canon rock ist nicht innovativ oder gut, es ist populär (meinetwegen).
mj war nicht musikalisch innovativ. er hat disco auf dem weißen musikmarkt verbreitet, so wie motown vorher soul für den gesamten musikmarkt tauglich gemacht hatte. thriller ist im großen und ganzen r'n'b mit ein bißchen disco, soul und pop. bad ist pop mit ein paar gitarren usw.
aber wie gesagt: innovation ist auch mir weder das ein und alles noch das wichtigste bei musik und ich bin der letzte, der mj irgendeine bedeutung absprechen würde.
http://www.faz.net/s/RubE219BC35AB304261...
Punktesammler sagte:]http://www.faz.net/s/RubE219BC35AB304261...
hier. so schreibt man einen artikel über die popkulutur hierzulande, wie sie während der nullerjahre vorherrschte/vorherrscht:
[link=http://www.faz.net/s/RubE219BC35AB304261...
Das ist, als würde man den in dem Artikel genannten Silbermond eine Platte von Isaac Hayes vorhalten und sagen: "Hier. So schreibt man Musik."
Außerdem ist es einfacher, über ein eng gefasstes Thema wie "deutschsprachiger Gitarrenpop der letzten 10 Jahre" zu schreiben als über "Musik seit 1999 im globalen Kontext".
Zudem ist der Beitrag so pathetisch, sowas kann sich halt nur die FAZ oder die Spex erlauben, aber kein Jugendmagazin.
Zwar gibt es Beispiele wie "In the Air tonight", "Mama", "We will Rock you" oder "Rain in May", die eine strake rhythmische Basis hatten, aber Michael Jackson war einer derer, die in einer extremen Variante rhythmische und musische Effekte nicht nur verband sondern in einem musikalischen Element verschmelzen ließ, vergleiche "Smooth Criminal", die Trennung zwischen Rythmus und Musik wurde dadurch aufgehoben und bildete sozusagen die Basis für ganz neue Musikrichtungen.
Ähnliches gilt bei Canon Rock. Canon Rock ist nicht nur eine neues Arrangement. Der Anfang von Canon Rock ist vollkommen klassisch, erst dann setzen die harten, metallischen Gitarrensounds ein, die anfangs fast wie Störkörper wirken. Über die Zeit wird aus der kalssischen Basis und dem neuen Gitarren-Rock mehr und mehr eine Einheit und die Grenzen beider Stile verflißen mehr und mehr. Im Prinzip erzählt Canon Rock den Disput zwischen E- und U-Musik in einem einzigen Instrumental-Stück. Schade das Du das nicht hörst.
Digital_Data
Digital_Data sagte:
Michael Jacksons Innovation sehe ich musiklaisch zum Beispiel in der Art wie rhythmische Elemente als gestalterische Elemente ein gesetzt werden. Ganz klare Beispiele sind hier "Smooth Criminal" oder "They don't care about us" aber auch "Black or White" bei dem der Gitarren-Riff vor allem auch eine rythmische Basis bildet. Ich wage sogar zu behaupten das Michael Jackson in den 80ern die Basis für z.B. den Hip-Hop gelegt hat, der sich dann einen Schritt weiter nur noch auf die Rhythmik konzentriert hat.
hiphop war eine erfindung der 70er, spätestens manifestiert durch rappers delight. 79 oder 80, glaube ich. da waren kraftwerk wichtiger für hiphop als mj. wie überhaupt auch im krautrock der 70er (can!) das rhythmische und repetitive element an bedeutung gewonnen hatte.
im grunde war das aber schon mit funk durch, siehe jamesbrown mit seinem timing-perfektionismus. und diese eine richtung da hieß nicht umsonst rhythm&blues, ne?
ebenso wie "they don't really care about us" 1996 veröffentlicht wurde, als hiphop, house, techno oder triphop längst die richtung vorgaben. oder drum&bass.
Zwar gibt es Beispiele wie "In the Air tonight", "Mama", "We will Rock you" oder "Rain in May", die eine strake rhythmische Basis hatten, aber Michael Jackson war einer derer, die in einer extremen Variante rhythmische und musische Effekte nicht nur verband sondern in einem musikalischen Element verschmelzen ließ, vergleiche "Smooth Criminal", die Trennung zwischen Rythmus und Musik wurde dadurch aufgehoben und bildete sozusagen die Basis für ganz neue Musikrichtungen.
nö. also ja: rhythmus&melodie den gleichen rang einräumen. rhythm&blues, wie ich sagte.
basis für neue musikrichtungen: nein. wenn man nur mainstreamhits heranzieht (oder kennt?), dann vielleicht. weil mj einer der ersten großen war, die das aufgegriffen haben.
Ähnliches gilt bei Canon Rock. Canon Rock ist nicht nur eine neues Arrangement. Der Anfang von Canon Rock ist vollkommen klassisch, erst dann setzen die harten, metallischen Gitarrensounds ein, die anfangs fast wie Störkörper wirken. Über die Zeit wird aus der kalssischen Basis und dem neuen Gitarren-Rock mehr und mehr eine Einheit und die Grenzen beider Stile verflißen mehr und mehr. Im Prinzip erzählt Canon Rock den Disput zwischen E- und U-Musik in einem einzigen Instrumental-Stück. Schade das Du das nicht hörst
vielleicht, weil ich mich um die trennung von e- und u-musik nicht groß kümmere? vielleicht, weil kombinationen von klassik und pop/rock schon jahrzehnte alt sind? vielleicht, weil canon rock in 5 jahren ebenso bedeutungslos sein wird wie enyas 9/11-song (der es übrigens damals, nur nebenbei, in den usa lediglich auf platz 10 geschafft hat) es seit 5 jahren schon ist?
Aber ich finde diese Analyse dazu sehr lustig. :-)
eisengrau sagte:
Jetzt habe ich mir auch mal diesen Canon Rock angehört und ich finde. das klingt einfach nur, als ob Axel Rudi Pell den Kanon von Pachelbel nachspielt.
gitarrenschüler-favorit, wie gesagt.
Leider hast Du überhaupt nicht verstanden, was ich geschrieben habe, aber ich versuche es gerne noch einmal. Rythm and Blues hat zwar Rhythmus und Musik aber eben in zwei Elementen, ganz klassisch, also ein Schlagzeug und eine Gitarre oder Gesang. Das Schlagzeug sorgt für den Rhythmus, während die anderen Instrumente oder der Gesand für die Melodie sorgt.
Nun hör Dir noch einmal den Anfang von Smooth Criminal an. Rhythmus und Melodie sind in einem einzigen Element verschmolzen, unterennbar miteinander verbunden. Ähnliches gilt für "Black or White". Der Riff ist Musik und gleichzeitig Takt in einem einzigen Element. Dies gab es vorher zwar teilweise ansatzweise, z.B. auch in "Summer Night City" von Abba, aber eben nie so konsequent. Wenn Du Dir nun den Anfang von "Smooth Criminal" anhörst und danach populären Hip-Hop der 90er Jahre, dann wirst Du (vielleicht) erkennen, dass MJs Musik der Vorläufer exact dieser Musik war.
