10.12.2009 - 18:30 Uhr

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Henryk M. Broder trifft Maxim Biller

Text: jetzt-redaktion

Sie sind die zwei streitlustigsten Juden Deutschlands, sonst verbindet sie herzlich wenig: Henryk M. Broder und Maxim Biller über biografische Heimatlosigkeit, deutsche Verantwortung – und die entscheidende Frage, wer der bessere Selbstdarsteller ist.

Von Evelyn Roll und Tobias Haberl (Interview) Alfred Steffen (Fotos)
SZ-Magazin: Herr Broder, Herr Biller, als wir zum Interview gebeten haben, haben Sie beide sofort zugesagt. Dabei wussten Sie gar nicht, worüber wir mit Ihnen reden möchten. Machen Sie das immer so? Hauptsache, im Gespräch bleiben? Henryk M. Broder: Ja, klar. Mir ist alles recht. Seit zwanzig Jahren wünsche ich mir ein Gespräch mit Maxim Biller. Maxim Biller: Ist doch verständlich, dass Sie uns beide zusammenbringen, Sie würden ja auch Walter Matthau und Jack Lemmon interviewen … Broder: …wie wäre es mit Albert Einstein und Sigmund Freud? Maxim, du bist unbescheiden. Warum ist das Gespräch nie zustande gekommen? Broder: Weil keiner die Idee hatte. Dabei liegt sie so nahe. Ersatzweise wäre ich aber auch mit Teresa Orlowski als Gesprächspartnerin einverstanden gewesen. Biller: Typisch. Dich interessieren nur Juden und Sex. Entschuldigung, Juden und Pornografie … … und der Zentralrat. Herr Biller, was haben Sie gedacht, als Sie von Herrn Broders Bewerbung für das Präsidentenamt des Zentralrats der Juden gehört haben? Biller: Gar nichts, ehrlich. Broder: Und dafür bin ich dir sehr dankbar. Du bist der Einzige, der sich nicht dazu geäußert hat. Die Wahrheit ist, ich hätte dieses Amt nie angetreten. So was passt nicht zu mir, allein die Verantwortung. Beim Spiegel habe ich nicht mal einen Schreibtisch, weil ich gern aufstehe, wenn die Kollegen schon zwei Konferenzen hinter sich haben. Und als Präsident des Zentralrats könnte ich nicht mal in eine Ecke pinkeln, wenn ich aus der Kneipe komme. Trotzdem haben Sie in Interviews darum gebeten, ernst genommen zu werden. Warum das ganze Theater? Broder: Die Idee gefiel mir eben. Sie kam mir auf einer langen Autobahnfahrt von Augsburg nach Amsterdam. Ich lebe sehr kurzfristig, jeden Tag werden die Karten neu gemischt. Es gibt ein jüdisches Sprichwort, das ich in solchen Situationen gern zitiere: Wissen Sie, wie man Gott zum Lachen bringen kann? Machen Sie einen Plan! Man könnte sagen: I talked myself into it. Irgendwann glaubte ich mir fast selbst. Und wissen Sie, was mich überrascht hat? Wie viele Leute mich ernst genommen haben, alle außer zweien: meine Frau und der Chefredakteur des Spiegel. Der sagte: »Broder, passen Sie auf, die Sache könnte Flügel bekommen!« Hat sie ja dann auch. Herr Biller, können wir Sie doch noch zu einem Kommentar bewegen? Biller: Der Zentralrat wird sich gedacht haben: Gott sei Dank, jetzt müssen wir keine kritischen Texte von Broder mehr lesen, weil der sich nur noch um russische Juden in Deutschland kümmern muss. Auf jeden Fall ist es lächerlich, wie ernst die deutsche Gesellschaft so was nimmt. Ich habe vor zwei Jahren einen Artikel über den deutschen Sommer 2006 geschrieben, das Jahr der Fußball-WM. Ich beschrieb, wie dieser Patriotismus für mich auch bittere Momente enthält, und schloss mit der Pointe: »Euer Getue geht mir so auf die Nerven, da gehe ich doch lieber in das Land, wo die Busse explodieren.« Das war satirisch gemeint. Drei Tage später war in der SZ eine Meldung über drei Spalten. Broder: Die hieß: Geschafft! Maxim Biller geht! Biller: Genau: Maxim Biller zieht nach Israel. Dabei hatte ich doch nur einen Witz gemacht, klar hatte der einen ernsten Kern, aber dass so was gemeldet wird – dreispaltig, deutschlandweit … Broder: Gib doch zu, es hat dir geschmeichelt. Bei einem Einspalter wärst du gekränkt gewesen. Biller: Henryk, du projizierst! Ich dachte, Menschen, die projizieren, lebten nur im letzten Jahrhundert. Was haben Sie denn nun gedacht, als Henryk Broder Chef des Zentralrats werden wollte? Biller: Nichts, ehrlich, mich interessiert das Schicksal des Zentralrats genauso wenig wie das von CDU und SPD. Das ist Vereinsmeierei. Das ist mir zu klein. Hier geht's weiter mit dem Interview.


