16.12.2009 - 18:30 Uhr

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Kopenhagen-Interviews: Marcus arbeitet im Emissionshandel

Text: anke-luebbert

In Kopenhagen wird zurzeit nicht weniger als die Zukunft unseres Planeten verhandelt: Der Klimagipfel geht in die entscheidende Runde und für jetzt.de spricht Anke Lübbert die ganze Woche mit Menschen, die dort aktiv sind. Teil 3: Marcus Ferdinand, Experte für Emissionszertifikate

Beleuchtete Weihnachtsbäume hängen in den Terminals am Kopenhagener Flughafen. Marcus Ferdinand ist 26 Jahre alt und CO2-Analyst. Eine Woche lang hat er für E.ON den Verlauf der Konferenz beobachtet. Nun ist er auf dem Weg nach Hause.
jetzt.de: Wohin geht ihr Flug? Marcus: Nach Düsseldorf. Haben Sie bei atmosfair das auf ihrem Flug entstandene CO2 neutralisiert? Privat würde ich das ja machen ... Und beruflich handeln Sie mit Emissionszertifikaten? Nein, ich beobachte den CO2-Markt und die politischen Entwicklungen und unterstütze unsere Händler dadurch bei ihren Handelsentscheidungen. Was ist der CO2-Markt? Die Grundlage für den europäischen CO2-Markt ist die politische Entscheidung der EU, Unternehmen eine bestimmte Menge an CO2-Ausstoß zuzubilligen. Für alles, was darüber hinaus geht, müssen sie Zertifikate kaufen, die an Börsen gehandelt werden. Einige Experten vertreten die Meinung, dass der CO2-Zertifikatemarkt in Zukunft einer der wichtigsten Energiemärkte überhaupt werden könnte. Was machen Sie, um Handelsentscheidungen treffen zu können? Ich verfolge die Entwicklungen um den europäischen Emissionsmarkt. Dazu beobachte ich Nachrichtenticker, politische Entwicklungen und erstelle Berechnungen zu den einzelnen Marktparametern. Ganz wichtig sind natürlich auch politische Kontakte. Sind Sie wegen Ihrer Kontakte nach Kopenhagen gekommen? Das war ein Grund. Außerdem wollte ich mitbekommen, wie die allgemeine Stimmung ist. Für mein Unternehmen ist interessant, ob die EU ihr Emissions-Minderungsziel von 20 Prozent auf 30 Prozent erhöht. Wenn es ein ambitioniertes Kyoto-Folgeabkommen gibt, hat die EU angekündigt, auf 30 Prozent zu erhöhen, was sich auf den europäischen Emissionshandel auswirken würde. Mal angenommen, Barack Obama hätte im Vorfeld des Gipfels bekannt gegeben, dass die USA ihren CO2-Ausstoß bis 2020 um 60 Prozent reduzieren ... Das ist natürlich nicht sehr realistisch. Wenn wir das Szenario dennoch hypothetisch durchspielen, dann hätte ein solches Statement unter Umständen zu einem Anstieg der CO2-Zertifikatepreise geführt. Warum? Weil es die Option auf ein stabiles und verbindliches Abkommen erhöht hätte – und demnach die Bereitschaft der EU, ein 30 Prozent-Ziel anzunehmen. „No-Offsetting“, kein Emissionshandel, ist eine Forderung vieler Beobachter der Konferenz. Finden Sie Emissionshandel hilfreich für den Klimaschutz? Da muss man zunächst unterscheiden zwischen Emissionshandel und Offsetting. Mit „Offsetting“ ist der Einkauf von Zertifikaten gemeint, die aus Projekten in Entwicklungsländern stammen. Das führt dazu, dass ein Finanztransfer in diese Länder stattfindet, europäische Unternehmen Zertifikate bekommen und diese für ihre Zielerfüllung nutzen können. Ich finde, das ist ein guter Ansatz. Schließlich ist es egal, wo auf der Welt Emissionen vermieden werden. „Emissionshandel“ bezeichnet den Handel mit Emissionszertifikaten, egal welcher Herkunft. Wichtig ist: Wenn die Preise für Zertifikate im europäischen Emissionshandel ein gewisses Level erreichen, investieren Unternehmen automatisch in Vermeidungstechnologien, weil es sich betriebswirtschaftlich lohnt. Und das führt dann zu dauerhaften Emissionsreduktionen. ***
Mehr zum Klimagipfel auf sueddeutsche.de und im jetzt.de-Label Kopenhagen.


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BananenBill
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Mag ich Mag ich nicht

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16.12.2009 - 19:35 Uhr
BananenBill

Sprachen:
Deutsch (Muttersprache), Englisch (Fließend), Spanisch (Fließend), Französisch (Grundkenntnisse), Italienisch (Grundkenntnisse), Griechisch (Grundkenntnisse), Dänisch (Grundkenntnisse)

Nicht schlecht Herr Ferdinand.

Chriperon
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Mag ich Mag ich nicht

1

16.12.2009 - 19:47 Uhr
Chriperon

Auch nach diesem Interview erschließt sich mir immer noch nicht, wie Emissionshandel der Umwelt helfen soll?!

Charlotte94
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Mag ich Mag ich nicht

6

16.12.2009 - 21:19 Uhr
Charlotte94

Kurzform :

Emissionshandel bedeutet, für das Recht, Dreck in die Luft zu pusten, sogenannte Zertifikate zu kaufen.