Das was auf früher erwähnter "Love Parade" aus allen Lautsprechern dröhnte, hat seinen Vorläufer in Hits wie "Smooth Criminal", nur das MJ es geschafft hatte eben weiterhin richtige abwechslungsreiche Musik zu machen, während Hip-Hop letzten Endes die endlose Wiederholung verschmolzenen Rhythmus/Melodie-Parts ist, etwas ähnlich wie bei Seven Nations Army auch. Dies ist ein Riff, der Meldodie und Rhythmus vorgeben könnte, wenn die Macher es denn durchhalten würden.
"They don't really care about us" war der Höhepunkt dieser Entwicklung. Der wohl einzige Song der Musikgeschichte, der es schafft positiv (braislianische Videoversion) und düster, aggressiv zu klingen (Gefängnis-Version), mit ein und dem selben Sound. Ein absolutes Meisterwerk, nach meiner Meinung, auf diesem Weg. Nur damals hatte man sich auf Michael Jackson als Feindbild schon zu sehr eingeschossen um das auch nur ansatzweise zu erkennen, teilweise auch deshalb, weil man die Gefängnis-Version nicht ausstrahlte.
@eisengrau
Du findest es lustig, nun ich habe ein Video dazu gemacht und eben die Musik nach dem was es aussagt anaylisiert, um dazu adäquate Bilder zu entwerfen. Ich könnte Dir das ganze Stück erklären, dass bei mir in 24 Kapitel zerlegt ist, die diesen stetigen Wandel demonstrieren, aber das würde wohl zu weit führen.
Digital_Data
Dann würde Dir nämlich auffallen, daß hier nichts anderes vorliegt, als eine abgeschmackte Etüde auf dem Weg, technische Größen wie John Petrucci, Steve Vai oder Eddie van Halen zu erreichen.
Und daneben: Einfach klassiche Musik auf moderne Instrumente umzusetzen ist wenig neu - das haben Wendy Carlos, ELP und die ganzen Symphonic Rock Bands schon vor drei Jahrzehnten gemacht.
Zudem:
Ein sehr gut ausgebildeter Gitarrenschüler von heute bekommt es locker hin, ein solches Solo über die Pachelbel-Sequenz zu legen. An jeder Musikschule rennt heute bestimmt einer rum, der sowas gebacken bekommt.
Das wirkliche Problem solcher Videoschnipsel ist, daß sie oft von Leuten gehört und gehypet werden, die den Schwierigkeitsgrad des Instruments nicht einschätzen können. Bei der Gitarre kommt verstärkend hinzu, daß es ein Instrument ist, welches von sehr vielen Leuten benutzt wird, die meinen, soetwas beurteilen zu können, weil sie sich bei ihren drei Lagerfeuerakkorden schon die FInger gebrochen haben. Aber technisch beruht das alles auf Tapping und Sweeping. Wer diese beiden eindrucksvollen Techniken beherrscht, kann ordentlich den Lachs auf den Tisch legen - was zugegebenermaßen auch Spaß macht.
05.01.2010 - 00:02 Uhr
donrazzi
DD, Du verdehst hier teilweise extrem die Tatsachen zwischen Ursache und Wirkung.
Manche Stücke haben eben etwas, was die Massen bewegt und andere nicht. Aber was das ist wirst Du anscheinend sicher nicht verstehen. Es ist eben nicht so einfach etwas zu machern, was jeder Schüler kann und was Millionen Leute anhören, über diesen Unterschied solltest Du mal nachdenken. Immerhin hat Canon Rock sogar einen Eintrag in der Wikipedia.
Und auch die New York Times ist wohl nicht Deiner Meinung ;-)
http://www.nytimes.com/2006/08/27/arts/t...
Ich habe mir gerade einige Deiner Beispiele sicherheitshalber noch einmal angehört (Genesis nicht, die kenne ich gut genug aus dem gedächtnis) und merke alleine an Deinen beispielen, dass Du meinen Ansatz gar nicht verstehst. Das gesagte gilt für viele MJ-Hits z.B. auch für Thriller aus dem Jahr 92.
Digital_Data
Zurück zu Jackson:
Was meinst Du? Den treibenden Beat in den Stücken? Die Betonung auf 2 und 4 durch Pausieren der Harmonieinstrumente während der Schläge? Das sind Sachen, die hat Grandmaster Flash (1980) schon zwei Jahre vor Jackson gemacht. Und einer der ersten Beats über dem Rapper das tun, was sie tun, nämlich Rappen, war tatsächlich Kraftwerks Trans Europa Express, zu diesem Zweck gebraucht von Afrika Bambaataa. Jackson konnte später dann sowas natürlich besser und aufwendiger produzieren, weil er bereits etabliert war, aber erfunden hat er das sicher nicht.
Meine ersten Beispiele waren übrigens alle auf Canon Rock bezogen, nicht auf Michael Jackson. Um darauf zurückzukommen: Was der Mann da macht, ist sicherlich imposant, aber wenn man die Entwicklung progressiver Rockmusik verfolgt hat sicherlich nicht neu. Zudem gibt es eine Menge Gitarristen, die mehr Ausdruck in ihr Spiel gelegt bekommen und jeden einzelnen Ton besser ausformen. Was man bei den ganzen Canon Rock-Leuten sieht, ist lauter Virtuosentum im negativen Sinne. Gerade Musiker asiatischer Herkunft (und JerryC ist einer), leiden unter dieser Krankheit: Technisch absolut sauber, aber in der Interpretation schwach. Musikhochschulen stöhnen inzwischen ob der schieren Masse solcher Mendelssohn-Roboter. Das ist jetzt nicht xenophob gemeint, aber diese bedingungslose Hörigkeit in der asiatischen Kultur gegenüber dem Lehrer ist ein echtes Problem - und wirklich gut werden kann in der klassischen Musik nur jemand, der diese Hörigkeit überwindet. Aber das schweift jetzt zu sehr vom Thema ab.
Der Hauptgrund, weswegen ich Canon Rock nicht mag ist allerdings, daß die Musik hier nur auf ein anderes Instrument transformiert wird, nur um Virtuosität zu demonstrieren. Sie wird nicht in einen neuen Kontext gesetzt. Guck Dir mal America von The Nice an (Vorgängerband von ELP), oder auch Imagine von A Perfect Circle (John Lennon-Cover), dann denke, verstehst Du, was ich meine.
JerryCs Original-Version ist übrigens hier:
Popularität ist durchaus ein starker Motor, der Veränderungen in der Musik oder neue Wege in der Musik als Katalysator beschleunigt. Es gibt sicher tausende Ideen, die sich nicht durchgesetzt haben, weil ihnen schlicht die Popularität fehlte. Insofern ist es auch eine Leistung eines Künstlers, wenn er einer Variation, die bisher wenig beachtet wurde, durch Popularität zum Durchbruch verhilft.
Digital_Data
Das Musik, die einst sehr populär war, sich zu späteren Zeitpunkten als nicht wirklich wichtig entpuppt, ist auch kein neues Phänomen und umgekehrt einstmals weniger beachtete Musik populär wird, auch schon oft vorgekommen.
