21.12.2009 - 18:30 Uhr

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Sex and the Elternhaus

Text: penni-dreyer - Illustration: katharina-bitzl

Coming Home For Christmas: Darf man nach dem Auszug im Elternhaus noch Sex haben? Und wenn ja, muss man?

Anlässlich der kommenden hohen Feiertage machen sich ganze Karawanen junger Menschen quer durch die Republik auf, Weihnachten mit den Eltern im heimischen Reihenendhaus zu feiern. Wer nun schon länger in einer Beziehung weilt, die den Stempel „Ernsthaft und auf Dauer ausgerichtet“ trägt, der hat mitunter neben vielen schönen Geschenken für die Lieben daheim auch seinen Partner im Gepäck mit dabei. Die Weihnachtsfeiertage mit dem Partner zu verbringen, ist die offizielle Anerkennung der Tatsache, dass man vom Pärchen- in den Paarstatus übergewechselt ist und damit die Freiheit verloren hat, über die Feiertagsplanung, ach was: über das Leben selbst zu entscheiden. Das erledigen nun die beiden Familien-Stämme, die in zähen Telefonverhandlungen die Ferien der Kinder unter sich aufteilen. Aber Jammern hilft da nichts, da muss man durch.

Und wer sich nun schwer bepackt gemeinsam durch die Republik zu den eigenen oder den Partner-Eltern aufmacht, dem stellt sich eine ganz besonders delikate Frage: Darf man nach dem Auszug im Elternhaus noch Sex haben? Und wenn ja, muss man?

Als wir noch zu Hause wohnten und das schwarz-chrom-akzentuierte Jugendzimmer neben dem sehr unbequemen Kleinstwagen der einzig mögliche Sex-mach-Platz war, da waren wir noch um einiges unbefangener, als heute. Wir nahmen den Besuch an die Hand, eilten mit Stolz-geschwelltem Busen an den Eltern vorbei ins eigene Zimmer und kamen erst fünf Stunden später albern kichernd mit roten Bäckchen wieder raus. Was da in der Zwischenzeit passiert war, spiegelte sich nicht nur in unseren wüsten Bett-Frisuren wieder – und was unsere Eltern davon hielten, war uns eigentlich ziemlich egal. Und dann zogen wir in die erste eigene Wohnung und machten uns auf, unsere Sexualität in all ihren Facetten zu entdecken. Wild, zügellos, schamlos, fortschrittlich und sexuell ausgenommen befreit, wälzen wir uns durch unsere Wohnung und freuen uns, dass dem Menschen so ein schönes Hobby zur Verfügung steht.
Doch all unsere Fortschrittlichkeit und sexuelle Befreiung ist in der Sekunde vergessen, in der wir die weihnachtliche Schwelle des Elternhauses übertreten haben. Es ist nun mal nicht leicht, den Partner weiter als erotisches Wesen zu sehen, wenn der von der besorgten Mutter die Hüttenschuhe übergezogen bekommt und der Vater streng kuckt, weil man um 23 Uhr immer noch nicht im Bett liegt.

Selbst wenn wir nicht mit der Sorte Eltern geschlagen sind, die uns trotz Volljährigkeit und finanzieller Unabhängigkeit durch perfide im Voraus arrangierte Schlafgelegenheiten auch ohne Worte sehr deutlich mitteilen, dass wir, solange wir die Schuhe unter den Esstisch dieses ehrenwerten Hauses stecken, nicht in einem Bett mit unserem Partner schlafen dürfen; selbst wenn uns die Eltern ein wahres Liebesnest vorbereitet haben - so eine Nacht im alten Jugendzimmer reduziert unseren sexuellen Appetit auf ein Minimum und erinnert uns an das alte Stillhalteabkommen, das wir vor langer, langer Zeit mit unseren Eltern geschlossen hatten, das da lautet: „Wenn wir uns einreden dürfen, dass ihr nur zur Kindeszeugung Sex hattet, dann belästigen wir euch auch nicht mit unserer Sexualität.“ (Die Tatsache, dass wir den Vertrag während unserer Pubertät einseitig kündigten, lassen wir jetzt mal unter den Tisch fallen.)
Nicht, dass wir etwas gegen Abenteuer und geheimnisvollem Schwitzend-unter-der-Bettdecke-flüstern hätten. Nicht, dass wir vor lauter Oberflächlichkeit nicht über die Hüttenbeschuhten Füße unseres Partners hinwegsehen könnten. Nicht, dass wir wieder in die totale präpubertäre Verklemmungsfalle unserer Kindheit gerutscht wären. Nicht, dass wir nicht eigentlich wüssten, dass unsere Eltern mindestens ahnen, dass ihre Kinder auch sexuelle Wesen sind…

Aber am nächsten Morgen beim Kaffee in die feixenden Gesichter der hämischen Geschwister und der immer verständnisvollen Eltern zu schauen, sparen wir uns dann doch und demonstrieren lieber, dass wir inzwischen unsere Sexualität so weit im Griff haben, dass uns die paar Tage ohne auch nichts ausmachen...


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113 Kommentare

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stundenhotel
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Mag ich Mag ich nicht

0

21.12.2009 - 18:44 Uhr
stundenhotel

das gefällt mir. toller artikel.

cougarten
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Mag ich Mag ich nicht

1

21.12.2009 - 18:45 Uhr
cougarten

schönes Bild

tomatensosse
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Mag ich Mag ich nicht

32

21.12.2009 - 18:47 Uhr
tomatensosse

"muss man"??

Was is das denn für ne seltsame Frage...

medusa
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Mag ich Mag ich nicht

5

21.12.2009 - 18:49 Uhr
medusa

ach ja, ich erinnere mich: wir im zimmerchen im elternhaus meines exfreundes, das nur eine falttüre oder so was in der art hatte. er hielt mir die ganze zeit den mund zu...

matstef
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Mag ich Mag ich nicht

8

21.12.2009 - 18:56 Uhr
matstef

was für eine langweilige, komische, sonderbare artikelfrage!

das alles bleibt doch hoffentlich dem pärchen selbst überlassen!

hoffentlich sind die betreffenden eltern nicht so bieder wie die autorin des artikels....

oelfeld
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Mag ich Mag ich nicht

5

21.12.2009 - 18:59 Uhr
oelfeld

die autorin hat seltsame probleme...bleibt mir doch unbenommen, wo ich rumvöchel...

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Mag ich Mag ich nicht

0

21.12.2009 - 19:00 Uhr
oelfeld

aber einen stern gibts, für gute schreibe...

Cate81
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Mag ich Mag ich nicht

7

21.12.2009 - 19:09 Uhr
Cate81

"Darf man, wenn ja, muss man?"

Ach du Scheiße, wie krampfig. Na ja, vielleicht kann man das nur lustig finden, wenn man liiert ist....was weiß ich.

air_kaviar
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Mag ich Mag ich nicht

4

21.12.2009 - 19:35 Uhr
air_kaviar

haha, guter artikel. sex auf jetzt.de, da hagelts wieder rote daumen.

ThomasCrown
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Mag ich Mag ich nicht

4

21.12.2009 - 19:39 Uhr
ThomasCrown

kann man eigentlich auch artikel einer autorin ignorieren? so als gegenstück zum abonnieren? ich würde gerne penni dreyer (höhö, klimperklimper) auf die liste setzen.

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ist jetzt-Mitarbeiterin und hat diesen Beitrag verfasst.