Wenn Dreck-machen Geld kostet, ist es für Unternehmen betriebswirtschaftlich interessant, Dreck-machen zu vermeiden, also zum Beispiel einmal nen teuren Filter kaufen statt jedes mal die Berechtigung zu kaufen, Dreck in die Luft zu pumpen.

Und wenn das Unternehmen es ganz geschickt anstellt, und noch tollere Filter kauft, kann es die Zertifikate, die ihm noch zustehen würden, am Markt (da kommt der Mensch oben ins Spiel) verkaufen und hat somit noch mehr Anreiz, Verschmutzung zu vermeiden.

Und da die EU nur eine bestimmte Menge Zertifikate ausgibt, werden diese teurer, je weniger es davon noch gibt, und der Anreiz steigt noch mehr (außerdem reduziert die EU jedes Jahr die Menge der Zertifikate wodurch sie schon von alleine teurer werden).

Eigentlich vom Prinzip eine tolle Sache, denn die Sache mit dem Geld kapieren die meisten Unternehmen endlich mal !

alces
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Mag ich Mag ich nicht

5

16.12.2009 - 22:38 Uhr
alces

Dritte Frage: "Und beruflich handeln Sie mit Emissionszertifikaten."
Antwort: "Nein,..."
Überschrift des Artikels: "Marcus handelt mit Emmisonszertifikaten für CO2"

Ihr wollt doch Journalisten werden, wenn ihr mal groß seid, oder?

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Mag ich Mag ich nicht

0

16.12.2009 - 22:40 Uhr
alces

Charlotte94 schrieb:
eine gute, knackige Zusammenfassung dessen, worum es eigentlich geht.


Jetzt.de ist halt user-generated content, ne?

JoergAuch
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Mag ich Mag ich nicht

0

16.12.2009 - 23:05 Uhr
JoergAuch

alces sagte:
Dritte Frage: "Und beruflich handeln Sie mit Emissionszertifikaten."
Antwort: "Nein,..."
Überschrift des Artikels: "Marcus handelt mit Emmisonszertifikaten für CO2"

Ihr wollt doch Journalisten werden, wenn ihr mal groß seid, oder?

Da er die Politik seiner Firma auf dem Gebiet mit steuert, könnte man ihn doch als Emissionar bezeichnen.

Wobei, das sind ja eigentlich eher die EU-Politiker, die den Emissionshandel beschlossen haben.

MorbusBahlsen
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Mag ich Mag ich nicht

0

16.12.2009 - 23:10 Uhr
MorbusBahlsen

Charlotte94 sagte:
Eigentlich vom Prinzip eine tolle Sache, denn die Sache mit dem Geld kapieren die meisten Unternehmen endlich mal !

Wenn da nicht wäre, dass auch die Politik von gut laufenden und umsatzstarken Unternehmen, die durch viel Dreck-in-die-Luft-Pumpen ihr Geld machen so ein klitzekleines klitzebisschen beeinflussbar ist. Denn die Politik muss, naja wenigstens sollte, an alle Bürger denken. Eine Welt ohne jegliche Produktion wäre Ausstoß-neutral (es ist ja bei weitem nicht nur CO2 allein), aber halt auch... ganz schnell tot, und das nicht nur wirtschaftlich.

DagnyTaggart
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Mag ich Mag ich nicht

2

17.12.2009 - 09:26 Uhr
DagnyTaggart

Ob diese Zertifikate mal wie asset backed securieties verbrieft und an alte Omas verkauft werden?

BananenBill
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Mag ich Mag ich nicht

0

17.12.2009 - 13:05 Uhr
BananenBill

DagnyTaggart sagte:
Ob diese Zertifikate mal wie asset backed securieties verbrieft und an alte Omas verkauft werden?

Lach nicht, passiert bereits. Siehe
http://carta.info/20029/klima-default-sw...
http://carta.info/19784/sinn-klimapoliti...

Charlotte94 sagte:
Eigentlich vom Prinzip eine tolle Sache, denn die Sache mit dem Geld kapieren die meisten Unternehmen endlich mal !


Theoretisch richtig unter 3 Bedingungen:
1. Der Handel wird global so aufgekauft, dass er von bestehenden Limits ausgeht und nicht von zukünftigen. Sonst wäre die Folge, dass die Entwicklungsländer alle ihre Zertifikate verkaufen können (da sie eh keine brauchen), dafür zwar Geld bekommen, aber die Emissionen global NICHT verringert werden.
2. Alle Branchen mit einbezogen werden. Chemie bspw. ist noch nicht mit drin. Auch Viehzucht afaik nicht - und die macht 50% aller Emissionen weltweit aus.
3. Die Dinger nicht verbrieft werden können, siehe oben.



Zusätzlich fehlt dann immer noch die Berücksichtigung weiterer Allemende, die kostenlos verbraucht wird: (Virtuelles) Wasser, Boden, Meeresflora und -fauna. Aber Emissionen wären immerhin schon mal was.

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Mag ich Mag ich nicht

0

17.12.2009 - 13:07 Uhr
BananenBill

aufgekauft... sry, sollte aufgebaut heißen. Und Allemende = Allmende.


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anke-luebbert offline

anke-luebbert

ist jetzt-Mitarbeiterin und hat diesen Beitrag verfasst.