Beispiele aus der Klassik sind etwa Giaccomo Meyerbeers Opern, die zu Zeiten der Uraufführung immensen Zuspruch hatten, weil Meyerbeer bombastisch produzieren konnte, während George Bizets Carmen enorme Anlaufschwierigkeiten hatte und erst einige Jahre nach der Uraufführung zu rennen begonnen hat. Bestes Beispiel: Johann Sebastian Bach ist auch erst von Felix Medelssohn-Bartholdy wieder ausgebuddelt worden.
Digital_Data sagte:
Na wenn es denn so einfach ist, dann mach so ein Videoschnipsel, dass bei YouTube 67 Mio. Clicks bekommt doch einfach.
Manche Stücke haben eben etwas, was die Massen bewegt und andere nicht. Aber was das ist wirst Du anscheinend sicher nicht verstehen. Es ist eben nicht so einfach etwas zu machern, was jeder Schüler kann und was Millionen Leute anhören, über diesen Unterschied solltest Du mal nachdenken. Immerhin hat Canon Rock sogar einen Eintrag in der Wikipedia.
67 mio klicks bei youtube sind kein beleg für gar nix. girlfriend von avril lavigne hatte über 100 mio, und da wird wohl keiner ernsthaft behaupten wollen, daß das in sachen popularität, qualität oder innovation für irgendwas besonderes steht.
auf deinen versuch, mj zum vorläufer von hiphop und techno zu machen, werd ich nicht mehr eingehen, da du da ja offensichtlich deine ganz eigene theorie gebastelt hast, unabhängig von jahresdaten, musikgeschichte und tatsachen.
05.01.2010 - 10:29 Uhr
ThomasCrown
donrazzi sagte:
Noch was:
Das Musik, die einst sehr populär war, sich zu späteren Zeitpunkten als nicht wirklich wichtig entpuppt, ist auch kein neues Phänomen und umgekehrt einstmals weniger beachtete Musik populär wird, auch schon oft vorgekommen.
Beispiele aus der Klassik sind etwa Giaccomo Meyerbeers Opern, die zu Zeiten der Uraufführung immensen Zuspruch hatten, weil Meyerbeer bombastisch produzieren konnte, während George Bizets Carmen enorme Anlaufschwierigkeiten hatte und erst einige Jahre nach der Uraufführung zu rennen begonnen hat. Bestes Beispiel: Johann Sebastian Bach ist auch erst von Felix Medelssohn-Bartholdy wieder ausgebuddelt worden.
velvet underground, can, etc. einfluß und bedeutung haben oftmals nix mit der popularität zu tun.
Digital_Data sagte:
@eisengrau
Du findest es lustig, nun ich habe ein Video dazu gemacht und eben die Musik nach dem was es aussagt anaylisiert, um dazu adäquate Bilder zu entwerfen. Ich könnte Dir das ganze Stück erklären, dass bei mir in 24 Kapitel zerlegt ist, die diesen stetigen Wandel demonstrieren, aber das würde wohl zu weit führen.
Digital_Data
Allerdings. Aber mir würde auch ein einziges Kapitel reichen, nämlich das, in dem erklärt wird, warum dieser Song, bzw. dieses Stück typisch für die 00er Jahre ist und nicht auch zu einem beliebigen anderen Zeitpunkt hätte bestehen können.
eisengrau sagte:
Digital_Data sagte:
@eisengrau
Du findest es lustig, nun ich habe ein Video dazu gemacht und eben die Musik nach dem was es aussagt anaylisiert, um dazu adäquate Bilder zu entwerfen. Ich könnte Dir das ganze Stück erklären, dass bei mir in 24 Kapitel zerlegt ist, die diesen stetigen Wandel demonstrieren, aber das würde wohl zu weit führen.
Digital_Data
Allerdings. Aber mir würde auch ein einziges Kapitel reichen, nämlich das, in dem erklärt wird, warum dieser Song, bzw. dieses Stück typisch für die 00er Jahre ist und nicht auch zu einem beliebigen anderen Zeitpunkt hätte bestehen können.
(ich weiß es, ich weiß es!)
Naja ob Carmen so ein gutes Beispiel ist. Carmen lebt im Prinzip von einem einzigen Meldodie-Schnipsel, dass zugegeben weltbekant und auch nicht schlecht ist, aber eben während der ganzen Oper immer wieder wiederholt wird. Letzten Endes lebt die ganze Oper von dieser einen Melodie. Und der Macher wußte das wohl, sonst hätte er eben diesen Schnipsel nicht dauernd wiederholt, dass ist zwar clever, aber nicht wirklich tragend. Ich war von Carmen eher enttäuscht. Wenn man sich den ganzen Abend aber immer wieder diese Melodie in verschiedenen Ausprägungen anhören will, dann ist man sicher glücklich. Hier macht diese Melodie sicher als "Trailer" viel Werbung, die die Oper als solches dann wohl nicht hält. Da gibt es wahrlich bessere Opern.
@ThomasCrown
Du hast es immer noch nicht verstanden, oder ? Avril Lavigne hat drei Alben auf Nummer 1 platziert und Girlfriend war in fast allen Ländern auf Nummer 1. Dazu kommt eine Medienkampagne des Verlages, die mittlerweile auch YouTube entdecken.
"Canon Rock" kam aus dem nichts, ohne eine vorherige Bekanntheit, ohne Marketing-Maschine und in 2006, also der Anfangszeit von YouTube und den Communities. Dazu kommt, dass "Canon Rock" nicht durch einen excellenten visuellen Eindruck besticht, es ist visuell schlicht nur noch langweilig. Ein Musikstück, trotz visueller "Schlichtheit" erreicht also hohe Klickzahlen ohne marketingmaschine und andere Massnahmen. Das läßt schlußfolgern, es geht einzig um die Musik und sonst nichts. Und dieser Erfolg ist eben nur im Internetzeitalter möglich und steht für die neuen Möglichkeiten, die Künstler neben dem Mainstream haben.
Digital_Data
Digital_Data sagte:
@donrazzi
Naja ob Carmen so ein gutes Beispiel ist. Carmen lebt im Prinzip von einem einzigen Meldodie-Schnipsel, dass zugegeben weltbekant und auch nicht schlecht ist, aber eben während der ganzen Oper immer wieder wiederholt wird. Letzten Endes lebt die ganze Oper von dieser einen Melodie. Und der Macher wußte das wohl, sonst hätte er eben diesen Schnipsel nicht dauernd wiederholt, dass ist zwar clever, aber nicht wirklich tragend. Ich war von Carmen eher enttäuscht. Wenn man sich den ganzen Abend aber immer wieder diese Melodie in verschiedenen Ausprägungen anhören will, dann ist man sicher glücklich. Hier macht diese Melodie sicher als "Trailer" viel Werbung, die die Oper als solches dann wohl nicht hält. Da gibt es wahrlich bessere Opern.
