30.12.2009 - 09:01 Uhr

0 3 Über Twitter weiterempfehlen

It is a men's world

Text: Digital_Data

Eigentlich ist ja Emanzipation nicht unbedingt mein Hauptthema hier, obwohl ich gerne mitdiskutiere und auch versuche Vorschläge einzubringen, wie es besser werden könnte, manche Dinge sind in meinen Augen aber so ärgerlich, dass man sie nicht stehen lassen kann. Da finde ich heute auf sueddeutsche.de unter "Geschwätzige Zicken" eine üble Klickstrecke zum Thema Frauenfehler, entnommen Christopher V. Fletts "Was Männer Frauen nicht erzählen", Wiley Verlag, Weinheim 2009. Ein typischer "Frauenversteher" und Karrierecoach will Frauen also ihre Fehler erklären. Da lesen wir so interessante Sachen wie: Ständig Bestätigung von außen fordern
Zustimmung von Vorgesetzten und Kollegen hätte jeder gern. Aber vor allem Frauen suchen aktiv das Feedback anderer, behauptet Christopher Flett. Doch wer ständig eine Bestätigung der eigenen Arbeit sucht, erweckt schnell den Eindruck, sich anbiedern zu wollen - und wird von männlichen Kollegen für schwach gehalten. Der Tipp des Karriere-Coachs: Öfter mal eine "Du-kannst-mich-mal"-Haltung an den Tag legen. Dann klappts auch mit dem Job.
Ein Vorgesetzter, der seine Mitarbeiter nicht für gute Arbeit lobt, ist schlicht eine Fehlbesetzung. Dass nun angeprangert wird, wenn jemand, egal ob Mann oider Frau, diese Bestätigung zu recht einfordert, ist schon eine sehr kreative Sichtweise um (männliche) Führungsfehler zu übertünchen. Aber es kommt noch besser. Die Maske der Mutter
Frauen, die sich zu sehr auf ihre weibliche Seite konzentrieren, tun sich ebensowenig einen Gefallen. Laut Christopher Flett ist die Maske der Mutter dennoch eine der beliebtesten im weiblichen Berufsleben. Eine "Mutter" bringt regelmäßig Kekse mit ins Büro, gibt Beziehungsratschläge und verteilt Kopfschmerztabletten an Kollegen. Sie hat die Geburtstage der Mitarbeiter im Kopf und sorgt sich um das Wohlbefinden der Gruppe. Von den sogenannten Alpha-Männern wird sie nie wirklich ernst genommen, weil sie annehmen, dass so viel Harmoniebedürfnis ihre Fähigkeit, objektiv zu handeln, beeinträchtigt.
Zunächst einmal muss man wohl festhalten, dass die Alpha-Männchen-Rolle bei den meisten Männern auch nur eine Maske ist und bei vielen sogar eine Maske um die eigentlichen Schwächen zu überdecken. Das Harmoniebedürfnis die Fähigkeit, objektiv zu handeln, beeinträchtigt, ist schlcht ein Vorurteil. Der Satz alleine suggeriert im Umkehrschluss aber eben auch, dass Alpha-Männchen-Verhalten nicht die Fähigkeit beeinflußt, objektiv zu handeln. Die männliche Maske wird also als besser dargestellt, als die weibliche. Welche Anmaßung. Die Maske des Mannes
Wenn Männer im Berufsleben einfach immer erfolgreicher sind - warum als Frau nicht die Maske des Mannes verwenden um voranzukommen? Karrierecoach Flett ist der Überzeugung, dass 20 Prozent aller Frauen sich mindestens einmal im Berufsleben hinter dieser Maske verstecken und damit ihre Glaubwürdigkeit aufs Spiel setzen. Besonders beliebt, um bei männlichen Kollegen zu punkten: das vorgeheuchelte Interesse an Fußball, Eishockey oder anderen Sportarten, die sich noch immer als Männerdomäne verstehen. Dabei bewegen sich die Frauen auf dünnem Eis: Wer ein Gespräch über die Bundesliga anfängt, sollte auch wirklich wissen, wovon er spricht - sonst wird er von seinem Gegenüber schnell entlarvt. Und macht sich am Ende nur lächerlich. Vor allem aber wirkt eine Frau hinter der Maske des Mannes nicht authentisch und folglich nicht vertrauenswürdig.
Die Circle der Männer, selbst schon als Mann erlebt. Wer nicht bereit ist bei bestimmten Themen, die in einem Männercircle als "In" gelten, mehr oder weniger kompetent mitzureden, der hat es auch als Mann schwer. Mehr noch, kompetent mitzureden ist oft schwer, da die "führenden" Männer eine andere Meinung oft als Inkompetenz ansehen, obwohl sie möglicherweise drurchaus gut begründet ist. So entlarvt sich eine Klickreihe unter dem Titel Frauenfehler als eine Ansammlung von Männerfehlern, mit denen Frauen versuchen auf ihre Art und Weise umzugehen. Herr Flett dreht den Speiß aber bewußt um und stellt den weiblichen Umgang mit den männlichen Fehlern als Fehler der Frauen dar. Sowas nenne ich perfide Gehirnwäsche. Wie schon oft geschrieben, ist das Problem mit der Emazipation das, dass man die bereits emanzipierten Männer gut erreicht und diese dann oft über das Ziel hinaus schießen und sich die Emanzipation so ins Gegenteil verkehrt, während man ewig gestrige wie anscheinend Herrn Flett, schlicht nicht erreicht. Dass man einen Mann wie Herrn Flett nicht erreicht, wäre nicht so schlimm, schlimm ist es, wenn diese Herren Autoren sind und auch noch eine prominente Plattform für ihre gestrigen Meinungen erhalten. So wird sich nie etwas ändern, da die Männer mit ihren Fehlern in ihren Fehlern bestätigt werden, da das Aplhpa-Männchen-Verhalten ja unterschwellig als besser beurteilt wird, und die Lösung des Problems einzig auf die Frauen abgewälzt wird. Diese sollen die richtigen Strategien entwickeln, die aber wiederrum von Männern vorgegeben werden. Insofern disqualifiziert sich hier die Süddeutsche als kritiklose Plattfiorm für diese verschrobenen Ansichten vollkommen. It is a men's world ! Digital_Data


