Korrekte Konsumenten
Richtiges Einkaufen in der falschen Ökonomie.
Diesen Text aus der Süddeutschen Zeitung kannst du hier leider nicht mehr lesen, er ist aber noch im Archiv der Süddeutschen Zeitung zu finden.- Null Punkte für die Meinungsfreiheit 25.05.2012
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"Greenwashing" steht natürlich für beide Seiten, denn für den Verbraucher mag es ja auch beruhigend sein, Bio oder Grüne Artikel zu kaufen. "Ich tue was Gutes". Entscheidend daran ist aber eben, dass die Leute, die mit dem Greenwashing gefangen werden sollen, diese Massnahmen durchschauen.
Etwas übersehen auch viele Leute. Nehmen wir an ein Betrieb macht 100 Mio. Umsatz und damit 20 Mio. Gewinn. Wenn nur 10 % der Kunden abwandern, dann macht der Konzern nur noch 90 Mio. Umsatz, was aber viel wichtiger ist, er macht nicht mehr nur 18 Mio. Gewinn, er macht plötzlich nur noch 10 Mio. Gewinn. Unternehmen wie Lidl und Co sind verletzlicher als viele glauben. 20 % Umsatzeinbusse ist für jedes Unternehmen auf Dauer ruinös.
Dies ist der Ansatzpunkt. Wir brauchen nicht 100 % bewußte Kunden, wir brauchen vielleicht 10 %, maximal 20 %, dann werden den Großunternehmen ihre eigenen großen Strukturen zum Verhängnis. Das ist der Grund, warum sie Greenwashing betreiben, warum sie selbst Bio-Produkte rausbringen und anderes.
Wenn in Zukunft negative Meldungen auftauchen, dann müssen einfach alle verantwortungsbewußten Kunden reagieren, mehr nicht. Ich denke, wie sind nahe an dieser kritischen Masse, dass zeigen so Aktionen wie von Otto. Negative Meldungen müssen konsequenzen haben, sofort, von allen die kritisch sind. So werden 10 vielleicht 15 % der Bevölkerung in der Lage sein, etwas zu ändern. Allerdings muss man dann wirklich auch konsequent sein.
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Verbrauchermacht ist ein Mythos, das funktioniert nicht. Dazu bräuchte man ja schon mal ein verbindliches Ziel, auf das sich eine große Menge Leute festlegt. Du kriegst niemals 15 Prozent der Bevölkerung dazu, Lidl zu boykottieren oder ähnliches. 15 Prozent! Das sind 12 Millionen Menschen!
Und wenn dem so wäre: ein Konsumboykott gegen einzelne Machenschaften oder Konzerne bringt gar nichts. Beispiel Brent Spar: das wird ja immer noch als Paradebeispiel für Konsumentmacht hergenommen, dabei war das eine durch und durch zynische Aktion. Die Leute haben ja nicht die Machenschaften des Ölgeschäfts generell oder von Shell hinterfragt - sondern nur auf die Ölplattform-Versenkung reagiert. Sie sind also nicht weniger Auto gefahren, sondern haben einfach woanders getankt - obwohl sämtliche Ölkonzerne (nach wie vor) genauso kriminell wirtschaften, Menschenrechte mit Füßen treten und die Umwelt und Lebensgrundlage in den Förderländern unwiderbringlich zerstören. Das war ein reiner Heulsusen-Protest ohne jegliche politische Dimension, der keinerlei Forderungen enthielt, außer der, nicht die schöne Nordsee zu verschmutzen. Als nämlich ein halbes Jahr später Ken Saro Wiwa und seine Mitstreiter hingerichtet wurden, die sich gegen die Ausbeutung zur Wehr setzten - gab es da einen Boykott? Natürlich nicht. Konsumentenreaktionen auf isolierte Probleme, die aber alle mit dem ungerechten, neokolonialistischen und ausbeuterischem Weltwirtschaftssystem zu tun haben, haben keinen Einfluss aufs große Ganze.
Einkaufen ist individuell - und eine Ansammlung individueller Entscheidungen, noch dazu emotionaler, ist weder überprüfbar, noch bringt es was.
Der Anteil der kritischen Konsumenten ist winzig! Der Anteil von Bio am Gesamtlebensmittelmarkt liegt bei 3,6 Prozent, der Anteil von fair gehandelten Produkten bei einem Prozent - obwohl man seit mehr als 30 Jahren weiß, was fairer Handel bedeutet und dass er die einzige Alternative ist. Die Zusammenhänge unsere Konsums und die Auswirkungen - auch das ist bekannt, seit Jahrzehnten. Es hat aber kaum Folgen.