Digital_Data
Mit der Aussage hast du dich - um deine Worte zu benutzen - bis in die Steinzeit selbst disqualifiziert.
für die musikgeschichte, popkulturgeschichte etc. sind die völlig unbedeutend, sowohl avril lavigne als auch canon rock und enya.
wenn du schon die neuen möglichkeiten, die musiker neben dem mainstream haben, beschreien möchtest, dann nimm doch eine der bands, die nur durch musikblogs so bekannt wurden. animal collective fällt mir da gerade ein, aber es gibt dutzende weitere. das ist dann aber halt alles long tail und hat nix mit deinen umjubelten zigmillionen abrufen zu tun, aber dafür was mit künstlerischer und musikalischer werthaltigkeit, sprich nachhaltigkeit.
bei sehr vielen one hit wondern gings nur um musik, und wie nachhaltig waren die wohl?
geh doch deinen klassikrock hören und berausch dich an hohen klickzahlen, aber tu bitte nicht mehr so, als hättest du von popmusik im digitalen zeitalter (und anscheinend auch davor) mehr ahnung als ein ndr2-hörer.
Damit habe ich mich gar nicht disqualifiziert, denn ich kann eine persönliche Meinung zu Carmen haben und wenn ich in jedem Act mehrfach das Hauptthema höre, dann frage ich mich, was soll das ? Denn durch dieses Thema gehe ich in diese Oper mit einer Erwartungshaltung, den der Rest der Musik nicht halten kann, rein auf die Musik bezogen, über die Darstellung könnten wir reden. Und ich frage mich auch, warum der Autor das gemacht hat, wie ich mich bei Seven Nations Army frage, warum man einen sieben-Noten-Riff ein ganzes Lied lang wiederholen muss. Ist vielleicht Einfallslosigkeit der Grund ?
@ThomasCrown
Ich sage noch einmal, es bringt wenig, wenn eine neue Sache zu wenig Popularität hat, dass sieht man an vielen schönen Erfindungen, die in Schubladen landen oder den 3-Liter-Autos, die keiner kauft. Das Drei-Liter-Auto mag eine tolle Sache sein, wenn sie aber niemand kauft, dann hilft es null. Es mag ja sein, dass sich einige wenige in Blogs, und auch wenn diese Blogs eine Million Besucher hätten wären es im weltweiten Maßstab einige wenige, damit beschäftigen, dann ergeht es dieser Musik trotzdem wie dem Drei-Liter-Auto.
Das avril lavigne-Beispiel ist ja von Dir, Du diskutierst nicht kosistent. Du gehst eben auf mein Argument, dass avril lavigne seine 100 Mio.Klicks nicht durch die Musik, sondern durch eine große Bekanntheit und Marketing-Maschine erreicht hat und Canon Rock dies alleine durch die Musik erreicht hat, ein. Es mag sein, dass es Musik gibt die möglicherweise innovativer ist, nur wenn diese Innovation aus Mangel an Gefallen keine breite Masse erreicht, dann geht es dieser Musik genauso wie dem 3-Liter-Auto im Vergleich zum Silberpfeil, es stinkt daneben ab. Das magst Du als ungerecht empfinden, aber so ist die Welt.
Nur noch einmal die Frage gestellt. Wenn Canon Rock den so banal ist, warum schafft es nicht jeder beliebige Gitarreschüler einen Song bei YouTube hochzustellen, der 67 Mio. mal angeklickt wird. Kann es sein, dass Musik etwas mehr sein muss, als innovativ, weltbewegend und meisterhaft zelebriert, sondern dass es schlicht gefallen muss und das selbst Leute die alles über Musik wissen, letzten Endes nicht in der Lage sind, Musik zu machen, die gefällt ?
Digital_Data
Digital_Data sagte:
@ThomasCrown
Ich sage noch einmal, es bringt wenig, wenn eine neue Sache zu wenig Popularität hat, dass sieht man an vielen schönen Erfindungen, die in Schubladen landen oder den 3-Liter-Autos, die keiner kauft. Das Drei-Liter-Auto mag eine tolle Sache sein, wenn sie aber niemand kauft, dann hilft es null. Es mag ja sein, dass sich einige wenige in Blogs, und auch wenn diese Blogs eine Million Besucher hätten wären es im weltweiten Maßstab einige wenige, damit beschäftigen, dann ergeht es dieser Musik trotzdem wie dem Drei-Liter-Auto.
innovation braucht bisweilen ein paar jahre und ist meistens zu früh für die breite masse dran.
wenn es dieser musik wie dem 3l-auto geht, dann schreit in zehn jahren die ganze welt danach. ganz schlechter vergleich für deine belange.
Nur noch einmal die Frage gestellt. Wenn Canon Rock den so banal ist, warum schafft es nicht jeder beliebige Gitarreschüler einen Song bei YouTube hochzustellen, der 67 Mio. mal angeklickt wird. Kann es sein, dass Musik etwas mehr sein muss, als innovativ, weltbewegend und meisterhaft zelebriert, sondern dass es schlicht gefallen muss und das selbst Leute die alles über Musik wissen, letzten Endes nicht in der Lage sind, Musik zu machen, die gefällt ?
ganz einfach: weil das prinzip der millionenfachen verbreitung im internet nicht immer logischen oder rationalen mustern folgt. ein video muß nur den richtigen zeitpunkt, die richtige welle, die richtigen blogs als multiplikatoren treffen oder auf die richtigen kettenmail-züge aufspringen. warum hat evolution of dance 130 mio views? ja, es ist lustig, ich hab mich auch unterhalten gefühlt, aber wtf - 130 mio?
ich glaube, ich sage das jetzt zum gefühlten zehnten male: canon rock ist kein musik-, sondern ein internetphänomen. ein internetphänomen. ein digitales phänomen.
warum das zig mio views hat? weil jeder 14jährige gitarrenschüler (und es gibt viele, viel zu viele gitarrenschüler auf dieser welt), der das gesehen hat, dachte "boah, krass" und es bei facebook/studivz reinstellte oder per chat/mail an seien kumpel weiterschickte. dann hat das video die richtige welle erwischt und zack - da haben wir ein virales phänomen. schlags nach.
Digital_Data sagte:
@Gargoyle
Damit habe ich mich gar nicht disqualifiziert, denn ich kann eine persönliche Meinung zu Carmen haben und wenn ich in jedem Act mehrfach das Hauptthema höre, dann frage ich mich, was soll das ? Denn durch dieses Thema gehe ich in diese Oper mit einer Erwartungshaltung, den der Rest der Musik nicht halten kann, rein auf die Musik bezogen, über die Darstellung könnten wir reden. Und ich frage mich auch, warum der Autor das gemacht hat, wie ich mich bei Seven Nations Army frage, warum man einen sieben-Noten-Riff ein ganzes Lied lang wiederholen muss. Ist vielleicht Einfallslosigkeit der Grund ?
Digital_Data
Natürlich kannst du sagen, "Carmen" gefällt mir persönlich nicht oder gibt mir nichts. Aber deine persönliche Meinung schmälert weder die musikalische noch die historische Bedeutung der Oper "Carmen".