Neue Texte zum Label 'Emanzipation':
Textoptionen
Mehr Texte von
Digital_Data
Mehr Texte zum Label
Emanzipation
Text Freunden empfehlen Text drucken Text melden
Der Text gefällt Dir?
Lesenswertpunkt schenken
Hier bei jetzt.de anmelden,
Texte schreiben und kommentieren.
3 Kommentare

speichern
Lockdog
Melden!
Zitieren
Mag ich Mag ich nicht

0

30.12.2009 - 09:14 Uhr
Lockdog

Ein Mann als Frauencoach. Ein Mann der Frauen sagt was emanzipiert ist und was nicht. Das ist im Prinzip so, als würde ein fanatischer Moslem einem nicht gläubigen Moslem die Welt erklären wollen.

Frauen betrügen und verletzen Männer, deshalb werden Männer zu egoistischen, sexgeilen Arschlöchern. Männer betrügen Frauen und verletzen/enttäuschen sie zutiefst, weshalb sie entweder lesbisch werden oder sich nie mehr einem Mann richtig öffnen.

In unserer Gesellschaft herrscht Überemanzipation. In dem Moment in dem die Gesellschaft Bedürfnisse der Frau in den Vordergrund stellt, sorgt sie für Ungerechtigkeit. Selbes gilt für den Mann. Ich verstehe es nicht wie man so etwas extra für Frauen auf den Markt bringen kann und damit evtl. noch Erfolg hat. Diese oben beschriebenen Regeln im Verhalten mit Kollegen gelten natürlich auch für den Mann, also könnte dies ein Ratgeber für Menschen mit wenig Selbstbewusstsein sein.

Punktesammler
Melden!
Zitieren
Mag ich Mag ich nicht

1

30.12.2009 - 10:46 Uhr
Punktesammler

hey...das manifestiert sich doch auch hier, das mit den plätzchen-ins-büro-bringen: plätzchentausch. kaum zu fassen, dass all diese schicksen (oder viele davon) 'nen stecher haben^^ ...die anderen bekommen von ihren weiblichen mit-userinnen gesacht "get a life girl". das heißt übersetzt von mädchensprache in deutsch: ich hab' nen stecher, aber du nicht! ätsch!

:-)

Melden!
Zitieren
Mag ich Mag ich nicht

0

30.12.2009 - 13:09 Uhr
Punktesammler

aber FRAU hat's ja auch nicht leicht. muss man auch mal sehen. erstens sind sozial attraktive männchen, die noch nicht vergeben sind, sowieso rar (zitat: elfriede jelinek).

die ehemaligen hauptschulluder sitzen dann mit 25 alleinerziehend auf 3 kindern + hartz IV. die, die "karriere" machten (was soll das überhaupt sein?) fangen dann auch zu weinen an, ist mit 30 noch kaaa kind und kaaa rind da. und der frust wird groß.

ergo, wie oben gesagt: auch für frauen alles nicht so leicht.


Speichern

Jetzt-Mitglied

Digital_Data jetzt online

Digital_Data

ist jetzt-User und hat diesen Beitrag verfasst.