18.12.2009 - 18:30 Uhr

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Jungs, was ist eure größte männliche Angst?

Text: mercedes-lauenstein

Immer zum Wochenende: Jungs fragen Mädchen fragen Jungs. Weil manches kapiert man einfach nicht, bei denen.

Die Jungs-Antwort:
Vielleicht reden wir zunächst über den Schutzmechanismus, den wir verwenden und der ziemlich gut wirkt. Und wenn ich mich dann traue, erzähle ich vielleicht auch von den Ängsten, die er verdecken hilft. Das weiß ich aber noch nicht. Denn Jungs, das haben wir von Fernfahrern, Raubeinen und älteren Brüdern gelernt, Jungs haben keine Angst, Jungs haben höchstens Respekt. Angst ist was für Menschen mit Gefühlen. Respekt hingegen ist die weltgewandte Variante für die Starken und Souveränen – also für uns. Sie sagt: „Klar, das ist jetzt eine blöde Situation, aber man muss sich ihr stellen. Dann wird’s schon.“ So sind wir Jungs, bzw.: So wollen wir gerne sein. Denn so sind auch die Männer, die sich bei „Wetten dass ...?“ von einer vier Kilometer hohen Klippe in einen Haufen spitzer Glasscherben stürzen – ohne Helm! Sie sind wahlweise Fernfahrer oder großer Bruder und meist die Art von markigem Superheld, die uns gefällt. Sie antworten jedenfalls immer auf die vorab gestellte Frage nach Angst mit der Respekt-Platitüde. Und deshalb haben wir uns diese schon damals zu eigen gemacht, als wir im Frotee-Schlafanzug vor dem Fernseher saßen und unsere größte Angst war, dass die Chips ausgehen könnten, denn dann hätten wir in den Keller gehen müssen. Dort war es dunkel und kalt und dort war das Regal mit den Vorräten. Das Erstaunliche daran ist: Dieser Mechanismus ist unfassbar tauglich. Er wirkt vor schlimmen Prüfungen, unangenehmen Telefonaten und sogar bei schmerzhaften Arztbesuchen. Wir stellen uns dann immer einen Thomas Gottschalk vor, der sich neben uns stellt und besorgt fragte: „Stefan, haben Sie jetzt gar keine Angst?“ Die Souveränität, mit der ich dann ins imaginäre Mikrofon spreche, bringe ich im echten Leben natürlich nie auf. Aber das ist egal, weil ich vor jeder angstbringenden Situation ja einen eingebildeten Gottschalk neben mir habe, der meine Angst in Respekt tauscht. Darauf vertraue ich auch bei den Ängsten, die vermutlich alle Jungs teilen. Die haben übrigens genauso mit Verfall zu tun wie bei euch. Dass die Haare weniger werden oder unsere männliche Spannkraft nachlässt, ist zur Zeit natürlich unrealistischer als die Nominierung zum Friedensnobelpreis. Trotzdem wissen wir: Es gibt einige Fernfahrer und große Brüder, die davon betroffen sind, vielleicht kommt das also auch auf uns zu. Aber wie gesagt: Bis dahin wird uns sicher noch was Passendes einfallen. P.S.: Okay, damit hätte ich mich jetzt raus stehlen können, aber euch komme ich damit natürlich nicht davon. Deshalb hier die Antwort auf die Frage nach der Angst: Es ist eine, die keineswegs männlich geprägt ist und die euch genauso trifft wie uns. Es ist die Angst vor dem Tod. Nicht vor unserem eigenen. Wenn der tatsächlich kommen sollte (manchmal ziehen wir ja ernsthaft in Erwägung unsterblich zu werden), nehmen wir einfach unseren imaginären Thomas Gottschalk mit, der vor dem Himmelstor fragt: „Stefan, haben Sie jetzt gar keine Angst? “ Wir werden dann souverän an das Wort Respekt denken und durch die Tür gehen. Das wird schon. Es wird nur leider nicht, wenn jemand stirbt, der uns wichtig sind. Dann hilft kein Thomas Gottschalk und kein Respekt. Und das macht uns Angst.
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ist jetzt-Mitarbeiterin und hat diesen Beitrag verfasst.