Und deine Argumente für die angeblichen Defizite von "Carmen" zeigen nur überdeutlich, dass du von der musikalischen Materie nicht den blassesten Schimmer hast. Als ob "Carmen" nur auf einer einzigen, immer wiederkehrenden "Melodie" basieren würde. Selten sowas Dämliches gelesen. Erstens steckt in der Oper eine Fülle unterschiedlicher Elemente, die halt alle perfekt zusammenpassen und deshalb wie aus einem Guss wirken. Zum anderen scheint dir entgangen zu sein, dass öfter wiederkehrende msikalische Motive auch eine dramaturgische Bedeutung haben können - Bizet arbeitet da mit ähnlichen Mitteln wie Wagner - nämlich mit dem, was man gemeinhin als Leitmotiv bezeichnet. Nach Deinem Verständnis kann man also auch den ganzen "Ring des Nibelungen" in die Tonne treten, weil man da ja eh nur immer wieder dieselen "Melodien" zu hören bekommt. Mehr ist Wagner nicht eingefallen, um die 16 Stunden mit Musik zu füllen. Oder John Williams´ Star Wars-Soundtrack - so ein Müll, immer wieder dieselben "Melodien" - stundenlang! Davon abgesehen fehlt dir anscheinend jedes Verständnis dafür, wie revolutionär und zukunftsweisend Bizets "Carmen" musikalisch und inhaltlich im Umfeld von Meyerbeer, Rossini und Donizetti war. In vielerlei Hinsicht nimmt "Carmen" schon Dinge vorweg, die Alban Berg in seinem "Wozzeck" verarbeitet hat - aber in der Oper gibt es ja gar keine anständigen Melodien mehr! Was für ein Schrott! ;-)
Blues wird viel zu unterschätzt.
Und nein, ich habe die Diskussion seit Seite 10 nicht mehr verfolgt. Chrchr.
Die_Eintagsfliege sagte:
Vor allem war der Blues. Und das ist gut so. :)
Blues wird viel zu unterschätzt.
Der Blues mit seinem simplen, immer wiederkehrenden harmonischen Grundschema? Ich bitte dich. Blues ist doch einfallslos, frag mal D_D. ;-)
Liegt aber hauptsächlich an seinen komischen Musikgeschmack. Nichts für ungut.
Das Hauptthema von Carmen sticht aus der Oper heraus, damit bildet die Oper keine Einheit, dass merkt man jedes Mal, wenn das Hauptthema wieder angespielt wird. Ich sag's mal so. Bizet hat ein super geniales Hauptthema entwickelt und er hat eine gute, vielleicht sehr gute Oper gemacht. Warum er beides miteinandner vermischt hat, da wird der Grund wohl sein, dass er dass Thema selbst richtig eingeschätzt hat und der Meinung war, dass sich die Oper mit dem Thema besser verkauft. Auch das hat er richtig eingeschätzt. Denn jeder verbindet Carmen mit diesem Thema. Nur ist diese Verbidnung deutlich zu kurz.
Richtig ist aber auch, dass das Hauptthema wenig über die Oper als ganzes aussagt, sicher aber viele gerade wegen dem Hauptthema reingehen, auch ich. Das Ergebnis wird dann sein, dass die Erwartungshaltung in diesem Moment nicht erfüllt wird. Da man erwartet, dass das Haupttema ein Teil des ganzen ist, man aber enttäuscht feststellt, dass das Hauptthema in seiner Art relativ alleine dasteht udn nur durch die Wiederholung glänzt. Das kommt mir so vor, wie Filme bei denen man die besten Szenen schon im Trailer alle gesehen hat.
Das ist ungefähr so, als wenn Du in einen Bond gehst und kein Q, kein "Mein Name ist Bond, James Bond" etc. vorkommt. Das heißt ncht, dass der Film schlecht ist, aber es ist ein schlechter Bond. Weil er die Erwartung in diesem Moment nicht erfüllen kann. Das macht Bizet im Prinzip auch, in dem er ein Hautthema hat, dass unglaublich schmissig ist, aber zum Rest irgendwie nicht dazupassen will. Das Ergebnis ist dann, dass jedes Mal wenn dieses Hauptthema ertönt die restliche Oper übertüncht wird. Das schadet insgesamt der Oper und dem Thema.
Und auch das könnte man gleichbedeutend mit Seven nations Army aussagen. Der Riff ist für sich Klasse, wird oft wiederholt, dann kommt der Refrain, der stark futuristisch und technisch in der Ausführung wirkt und den Riff augenblicklich vergessen läßt, bis dann der Riff zurück kommt. So bildet das Lied keine Einheit. Es benutzt 80er Jahre Riffs und will gleichzeitig modern sein und dieser Spagat klappt dann nicht.
Ich wage zu behaupten, dass es Leute gibt, die Seven Nations Army wegen dem Riff hören und das es Leute gibt, die den Refrain mögen, aber nur wenige, denen beides gleich gut gefällt.
Digital_Data
Wenn's ersteres ist, ließ Dir ein wenig über Leitmotivik, die Grande Opera und die Opera Comique durch, sonst wirst Du soetwas wie die Carmen nicht verstehen. Dir fehlt anscheinend jedes Gefühl und Verständnis für größere musikalische Zusammenhänge. Und wenn man da ein Defizit hat, sollte man sich aus musikalischen Diskussionen besser raushalten, sond erleidet man übelsten Schiffbruch.
Bei Musik ist es immer besonders drastisch - da darf man sich den größten ignoranten Stuss anhören, und wenn man den dann mal als solchen benennt, ist man ein intolerantes, klugscheißerisches Arschloch, das anderen ihre "Meinung" nicht gönnt.
Am besten gefallen mir dann immer die, die ihre qualifizierte, herablassende Meinung zu Neuer Musik ab Schoenberg unter sich lassen, ohne den blassesten Schimmer von deren Entwicklung oder Gedankenwelt zu haben. Da offenbaren sich dann immer die größten Spießer: Ohne hübsche "Melodie" kann es keine gute Musik sein. Uaaaaaaaaaargh! ;-)
Aber im Prinzip hast du natürlich recht.
fraeuleiningeborg sagte:
Naja, Schoenberg... Ob ich dem wirklich in seine Gedankenwelten folgen will...
Aber im Prinzip hast du natürlich recht.
Du musst ihm ja nicht folgen. :-) Was mich nur nervt, sind Leute, die pauschal sagen "Schoenberg ist scheiße", ohne eine Ahnung davon zu haben, statt "Mit Schoenberg kann ich persönlich nichts anfangen".
Nein, natürlich muss Kunst nicht schön sein, aber ich finde es schon sehr elitär gedacht, derart hohe Hürden für die Verständlichkeit zu errichten, wie es teilweise der Fall ist.
Gargoyle sagte:
Fürs Volk gibt´s ja immer noch Canon Rock. ;-)
Canon Rock ist Sünde, das halt Pachelbel nicht verdient.
Problematisch wird's, wenn Leute meinen, ihren Senf dazugeben zu müssen, wenn sie Musik wirklich nur aus dem Bauch heraus beurteilen. Bei DDs Kritik an der Carmen war das ein erschreckendes Beispiel. Die Oper gilt als extrem gut zugänglich, hat mindestens zwei Gassenhauer hervorgebracht (Ouvertüre, Carmen's Habanera), dazwischen noch einige nette Arien. Was DD als "Langeweile" empfindet, ist anscheinend das Carmen-Motiv, ein fallender Hiatus, der musikalisch entsprechend vorgebildeten (hören reicht) sofort Flamenco und Gypsy nahelegt und dabei gut das diabolische der Person widerspiegelt. Bizet wiederholt das mit voller Absicht, um damit die Handlung auch musikalisch zu unterstreichen und den Hörer zu führen. Aber sowas wirkt natürlich nur, wenn man gewohnt ist, lange zuzuhören, und nicht gleich aufzugeben, wenn nicht eine Schunkelnummer nach der anderen kommt. Dafür gibt's ja die Operette.