Es ist doch viel wichtiger dehalb, politische Forderungen zu stellen. Wenn man sich mal die alte Ökobewegung anschaut, die heute - vor allem von den eitlen und überheblichen Lohas - ausgelacht wird: das war eine politische Bewegung, die wirklich was bewirkt hat. Obwohl sie von einem sehr kleinen Teil der Bevölkerung ausging: die galten noch als Öko-Spinner! Damals gab es weder Umweltschutz in der Politik, noch die Grünen. Man mag von den Grünen halten, was man will - aber die Angst und die öffentliche Kritik der Bürger (nicht Konsumenten!), die Diskussion von Problemen, der Protest, der hat zu politischen Entscheidungen und zum Aufstieg der Grünen geführt. Und dazu, dass schließlich Umweltschutz überhaupt in der Politik gelandet ist. Katalisator, bleifreies Benzin, FCK-Verbot, Tierversuchsverbot, Atomausstieg, regenerative Energien - auch wenn da bei weitem noch nicht alles erreicht ist - all das waren politische Enstcheidungen, die letztlich auf die politische Umweltbewegung zurückzuführen sind. Und auch den Ausstieg aus dem Atomausstieg können nur wir verhindern - nicht durch einkaufen, sondern durch entschiedenen Bürgerwillen. Und dafür braucht es keine kritische Masse. Durch Konsum wurde noch nie ein Problem gelöst. Und konsequent sind allenfalls Lippenbekenntnisse der Verbraucher. In der Realität sieht es leider anders aus - man muss sich ja keiner Überprüfung stellen. Und wenn man sich die Zahlen über Fleischverzeher, Flugreisen, Fischkonsum, Elektrokonsum anschaut: da hat sich gar nichts verändert, im Gegenteil, es steigt alles eher an. Die Abschaffung der Glühbirne führte zu Hamstekäufen, statt Ökostrom zu kaufen, kaufen die Leute lieber billigen Strom - und die Tomaten und Erdbeeren im Winter müssen auch sein, obwohl bekannt ist, was für ein ökologischer Irrsinn das ist.
Die Leute haben in der Mehrheit kein Interesse, ihr Leben zu ändern (und das hieße wirklich Verzicht) - deshalb kaufen sie Sachen, die ein gutes Gewissen versprechen - zum Beispiel trotzdem Erdbeeren im Winter, aber halt Bio, dann ist man fein raus (und auch das tun die wenigsten).
Außerdem kann man fast nicht konsequent sein als Konsument: wenn Du krank bist, verzichtest Du konsequent auf Bayer-Medikamente, weil er eines der übelsten Verbrecherkonzerne ist? Eher nicht, oder? Und wie willst Du den Verbrecher-Konzern Monsanto in die Knie zwingen als Konsument? Woher willst Du wissen, was genau aus Monsanto-Saatgut hergestellt worden ist? usw.
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04.01.2010 - 20:23 Uhr
Luftveraenderung
Aber vorallem bin ich mir nicht so sicher was ich mir unter der Mitte vorstellen muss, denn ich glaube nicht, dass der Großteil userer Gesellschaft ernsthaft an Veränderung interessiert ist. Ich hab das in meinem Freundeskreis und in der Schule oft genug beobachten müssen. Wie krank ist es denn bitte wenn Bekannte mit 19 schon ihr 2. Auto haben ( ein Neuwagen) und mir ernsthaft sagen, dass sie diese kleine Kiste in 5 Jahren aber sicher nicht mehr fahren wollen? Das sind alles Benziner, weil Diesel angeblich schlechter sind und gas viel zu teuer für Auszubildene. Das wird auch noch von unserer Bundesregierung eingefädelt und belohnt. Wirtschaft und Politik arbeiten schön Zusammen und die Mitte unserer Gesellschaft freut sich über schöne neue Autos !!
Ein zweites Beispiel hab ich ja schon in einem oberen Komentar von mir genannt.
Versteht mich nicht falsch, das sind für mich keine Argumente dafür, dass wir aufhören sollen mit Protest. ich hab allerdings das gefühl, dass der Größte Teil unserer Gesellschaft keine Veränderungen will.