Happy Christmas, you arse!
Es war einst am Heiligen Abend im Hause Liebermann...Wir waren alle in der Kirche, weil die Kleenen mal echtes Weihnachten haben wollte. Das hießt, Ronja war es egal, aber Philo und Czes haben einen Aufstand gemacht, der ihren jüdischen Papa den Tränen nahe hatte. Mein Papa - lustiger Menscher, der er ist - trug seine Kippa und machte höhnische Bemerkungen über den gekreuzigten Jesus in der St. Johannes Kirche. Meine Mama sagte ihm irgendwann, dass man sich an ihrem Geburtstag über Leute lustig macht. Das widerum fand Dirk so lustig, dass er das ganze Vater Unser durchgekichert hat. War aber nicht so schlimm, er ist ja jetzt konvertiert. Philo fragte mich tausend und eine Sache, die ich alle nicht wusste, weil sie orthodoxen Hintergrund hatten. Beispiel: "Wenn der Josef aber zu den Davids gehört, dann ist er doch einer von uns? Und seine Frau? Weil wenn die doch auch eine von uns, dann doch auch der Jesus und wieso feiern dann Leute seinen Geburtstag, die gar keine von uns sind? Ist das nicht ganz falsch? Wieso feiern die den überhaupt, wenn doch [Hebräisch]? Das ist ja dann ganz falsch und woher wissen die das überhaupt alles? He? Onkel Arne, sag mal!" Mira hat ihr ein bißchen was erklärt, aber alles wusste sie auch nicht. Peter war dazu übergegangen, mit meinem Papa und Dirk Witze über Jesus zu machen. Meine Mama schüttelte viel den Kopf und legte das Ohr auf die Kirchenbank, um die Orgel besser zu hören. Sie mag Orgelmusik, denn sie "wummert auf eine Art und Weise, die kein anderes Instrument nachahmen kann".
Nach der Kirche gab es Essen. "Ist das auch koscher?" (Czes) "Welches Tier war denn das?" (Ronja) "Sind das Steinpilze? Ich glaube, ich bin allergisch gegen Steinpilze." (Dirk) "Wo ist denn eigentlich der gute Wein?" (Papa) "Ich kann keinen Nachtisch essen. ich bin satt." (ich) "Du kannst erst satt sein, wenn du fünf Kilo zugenommen hast." (Peter) "Das ist keine Sahne, das ist Frischkäse!" (Susann)
Nach dem Essen gab es Geschenke für alle und Kamillentee für Susann. Während die Kinder sich mit Legosteinen bewarfen, machten sich die Erwachsenen auf zum Pub. Weil Susann sich nicht sicher war, ob die Kuh sie noch mal wieder beehren würde, kam statt ihrer Mama mit. Papa bleib zu Hause und passte auf die Kinder und die Kranke auf. Wie er später berichtete, hatte er Probleme, Ronja vom Soyapudding und Philo und Czes vom Eis fernzuhalten, während Susann klagend auf dem Sofa Constantine schaute.
Meine Mama war sofort sehr betrunken, weil sie mit Dirk Tequila um die Wette trank. Während ich versuchte alten Freunden zu erklären, dass ich immer noch keinen Glühwein mag, becherten alle anderen den Kessel leer (Mira spuckte den Großteil später in die Rosenbüsche der Nachbarn). Ich wurde zu Sambuca überredet und traf Stunden später, leicht schwankend auf Torben. Der hatte Probleme mir in die Augen zu sehen und ich wusste nicht genau, wieso, bis Flo mir freudestrahlend und lallend erzählte, dass er ihn mit Björn zusammen gesehen hatte. Ich suchte meine Mama und sagte ihr, dass sie bitte ganz schnell zu Torben gehen und ihm sagen soll, dass er sie ja wohl nicht mehr alle hat und warum zur Hölle der von all den hässlichen Wichsern in dieser Stadt, was spricht denn gegen Basti, den fand er doch eh schon immer toll, oder Kai, der hat so wunderschöne Schuhe, dass es gar nicht auffällt, dass er ein bißchen schielt. Meine Mama sagte, ich soll ein bißchen mehr trinken und ich begab mich in die fürsorglichen Hände der neuen Thekenkraft - "Julia", wie mir Dirk sagte, ihr zuzwinkernd. Der Junge bleibt nicht mehr lange in Bremen...
Mir fehlt eine Ecke, dann waren da Enrico und Franco und italienischer Weißwein. Dann der Friedhof. Dann die Bushaltestelle, wo ich lange saß und Franco erklärte, dass ein Festival eine Stadt nicht automatisch zu etwas Tollem macht, er weiß das doch, er war doch mal in Scheeßel an einem klaten Oktobertag. Dann war da aus irgendeinem Grund wieder der Friedhof und Dirk und Torben und ich fragte sehr laut, warum er denn in Hamburg sei und er sagte, die Eltern sind auf Reisen und der Lütte sei bei ihm, der hat aber jemanden abgeschleppt, Chantal oder so (Dirk zuckte ein bißchen zusammen, so viele Chantals gibt es nicht, aber auch nicht so wenige, versicherte ich ihm). Ich glaube, wir haben ein bißchen geschrien, dann hatte Dirk Wodka-Cola und wir saßen auf einer Mauer und dann spielten wir Fingerhakeln und dann fand ich mich am Außenmühleufer wieder, Zigarette in der Hand. Es war kalt und schön und ich erzählte viel von Alfie.
Ich bin auf dem Sofa oben im Flur aufgewacht, Czes' Plüschelefanten im Arm. Auf Dirks Handy fanden sich 12 Mailboxnachrichten. Zehn davon für mich: Enrico (er schickt mir die Rechnung von der Reinigung), Franco (ich lüge), Simon (ich kann mir meine Handschuhe bei ihm abholen), Flo (er liebt mich), Hanno (er liebt mich, wo war ich denn auf einmal), Julia (bin ich gut nach Hause gekommen), Börries (ich soll seinen Bruder nicht vor drei nach Hause lassen), Peter (ich soll mir mal ein Handy zulegen), Feli (ich kann mein Geschenk bei ihr abholen), Tamsin (sie liebt mich und vermisst mich und wir sehen uns bald und bis dann und sie liebt mich), Torben (danke, dass er in meinem Bett schlafen durfte).
Zum Frühstück gab es Nutellabrote für die Kinder, Nutellabrote für Papa, Kamillentee für Susann, schwarzen Kaffee und Aspirin für alle anderen.
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26.12.2009 - 17:51 Uhr
regenbogenregina