17.12.2009 - 18:30 Uhr

1 18 Über Twitter weiterempfehlen

Überlebensstrategien für die Weihnachtsfeier

Text: philipp-mattheis - Illustration: Lucille Mietling

Dass Weihnachtsfeiern Spaß machen, ist ein Gerücht. Nirgendwo lauern mehr Gefahren als zwischen Glühwein, Weihnachtsmütze und Dankesrede. Ein Survival Guide in drei Kapiteln

Kapitel 1: Die Personen Der Praktikant Er macht sich am meisten Gedanken im Vorfeld der Weihnachtsfeier. Und er stellt die richtigen Fragen: Wie viel werden die anderen trinken? Wie viel kann ich trinken? Sein Dilemma: Um 22 Uhr hat sich die Anspannung gelöst. Er sieht den Chef beim dritten Bier und erliegt der Illusion: Ist doch total locker der Laden. Geht der Praktikant jetzt nicht nach Hause, fragen sich die Kollegen am nächsten Morgen: Wer hat eigentlich das Pissoir voll gekotzt? Größte Gefahr: Kurz vor dem Kotzen dem Chef mal sagen, was in dem Laden alles anders gemacht werden müsste.
Der Chef Hierarchien zeigen sich am deutlichsten, wenn es ums Saufen geht. Von einem Chef wird auch im volltrunkenen Zustand Führungsstärke erwartet. Wenn ein Chef nicht saufen kann, bleibt ihm noch der elegante Ausweg: Nach dem dritten Bier nach Hause gehen. Vielleicht vorher nochmals kurz ins Büro, um etwas zu erledigen. Größte Gefahr: Kotzen. Oder mit Tränen in den Augen immer wieder zu sagen: "Ihr seid so tolle Mitarbeiter, ich liebe euch alle." Der Affe, sich zu selbigen machen Die Metamorphose zum Affen findet fast ausschließlich unter starken Alkoholeinfluss statt. Dafür gibt es mehrere Möglichkeiten: - sich übergeben - mehr als einmal Limbo tanzen - zu laut lästern - einen Sockenlauf* mit einer Weihnachtsmannmütze veranstalten Größte Gefahr: sich zu sehr über den Affen lustig zu machen. Die Weihnachtsfeier braucht den Affen wie der Anwalt den Straftäter. Vor allem der neue Mitarbeiter neigt dazu. Der neue Mitarbeiter Er hat ähnliche Probleme wie der Praktikant. Im Unterschied zum ihm ist er aber nicht in einer Woche wieder weg, sondern muss seine eigenen Peinlichkeiten unter um Umständen ein halbes Jahr ausbaden. Größte Gefahr: Limbo tanzen. Auch nicht gut: Gleich am ersten Abend was mit einer der Damen aus der Buchhaltung/Empfang/Sekretariat anfangen. Sockenlauf* sowieso. Die Damen aus der Buchhaltung/Empfang/Sekretariat Sie treten fast immer in Gruppen in Erscheinung und genießen eine gewissen Form von Narrenfreiheit, da sie parallel zur Betriebshierarchie stehen. Sie können die Weihnachtsfeier am besten genießen, in ihrer Ecke wird immer gelacht. Sie sind es, die den Limbotänzer beklatschen. Größte Gefahr: Sich 20 Jahre jünger fühlen, mal für einen Moment Kind, Mann und Haustier vergessen und mit dem süßen Praktikanten rumknutschen. Der alte Mitarbeiter Er hat alles schon gesehen und erlebt. Nach der 13. Weihnachtsfeier erschüttert ihn nichts mehr. Deswegen gefällt er sich am besten in der Rolle des elder statesman und krallt sich Neue Mitarbeiter und Praktikanten, und sagt typische Sätze wie „Über den Laden könnt’ ich Dir Geschichten erzählen…“ Größte Gefahr: Die eigene langjährige Betriebserfahrung in Attraktivität umdeuten und die Praktikantin angraben. Der Kronprinz Er schwebt im Nimbus zwischen Selbstkontrolle und Mitarbeitersolidarität. Er darf, soll sogar noch kumpeln, aber nicht zu sehr. Größte Gefahr: Mit Tränen in den Augen den anderen Mitarbeitern gestehen: "Ich liebe unseren Chef!"
Weiter Seite 1 2 3 4


Neue Magazin-Texte:

Mehr Texte von jetzt.de liest Du jeden Montag in der Süddeutschen Zeitung - außerdem dienstags im Lokalteil der SZ. Du kannst die SZ zwei Wochen kostenlos testen - du musst nicht einmal kündigen!

Textoptionen
Mehr Texte von
philipp-mattheis
Mehr Texte zum Label
jetzt-classics
Text Freunden empfehlen Text drucken Text melden
Der Text gefällt Dir?
Lesenswertpunkt schenken
Fehler gefunden?
Report an Error
Hier bei jetzt.de anmelden,
Texte schreiben und kommentieren.
Kommentar

speichern

Jetzt-Mitglied

philipp-mattheis unbekannt

philipp-mattheis

ist jetzt-Mitarbeiter und hat diesen Beitrag verfasst.