Daneben ist diese Oper soetwas wie das "Nevermind" im Paris des späten neunzehnten Jahrhunderts. Meyerbeer und Konsorten hatten sich mit Bombastopern eine regelrechte Materialschlacht geliefert: Überproduziert und von reiner Überbietungsästhetik getrieben. DIe Carmen ist das genaue Gegenteil dazu und erst sehr verhalten aufgenommen worden. Aber gut, wen das näher interessiert, der kann's in 'nem guten Opernführer oder Musiklexikon nachlesen.
Was mich wirklich beängstigt, ist diese Haltung, daß das, was ich nicht verstehe, schlecht ist. Die hat im letzten Jahrhundert in der Kunst und gerade auch in der Musik sehr viel Unheil angerichtet.
Wenn dann noch jemand, der sich anscheinend sehr intensiv mit der Filmerei beschäftigt, daherkommt und von Leitmotivik, die heute in jedem guten Hollywoodfilm unausweichlich ist, noch nie etwas gehört hat, dann verschlägt es mit schlicht und ergreifend die Sprache. Wenn so jemand sich dann auch noch erdreistet, in musikalischen Diskussionen mitzureden, tut mir leid, dann ist bei mir schluß mit lustig.
donrazzi sagte:
DD, so kommst Du nicht weiter. Da fehlt jede Menge an musikalischem Background , oder aber, da ist sehr viel davon da und das alles hier ist sehr talentiertes Rumgetrolle.
Wenn's ersteres ist, ließ Dir ein wenig über Leitmotivik, die Grande Opera und die Opera Comique durch, sonst wirst Du soetwas wie die Carmen nicht verstehen. Dir fehlt anscheinend jedes Gefühl und Verständnis für größere musikalische Zusammenhänge. Und wenn man da ein Defizit hat, sollte man sich aus musikalischen Diskussionen besser raushalten, sond erleidet man übelsten Schiffbruch.
Das hast du schön gesagt, und doch enthält es nur einen Teil der Wahrheit. Ich modifiziere deinen Kommentar mal entsprechend:
DD, so kommst Du nicht weiter. Da fehlt jede Menge an ... Background, und ... das alles hier ist ... Rumgetrolle.
Wenn's ersteres ist, ließ Dir ein wenig ... durch, sonst wirst Du soetwas ... nicht verstehen. Dir fehlt anscheinend jedes Gefühl und Verständnis für ... Zusammenhänge. Und wenn man da ein Defizit hat, sollte man sich aus ... Diskussionen besser raushalten, sond erleidet man übelsten Schiffbruch.
Disclaimer:
Hiermit distanziere ich mich ausdrücklich von den von Joerg gemachten Verunstaltungen meines Posts.
;-)
donrazzi sagte:
@Joerg: You made my Day!
Disclaimer:
Hiermit distanziere ich mich ausdrücklich von den von Joerg gemachten Verunstaltungen meines Posts.
;-)
Joergs Post verhält sich zu Deinem wie Canon Rock zu Pachelbel. ;-)
JoergAuch sagte:
DD, so kommst Du nicht weiter. Da fehlt jede Menge an ... Background, und ... das alles hier ist ... Rumgetrolle.
Wenn's ersteres ist, ließ Dir ein wenig ... durch, sonst wirst Du soetwas ... nicht verstehen. Dir fehlt anscheinend jedes Gefühl und Verständnis für ... Zusammenhänge. Und wenn man da ein Defizit hat, sollte man sich aus ... Diskussionen besser raushalten, sond erleidet man übelsten Schiffbruch.
Oh fein, eine Formularvorlage :)
fraeuleiningeborg sagte:
Oh fein, eine Formularvorlage :)
Ja genau. Vielleicht kann man sie an Microsoft weiterleiten und direkt mit dem neuen Word verkaufen.
06.01.2010 - 00:07 Uhr
JoergAuch
Gargoyle sagte:
Joergs Post verhält sich zu Deinem wie Canon Rock zu Pachelbel. ;-)
Leider kenne ich beides nicht und kann den Kommentar deshalb nicht einordnen. Na egal.
JoergAuch sagte:
Gargoyle sagte:
Joergs Post verhält sich zu Deinem wie Canon Rock zu Pachelbel. ;-)
Leider kenne ich beides nicht und kann den Kommentar deshalb nicht einordnen. Na egal.
Das war auch nur Quatsch und muss auch von DD nicht weiter analysiert werden. ;-)
JoergAuch sagte:
fraeuleiningeborg sagte:
Oh fein, eine Formularvorlage :)
Ja genau. Vielleicht kann man sie an Microsoft weiterleiten und direkt mit dem neuen Word verkaufen.
Hey, das is' ne Copyright-Verletzung!
Gargoyle sagte:
Das war auch nur Quatsch und muss auch von DD nicht weiter analysiert werden. ;-)
Es wird sich möglicherweise dennoch nicht vermeiden lassen. :-D
donrazzi sagte:
JoergAuch sagte:
fraeuleiningeborg sagte:
Oh fein, eine Formularvorlage :)
Ja genau. Vielleicht kann man sie an Microsoft weiterleiten und direkt mit dem neuen Word verkaufen.
Hey, das is' ne Copyright-Verletzung!
Ja nee, Moment, joerg hat sich lediglich von Vorbildern inspirieren lassen und ein eigenes Werk geradezu universeller Bedeutung geschaffen :)
Mehr aber auch nicht.
Digital_Data sagte:
Bizet hat ein super geniales Hauptthema entwickelt und er hat eine gute, vielleicht sehr gute Oper gemacht. Warum er beides miteinandner vermischt hat, da wird der Grund wohl sein, dass er dass Thema selbst richtig eingeschätzt hat und der Meinung war, dass sich die Oper mit dem Thema besser verkauft. Auch das hat er richtig eingeschätzt. Denn jeder verbindet Carmen mit diesem Thema.
donrazi sagte:
Was DD als "Langeweile" empfindet, ist anscheinend das Carmen-Motiv, ein fallender Hiatus, der musikalisch entsprechend vorgebildeten (hören reicht) sofort Flamenco und Gypsy nahelegt und dabei gut das diabolische der Person widerspiegelt. Bizet wiederholt das mit voller Absicht, um damit die Handlung auch musikalisch zu unterstreichen und den Hörer zu führen. Aber sowas wirkt natürlich nur, wenn man gewohnt ist, lange zuzuhören, und nicht gleich aufzugeben, wenn nicht eine Schunkelnummer nach der anderen kommt. Dafür gibt's ja die Operette.
Und wie so oft muss ich wirklich wieder fragen, ob Du mein Post überhaupt in irgendeiner Form gelesen hast, erfaßt kann ja gar nicht sein.