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nordzucker
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11.12.2009 - 15:09 Uhr
nordzucker

ich meine das ernsthaft- ich kenne sie nicht- sie scheinen aber sehr bekannt zu sein.
hab mich da aber jetzt schlau gemacht: ich lese nicht die spiegel bestsellerliste und suche nur bedingt polemische Kolumnen und weiss soweiso immer nie welcher journalist was in der zeitung schreibt. das wird der grund sein.
hatte jetzt vermutet, da waer eine bestimmte sache, die sie bekannt gemacht haben.

mus
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Mag ich Mag ich nicht

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11.12.2009 - 16:02 Uhr
mus

nordzucker sagte:
ich meine das ernsthaft- ich kenne sie nicht- sie scheinen aber sehr bekannt zu sein.


Ihr Bekanntheitsgrad dürfte unter 10% liegen bezogen auf die Gesamtbevölkerung, bezogen auf jetzt.de sieht das eben anders aus. Hier sinds vielleicht 11 %
Trotzdem. Generell: wenn man Dieter Bohlen kennt, aber weder den Namen Biller noch Broder jemals gehört hat, läuft irgendwas falsch.


nordzucker sagte:
hatte jetzt vermutet, da waer eine bestimmte sache, die sie bekannt gemacht haben.

Es sind eher zwei bestimmte Sachen die sie bekannt gemacht haben in letzter Zeit. Also sich selbst, gegenseitig.

kaysat
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11.12.2009 - 17:48 Uhr
kaysat

O-Ton Broder:
"Wenn also [...] Ahmadinedschad Israel angreifen sollte, wäre das für die Europäer aus zwei Gründen sehr erfreulich: Erstens würde der vorletzte Holocaust im Dunst des letzten verschwinden, zweitens könnten sie das nachholen, was sie '33 bis '45 versäumt haben: sich mit den Juden zu solidarisieren."

Juden, die Kritik an Israel üben, sind dann schon mal "Rentner, Dummköpfe, Selbsthasser und Bruchpiloten" und ganz allgemein die "nützlichen Idioten des schlechten Gewissens der guten Deutschen".

Aporia
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11.12.2009 - 19:59 Uhr
Aporia

DearMrSupercomputer sagte:
Es gibt ja noch Oliver Polak aus dem Emsland, aber naja. Auszug aus dem Text zu seinem Buch: "Oliver Polak erklärt, was er mit dem Papst und Alf gemeinsam hat, warum der Papenburger der Lachs unter den Emsländern ist, und ärgert sich, dass Hitler ausgerechnet nach Osnabrück keine Autobahn gebaut hat. Manchmal geht er dabei ein bisschen zu weit. Aber: Er darf das - er ist Jude!"

Oliver Polak ist großartig! Ich finde, sein Buch steht auf einer Höhe mit »Fleisch ist mein Gemüse«. Jedenfalls hat es mich köstlich amüsiert.

huashito
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12.12.2009 - 13:11 Uhr
huashito

Broder fand ich auch mal sehr gut. Dieses Jahr hat er ein paar mal völligen Blödsinn geschrieben und seitdem kann ich nichts mehr so richtig von ihm leiden. Ein lustiger Typ ist er aber schon, ich würd gerne mal ein Bier mit ihm trinken.

Früher fand ich aber auch mal Matussek gut bis ich dieses unerträgliche Deutschlandbuch gelesen hab. Seitdem kann ich die Fresse auch nicht mehr sehn.

Mensch muss wirklich aufpassen, was er liest, manche Entgleisungen führen dazu, dass der Autor auf immer und ewig diskreditiert wird.

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