Ich will Dir meine Sichtweise aber gerne noch einmal erklären. Das Hauptthema von Carmen ist genial, nicht umsonst wird es überall gespielt. Allerdings stellt sich die Frage, warum man andere Teile von Carmen eher selten wahr nimmt. Eben weil dieses Hauptthema genial ist. Die Oper ist gut, vielelicht sehr gut, aber sie ist nicht genial. Daraus entsteht ein Problem. Der Rest der Oper kann nicht mit der Genialöität des Hauptthemas mithalten und damit wirkt die dauernde Wiederholung störend, zumindest für mich. Gerade wenn man Carmen nicht mit der Muttermilch aufnimmt, sondern eben erst später betrachtet, wenn sich das Hauptthema durch tausendfache Wiederholung schon ins Kleinhirn eingebrannt hat.
Es mag sein, dass Du das nicht verstehst, weil Du einen anderen Zugang zu Carmen hattest. Mein Zugang war, Hauptthema bis zum Erbrechen hören und trotzdem geil finden, dann in die Oper gehen, feststellen der Rest ist nicht auf dem hohen Niveau wie das Hauptthema, ergo leichte Enttäuschung. Darüber könnte ich nun hinwegsehen, würde mir Bizet dieses Hauptthema nicht dauernd um die Ohren hauen und damit diesen Mangel dauernd zementieren. Und nun kommt ein wichtiger Punkt. Ein Kunstwerk muss funktionieren, egal wie die Vorprägung des Betrachters ist. Ein Bondfilm funktioniert für einen Bondfan über bestimmte Mechanismen, fehlen die, ist es vielleicht immer noch ein guter Film, für unbedarfte vielleicht auch ein guter Bond, für Bond-Fans aber eben nicht. Das passiert zumindest für mich mit Carmen.
Ich denke, das selbe wäre passiert, wenn Johann Pachelbel aus dem Canon eine Oper gemacht hätte. Es würde etwas fehlen, selbst wenn die Oper gut ist, da das Stück zu sehr dominieren würde.
Du magst mit vielem was Du über das Musikalische schreibst Recht haben, mit dem Leitmotiv aber eben nicht. Reden wir über Dramaturgie und da kenn ich mich nun wirklich sehr gut aus. Ich hatte das bereits vor kurzem wo anders hier gepostet, das wichtigste Zitat der Filmgeschichte ist von Leni Riefenstahl: "Ein Film muss immer eine Steigerung haben !" Wichtig, Wichtig, WICHTIG ! So funktioniert unser gesamtes Leben. Die Hitaparade läuft von 10 bis 1, das Fußbalspiel endet mit Verlängerung und dann Elfmeterschießen und der Sex mit dem Orgasmus. Das Beste, das Spanneste immer zum Schluß, so funktionieren wir Menschen, in allen Belangen. Das heißt aber auch, man muss sich Raum für diese Steigerung lassen.
Nun kommen wir zurück zu Bizets Carmen. In dem er sein geniales Hauptthema in jedem Akt anspielt, begeht er einen dramaturgischen Kardinalsfehler, denn er nimmt sich Musikalisch jede Steigerungsmöglichkeit. Darstellerisch können wir gerne noch einmal drüber reden, da ist das anders. Das mag man nun mit Zuhörerführung und allem möglichen begründen, drmaturgisch falsch ist es trotzdem. Wenn Dein Orgasmus am Anfang kommt, dann kannst Du das noch so gut begründen, Dein Mädel wird Dich trotzdem aus dem Bett werfen.
Und nun haben wir ein großes Problem. Es mag sein, dass die Musik klasse ist, dass die Zuhörer-Führung gut ist, dass das Leitmotiv genial ist, die Dramaturgie ist es nicht. Das mag Leuten, die das Stück nur wegen der Musik anhören nicht weiter stören oder auffallen, aber es bleibt Fakt, dass es dramaturgisch falsch ist und damit ist es leider kein Meisterwerk.
Wie gesagt, Bizet hat Carmen über sein Leitmotiv verkauft und das funktioniert, aber er verliert dadurch das Element der Steigerung und damit wird er alle, die sich nicht puristisch nur an der Musik aufgeilen sondern eine perfekt durchgestaltete Inszenierung erwarten, enttäuschen. Vielleicht war es auch deshalb anfänglich kein Erfolg, bis es durch analysiert wurde.
Diese Nachhilfe in Dramaturgie war kostenlos, ich hoffe sie war nicht umsonst. Wenn Du wissen willst, wie man ein Musikstück dramaturgisch korrekt aufbaut, dann hör Dir "Music" von John Miles an. Mehr gibt es zu diesem Thema nicht zu sagen, dort ist das perfekt umgesetzt. Wenn Du es bebildert brauchst, dann nimm meinen Film MusIIG. Es hat seine Gründe, warum ich mir immer bestimmte Lieder für meine Filme aussuche.
Und zu Canon Rock, ich kann gut damit leben, dass die New York Times eine ähnliche Meinung über Canon Rock hat, wie ich und donrazzi und einige wenige andere hier nicht ;-).
Digital_Data
donrazzi sagte:
Bitte, bitte! Aufhören! Ich kann nicht mehr, ich kann nicht mehr! Kann mir bitte mal jemand eine scheuern? Ich lach mich kringelig!
Das Kringeliglachen gehört im Leben mit zu der Steigerung, die am Ende in den Orgasmus mündet. ;-)
donrazzi sagte:
Bitte, bitte! Aufhören! Ich kann nicht mehr, ich kann nicht mehr! Kann mir bitte mal jemand eine scheuern? Ich lach mich kringelig!
Was man nicht versteht, macht man lächerlich, oder wie war das ?
Digital_Data
Digital_Data sagte:
Ein Kunstwerk muss funktionieren, egal wie die Vorprägung des Betrachters ist.
großer blödsinn.
Reden wir über Dramaturgie und da kenn ich mich nun wirklich sehr gut aus. Ich hatte das bereits vor kurzem wo anders hier gepostet, das wichtigste Zitat der Filmgeschichte ist von Leni Riefenstahl: "Ein Film muss immer eine Steigerung haben !" Wichtig, Wichtig, WICHTIG ! So funktioniert unser gesamtes Leben. Die Hitaparade läuft von 10 bis 1, das Fußbalspiel endet mit Verlängerung und dann Elfmeterschießen und der Sex mit dem Orgasmus. Das Beste, das Spanneste immer zum Schluß, so funktionieren wir Menschen, in allen Belangen. Das heißt aber auch, man muss sich Raum für diese Steigerung lassen.
d_d, tut mir leid, dir das sagen zu müssen: 98% aller fußballspiele enden eben nicht mit verlängerung und elfmeterschießen, sondern ganz normal nach 90 minuten.
und es gibt auch musikstücke wie filme, die keine steigerungsvertikale als dramaturgie-prinzip haben und trotzdem sehr gut funktionieren. mir fallen da gerade z.B. ein paar wong kar-wai-filme ein, oder straight story von david lynch oder dieser deutsche film mit dem akkordeonspieler (?), den es nach florida verschlägt undundund.
oder bei musik: manuel göttsching: e2-e4, kraftwerk: europa endlos und einiges anders und etliches anderes aus der elektronischen musik, aber auch im pop.
wiederum gilt: deine anscheinend beschränkten kenntnisse limitieren deine erkenntnisfähigkeiten.
Natürlich gibt es tausende Beispiele, die eine dramturgische Steigerung nicht einhalten. Aber denke mal darüber nach, was wäre wenn sie die dramaturgische Steigerung einhalten würden ?
Das ist wie mit Formel 1. Die ist auch so interessant, aber wäre sie nicht viel interessanter, wenn sich die Rennwagen auch überholen würden ?
wiederrum gil: Was der Bauer nicht kennt, frißt er nicht.
Und um es mit Formel 1 zu sagen. Nur weil in der Formel 1 nicht überholt wird, heißt das noch lange nicht, dass Autorennen spannender sind, wenn nicht überholt wird.
Digital_Data
Digital_Data sagte:
Natürlich gibt es tausende Beispiele, die eine dramturgische Steigerung nicht einhalten. Aber denke mal darüber nach, was wäre wenn sie die dramaturgische Steigerung einhalten würden ?
dann wären sie uninteressant.
Das ist wie mit Formel 1. Die ist auch so interessant, aber wäre sie nicht viel interessanter, wenn sich die Rennwagen auch überholen würden ?
wiederrum gil: Was der Bauer nicht kennt, frißt er nicht.
seufz.
Digital_Data sagte:
wiederrum gil: Was der Bauer nicht kennt, frißt er nicht.
Sehr wahr, Herr Bauer ...
Ein letzter Versuch. Beim Sport schreibt die Dramaturgie der Zufall. Die klaren Ergebnisse sind nicht wirklich die interessanten, wirklich interessant ist es immer dann, wenn Entscheidungen im letzten Moment fallen, je später je besser. Nicht umsonst lösen die Amis alles im Sudden Death. Und auch deshalb hat man das Golden Goal eingeführt. Zwar kann ein 5:0 im Fußball auch interessant sein, aber ihm fehlt die Dramaturgie der Ereignisse. Ein 5:0 ist letzten Endes nur für den Gewinner interessant.
Das kannst Du zwar negieren, damit tust Du Dir, wenn Du das öffentlich machst, aber nicht wirklich einen Gefallen, denn es zeigt, dass Dir ein wesentlicher Bestandteil entgangen ist.
Digital_Data
Das liegt daran, dass es noch schwerer ist etwas zu ändern, gerade auch in Deutschland, als eine vernünftige Dramaturgie hinzubekommen.
Siehe Vom Wesen und Unwesen von Spezifikationen
Viel Spaß beim Lesen ;-).
Digital_Data
Oh man, wenigstens hatten die Leute, die ich kenne, die keine Ahnung von Musik hatten, wenigstens Ahnung von Fußball.
07.01.2010 - 00:41 Uhr
donrazzi
;-)
JoergAuch sagte:
Lustig, dass D_D jetzt auch in Musik und Sport seine absolute Ahnungslosigkeit unter Beweis stellt, nachdem ihm das in Naturwissenschaften und Volkswirtschaft schon vorher gelungen war.
ich ahne fürchterliches.
donrazzi sagte:
Erinnert sei an dieser Stelle noch an das grandiose 0:3 n.E. der schweizerischen Nationalmannschaft gegen die Ukraine während der Fußball-WM 2006. Ein Spiel auf höchstem fußballerischem Niveau, spannend bis zum Schluß, zu dem es seinen dramaturgischen Schlußpunkt in jenem denkwürdigen Elfmeterschießen erreichte...
mußt du alte wunden wieder aufbrechen? ich hab mir das tatsächlich angeguckt damals, weil ich immer dachte: es kann doch nur besser werden. 150 minuten verschenkte lebenszeit, schlimmer als jede diskussion mit d_d.
Noch zwei Anmerkungen, da Du unter anderem "Evolution of Dance" angemerkt hattest. Auch das ist zu erklären. Das Video ist ein One-Shot-Movie aus dem Zuschauerraum, es kann also nicht an der Machart liegen, es muss an der Performance liegen. Zunächt benutzt der Protagonist einen Mechanismus, der für uns Menschen sehr typisch ist, er stellt satirisch Tanzstiele bloß und macht sich letzten Endes darüber lustig, damit bedient er zunächst den Schenkelklopfer in uns. "Ja solche Tänzer kenne ich !" Über die ganze Länge würde das aber nicht tragen. Visuelle Eindrücke werden derzeit in 90-Sekunden-Happen erfaßt. Mach Dich mal schlau über optimale Sequenz-Längen im Hollywood-Kino.
Bei 2:10 vollzieht das Video den Wandel, gerade noch rechtzeitig, er rettet sich da etwas mit ACDC und Michael Jackson über die 90-Skunden-Barriere an der die meisten abschalten würden und zeigt nun, dass er nicht nur parodiert, sondern tänzerisch auch was drauf hat (z.B. Kraftwerk). Somit vollzieht er genau die Steigerung, die ich schon erwähnt habe, für das was er macht etwas spät, aber gerade noch rechtzeitig. Deshalb nehme ich an, dass ist mehr Zufall, in langen Versuchen vor Publikum ermittelt.
Damit aber bleiben alle dran, denn nun ist die Steigerung da und das schürt die Erwartungshaltung des Publikums, die er dann im Prinzip bis zum Ende hält. Insgesammt ist der Vordührung etwas zu lang, aber es geht noch ohne "Verluste" gut.
Kommen wir zu dem Zappa-Stück. Die Musik startet bei 0:18, dabei muss man bei diesem Stück Präsentation der Tänzer und Musik auch gemeinsam betrachten. Zunächst besticht das Stück durch die unglaubliche und nicht endend wollende Dynamik der beiden Tänzer, doch bei 1:34, also im Video exact an der richtigen Stelle (in der Musik bei 1:20, auch noch fast optimal), wechselt nun Musik und auch Tanz, der körperliche Kontakt der Tänzer verstärkt sich. Bei 3:10 findet das dann zum anfäglichen Thema zurück, nicht aber ohne hier beim Tanz auch noch einmal die Themen zu verstärken. Auch dieses Stück ist formal exact richtig aufgebaut. Zappa ist eben ein richtiger Künstler.
Ich könnte Dir jetzt noch viel mehr darüber erzählen, wie Menschen Dinge vor allem visuell aber auch akustisch wahrnehmen. Dabei könnten wir über so Dinge reden, wie eine Familie die mit Badesachen nach rechts über eine Straße geht und jeder das sofort damit assoziiert, dass die zum Strand gehen, würden sie nach links über die Straße gehen, dann heißt das nicht, der Strand ist links, sondern sie kommen zurück. Alle diese Dinge sind beim Erstellen visueller Dinge extrem wichtig und darauf muss man achten. Das gilt für alle Menschen, auch wenn sie es bewußt nicht wahrnehmen. Es spielt aber eine wichtige Rolle dabei, ob man Dinge positiv oder negativ wahrnimmt.
Aber ich denke es ist eher Perlen vor die ...., da ja nichts von dem was ich sage auch nur in irgendeiner Weise mal reflektiert wird.
Digital_Data
Digital_Data sagte:
...., da ja nichts von dem was ich sage auch nur in irgendeiner Weise mal reflektiert wird.
Digital_Data
rate mal, warum ...








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30.12.2009 - 19:15 Uhr
jushi